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WilchternerMung

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. SS Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".____Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Sanistag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

32 6 8. Mittwoch, den 24. August 1910 61. Jahrgang.

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Amtliches.

ErgSnznngssteuer Beranlagnng 1911/1913

St. 652. In Gemäßheit des Artikels 22 Nr. 1 der Ausführungsanweisung vom 25. Juli 1906 zum Ergänzungssteuergesetz ersuche ich die Herrn Gemeinde- und Gutsvorsteher des Kreises dem Herrn Kataster­kontrolleur bis zum 1. September ds. Js. ein nament­liches Verzeichnis derjenigen Einwohner einzureichen, welche dem Betriebe der Land- oder Forstwirtschaft dienende Grundstücke mit einem Gesanuflächeninhalt von mehr als 2 ha in Pacht oder Nießbrauch haben. Hierbei ist ein Formular zu benutzen, das die Spalten 1 bis 5 des Musters 2 (Seile 83 der Aus- sührungsanweisuug) enthalten muß. Beim Nicht- vorhandensein derartiger Pachtgrundstücke ist eine Fehl­anzeige zu erstatten.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission. Valentiner.

Deutsches Reich.

Die Einweihung des Kaiserschlosses in Posen hat in Gegenwart des Kaiserpaares in festlicher Weise stattgefunden. Das neue Schloß soll dem Kaiser und seinem Hause eine Wohnstälte bieten in der Stadt, wo die Wogen des Deutschtums und des Polentums am heftigsten gegeneinander branden, und soll davon Kunde geben, daß die Provinz Posen und die Ostmark auf ewig und unzertrennlich mit dem Deutschen Reiche und dem Königtum der Hohenzollern verbunden ist.

Nach den neuesten Dispositionen wird das Zarenpaar erst Ende nächster Woche in Schloß Fried­berg eintreffen und daselbst von seinen nächsten Ver­wandten empfangen werden. Die großherzogliche Familie wird Mitte der Woche das Hoflager von Schloß Wolfsgarten nach Friedberg verlegen. Am 23. ds. Mts kommt Prinz Admiral Ludwig von Batten- berg aus England nach Schloß Heiligenberg bei Jugen- heim, wo die ganze Battenbeeg'sche Familie und Prinz und Prinzessin Andreas von Griechenland mit zwei Kindern und Prinzessin Viktoria von Schleswig-Hol­stein zusammevkommen werden. Später kommen auch Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen zum Be­such, dagegen ist von einem Besuche des Königs von Spanien nichts bekannt. Der Kaiser wird mit Rück­sicht auf den schonungsbedürftigen Zustand der Zarin in Friedberg keinen Besuch abstatten, sondern erst nach

In der Schute des Leöens.

Roman von Editha v. Welten. 46

Möglich war es immerhin, daß sie welches hatte, und einen Versuch wollte sie machen, das stand fest.

In der nächsten Nacht schloß sie fast kein Auge. Un­aufhörlich arbeitete ihr Geist an Plänen zu einer kleinen Geschichte, mit der sie den Anfang machen wollte. Das war das Rechte: klein und bescheiden anfangen, da­raus war schon manchmal Großes und Schönes erwach­sen.

Sie dachte an allerlei Vorkommnisse in der Welt, die sie kannte und prüfte sie auf ihre Brauchbarkeit. Nein, selbst mit geänderten Namen durfte sie davon nichts erzählen, es mußte eine freie Erfindung sein, wenn ihr nur etwas einfiele. Stundenlang lag sie und sann; wenn sie glaubte, endlich einen Stoff gefunden zu haben, sagte sie sich in der nächsten Minute, es ist nichts, es geht nicht. Von Müdigkeit übermältig, schlief sie zuletzt da­rüber ein, doch am anderen Morgen schon beim Kaffee­kochen kam der lockende Gedanke wieder und verfolgte sie den ganzen Tag.

Nach Tische überredete sie die Mama, heute statt ihrer mit den Kindern spazieren zu gehen, und als sie fort waren und Lina sich allein in der Wohnung befand, hef­tete sie sich ein paar Bogen Papier zusammen und setzte sich mit einer gewissen Feierlichkeit an ihren Schreib­tisch, der jetzt wieder zu Ehren gekommen war und in dem allgemeinen Wohn-,- und Arbeitszimmer stand. Sie hoffte, die Idee würde von selber kommen, sobald sie mit der Feder in der Hand vor einem reinen, wei­ßen Blatte saß, aber sie kam nicht.

Nur einige Schnörkel entstanden auf dem Papier und ein Klex machte sich daneben breit. Grübelnd sah sie zur Decke'auf, zum Fenster hinaus, auf den Boden nieder, es fiel ihr nichts ein. Sie schloß die Augen und

dem Kuraufenthalt der Zarin und nach der Ueber- siedlung nach Schloß Wolfsgarten das Zarenpaar besuchen.

Zum Fleischnotgeschrei bringt das Berliner Zentrumsblatt, dieGermania", einen längeren Ar­tikel, der mit folgenden Sätzen schließt:Wegen einer vorübergehenden Preissteigerung können wir unmöglich unsere ganze gesunde Wirtschaftspolitik umstoßen und unsere Landwirtschaft schweren Gefahren auSsetzen. Schließlich wäre es doch wieder die Gesamtheit der Bevölkerung, die den Schaden oder Ruin der'Land­wirtschaft büßen müßte. Mit dem Einstimmen in das liberale Fleischnot-Geschrei und dem Anschluß an die Bewegung" zur Oeffnung der Grenzen für Vieh und Fleisch bessert man nichts, sondern arbeitet nur denen in die Hände, die aus dem Viehmattgel einen illegitimen Profit zu ziehen wissen. Die Teuerung ist zu beklagen, aber man darf sich damit trösten, daß sie nicht lange anhalten wird."

Eine Konferenz nationaler Arbeitervereine soll im Oktober stattfinden. Eine Anzahl nationaler, evange­lischer und vaterländischer Arbeitervereine, die in Mag­deburg und Umgegend ihren Sitz haben, laden alle reichstreuen und alle vaterländischen Arbeitervereine zu einer Konferenz ein, die am 15. und 16. Oktober in Magdeburg stattfinden soll. Die Konferenz soll den Zweck der Verständigung haben. Man will sich über die Mittel klar werden, die geeignet sind, die Bestre­bungen der vaterländischen Arbeitervereine zu stärken und zu fördern.

Unter der Gesamtzahl der in Preußen zu Ende £909 vorhandenen 12 258 Gesellschaften mit°beschränkler Haftung befanden sich nur noch 100, die in den ersten beiden Jahren der Rechtskraft des Gesetzes, das ist 1892 und 1893, errichtet worden waren; 930 rühren aus den nächsten fünf Jahren, her, während 8300, also mehr als zwei Drittel, erst in den letzten fünf Jahren 1905 bis 1909 errichtet sind. Das Gründungs­kapital dieser 8300 Gesellschaften betrug 1015,51 Millionen Mark; ihr Stammkapital hat sich bereits um 94,04 Millionen Mark erhöht. Je älter die Ge­sellschaften sind, um so größer ist verhältnismäßig ihr Stammkapital. Bei den in den ersten fünf Jahren errichteten Gesellschaften, soweit sie noch bestehen, betrug es durchschnittlich über 7 00 000 Mark, während es bei den im Jahre 1908 errichteten nur 122 695 Mark und bei den im Jahre 1909 errichteten 104 177 Mk. betrug. Einmal hat das Stammkapital bei längerem

| suchte in ernstem Nachdenken nach der Idee, sie fand ! keine.

Schließlich zwang sie sich zum Schreiben. Wenn nur ' erst der Anfang gemacht war, das übrige kam dann schon.

Nach mehrfachen Streichungen und Aenderungen stand folgender Satz unter Klex und Schnörkel:Es war ein rauher Herbstmorgen; der Sturm schüttelte die buntgefärbten Blätter von den Bäumen und rüttelte die ächzenden Stämme hin und her."

So, das hatte sie, es machte sich ganz gut, aber nun mußte an dem rauhen Herbstmorgen auch noch was ge­schehen, der Sturm konnte nicht immer so weiter rüt­teln und schütteln. Für die noch nicht vorhandene Fabel war es übrigens ganz gleichgültig, was das Wetter machte. Es hätte ebenso gut ein linder Frühlingsabend sein können, an dem die Veilchen dufteten und der Vollmond schien.

Lina setzte wieder an.

Dichte, graue Wolken verhüllten den Himmel, rau- | schend wogte der Fluß .." Sie warf die Feder hin, nein, so ging es nicht! Das war schon nicht mal mehr Stilübung, wer schrieb, mußte auch wirklich etwas zu sagen haben. Erst eine Handlung, Menschen, Charak­tere . . ja, wenn man sich das alles so aus dem Aermel schütteln könnte. Sie strich die beiden Sätze aus, legte das Heft in ein Schubfach, die Feder fein säuberlich aufs Schreibzeug und erhob sich. Im Zimmer auf- und ab­gehend, zermarterte sie ihr Hirn mit der Frage: woher einen Stoff nehmen?

Aus dem Leben antwortete ihr eine innere Stimme.

Natürlich aus dem Leben, aber was weiß ich denn vom Leben, meine eigenen Schicksale kann ich doch nicht verarbeiten.

Worin bestand denn nun die Anlage zum Schriftstel- lern? Sie dachte zum ersten Mal darüber nach. Daß man ein gutes Deutsch schrieb, flüssig erzählen und Situationen schildern konnte, war es doch wohl nicht

Bestehen der Gesellschaft die Neigung, in die Höhe zu gehen, sodann haben auch die Gesellschaften mit großen Stammkapitalien eine längere Lebensdauer als die mit kleinen.

Der Zentral-Verein für deutsche Binnenschiff­fahrt veranstaltet auf Einladung der Stadt Würz- burg in den Tagen vom 30. September bis 3. Okt. ds. Js. seine diesjährige Wanderversammlung in Würzburg. Der ursprünglich früher angesetzle Termin der Tagung mußte mit Rücksicht auf die hundertjährige Feier des Oktoberfestes in Munschen, an welchem weite Kreise der bayerischen Bevölkerung teilnehmen werden, verschoben werden. Aus der Tagung steht die Frage der Möglichkeit einer Groß-Schiffahrts-Ver- bindung zwischen Werra» und dem Maingebiete durch einen Werra-Main-Kanal (Berichterstatter Baurat Conrad-Berlin), ferner die Herstellung einer Kanal­verbindung zwischen Main und Donau (Berichterstatter Generalselretär K. G. Steller-Nürnberg und Handels­kammersyndikus Dr. Kehm-Ulm). Daran schließt sich an ein Vortrag von Handelskammersyndikus Dr. Kittel- Würzburg überWürzburgs Schiffahrt einst, jetzt und in Zukunft". Im Falle bis dahin der amtliche Text und die Begründung zu dem kürzlich in der Tagespresse ver­öffentlichten neuen Entwürfe eines Reichsgesetzes über die Schiffahrtsabgaben vorliegen sollten, wird auch diese Angelegenheit im Vordergrund der Verhandlung stehen. Mit Rücksicht auf die hohe Bedeutung der zur Verhandlung stehenden Gegenstände einerseits und das hohe Interesse, welches Prinz Ludwig von Bayern an den Kanalbestrebun^en nimmt, anderseits, wird die Tagung sich voraussichtlich eines außerordentlich zahl­reichen Besuches erfreuen.

Ausland.

Neue Gesichtspunkte zur kriminellen Behandlung Jugendlicher enthält der Entwurf für ein neues Straf­gesetzbuch der Schweiz. In ihm werden die Jugend­lichen in drei Gruppen eingeteilt, in Kindern bis zum 14. Lebensjahr. Jugendliche bis zum 18. und Un­mündige bis zum 20. Lebensjahr. Kinder können überhaupt nicht strafrechtlich verfolgt, sondern nur einer besondern Erziehung oder der Schulbehörde zur Bestrafung überwiesen werden. Jugendliche sollen, wenn sittlich verwahrlost oder verdorben, einer Zwangs- erziehungs- oder Korrektionsanstalt überwiesen oder, wenn diese Voraussetzung nicht zutrifft, mit einem Verweis bestraft werden. In besonderen Fällen kann

allein. Ein Schriftsteller mußte ein offenes Auge haben, Phantasie, Menschenkenntnis und eine umfassendere Bil- dung, als sie sie besaß, ach, ihr fehlte es eben an allen Ecken und Enden. Früher hatte der sie umgebende Goldglanz über alles Fehlende hinweggetäuscht, nun sie den abgestreift, kam ein recht unvollkommenes Ge­schöpf zum Vorschein.

Es war kein Wunder, daß sie am Abend dieses Ta­ges, dem ersten auf der dornenvollen Bahn des Schrift, stellertums, bleich und erschöpft aussah, was Frau Will- furth zu besorgten Fragen Veranlassung gab.

Der Zufall sollte Lina dasjenige bringen, was ihre eigene Erfindungsgabe ihr versagte, einen Stoff. Eigent­lich war es nur eine Anregung, aber als sie die ein­mal hatte, ging es ganz flott weiter.

Lieschen und Elschen hatten vom Erdbeerpflücken erzählt, wobei sie mit ihrer Freundin Martha, dem flachshaarigen Försterstöchterchen, einmal beinahe ver­irrt und in einen Sumpf geraten waren.

Auf diese Harmlosigkeit baute Lina ihre Erzählung auf. Klar und deutlich stand bald alles vor ihrem Geiste. Das Försterhaus im grünen Walde, der bär­tige Waidmann, sein einziges Kind, die Martha, den Namen behielt Lina bei, jetzt ein schönes, schlankes Mäd­chen mit Sounenaugenund Goldhaar, dazu eine dunkel­lockige Freundin aus der Stadt zum Besuch in der För­sterei, eine Großmutter, eine alte, treue Magd, ein lusti­ger Jägerbursch, massenhaft Hunde, und als Held der notwendigen Liebesaffäre ein junger Gutsbesitzer oder ein durchreisender Maler, der eine von den beiden Mädchen liebte und heimführte. Ihn liebten dagegen beide, eine von ihnen mußte entsagen. Welche das sein würde, darüber war Lina noch nicht schlüssig. Sie hätte auch ganz gut Maler und Gutsbesitzer schaffen können und so beide Freundinnen unter die Haube bringen, aber dazu fühlte sie keine Verpflichtung; für eine kurze Novelle, die es doch werden sollte, war ein Herzensbund genug. 168,18