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WichternerZeitun g

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

?&» Nr «s__Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat"._____________Telefon Nr. es.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum W Pfg,

M 79.

Samstag, den 1. Oktober 1910 ^=^-^^^

Fortwährend

werden Bestellttngen auf die Schlüchteruer Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchteraer IllOUl Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Crntedank.

Es preist den Geber guter Gaben Der Erde Grün, des Himmels Mau Er gab uns alles, was wir haben, Schafft Speise selbst den jungen Raben Und jedem Halm sein Tröpflein Tau.

Sein Name rauscht im Meer der Aehren,

Er will, was seinen Kindern not,

Mit Vaterhänden treu gewähren Und trocknen banger Sorge Zähren Und bringt uns aus der Erde Brot.

Die Lerche singt von seiner Güte,

Von ihr der Kreaturen Schar;

Es glänzt sein Lob aus jeder Blüte;

Auch du mit liebendem Gemüte

Bring ihm des Dankes Psalter dar!

Am Himmel prangt sein Friedensbogen, In Wettergrau und Glanz gefaßt.

O Herr, dein Wort hat nie betrogen, Du hast die Hand nicht abgezogen Und hältst, was du verheißen hast.

Daß alle Herzen froh sich regen, Du bist es, der es liebend schafft. Der Sehnsucht Blick schaut dir entgegen, So gib uns hier und dort den Segen, Dein ist das Reich, dein ist die Kraft-

Paul Kaiser.

Erntefest.

! Wieder klingen die Erntefestglocken über das Land. Abermals haben die Saaten gerauscht im Morgen» winde, haben sich die Aehren gelb gefärbt und vom

Segen der Arbeit.

Roman von Klara Hellmuth. 1

(Nachdruck nicht gestattet.)

DerHerbst war ins Land gekommen. Noch trat er frei­lich nicht in der Rolle des mürrischen Griesgrams auf, der, gefolgtvon Sturmesbrausen und Regenschauern durch die Welt saust, um mit unsanfter Hand den Sommer­schmuck von Wald und Flur zu reißen. Er zeigt sich einst­weilen nur als liebenswürdiger Maler, der mit sicherem Pinsel und feinstem Kunstsinn leuchtendeFarben vonwun- derbarem Glanz und tiefer Wirkung hervorzaubert. Um Busch und Baum zog er seine glänzenden Fäden, silber­weiß wie die feinen Wölkchen am Himmel, unter dem das Heer der Kraniche krähend dahin zog. Die klugen Gesellen trauten dem Maler nicht, sie kannten ihn als einen Herrn von wechselnden Launen.

Durch das schon gelichtete Blätterdach des Herbstwal­des fielen die Sonnenstrahlen zitternd auf das bronze- farbene Laub, das hier und da den Boden schon in ziem­lich dichter Schicht bedeckte und raschelnd jeden noch so vorsichtigen Schritt schon von weither verriet. Die Büchse umgehängt, kam der Förster aus seinem Revier zurück. Der Rundgang war beendet und keine Pflicht hinderte ihn mehr an der Heimkehr. Dennoch blieb er an einer Gabelung des Weges unschlüssig stehen. Sollte man links abschwenken zur Försterei, deren spitzes Dach sich schon drüben zeigte, sollte man nach rechts weitergehen ? Hm!

Der braune Dackel, der ein paar Schritte hinter sei­nem Herrn zurückgeblieben war, kam jetzt eilfertig auf krummen Beinchen herangejagt, als müsse er, ein zielbe­wußter Dackel, der Unentschiedenheit ein Ende machen. Er warf einen verständnisvollen Blick auf seinen Gebie­ter und nahm dann ohne Zögern die Richtung nach rechts.

Der junge Mann lächelte.

Na, wenn Du meinst, Waldine, so gehen wir," sagte er vor sich hin.Du weißt schon, wo es aut fein ist."

Korn beschwert zur Erde geneigt, abermals haben die Sensen geklungen und den Erntesegen gemäht, der ein« gebracht wurde in die Scheunen, nur die Früchte, die unter dem Boden wachsen und reifen, harren noch der Hacke.

Das Erntefest ist zunächst ein Fest des Gedenkens. Vor den Augen der Seele, die sinnend zurückschauen, ziehen die trüben und sonnigen Tage noch einmal vor­über, die nun hinter uns liegen. Welch eine Fülle von Hoffen und Harren, von Bangen und Beben, von Sorgen und Segen umschließt nicht das Erntejahr, das jetzt zur Rüste geht! Wie oft hat der arbeits- müde Mann geseufzt unter der Last des langen Tage- Werks! Wie oft hat sein banges Auge die Sonne gesucht, die den Segen spenden sollte, oder die Wolke, die mit lindem Regen die Saat erquicken mußte! Wie oft glitt sein Blick bangend und wünschend über den Saatenteppich und über das wallende Aerenmeer! Und wie hat er dann freudig gedankt, als die gegilbten Halme reichlich Frucht zu tragen schienen, als die Scheuern sich füllten, und als mit sinnigem Ernte­kränze getchmückt der letzte Wagen zum Hofe und zur Tenne fuhr! Es war kein überreiches, aber doch ein gutes Jahr. Zwar sind die zum Teil hochgespannten Hoffnungen nicht ganz und nicht sämtlich erfüllt worden, aber was das Jahr bot und brächte, läßt das Gedenken zum Danken werden.

So wollen wir denn am Erntefeste dem Herrn der Heerscharen danken, der uns die Ernte behütet hat. der unser Hab und Gut erhalten und unserm Lande Frieden gegeben hat! Ohne Gott sind wir nichts, ohne ihn ist all unser Werk nichtig, unsere Kunst um­sonst. Mögen wir uns mühen vom dämmernden Morgen bis zum Abenddunkel, mögen wir uns faum eine Feierstunde und keinen Feiertag gönnen, mögen wir die Furchen noch so tief ziehen und den Samen noch so sorglich streuen, mögen wir dem Lande mit aller Ueberlegung noch so reichlich und noch so sorglich das zuführen, was es bedarf, um die Halme stark um die Aehren voll zu machen: es nützt nichts, wenn die Sonne von oben nicht das Leben in den Keimen weckt, wenn der Regen nicht die werdende Saat befruchtet, wenn der Wind nicht weht zu seiner Zeit, und wenn den drohenden Wettern nicht gewehrt wird. Ob wir mit unsern Ge­danken noch so hoch hinausstreben, ob wir noch so tief in die Schächte der Forschung hineingraben, ob wir uns noch so sehr einspinnen in das Netz der Sor­gen : der da oben vermag allein unser Werk zu krönen,

Der Wald fing an, sich zu lichten. Die großen Eichen und Buchen machten allerhand geringerem Nachwuchs Platz. Dann folgte eine Tannenpflanzung, durch deren hohle, kahle Stämme man die Dächer eines Dorfes er­blicken konnte, das in einer Bodensenkung sich um eine spitztürmige, kleine Kirche drängte. Aus den Schornstei­nen stieg der Rauch senkrecht in die klare Herbstluft. Es war um die Zeit des Nachmittagskaffees.

Eigentlich ist es wohlnochzusrühfür uns, Waldine, was?" aber der Dackel hatte es womöglich noch eiliger als sein Herr, und trabte, daß ihm die glänzenden Ohren nur so um den Kopf flogen.

Auf den Feldern rechts und links vom Wege war die Kartoffelernte im Gange. In Reihen hockten diebud­delnden" Frauen am Boden, und stramm gefüllte Säcke sprachen von ergiebiger Ernte. Zwischendurch liefen grö­ßere Kinder, sammelten die vergessenen Kartoffeln, und trieben allerlei Mutwillen, während am Rande des Fel­des eine kleine Burg von Kinderwagen zusammengescho­ben war, in denen die jüngsten Sprößlinge der Fami­lien sich je nach Lust und Laune die Zeit schlafend oder schreiend vertrieben.

Eine zitterige Alte hatte bereits Feierabend gemacht. Oberflächlich unterstützt durch ein junges, etwas schlam­pig aussehendes Mädchen, schob sie ihre schwere Karre mühsam daher.

Der Förster blieb stehen.

Guten Abend, MutterPeppner, wie gehts?" sagte er.

Ach Gott, wie soll es gehen. Schwach und krüppelig. Die altenBeinewollen mich nichtniehr tragen. Jsschlimm, wenn der Mensch alt wird. Dann ist er zu nix mehr nütz. Na, das beste is, ich bin bald lang mit der Welt," sagte sie resigniert,und im Grab haben die alten Knochen genug Ruh. Ich wär auch schon lang unter der Erd, wenn das Fräulein vom Hof sich nicht so schön um mich ge­kümmert hätt'."

Ein interessanter Ausdruck trat in das offene, ange­

61. Jahrgang.

unsere Sorgen zu bannen, unserm Tun und Schaffen das Gedeihen zu geben.Danket dem Herrn; denn er ist freundlich!" ist darum die Mahnung der Erntefestglocken.

Aber das Erntefest ist nicht bloß ein Fest für den Landmann; auch an den Städter richten die Glocken des Erntefestes ihre mahnende Stimme. Der Klein­städter draußen weiß, daß auch sein wirtschaftliches Geschick, wenn auch nicht allein, so doch mit von der Ernte abhängt. Bauer und Kleinbürger sind aufein­ander angewiesen. Wenn in der Scheuer des Land­mannes die Garben karg sind, wenn das Korn nicht schüttet, dann bleibt auch der Kasten des Handwerkers und des Kleinkaufmannes in der Stadt leer. Das gilt aber nicht nur für den Kleinstädter, sondern auch für den Großstadtmenschen. Muß er sich nicht auch freuen, wenn Gott des Landmanns Arbeit gesegnet hat und er billiges Brot essen kann? Klagt er nicht, wenn Gottes Segen gefehlt hat und das Brot teurer ge­worden ist? So erntet der Städter ja mit, darum soll er auch mit danken. Deshalb klingen nicht nur auf dem Lande die Festglocken dankend zum Herbst­himmel empor, sondern auch in den Städten; deshalb erschallen die köstlichen Erntedanklieder nicht nur im schlich­ten Dorfkirchlein, sondern auch in den stolzen Gottes­häusern der Großstadt; deshalb muß für jeden auf dem Lande wie in der Stadt das Erntefest ein Ernte­dankfest sein, an dem er mit einstimmt in den Lob­gesang:

Danket dem Schöpfer und preist den Erhalter, Dessen Barmherzigkeit immer noch neu, Rühret die Harfe und spielet den Psalter, Schmecket und sehet, wie freundlich er feil

Ziert die Altäre, Bringt ihm zur Ehre Liebliche Opfer des Lobes herbei!

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat die Gewährung eines landes­herrlichen Patengeschenkes für sieben lebende Söhne auch im Falle nicht vorhandener Bedürftigkeit genehmigt, sofern Gesuche um Uebernahme der Patenschaft gestellt werden.

Prinz Adalbert von Preußen soll nach dem Daily Mail" die Absicht haben, zu Anfang des Jahres 1911 mit dem Panzerkreuzervon der Tann" eine längere Reise nach den südamerikanischen Häfen zu unternehmen. Das ist nun freilich eine sehr unzu­verlässige Quelle.

nehme Gesicht des jungen Mannes. Er kam unwillkür­lich einen Schritt näher.

So, so," sagte er,was hat das Fräulein denn für Sie getan?"

O viel, Herr Busch. Beinah jeden Tag ist sie gekom­men, wie ich krank war und hat nach mir gesehen, denn auf die Jette ist kein Verlaß. Medizin hat sie mir ge­bracht, uno Suppen .. so schöne sag' ich Ihnen. Auch Braten manchmal." Die Alte leckte sich noch bei der Er­innerung die Lippen.

Und so nett reden kann sie mit unsereins. Ich bin sonst nicht allzu sehr für die Äornehmen. Sie mögen ja wohl ganz gut sein, aber sie passen nicht zu uns, und wir passen nicht zu ihnen, aber Fräulein Erna is 'n En­gel .. wahrhaftig. . allens was recht is."

Schöner Engel," lachte das Mädchen vor der Karre gehässig.Gestohlen kann sie mir werden."

Willst Du schweigen, nichtsnutziges Balg," rief die Alte erbost.Die Dirn ist wirklich eine Strafe von un­serem Herrgott für mich," fuhr sie, zu dem jungen För­ster gewandt, fort.Nichts als Aerger hat man von ihr, und stätsch und aufsässig ist sie wie ein Gaul."

Was muß ich hören, Jette," sagte Busch.Geben Sie Ihrer Großmutter so viel Anlaß zur Klage ? Sie solltensich das Fräulein vom Hofe zum Vorbild nehmen."

Trotz seines gesetzten, ermahnenden Tones konnte er nicht hindern, daß ihm bei den letzten Worten eine leichte Röte ins Gesicht stieg.

Das Mädchen warf den Kopf auf.Die? Warum nicht gar," sagte sie verächtlich.Hab noch ein Hühnchen zu pflücken mit der feinen Mamsell. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."

Nee, is das 'ne gottlose Dirn," rief die Alte.An keinem Menschen kann sie ein gutes Haar lassen. Das is so ihre Art, das hat sie von Mutterwegen. Hören Sie man bloß nicht danach hin, Herr Förster." 179,18