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SchlüchternerAitun g

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65.__Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. es.

Erscheint Mittwoch und Samstag - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zelle oder deren Raum 10 Psg.

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Zum Sedantage.

Ein heil'ges Mahnen jener Zeit,

Die Nord, Süd, Ost und West geeint, Durchzieht das ganze Deutsche Reich. Wo ist die Zeit, die jener gleich?

Drum soll auch heut die Losung sein, AUdeutschland stimmt mit Jubel ein: Fest steht und treu die Wacht am Rhein!

Was einst der Väter Sehnen war, Erfüllen Half's der Sedantag.

Denn aus dem Kampf, an Opfern reich. Erstand das neue Deutsche Reich.

Nun brause hin durch Nord und Süd, DuWacht am Rhein", du stolzes Lied, Daß es begeistert jedes Herz durchglüht!

Und ihr, die ihr das Schwert gezückt, So kühn dem Feind ins Aug' geblickt, Jetzt ruhn in stiller Erde Schoß Wie lieblich fiel doch euer Los!

Ihr saht aus lichten Himmelshöhn Ein eing'es Deutschland, herrlich, schön, Nach blut'gem Kampfe auferstehn.

Doch kehrt einst wieder solche Zeit, Da uns der grimme Feind bedräut, Wir schwören laut mit Herz und Mund In dieser hohen Feierstund':

Wir ziehn das Schwert, wir stimmen ein: Lieb Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein!"

Sedan.

Der 2. September ist und bleibt ein hoher neti- onaler Gedenktag. Und wenn wir diesen Tag diesmal ganz besonders auszeichnen, so hat dies seinen Grund und seine Berechtigung darin, daß heute 40 Jahre seit jenem glorreichen ersten Sedantage verflossen sind; denn dieser denkwürdige Tag ist als der eigentliche Geburts­tag des neuen Deutschen Ruches anzusehen, wie es kein Geringerer als Fürst Bismark einmal ausgedrückt hat. Die Feier des 2. Sedanlages gilt weniger der blutigen Schlacht bei Sedan, in der das napoleonische Kaiserreich in Schutt und Trümmer sank und eine neue Zeit für Deutschland goie für Europa anbrach, als vielmehr der Tatsache, daß mit ihr der alte Traum unserer Nation, die Herstellung von Einheit, Kaiser und Reich, der Verwirklichung entgegengeführt erschien. Was später in Versailles geschah, war nur eine Folge

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In der Schute des Lebens.

Roman von Editha v. Welten. 48

Lina hörte müde zu, als Tante Laura ihr das aus- «inandersetzte und ihr auch vorschlug für ihre sämt­lichen Sachen, Möbel und Wirtschaftsgeräte, einen Spei­cher zu mieten, anstatt sie zu verkaufen, da sie sie spä­ter vielleicht doch wieder gebrauchen könnte.

Sie ließ sich leicht überreden, daß es so gut sei, und verlangte nur ihren Schreibtisch bei sich zu behal­ten. Frau Nerling fand es ein wenig lächerlich für eine arme Gesellschafterin, mit einem so unhandlichen Reisegepäck in die Welt zu ziehen, schonte aber Linas traurige Stimmung und behielt diese Ansicht für sich.

Ich will gleich an Frau Köhler schreiben, ob ich ihn mitbringen darf, und ich denke, sie wird es mir gestatten, da ich für meine Garderobe so wenig Platz brauche." Sie strich schmerzlich lächelnd an ihrem schwar­zen Kleide herunter. .

Deine anderen Kleider hebe ich Drr schon auf, versicherte die Tante,und wenn Du etwas brauchst, so schreibe mir, dann schicke ich es Dir gleich."

Außer Nerlings hatte Lina keine Verwandten, es wäre nur natürlich erschienen, wenn sie bei ihnen Auf­nahme gefunden Hütte, aber weder kamen sie darauf, der verwaisten Nichte ein solches Anerbieten zu ma­chen, noch hätte diese es angenommen, trotz ihrer ge­genwärtigen Apathie.

Bezahlen konnte sie ihren Unterhalt nicht, so mußte sie ihn verdienen; bei Verwandten das Gnadenbrot zu essen, hätte ihr wiederstrebt, auch wenn sie weni­ger gesund und jung gewesen wäre.

Die kleinen Mädchen behielt sie noch bis zu den Weihnachtsferien. Abends kam Grete Nerling und blieb über Nacht bei ihr, und erst, wenn sie früh zusammen Kaffee getrunken hatten, ging sie in ihr Kontor.

Mittwoch, den 31. August 1910

der unvergleichlichen Heldentaten, die unser herrliches deutsches Heer auf französischem Boden vollbracht hatte. Als ihr Höhepunkt aber ist die Schlacht bei Sedan deshalb anzusehen, weil sie dazu geführt hat, daß das kaiserliche Frankreich von der Bildfläche ver­schwand und dem Deutschen Reiche Platz machte.

Wenn die Sozialdemokratie der Sedanfeier in schmähsüchtiger Feindschaft gegenübersteht, so weiß man ja hinreichend, von welchen Gründen sie bei dieser Verunglimpfung unserer nationalen Feier geleitet wird. Die greifende Hetze der sozialdemokratischen Blätter gilt in Wirklichkeit der Bekämpfung der Vaterlands­liebe, die der Verwirklichung der revolutionären Pläne nicht minder hinderlich im Wege steht als derMili­tarismus", dessen Verherrlichung die Sedanfeier nach der Auffassung der Sozialdemokratie angeblich gelten soll. Es ist auch durchaus die Unwahrheit, wenn be­hauptet wird, daß die deutsche Sedanfeier die Fran­zosen verletzen müsse. Die Franzosen haben ja auch ihren Nationalfeiertag am 14. Juli und nehmen im übrigen von unserer Sedanfeier so wenig Notiz wie wir von der französischen Nationalfeier.

Vier Jahrzehnte sind seit dem ersten Sedantage vergangen. Ins Grab gesunken sind die Helden und Führer, wie Kaiser Wilhelm und sein ritterlicher Sohn, die Könige Albert und Georg von Sachsen, Bismarck, Moltke, Roon und wie sie alle heißen. Und so man­cher, der heute noch das Eiserne Kreuz oder die Kriegs­denkmünze von 1870 auf der Brust trägt, denkt in Wehmut derer, die auch dabei waren und nun unter dem grünen Rasen ruhen. Die Zeit schreitet rastlos vorwärts. Neue Aufgaben und Strömungen, neue Hebensverhältnisse. Der Siegesjubel von Sedan hallt nicht mehr in dem Maße nach wie etwa noch vor 20 Jahren, er ist mehr zu einer ruhigen, abgeklärten Geschichtstatsache geworden. Aber vergessen soll es nimmermehr sein, was Deutschland einst errungen.

Sedan! Das mag ein Mahnwort bleiben, daß alle ihre nationale Schuldigkeit tun. Treue zum Vaterlandes Davon sollen die Alten den Jungen sagen. Das soll das Einigende sein, das über Son- dergelüste und Parteihader hoch erhebt. Nationale Opferfreudigkeit muß vorhanden sein, wenn ein Volk groß bleiben und vorwärts kommen will, und die ist heute mehr denn je nötig. Wir haben ein stolzes Vermächtnis zu pflegen, es immer wieder zu erwerben, um es zu besitzen. Wir dürfen uns die Freude an Heer und Flotte nicht durch die hämischen Reden derer

Zu Neujahr trat Lina in ihre neue Stellung ein, und ihre ersten Berichte, die sie an Tante und Cousi­nen sandte, waren von einer leise erwachenden Le­bensfreudigkeit durchzogen. Ihre Prinzipalin war gü­tig gegen sie, verlangte auch keine heitere Unterhal­tung von ihr, die zu ihrer Herzenstrauer so schlecht gepaßt hatte, und ließ ihr jeden Tag einige freie Stun­den, die sie nach Belieben ausfüllen mochte.

Frau Köhler erinnerte sie in vielen Stücken an ihre verstorbene Mutter, in ihren Vorzügen sowohl wie in ihren Fehlern, nur daß letztere bei der Verstorbenen durch ihr Hinscheiden verklärt worden waren, wenn Lina sie überhaupt je als Fehler betrachtet hatte. Sie war sehr vermögend, hatte nur ein einziges Kind, einen Sohn, den sie abgöttisch liebte, und lebte ohne höhere Interessen ein breites, behagliches Leben auf der siche­ren Basis ihres Reichtunis. Sie gab gern und war wohltätig, da sie damit keine Opfer brächte, und hegte nur ben einen Wunsch, ihren Sohn bald glücklich ver­heiratet zu sehen. Sie machte an ihre zukünftige Schwie­gertochter die höchsten Ansprüche, da es einen vorzüg­licheren Menschen als ihren Sohn garnicht geben konnte.

Sie sprach sehr naiv über diese Angelegenheit, vor ihrer Gesellschafterin sich zu genieren, fiel ihr nicht ein, und Lina empfand es mit peinlicher Deutlichkeit, wie sehr sie in ihrer jetzigen Lage außer allen Wünschen und Befürchtungen für die Mutter eines heiratsfähigen Sohnes stand. Wie, wenn das Unerhörte sich ereignete, wenn dieses Wunder von einem Mann sich in das arme, dienende Mädchen verliebte, es war nicht wahr­scheinlich, aber doch immerhin möglich, dann müßte es einen ähnlichen Sturm geben wie damals, als Mama ihre Liebe zu Walter Schneider entdeckte.

Gott sei Dank, die Zeiten waren vorbei, da man sich in sie verliebte, und ihr sollte es recht sein, wenn Arthur Köhler sie mit denselben Augen ansah, wie seine Mut­ter, als eine bezahlte Untergebene, die nichts weiter zu bedeuten hat

61. Jahrgang. li^MW.

verekeln lassen, denen des Reiches Herrlichkeit gleich­gültig ist Wir müssen allezeit ehrliche, tapfere ziel­bewußte Deutsche sein. Dann geht der Weg niemals mehr nach Jena, sondern nach hohen aussichtsreichen Gipfeln, wie sie in dem Namen Sedan verheißungsvoll beschlossen sind. Solch patriotisches Kraft- und Hoffnungsgefühl ist wahrlich keine bloße Hurra-Stim­mung, es ist vielmehr deutsche Selbstbesinnung und Selbstachtung. Und wir wollen uns des Wortes wert zeigen, das der größte Deutsche einst sprach:Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt!"

Beulsches Reich.

In einer bemerkenswerten Rede des Kaisers, die er in Königsberg auf dem Festmahl für die Pro­vinz Ostpreußen gehalten hat, wird das Gottesgnaden» tum der preußischen Königswürde ausdrücklich betont. Auch sein Großvater habe, sagte der Kaiser, bei der Krönung in Königsberg bestimmt hervorgehoben, daß die Krone von Gottes Gnaden allein ihm verliehen sei und nicht von Parlamenten, Volksversammlungen und Volksbeschlüssen, und daß er fiep Jo als anser- wähltes Instrument des Himmels ansehe und als solches seine Regenten- und Herrscherpflichten versehe. Der Kaiser schloß:Als Instrument des Herrn mich betrachtend, ohne Rücksicht auf Tagesansichten und Meinungen, gehe ich meinen Weg, der einzig und allein der Wohlfriedlichen Entwickelung unseres Vater­landes gewidmet ist,"

Der Kaiser hat dem Generalfeldmarschall Grafen v. Haeseler den Auftrag erteilt, ihm alle Photogra­phien, die sich auf die. Denkmalsfeierlichkeiten auf den Schlachtfeldern um Metz beziehen, zu überreichen.

Der Kronprinz wird, das von ihm seit dem Herbst geführte 1. Bataillon des 1. Garde-Regiments z. F. in Potsdam am 1. Oktober abgeben und sich durch Studien in verschiedenen Reichsämtern auf die im November anzutretende Reise nach Indien und Ostasien vorbereiten. Die Leitung der Reisedispositionen liegt in der Hand des Kaiserlichen Generaladjutanten, Generalleutnants v. Schenk, der schon seit einiger Zeit zum Kronprinzen kommandiert ist. Aus der militärischen Umgebung des Kronprinzen fahren mit die persönlichen Adjutanten Major Graf Solms (vom 1. Garde-Ulanen-Regiment), Hauptmann Edler v. d. Planitz (vom 1. Garde-Feldartillerie-Regiment) und der zum Kronprinzlichen Marstall kommandierte 2. Garde-Ulan, Leutnant v. Zobeltitz. Einige andere

Augenblicklich war er abwesend auf einer Reise nach Italien, die er mit einem Freunde gleich nach Weih­nachten angetreten hatte. Aber er schrieb fleißig an seine Mutter, und es gelang Lina aus den Briefen, die ihr Frau Köhler vorlas, größtenteils weil sie an jedem Worte ihr Wohlgefallen hatte, sich ein geistiges Bild des Schreibers zusammenzusetzen, und zwar ein durch­aus günstiges. Seine Liebe zur Mutter, seine Kunst­schwärmerei, seine fröhliche, beinahe übermütige Laune kamen in jedem Briefe zu neuem gefälligen Ausdruck. Es ließ sich nicht nur begreifen, daß diese Mutter an diesem Sohn ihre Freude hatte, es wäre ein Wunder gewesen, wenn es sich anders verhalten hätte.

Schon war des Winters Macht gebrochen und die ersten Frühlingslüfte strichen durch das Land,, als Lina eines Morgens die ganz überraschende Nachricht von Frau Eibig erhielt, daß sie seit drei Tagen wieder in Hamburg sei. Ganz schnell sei sie abgereist, nachdem sie ihr Versprechen bis auf den Buchstaben gehalten und geblieben sei, bis auch Lenchen sich verlobt gehabt. Schon lange habe die Sehnsucht nach den heimischen Verhältnissen sie erfaßt und nur ihren Verwandten zu Liebe habe sie sie bekämpft.

Mit einem lange nicht mehr empfundenen Froh- gefühl schloß Lina das Schreibenin ihren Schreibtisch und eilte hinüber in die Gemächer ihrer Herrin, wo tägliche Pflichten ihrer harrten. Sie fürchtete schon, über die Lektüre ihres lieben Briefes etwas versäumt zu haben. Hastig öffnete sie die Tür zum Wohnzimmer und blieb betroffen unter der Portiere stehen, denn eine klangvolle Männerstimme tönte ihr entgegen, eine Ge- stalt erhob sich von dem niedrigen Sessel, und die Ein­tretende konnte schon an den seligen Mienen der Mut­ter erkennen, daß der heimgetehrte Sohn vor ihr stand.

Na, kommen Sie nur näher, Fräulein," sagte Frau Köhler in gnädigem Tone.Sie denken sich wohl schon, wer gekommen ist. MeinSohn. .Fräulein Will- furth." 168,1$