SchlüchternerMung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
Telefon Nr «s Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".Telefon Nr. SS.
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 64.
Mittwoch, den 10. August 1910
61. Jahrgang
Am Sonntag» den 31. Juli verschied bei Dresden
Hugo ^ln-olf Freiherr Wv Stumm
Königlich Preußischer Rittmeister a. D.,
Vefitzev der ^enf^aft Ramholz.
Der Verblichene war von 1886 bis 1897 Mitglied des Kreistags des Kreises Schlüchtern und vertrat diesen als Abgeordneter zum Kommu- nallandtag und zum Provinziallandtag von 1894 bis 1898. Er hat in diesen Stellungen das Wohl des ganzen Kreises in jeder Hinsicht zu fördern gesucht und dessen Interessen stets aufs wärmste wahrgenommen. Mit besonderem Eifer und Erfolge trat er für den Ausbau des Landwegenetzes ein. Darüber hinaus hat er sich dem Kirchspiel Ramholz—Vollmerz—Hinkelhof, welchem er als Besitzer der Herrschaft Ramholz und als Patron der Kirche näherstand, ferner aber auch den Nachbargemeinden Sannerz und Herolz allzeit eine Stütze in vielen wichtigen wirtschaftlichen, kulturellen und persönlichen Fragen bewiesen. Der Erwerb der Herrschaft Ramholz durch ihn, seine Bauten und Anlagen bedeuteten und bedeuten dauernd wirtschaftliche Vorteile für jene Gegend und für den Kreis in mehr als einer Beziehung. Seine Waldwirtschaft und Viehzucht sind vorbildlich. Daneben ist sein wohltätiger Sinn unzähligen zu Gute gekommen. Mit aufrichtigem Mitgefühl wurde vor Jahren im ganzen Kreise Schlüchtern die Kunde vernommen, daß der Freiherr von Stumm von schwerer Krankheit ergriffen sei und Heilung an fernem Orte suchen müsse. Vierzehn lange Jahre hat das Siechtum
gewährt, von dem er nicht wieder Heimat geworden ist.
Sein Andenken aber wird Helfen unermüdlichen, edlen Mannes.
Schlüchtern» im August
genesen sollte. Nur als ein Toter ist er wieder nach Ramholz zurückgekehrt, das ihm die zweite und nun letzte
in unserem Kreise lebendig bleiben und allzeit in hohen Ehren gehalten werden als das eines im Schaffen und
1910.
3m Namen des Areisausschusses und des Areistages: Valentiner, Landrat.
Helgoland.
Auf der Insel Helgoland befindet sich der sogenannte Kaisergedenkstein, ein zwölf Fuß hoher Obelisk aus schwedischem Granit, der zur Erinnerung an den Uebergang der Insel an das Deutsche Reich von der Helgoländer Bevölkerung errichtet worden ist und auf einer Bronzetafel die Inschrift trägt: „Seine Majestät der. Deutsche Kaiser, König von Preußen Wilhelm ll. ergriff an dieser Stätte Besitz von der Insel Helgoland. Zur Erinnerung an den 10. August 1890 gewidmet von den Helgoländern,"
Zwanzig Jahre sind seit jenem denkwürdigen Tage verflossen, unD da ist es interessant, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte dieses kleinen Felseneilandes zu werfen. Der älteste Name Helgolands ist Fosites- land nach dem Gölte Fosite, dem der heilige Wilibrord um das Jahr 700 und der heilige Liudaer 785 die Insel geweiht fanden. Mit Nordfriesland kam die Insel im vierzehnten Jahrhundert an das Herzogtum Schleswig, war bis 1712, wo Dänemark sich ihrer bemächtigte, ein Besitztum der Herzöge von Gottorp, wurde aber 1807 von den Engländern besetzt, die sie während der von Napoleon I. verhängten Kontinentalsperre zur Hauptniederlage ihres Schmuggelhandels mit dem Festlande machten. Im Kieler Frieden 1814 trat Dänemark Helgoland endgültig an England ab, das es auf Grund des deutsch-englischen Abkommens im Jahre 1890 an Deutschland vertauschte und dafür Sansibar und Witu bekam.
Wenn auch allgemein in Deutschland die Freude über die Wiedererwerbung der durch und durch deutsch gebliebenen Insel groß war, so wurden doch auch Stimmen laut, die den Kaufpreis für zu hoch hielten und meinten, wir seien von England übervorteilt
worden. Aber allmählich sind diese Ansichten verstummt; denn man hat eingesehen, daß Helgoland gerade für Deutschland ein strategisch hochwichtiger Punkt ist; heute würde England kaum geneigt sein, selbst um noch höheren Preis in den ihm vor zwanzig Jahren so günstig scheinenden Tausch zu willigen und einen Boden abzugeben, von dem es sich damals wohl besonders deshalb ohne großes Bedauern trennte, weil es ihn allmählicher sicherer Vernichtung durch die Meereswellen verfallen glaubte. In der Tat hat auch die Brandung des Meeres an der ehemals viel größeren Insel arg gearbeitet und besonders an der Südwestseile fortwährend zerstörend eingewirkt. Diesem Zerstörungswerke der Meereswellen ist jedoch Einhalt getan: die zugänglichen Risse und Zerwitterungs- höhlen sind ausgemauert und an den am meisten gefährdeten Stellen gewaltige Schutzmauern aus Granitquadern errichtet worden, wodurch den Uferwänden jetzt ein fester Halt gegeben ist.
Wegen der strategisch wichtigen Sa^e Helgolands, die namentlich darin besteht, daß die Insel ein weit vorgeschobener Beobachtungs- und Stützpunkt für die Verwendung unserer Schlachtflotte ist, sind an Stelle der früheren englischen Batterien auf dem Oberlande mächtige mit Geschützen schwersten Kalibers armierte Panzertürme und Mörserbatterien mit unterirdischen Kasematten errichtet worden. Diese Batterien können dank bedeutender Ueberhöhung und Beobachlungsmög- lichkeit das Ankern feindlicher Schiffe in ihrem Bereiche mit vollster Sicherheit verhindern und unsere Flotte bei je« dem innerhalb der Reichweite der Jnselgeschütze statifinden- den Kampfe aufs wirksamste unterstützen. Eine gewaltsame Eroberung der Insel ist so gut wie ausgeschlossen, da jede Landung äußerst schwierig ist und die senkrechten Felsen unersteigbar sind. Ein Tunnel verbindet die
militärischen Anlagen des Unter- und Oberlandes, so daß für den Verteidiger die stete Verbindung zwischen beiden gesichert ist.
Kürzlich ist die Insel Helgoland in die Zahl der deuischen Reichskriegshäfen eingereiht worden. Für den auf Helgoland in der Ausführung begriffenen Hafen sowie für die Helgoländer Gewässer überhaupt ist jetzt von dem Chef der Marinestation der Nordsee, Admiral Grafen v. Baudissin eine Hafen- und Seepolizeiverordnung gemäß dem Reichskriegshafengesetz erlassen worden, womit die Einrichtung Helgolands zum Reichskriegshafen vollzogen ist. Der auf der Insel im Bau befindliche Hafen soll in erster Reihe als Kriegshafen für kleinere Kriegsfahrzeuge dienen, daneben aber auch als Schutz- und Nothafen für Handelsschiffe. Die Gesamtkosten des Hafenbaues sind auf 30 Millionen Mark veranschlagt worden, von denen mit den Marineetats für 1908—1910 bis jetzt 11 Millionen Mark bewilligt worden sind. Die Inbetriebnahme des Hafens wird voraussichtlich erst im Jahre 1913 erfolgen können. So ist Helgoland das geworden und wird es immer mehr werden, was der Kaiser bei der Besitzergreifung vor zwanzig Jahren sagte: „ein Bollwerk zur See, den deutschen Fischern ein Schutz, ein Stützpunkt für unsere Kriegsschiffe, ein Hort für das deutsche Meer gegen jeden Feind, dem es einfallen sollte, sich auf demselben zu zeigen."
Deutsches Reich.
— Der Kaiser und die Kaiserin sind um 6 Uhr 40 Min. mit Sonderzug am Freitag in Hannover einge» troffen. Der Kaiser trug die Uniform des Königs- Ulanen-Regiments, die Kaiserin war in Trauer. Auf dem Bahnsteig war der Polizeipräsident anwesend. Die Majestäten begaben sich mit Gefolge in Automo-