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SchWernerMung

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr «s______________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".______________Telefon Nr. «».

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 75. Samstag, den 17. September 1910 61. Jahrgang

Bekanntmachung

Einstellung in das Heer I

Alle Rekruten und Freiwilligen, welche diesen Herbst zur Einstellung gelangen, können ihre Gestellungsbefehle vom 16. ds. Mts. ab bei den Bürgermeisterämtern gegen Abgabe der Rekruten-Urlaubspässe bezw. Annahme­scheine in Empfang nehmen.

Diejenigen Rekruten, ivelche keine Gestellungsbefehle erhalten, gelangen voraussichtlich dieses Jahr nicht zur Einstellung und haben sich nächstes Jahr erneut zur Stammrolle zu melden.

Bezirkskommando Hanau.

Vom Manöver des 18. Armeekorps.

Die Militärverwaltung für das 18. Korps trifft in allen Teilen Oberhessens große Vorbereitungen für die jetzt beginnenden Divisions- und Korpsmanöver wird sich doch eine Truppenmasse von 2023 000 Mann im nördlichen Teile der Provinz zusammenziehen. Während die am Dienstag beginnenden Divisions­manöver der preußischen 21. Division sich um Grün­berg bis nach der Wetterau, nach Gießen und Ulrich­stein abspielen, wird die hessische 25. Division zwischen Lauterbach, Fulda, Freiensteinau, Herbstein und Stock­hausen fechten. Mit den Divisionsmanövern beginnen auch die großen Biwaks; die Hessen am 14., 15. und 16. Biwaks und am 13. Ruhetag, die Preußen biwa­kieren am 13. und 16. und ruhen am 15. September. Bei Grünberg hat die 21. Division eine große Feld­bäckerei errichtet und in fünf Zelten den Betrieb er­öffnet. Drei in die Erde eingegrabene Backöfen müssen bis zum nächsten Samstag rund 20 000 Laib Brot backen, um für die Bedürfnisse der Division an den vier Tagen des Korpsmanövers Sorge zu tragen. Eine Feldschlächterei soll noch nachfolgen. Das Proviantamt birgt große Mengen Zwieback, Büchsen- fleisch, Konserven, Stroh und Futter. Solche Proviant­ämter sind ferner noch bei Nidda, Nieder-Gemünden, Alsfeld, Lauterbach, Fulda und Berstadt. Eine Kriegs­küche wird bei dem Bahnhof Burg- und Nieder- gemünden eingerichtet. Große Kochkessel, Fässer, Wasserbehälter treffen mit der Bahn ein. Drei Regi­menter (80, 87, 88) werden hier M 22. September abgespeist und dann in die Bahn verladen. Andere Truppenteile werden in Alsfeld, Mücke und Ramrod verladen. Heftige Gefechte fanden Freitag und Samstag auf den verschiedenen Kampfplätzen der Brigaden statt. Die allgemeine Kriegslage war folgende:

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In der Schule des Leöens.

Roman von Editha v. Welten. 53

Ich bin es, liebe Ottilie, ganz und gar, ich mußte, ich habe meine Stelle plötzlich verlassen unb wußte nicht wohin. Kann ich wohl für eine Nacht bei Dir bleiben? Ich habe Deiner Tante noch nichts gesagt, ich wollte erst mit Dir sprechen. Wenn Du meinst, daß sie's nicht gern tut.. oder daß es zuviel Umstände ..

Einziges, kleines Schäfchen, red' doch blos nicht soviel darum, selbstverständlich bleibst Du hier. Ich werde doch meine angestammte Cousine nicht ins Ho­tel schicken. Du schläfst in meinem Bett und ich auf diesem verehrungswürdigen Kanapee . . keine Einrede, Schatz, der Wirt bestimmt über seine Gäste, und ich habe die Fähigkeit, mich zusammenzurollen wie ein Igel, soll ich Dir es einmal vormachen? Aber wie flehst Du aus, ganz verweint. . und ich ulkt Dich an. Haben sie Dir übel mitgespielt, die bösen Menschen? So 'ne Rackerbande."

Pina mußte in all' ihrer Trübseligkeit lächeln.Ich erzähle Dir alles, Ottilie, augenblicklich bin ich nur froh, daß ich ein Unterkommen gefunden habe. Es geht also?"

Freilich, was ich will, setze ich auch durch. Tante Durghardt kann ich überhaupt um den Finger wickeln, feit ich zu dem vom Vater für mich gezahlten Kost­gelde noch einen Zuschuß vom eigenen gebe. Ich bürge Dir dafür, daß sie Dir mit der einschmeichelndsten Lie­benswürdigkeit begegnen wird.

Pun aber das wichtigste: hast Du Hunger? Du ' ' ' ganz schwach und erschöpft vor, warte,

leich ein kleines Vorabendbrot; wie gut,

fonturft mir ganz schwach und erschöpft vor, warte, ich besorge gleich ein kleines Vorabendbrot; wie gut, daß ich heute an die Verbesserung meines Soupers ge­dacht habe. Sieh hier, da .. und da."

Sie wickelte die verschiedenen Päckchen auf, die sie vorhin bei ihrem Eintritt heftig auf einen Stuhl ge­worfen, und zeigte mit Stolz ihre Einkäufe: ein Viertel-

Eine blaue Armee ist am Main geschlagen worden und hat sich nach Norden zurückgezogen. Mainz ist eine blaue Festung und wird von einer roten Armee eingeschlossen. Ein Armeekorps hat den Auftrag, Mainz zu entsetzen. Rot rückt gegen Norden durch die Wetterau vor." Die am weitesten nach Osten bei Gersfeld, Tann und Fulda liegende 49. Division manövrierte am Freitag bei Friesenhausen. Die 116er rückten von Gersfeld aus dem Quartier, trafen bei Weyhers mit den 168ern zusammen und marschierten dem Regiment 115 über Dietershausen entgegen. Direkt am Dorf Friesenhausen wurde bis nachts ge- kämpft, dann bezogen zwei Bataillone Biwak. Am Samstag entwickelte sich das Gefecht weiter nach Fulda zu, auf den Höhen bei Keulos, Dirlos, Wissels, Dip- pcrt und Wisselsrod.

Deutsches Reich.

Der Kaiser begab sich am Mittwoch abend von Pait nach der Station Großbritanien, von wo um 11 Uhr die Weiterreise im Hofzug erfolgte.

Am 16. September sind es fünfundzwanzig Jahre her, seit Prinz Wilhelm von Preußen, unser jetzt regierender Kaiser, von seinem Großvater zum Obersten und Kommandeur des Garde-Hufarenreg'- ments in Potsdam ernannt wurde. Der Prinz war 1881 als Major zu dem Regiment kommandiert worden und war bei diesem bis Juni 1883 verblieben. Nachdem er hierauf beim 1. Garde-Felvartillerieregi- ment und dann als Bataillonsführer beim 1. Garde­regiment z. F. Dienst getan hatte, erfolgte am 16. September 1885 unter Ueberspringung des Oberst­leutnantsranges die Beförderung des Prinzen zum Obersten. Die Leistungen des Regiments unter seinem prinzlichen Obersten fanden bei den Besichtigungen und Paraden stets das höchste Lob des Kaisers. Am Geburtstage des Prinzen, 27. Januar 1888, ging sein Kommando zu Ende, er wurde unter Beförderung zum Generalmajor zum Kommandeur der zweiten Garde-Jnfanteriebrigade ernannt. Der Prinz nahm in einem Parolebefehl bewegten Herzens Abschied von dem ihm lieb gewordenen Regiment, dankte allein für ihre Treue und Hingabe und knüpfte daran die Ver­sicherung, daß ihm die mit dem herrlichen Regiment verlebten Jahre stets in unvergeßlicher Erinnerung bleiben würden.

Das Programm der Kronprinzenreise nach Ost­asien ist nunmehr amtlich festgestellt worden. Der

pfund feine Cervelatwurst, einige Scheiben Schweizerkäse, ein halbes Dutzend Sprotten und ein Bund Radieschen.

Lina staunte.Das wolltest Du heute noch alles aufessen?"

Na, mit dem Käse wollte ich mir morgen mein Früh­stück belegen, hier gibt's nur Butterbrot, und die Wurst hatte ich für Tante bestimmt.. dünn geschnitten läßt sie sich in das Unendliche verlängern . . sie bekommt nun ein anderes Mal etwas. Ich hole Teller, Butter und Brot, wir machen es uns ganz gemütlich."

Geschäftig eilte sie ab und zu, deckte den Tisch, brächte Bier, und forderte Lina durch Wort und Beispiel auf, tüchtig zu essen, es wäre heut der Pellkartoffelabend, da könne es nicht schaden, wenn man etwas vorarbeite.

Fast seit dem Morgen hatte Lina nichts genossen. Das letzte Mittagessen im Köhlerschen Hause hatte sie unberührt wieder hinausgeschickt und sich unterwegs nur eine Tasse Kaffee geben lassen. Bei Ottilies Gastfreund­schaft regte sich ihr jugendlicher Appetit und sie ließ es sich schmecken. Dazu kam das Gefühl der vorläufi­gen Geborgenheit und sie sah wieder etwas mutiger in die Zukunft.

Nachdem sie Ottilie ihre Erlebnisse berichtet hatte, saßen die beiden Mädchen und berieten.

Ottilie meinte nachdenklich:Zu alt bist Du nicht, um zur Post zu gehen, und allzu viel Wissen wird durch­aus nicht verlangt, aber der Zudrang ist so groß, daß Du vielleicht noch lange warten müßtest, ehe Du ein­gestellt würdest. Und dann gibt es nicht gleich Geld, bewahre, erst mußt Du eine Probezeit durchmachen und kannst jeden Tag entlaffen werden."

Ist der Dienst sehr schwer?" fragte Lina schüchtern.

Leicht ist er nicht, Liebchen, namentlich in der ersten Zeit habe ich manchmal gedacht, ich würde es nicht aushalten. Aber ich habe die Zähne zusammengebiffen und mir gesagt: ich will und ich muß durch, und dann ging es wieder. Ich habe es Muttern, wie oft gedankr, daß sie uns so garnicht verwöhnt, sondern zum

Kronprinz wird nach einer mit Aufenthalt in Ceylon verbundenen Seefahrt am 17. Dezember dieses Jahres in Bambay eintreffen. Es folgt der Besuch Indiens, für den ein Zeitraum von einigen Wochen zur Ver­fügung steht. Wie der Besuch in Indien im einzelnen sich gestalten wird, bedarf noch näherer Bestimmung. Spätestens mit dem 14. Februar wird der Kronprinz von Kalkutta aus die Weiterreise nach Bangkok an- treten. Unterwegs ist ein Aufenthalt in Singapore vorgesehen. Von Siam aus kommt noch ein Ausflug nach Java in Frage. In diesem Falle würde der Kronprinz von Java aus Mitte März in Hongkong eintreffen und von Dort aus noch nach Kanton und nachher nach Schanghai fahren. Daran würde sich ein mehrtägiger Besuch Kiautschous anschließen. Die Ankunft des Kronprinzen in Peking ist gegen den 10. April, diejenige in Tokio um den 25. April geplant. Anfangs Mai könnte dann die Rückreise über Sibirien angetreten werden.

Wie dieJnf." erfährt, wird Prinz August Wilhelm, der anfänglich sein Referendarexamen in diesem Herbst ablegen wollte, das erst im Laufe des nächsten Jahres tun. Der Prinz wird ein weiteres Semester an der Berliner Universität studieren, wo Professor Stampe als Hauptleiter des Ausbildungs­ganges tätig, ist. Außer ihm üben die Professoren Martin Wolfs, Kahl und Smend (Greifswald) Lehr­tätigkeit bei dem Prinzen aus. Der letztgenannte Pro- feffor ist berufen, über Kirchenrecht vorzutragen. Prinz Oskar von Preußen, der Oberleutnant beim 1. Garde-Regiment zu Fuß ist, ist vom 1. Oktober ab zur Dienstleistung bei den Pasewalker Küras­sieren kommandiert worden, Der jüngste Sohn des Kaiserpaares, Prinz Joachim von Preußen, wird in den nächsten Tagen seine Abiturientenprüfung in Plön ablegen und demnächst seine Offiziersprüfung machen. Voraussichtlich wird er dann ein Jahr Dienst beim 1. Garderegiment tun und dann zum Univer­sitätsstudium übergehen.

König Wilhelm von Württemberg ist leicht er­krankt. Der Monarch muß infolgedessen den Manövern fernbleiben.

Der Bischof von Speyer, Dr. v. Busch, ist am Freitag früh im Alter von 63 Jahren infolge wieder­holten Schlaganfalles gestorben.

Einen neuen Versuch zur Behandlung des Krebses hat jetzt Prof. Dr. K. Oestreich, Prosektor des Berliner Königl. Augusta-Hospitals, dort erprobt.

Lernen angehalten und aufs Gehorchen dressiert hat, es ist sehr gut für uns gewesen, auch Grete sieht es jetzt ein."

Lina seufzte tief auf, und Tränen traten in ihre Au­gen. Ottilie sah es und bereute ihre Worte, es hatte gewiß keine Anspielung ^ein sollen.

Weine nicht, Mäuschen," sagte sie sanft und legte Linas blondes Haupt an ihre Wange,auch für Dich wirb sich noch etwas finden. Daß Du anders erzogen bist als wir Nerlings, lag ja in den Verhältnissen. Sag', könntest Du Dich denn wohl ein halbes, schlimm» sten Falls ein ganzes Jahr unterhalten?"

Das könnte ich, gewiß, ich habe ja noch ein ganz kleiues Kapital, wenn ich es aufzehre . . aber ich möchte es mir gern erhalten, lieber will ich meinen Schmuck nach und nach verkaufen, Du weißt, ich habe eine Unmenge, meine Handtasche ist ganz schwer davon."

Famos, famos," rief Ottilie und hüpfte ein paar Mal auf und nieder, so daß das arme, alte Sofa ächzende Töne von sich gab.

Dein Schmuck, der muß ja nach Telephonistinnen- begriffen ein kleines Vermögen wert sein, freilich, ist das Verkaufen schwierig, aber ich helfe Dir dabei, wir werden sehen, das Menschenmöglichste Herauszuschla- gen. Zunächst bleibst Du hier, Tante treibt schon noch ein Bett für Dich auf, morgen befrage ich mich ein biß­chen und dann machen wir ein Gesuch an die Kai­serliche Oberpostdirektion usw."

Aber die Wartezeit, die schreckliche Wartezeit, was soll ich da nur anfangen? Ja, könnte ich morgen gleich eintreten, wäre es auch umsonst, ich hätte dann doch eine Beschäftigung. Am Ende werde ich doch lieber Schnei­derin oder Krankenwärterin, da wäre ich vielleicht eher zu brauchen." 168,18

Laß uns nur ja nichts überstürzen, Linchen, ehe wir das Gesuch aufsetzen, kannst Du ja auch einmal an' meine Eltern schreiben, Mutter hat einen so prakti­schen Kopf. Und inzwischen tun wir uns hier Um­sehen, in den Zeitungen stehen so viele Stellen."