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SchWernerMung

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

Telefon Nr «5.Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag. - Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 69.

Samstag, den 27. August 1910

61. Jahrgang.

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Deutsches Reich.

Das Kaiserpaar ist in Königsberg eingetroffen. Zu Ehren des Kronprinzen fand eine Fackelkahnfahrt auf dem Schloßteiche statt.

Prinz Friedrich Leopold von Preußen ist in Lisfabon eingetroffen, um dem König von Portugal den Schwarzen Adlerorden zu überbringen.

Die arktische Zeppelin-Vorexpedition ist mit dem Prinzen Heinrich von Preußen an Bord des Lloyd- dampfersMainz" nach Brunsbüttel zurückgekehrt.

Am Dienstag mittag wurde dem Großherzog im Residenzschlosse der ihm vom König von Spanien verliehene Orden vom. Goldenen Vließ durch den Prinzen Ferdinand von Bayern, Jnfanten von Spanien, feierlich überreicht. Nach der Audienz fand im Rest« denzschlosse Galatafel statt.

Das Großherzoglich-hessische Hoflager wird am Donnerstag morgen von Schloß Wolfsgarten nach Schloß Friedberg verlegt werden. Der russische Hof« zug mit dem Zarenpaar trifft am 29. August, nach­mittags 5 Uhr in Friedberg ein. Die ganze Strecke, welche der Zug passiert, wird von Polizei, Gendarmerie und sonstigem Sicherheitspersonal überwacht.

Die beiden Paraden des Gardekorps in Berlin und Potsdam finden am 1. und 2. September statt. An diese werden sich dann die Manöver anschließen. Die Nachricht, daß der Zar von Rußland an ihnen auf Grund einer brieflichen Einladung des Kaisers teilnehmen werde, ist falsch; eine Einladung des Kai- sers ist nicht erfolgt.

Die Bevölkerung des Deutschen Reiches gibt das kürzlich erschieneneStatist. Jahrbuch für das Deutsche Reich" Mitte dieses Jahres auf 64 7 75 000 Personen an. Diese Zahl beruht auf einer Schätzung auf Grund der bisherigen Bevölkerungszunahme. Für Mitte 1909 ist die Bevölkerung auf 63 769 000 geschätzt, so daß im Laufe des letzten Jahres eine Zunahme um 896 000 Personen stattgefunden haben würde. Bei der letzten Volkszählung von 1. Dezember 1905 hatte das Reich 60 641 278 Einwohner, so daß in den seit­dem verflossenen 41/, Jahren eine Zunahme von etwas mehr als 4 Millionen Einwohnern stattgefunden haben wird.

Die internationale Verbindung der Arbeitgeber macht Fortschritte. Zwischen dem deutschen Arbeit­geberbund für das Baugewerbe und der Föderation des Entrepreneurs de Belgique mit dem Sitz in Brüssel wurde neuerdings ein Kartellvertrag zur gegen­

In der Schute des Lebens.

Roman von Editha u. Welten. 47

Sie ließ den Plan erst in sich ausreifen, ehe sie wieder mit dem Schreiben begann.

Diesmal war der Anfang ein warmer Sommertag, die Mädchen pflücken im Walde Erdbeeren und werden von einem heftigen Gewitter überrascht; Sturm, Blitz und Donner, wolkenbruchartiger Regen, angeschwolle- ner Bach, weggerissener Steg, als Retter in der Not be­sagter Gutsbesitzer, alias Maler.

Acht Tage brauchte Lina zu dem ersten Kapitel, da sie ganz heimlich schrieb und kein Zimmer für stch allein hatte. Es konnte also nur geschehen, wenn Frau Willfurth schlief oder aus war. Aber während dieser acht Tage ging sie mit verklärtem Gesicht umher, innerlich rm- mermitihrem Geisteskinde beschäftigt.

Dann kam ein Rückschlag.

'' Sie fand das Geschriebene bodenlos dumm und sah es nicht mehr an. Nach geraumer Zeit erwachte doch wieder die Lust zur Fortsetzung in ihr und das zwecke Kapitel entstand unter ähnlichen Erscheinungen. Im dritten erklärte der Maler, bei dem war es nun end­gültig geblieben, der schönen Försterstochter seine Liebe, nachdem er ein Bild von ihr gemalt, und die andere, die zuletzt einen Stich ins Kokette bekommen hatte, mußte die Machtlosigkeit aller Toiletten- und Verfüh­rungskünste gegenüber der Tugend im weißen Kleide einsehen. So verlangte es die poetische Gerechtigkeit.

Das Geschichtchenwar der Verfasserin doch recht sauer geworden, und sie atmete aus tiefstem Herzen auf, als sie den letzten Strich an ihrem ersten Werke getan

Ohne Zeit zu verlieren, schickte sie es an die Redak­tion einer illustrierten Wochenschrift, die es ihr nach zwei Tagen mit höflicher Ablehnung zurücksandte, ohne

seitigen Unterstützung bei Streiks und Aussperrungen abgeschlossen. Derartige Verträge bestehen bereits mit Oesterreich, der Schweiz sowie mit Dänemark, Schweden und Norwegen. Sie sind alle jungen Datums. Erst mit Beginn dieses Jahres wurden die Verhandlungen darüber gepflogen und, wie jetzt eben in Brüssel, zu einem schnellen Abschluß gebracht. Die gegenseitige Unterstützung besteht darin, daß die Argeitgeber sich dgzu verpflichten, Arbeitnehmer aus einem im Kartell stehenden Lande, in welchem ein Streik oder eine Aus­sperrung verhängt ist, nicht einzustellen.

Das mit dem 1. Oktober in Kraft tretende neue Stellenvermittlungsgesetz wird von denjenigen Personen, die auf die Vermietung angewiesen sind, ebenso lebhaft begrüßt, wie es von den Stellenver- mittlern gefürchtet wird. Den Vermittlern sieht das neue Gesetz sehr scharf auf die Finger und regelt namentlich die Vermittlungsgebühren in einer Weise, die den Vermittelungsbüros, welche in diesem Punkte bisher ziemlich willkürlich verfahren konnten, mehr als unangenehm ist. Das neue Gesetz regelt nicht nur die gewerbsmäßige Stellenvermittelung, sondern trifft auch die nichtgewerbsmäßige Bestimmungen, die von den Behörden sorgfältige Berücksichtigung erfahren werden. Der Gebührentarif für die Vermittellung von Dienstboten wurde erheblich herabgesetzt. Der Mietstaler, dessen Entrichtung lediglich in das Be­lieben der Mietenden gestellt ist, wurde beseitigt. In die Vermittelungsgebühren, die den Höchstsatz von 7.50 Mk. nicht überschreiten dürfen, teilen sich Arbeit­geber und Arbeitnehmer je zur Hälfte. Durch diese Maßnahme soll der Wanderlust der Dienstboten ein heilsamer Riegel vorgeschoben werden. Geradezu eine Revolution richtet das neue Gesetz unter den Vermitte- lungsgebührentarifen für Theater- und Varietee-Agen- ten an. Die Absicht dieser Herren, ihre Verträge mir den Künstlern im Ausland abzuschließen, scheitert in­dessen an der Bestimmung des B. G. B., wonach im Ausland abgeschlossene Verträge ungültig sind, wenn sie ungünstiger sind, als das einheimische Gesetz.

Die sozialdemokratische Brüderlichkeit wird wieder einmal drastisch beleuchtet. ImVorwärts" wird derGenossin" Rosa Luxemburg vorgeworfen, daß sie fest entschlossen zu sein scheine, um jeden Preis einen Skandal zu entfesseln und den Parteitag zu einem wüsten Skandaltage zu gestalten.Genosse" Heinrich Cuno zeiht dieGenossin der Unanständigkeit, weil sie aus Privatbriefen Mitteilungen veröffentlicht habe:

aus seinen Inhalt mit einem Worte einzugehen. Das wiederholte sich noch bei einem zweiten und dritten Versuch, und Lina seufzte bekümmert: Wenn ich doch nur einmal ein Urteil hörte, und wäre es ein ganz ver­nichtendes, ich wüßte dann doch, daß ein Mensch meine Arbeit gelesen hätte.

Dieser Wunsch wurde ihr erfüllt.

Sie war, wie sie es selbst nannte, so unverschämt ge­wesen, das Heftchen an eine große Tageszeitung ein- zuschicken, in deren belletristischer Beilage die besten Federn vertreten waren. Der Leiter, ein bekannter Schrift­steller, hatte in einer Anwandlung von menschlicher Teilnahme, der Anfängerin ein paar freundliche Worte gegönnt.

Ihr Manuskript ist nicht druckreif," schrieb er ihr, es hat einzelne Vorzüge, die aber durch Schwächen reich­lich ausgewogen werden. So ist der Stil für einen ersten Versuch nicht schlecht, und im erzählenden Text leuchten hin und wieder Funken von Humor auf, doch die auftretenden Menschen, die Charaktere sind ganz unmöglich, fast- und kraftlose Schemen, deren Sprechen und Handeln etwas unnatürlich Gespreiztes hat. Ich würde Ihnen raten, zunächst einmal das Fabulieren ganzzu lassen, und, wenn durchaus geschrieben sein muß, sich auf die Schilderung eigener Erlebnisse zu beschrän­ken. In Betracht kämen: Reisebriefe, Theater- und Aus­stellungsberichte im Plaudertone und dergleichen. Viel­leicht wären auch lustige Märchen und Kindergeschich­ten ihr Genre, falls Sie Erfindungsgabe genug be­sitzen:"

Das war es ja eben, die Erfindungsgabe fehlte ihr, wie sollte sie Märchen dichten ohne Phantasie?

An Frau Eibig schrieb Lina vorläufig nichts von ihrem literarischen Vorstoß, die Sache schien ihr viel zu unbedeutend, nun, da sie einen Mißerfolg gehabt, als daß sie sie hätte erwähnen mögen.

Ueber ein Jahr war Frau Charlotte nun schon in

er will aber mit ihr nicht rechten, da ihr seines Er- achtens das Gefühl dafür fehle. DieLeipz. Volksztg." macht demGenoffen" Kolb Ehrabschneiderei zum Vorwurf, die er sich glatt aus den Fingern gesogen habe. Schöner kann sich die Brüderlichkeit kaum entwickeln.

Aus Bremen kommt die Kunde von dem plötzlichen Tod des Präsidenten von Chile Montt, der im Begriff war, wegen eines Herzleidens sich nach Bad Nauheim zu begeben. Ein Herzschlag hat seinem Leben ein Ende bereitet. Der verstorbene Staatsmann war dem Deutschen Reich freundlich gesinnt und stand bei uns in hohem Ansehen.

Ausland.

Eine Verbesserung der Arbeiterverhältnisse in Deutsch-Ostafrika läßt die im Februar vorigen Jahres vom Gouverneur erlassene Verordnuttg über die Rechts­verhältnisse eingeborener Arbeiter und über die An­werbung von Eingeborenen schon jetzt erkennen. Am Bau der Zentralbahn nach Tabora sind gegenwärtig 14 000 Arbeiter, am Weiterbau der Usambara-Bahn 4 000 und auf den Plantagen etwa 35 000 beschäftigt. Das bedeutet in einigen Gegenden eine Zunahme gegenüber dem Vorjahre bis zu 25 v. H. So waren in Tanga Ende 1908 rund 12 000, Ende 1909 aber 15 000 Arbeiter tätig. Die Hauptzahl der Arbeiter entstammt dem Gebiet von Tabora. Seitdem durch die Verordnung des Gouvernements für die Anwerbung von Eingeborenen die Einholung einer Genehmigung vorgeschrieben ist und seitdem alle Vereinbarungen über Arbeitsleistungen, die länger als einen Monat dauern sollen, vor dem Distriktskommissar abgeschlossen werden müssen, ist auch die Qualität der angeworbe­nen Arbeiter eine gute geworden. Auch die Bestim­mungen über die tägliche Arbeitszeit, die Unterkunfts­räume, die Fürsoge bei Krankheiten und die Regelung der Verpflegung auf den Arbeitsstellen haben die Neigung der Eingeborenen zur Arbeit wesentlich ge­fördert.

In Fiume sind zwei Anarchisten verhaftet worden, der serbische Leutnant Michaelowitsch und der Student Betritsch. Beide sind bekannte Anarchisten und sollen ein Attentat anläßlich der bevorstehenden Krönungsfeierlichkeiten in Cetinje geplant haben. In Rom wurden stark belastende Briefschaften beider be­schlagnahmt, woraufhin die Polizei der italienischen Hauptstadt ihre Verhaftung in Fiume veranlaßte.

Amerika, und noch schrieb sie kein Wort über ihr« Rückkehr. Die Zeit verging in dem eintönigen Einerlei der Tage, die Lina in ihrem harmonischen Frieden noch viel mehr geschätzt, wenn sie gewußt hätte, welch ein schwerer Schicksalsschlag ihr bevorstand.

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Im Herbst wurde Frau Willfurth krank. Ein neuer­licher Anfall von Influenza überfiel sie so plötzlich und heftig, daß sie tot war, ehe Pina zu. einer richtigen Erkenntnis der Gefahr gelangt war. Sie konnte es nicht fassen, daß die Mutter von ihr gegangen war, daß , die entseelte Hülle, die da kalt und starr vor ihr lag, nur der traurige Erdenrest des Liebsten und Näch­sten war, was sie auf der Welt besessen hatte.

Nun das Mutterherz nicht mehr für sie schlug, umgab sie eine grenzenlose Oede, durch die kein Trosteswort bis zu ihrem Ohre drang. Sie dachte nicht daran, was aus ihr jetzt werden würde, daß sie hart werde ringen müssen, um ihr Leben zu fristen. Ihr Dasein hatte keinen In­halt mehr, da Mutterliebe und Muttersorge es nicht mehr schmückten, und als die Gruft sich über dem Sarge geschlossen hatte, hätte sie mögen mit ihren Händen die Erde wieder aufwühlen und sich zu der toten Mutter betten in Nacht und Dunkel.

Andere handelten für sie: Nerlings, ihr Hausarzt, der Prediger, der sie konfirmiert und ihren beiden El­tern die Grabrede gehalten hatte. Ihm verdankte sie es auch, daß sie nach vielem vergeblichen Bemühen eine Stelle als Gesellschafterin bei einer reichen Dame bekam, die in einer kleinen Stadt Westfalens lebte. Die Pension" wurde aufgelöst, die Wohnung zum ersten Januar gekündigt, bis dahin mußte Lina sie freilich bezahlen. Man machte ihr klar, daß sie noch zu jung sei, um selbständig einen Haushalt mit Pensionärinnen ^u führen, und wenn sie gewollt hätte, die betreffenden El­tern würden es nicht für passend gehalten haben, einem jungen Mädchen ihre Kinder anzuvertrauen. - 168,18