lüchternerAitung
mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber
Telefon Nr «3.__Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".______________Telefon Nr. «3
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeige ^kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Samstag, den 10. September 1910
61. Jahrgang.
Deutsches Reich.
— Das Programm der Kronprinzenreise nach Ostasien steht jetzt im Wesentlichen fest. Der Kronprinz fährt zu Schiff von Hamburg über Gibraltar und den Suezkanal zunächst nach Ceylon, um dann weiter nach Indien, Siam nach Tsingtau und von dort weiter nach Peking und Tokio zu reisen, während der Rückweg mit der sibirischen Eisenbahn erfolgt. Bis Ceylon wird die Kronprinzessin ihren Gemahl begleiten, um dann zurückzukehren, während der Kronprinz seine Weiterfahrt allein fortsetzt.
— Die Prinzessin Viktora Luise von Preußen, die einzige Tochter unseres Kaiserpaares, vollendet am Mittwoch nächster Woche das 18. Lebensjahr und wird damit, nach den Gesetzen des Königlichen Hauses volljährig.
— Der Zar hat anläßlich seiner Durchreise durch preußisches Gebiet auf der Fahrt nach Friedberg dem Deutschen Kaiser von Halle a. S. aus ein Begrüßungsielegramm gesandt, in dem er die guten Beziehungen zwischen der deutschen Regiegung und dem russischen Staate als traditionell und unwandelbar bezeichnet und den Wunsch einer Zusammenkunft mit dem Kaiser ausspricht.
— Die Fälle der Verschacherung deutschen Bodens in unserer national gefährdeten Ostmark an Polen mehren sich wieder in tief beschämender Weise. So hat das „Pos. Tagebl." festgestellt, daß allein im Laufe dieses Jahres in der Provinz Posen schon wieder 27 Güter und größere Wirtschaften aus deutschem in polnischen Besitz übergegangen sind! Das ist nach privaten Ermittlungen den Verlust des Deutschtums in ei^m halben Jahre allein in der Provinz Posen. Dazu kommen nun noch die beträchtlichen Verluste an deutschem Gruud und Boden in Westpreußen, Ostpreußen, Pommern und Schlesien.
— Durch die Zeitungen geht eine Nachricht, daß die Justizverwaltung eine Erschwerung des Referendarexamens in der Richtung einer Steigerung der Anforderungen im römischen Rechte plane. Diese Nachricht entbehrt, wie offiziös erklärt wird, der Grundlage. Zwar seien Erörterungen darüber im Gange, ob und wie das Referendarexamen zu ändern wäre, aber von keiner Seite fei der Erweiterung der Prüfung im römischen Rechte das Wort geredet woiden. „Richtig ist nur, daß in der im Justizministerium stattgehabten Konferenz unter anderm die Frage aufgeworfen worden
1 571 239 Mark, für Brenner zu Quecksilberdampf- Lampen auf 11 141 Mark, für Glühkörper zu Gaslampen auf 1 526 952 Mark, für Brennstifte zu Bogenlampen aus Reinkohle auf 728 143 Mark und für solche mit Leuchtzusätzen auf 411835 Mark, insgesamt auf 5 194 339 Mark.
— Nach der vorläufigen Mitteilung des Kaiserlichen Statistischen Amts zur Konkursstatistik gelangten im 2. Vierteljahr 1910 im Deutschen Reich 2652 neue Konkurse zur Zahlung, gegen 2783 im 2. Vierteljahr 1909. Es wurden 605 Anträge auf Konkucser- öffnung wegen Maffenmangels abgewiesen und 2047 Konkursverfahren eröffnet; von letzteren hatte in 1215 Fällen der Gemeindeschuldner die Konkurseröffnung beantragt. Beendet wurden im 2. Vierteljahr 1910: 2139 (2. Vierteljahr 1909: 2213) Konkursverfahren, und zwar durch Schlußverteilung 1436, durch Zwangsvergleich 490, infolge allgemeiner Einwilligung 40 und wegen Maffemangels 173. In 983 beendeten Konkursverfahren war ein Gläubigerausschuß bestellt.
Von den 2652 neuen und den 2139 beendeten Konkursverfahren Natürliche Personen Nachlässe Handelsgesellschaften Genossenschaften andere Gemeinschuldner
ist, ob nicht die Erläuterung einer geeigneten Stelle aus den Rechtsquellen, welche schon jetzt einen Teil des Examens, und zwar des mündlichen, bildet, zweckmäßig in den schriftlichen Teil des Examens zu verlegen sei. Hierbei war vornehmlich der vielfach geäußerte Wunsch leitend, für eine ausgiebigere Berücksichtigung des öffentlichen Rechts im mündlichen Examen Raum zu schaffen. Für die Verlegung sind in der Konferenz sämtliche Universitätslehrer, und Praktiker die sich dazu geäußert haben (11 von 16), eingetreten. Ein Widerspruch ist von keiner Seite erfolgt. Die Frage ist ebenso wie sonstige in Betracht kommende Fragen den zuständigen Stellen zur Aeußerung mitgeteilt »vordem Irgendeine Entscheidung ist bisher nicht getroffen."
— Zündwaren und Leuchtmittel. In den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reichs wird zum ersten Mal eine Statistik der Herstellung und Besteueuerung von Zündwaren und Leuchtmitteln im deutschen Zollgebiet, und zwar für die Zeit vom 1. Oktober 1909 bis 31. März 1910, veröffentlicht. Es waren 74 Betriebe vorhanden, welche zusammen durch« schnittlich 2188 männliche und 2660 weibliche Arbeiter beschäftigten. An Zündhölzer wurden 47 941 Millionen Stück, an Zündspänchen 295 Millionen Stück hergestellt. Vom Auslande wurden 109 Millionen Stück Zündhölzer und 3 Millionen Stück Zündkerzchen eingeführt. Der Ertrag an Zündwarensteuer ergab für Zündhölze 7 068 771 Mark, für Zündkerzen 10 237 Mark, insgesamt 7 079 008 Mark für die sechs Monate. Für die Fabrikation von Leuchtmitteln waren 175 Betriebe vorhanden, in denen 13 994 323 Kohlenfaden-Glühlampen, 17 828 730 Metallfaden-Glühlampen, 253 456 Nernstbrenner, 4541 Brenner zu Quecksilberdampf- Lampen, 61 380 188 Stück Glühkörper für Gaslampen, sowie 4 360 015 Kilogramm Brennstifte für Bogenlampen aus Reincohle und 1 032 972 Kilogramm Brennstifte für Bogenlampen mit Leuchtzusätzen Hec- gestellt wurden. Vom Auslande wurden eingeführ 566 115 Kohlenfaden- und 141407 Metallfaden-Glühlampen, 418 Nernstbrenner, 79 Brenner zu Oueck- silberdampf-Lampen, 20 784 Glühkörper für Gaslampen, 11 751 Kilogramm (darunter 2111 Kilogramm Rück- Ware) Brennstifte für Bogenlampen aus Reinkohle und 6936 Kilogramm (darunter 3699 Kilogramm Rückware) mit Leuchtzusätzen. Die Einnahmen aus der Leuchtmittelsteuer in den sechs Monaten beliefen sich für Kohlenfaden-Glühlampen auf 945 029 Mark, für Metallfaden-Glühlampen, Nernstbrenner usw. auf5
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— Vom Manöver des 18. Armeekorps. Die Brigadebesichtigung der beiden Regimenter 117 und 118 fand in dem bisherigen Uebungsgelände von Hom- berg und Buchberg östlich Alsfeld zwischen den Orten Reinrod, Eifa, Hopfgarten und Altenburg statt. Die drei Regimenter der 49. Jnfanteriebrigade (115er, 116er, 168er) verlassen ihre Quartiere in Fulda und westlich Fulda und marschieren ostwärts. Ihr Kriegsschauplatz wird in die Rhön verlegt. Die Regimenter rücken gegen Tann, Gersfeld, Lahrbach. Für die jetzt beginnenden Brigademanöver sind dieser Brigade das Dragoner-Regiment Nr. 24, das Artillerie-Regiment Nr. 25 und 25er Pioniere zugeteilt. Nächsten Samstag sammelt sich die Brigade in und direkt um Fulda. Diese Stadt erhält wohl an 6000 Mann aller Waffengattungen. Die 23er Dragoner sind Mittwoch zur 50. Brigade gestoßen, die 24er zur 49. Brigade. Der Stab der preußischen Kavallerie-Brigade befindet sich jetzt in Schotten. Die 6er Dragoner liegen in Rainrod, Uffa Kölzenhain. Als neueste Waffe ist jetzt das Trainbataillon Nr. 18 angekommen, in Ei-
In der Schute des Lebens.
Roman von Editha v. Welten. 51
Da trat er eines Vormittags, als sie im Salon die Blumen begotz, heftig und aufgeregt ein und ging mit schnellen Schritten auf sie zu. Sie fuhr so festig zusammen, daß sich ein Strahl Wasser aus der Gießkanne über den glänzend - gebohnerten Fußboden er- ^^^„Was ist geschehen?" fragte sie angstvoll, „Ihre Frau Mutter ..
„Befindet sich sehr wohl, ich sah sie soeben in ein Geschäft treten, wo sie hoffentlich recht lange zu tun
hat.
Lina sah ihn befremdet und verständnislos an.
~ ~ gezwungen auf und griff nach ihrer
Liebliche!"
Er lachte etwas , Hand. „Lina, Süße, LieblicheI
Sie riß sich los und wich einen Schritt zurück.
„Herr Köhler," sagte siezitternd, „Sie sprechen mit der Gesellschafterin Ihrer Mutter, ich bitte Sie... ihre Stimme versagte, und ihre Augen füllten sich mit Tränen.
„Sind Sie darum weniger reizend?" flüsterte er. „Haben Sie keine Ahnung, wie gut Ihnen die sanfte Unterordnung steht? O, Sie müssen es wissem wie lange schon mein Herz für Sie schlägt, daß ich Tag und Nacht nur den einen Gedanken habe, Sie an mich ziehen, Ihren roten Mund küssen zu dürfen."
Lina schloß schwindelnd die Augen. So hatten schon drei Männer zu ihr gesprochen, Walter, Leopold Seidel, Hugo Hänichen; bei jedem klang es etwas anders, und jedem hatte sie doch geglaubt, und es war nicht immer wahr gewesen, was sie sagten. Dieser war der Vierte, was war denn in seinen Worten, was sie so abstietz? Sprach er nicht auch von Liebe?
Also er liebte sie.. er warb um sie?
Noch einmal taten sich die Pforten vor ihr auf, die zu Ueberfluß und Reichtum führten. Nur ein Schritt, und Armut und Abhängigkeit lagen für immer hinter ihr. Sie fühlte eine starke Versuchung. Sie liebte den Mann nicht, trotz seiner Schönheit, aber sie konnte ihm treu und dankbar sein durchs ganze Leben.
Doch die Mutter!
Für die würde sie eine hergelaufene Person sein, keine Schwiegertochter, wie sie sich wünschte. Und Kämpfe zu bestehen, war sie jetzt noch weniger im stände, als früher, wo sie noch die ganze Spannkraft einer glücklichen Jugend besessen hatte. Ihre Pflicht war Entsa- ^"^Jhre Mutter hegt andere Pläne für Sie," sagte sie ganz ruhig, „sie würde es mir nie vergeben, wenn ich diese durchkreuzte." .
Jetzt stutzte er; ein Zucken ging über sem Gesicht. Und dann fielen seine Worte wie Keulenschläge auf sie nieder.
„Ach, Sie meinen, falls ich Sie heiraten wollte? Ja, muß man sich denn heiraten, weil man sich liebt? Wozu der lächerliche Zwang, wozu sich Fesseln schmieden, die den freien Flug des Herzens hindern?"
Lina glaubte in die Erde sinken zu müssen vor Scham. So wagte jemand zu ihr zu sprechen? O, der Schmach und Schande.
Bebend vor Zorn richtete sie sich auf, ihre Augen blitzten und ihre Wangen glühten. „Sie zwingen muh, dieses Haus noch heute zu verlassen," nef ste. ^Bis dahin werde ich mich unter den Schutz Ihrer Frau Mutter stellen, die nicht dulden wird, daß man mich ferner beleidigt."
Er lachte erheitert auf. „Närrchen, wie Sie hübsch aussehen in Ihrer tugendhaften Entrüstung, und wie famos Sie auch spielen, ich glaube Ihnen doch nicht. Meine Erfahrungen beim schönen Geschlecht ..."
Ihre Erfahrungen," fiel ihm Lina emporturs Wort,
„müssen trauriger Art gewesen sein, da Sie den Mut haben, ein armes, abhängiges Mädchen in dieser Weise zu beschimpfen. Lassen Sie mich hinaus .. wenn Sie mir den Weg vertreten, rufe ich um Hilfe."
„Das werden Sie gefälligst nicht tun, nach dem ersten Kuß werden Sie es auch gar nicht mehr wollen," sagte er frivol, und plötzlich wieder in eine andere Tonart übergehend, flehte er mit einschmeichelnden Lauten: „Laß Dich erbitten, reizendes Kind, tomm an mein Herz, fühle seinen Schlag, sträube Dich nicht länger."
Er wollte sie an sich ziehen, Lina stieß einen Schrei aus und suchte den Ausgang zu gewinnen, aber schon hatten seine Arme sie umfaßt, und in wildem Ringen traf ihre Schulter an eine kostbare Vase, die klirrend zu Boden fiel und zersprang.
Da öffnete sich die Tür, Frau Köhler trat ein und fragte in scharfem Tone: „Was geht hier vor? Arthur, Du hier? So habe ich doch recht gehabt, als ich Dich vorhin vorbeigehen sah."
Sie erhielt keine Antwort. Lina hatte die Hände vor das Gesicht geschlagen, und der junge Mann stand wie ein ertappter Schulknabe, verschränkte die Arme auf dem Rücken und wich den Blicken der Mutter aus, die erstaunt von einem zum anderen sah. Am Boden lagen die Scherben der Vase, und das vergossene Wasser breitete sich am Rande des Smyruateppichs aus.
„Ich bitte nochmals um eine Erklärung, wer hat die teure Vase zerschlagen?"
„Ich," sagte Lina fest, und ließ die Hände sinken. „Da Ihr Herr Sohn nicht zum Sprechen geneigt scheint, muß ich mich selbst anklagen. Ich stieß die Vase herunter, als er versuchte, mich zu umarmen und zu küssen und ich mich dagegen wehrte."
„Arthur! Was muß ich hören! Ist das wahr?"
Er stampfte wütend mit dem Fuße auf und wandte sich ab. 168,18
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