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zu gewähren, ist aber nur unter der Voraussetzung möglich, daß der Unfallverletzte Beamte wegen dauernder Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt wird. In diesem Falle findet auch auf die Hinterbliebenen das Gesetz betreffend die Fürsorge für die Witwen und Waisen der unmittelbaren Staatsbeamten vom 20. Mai 1882 Anwendung, während nach dem Unfallfür« sorgegesetz die in1 dessen § 2 bezeichneten Ansprüche den Hinterbliebenen des Beamten nur dann zustehen, wenn dieser infolge eines im Dienst erlittenen Betriebs­unfalls gestorben ist.

Die Zentralauskunftstelle für Auswanderer in Berlin, Schellingstraße 4, hat im zweiten Vierteljahr 1910 in 4039 Fällen Auskunft an Auswanderungs- lustige erteilt, die sich auf 6137 Anfragen bezog. Von den Anfragen bezogen sich 2967 auf deutsche Kolonien, und zwar 1188 auf Südwest, 598 auf Ostafrika 260 auf Samerum, 217 auf Joge, Unter den fremden Auswanderungsgebieten kommen in erster Linie Argen­tinien mit 616 Anfragen, Südbrasilien mit 476, die Union mit 377 und Kanada mit 272 Anfragen in Betracht.

Auslano.

Im englischen Unterhause hat sich Premier­minister Asquith über Beziehungen zwischen England und Deutschland ausgesprochen. Er sagte: Ich kann mit vollkommenster Aufrichtigkeit sagen, daß unsere Beziehungen zu Deutschland den herzlichsten Charakter getragen haben und ihn noch in diesem Augenblick tragen. Und ich glaube an eine von Jahr zu Jahr zunehmende Wärme und Innigkeit in diesen Bezieh­ungen. Ich begrüße, wie jedermann in diesem Hause tun muß, all "die verschiedenen Bewegungen, durch weche die beiden Völker mehr und mehr zu gegenseitigem Verständnis gelangen, und ich glaube nicht, daß die deutsche Regierung die Ansicht unterschreiben würde, die man dem deutschen Volke unterschoben hat, daß unsere Flottenrüstungen gegen sie gerichtet seien, ebensowenig, wie ich die Ansicht unterschreibe, als ob die deutschen Flottenrüstungen gegen uns gerichtet wären.

Aus Belgrad wird gemeldet, daß sich seit einiger Zeit eine lebhafte deutschfeindliche Bewegung in Ser­bien bemerkbar macht. Alle patriotischen Serben ver« langen die Boykottierung aller Reichsdeutschen. Die serbische Regierung hat auf allgemeines Verlangen beschlossen, die von deutschen Unternehmern erbetene Bewilligung zur Errichtung einer zweiten Zuckerfabrik zu verweigern.

Daß die Fahnenflucht in der französischen Armee unheimlich zunimmt, geht aus dem jährlichen Rapporte, den der Kriegsminister dem Oberhaupte der französischen Republick zu erstatten pflegt, hervor; denn die Zahl der Stellungsflüchtigen und Deserteure hat sich in den letzten drei Jahren nahezu veroierfacht. Sie betrug im Vorjahre 17258 gegen nur 4904 im Jahre 1907. Die Zunahme der Massendesertion wird mit' der zu milden Behandlung der Deserteure in Verbindung gebracht. Es hat sich der Gebrauch eingebürgert, daß die Kammer alle drei Jahre ein allgemeines Amnestiegesetz für Deserteure votiert; außerdem erhalten SteUungsflüchtige einen Freibrief, wenn sie in Familienangelegenheiten den Boden ihres Vaterlandes wieder zu betreten wünschen.

Die Regierung hat nunmehr den Beschluß ge­faßt, einen Generalstreik der französischen Eisenbahner mit einer allgemeinen Molilmachung sämtlicher militär­pflichtigen Eisenbahnangestellten zu beantworten. Der Führer des Syndikus der Lokomotivführer Toffin er­klärte in einer Unterredung, duß die Eisenbahner dem Mobilmachungsbefehle zwar Folge leisten, aber dafür zu dem Mittel der passiven Resistenz greifen würden, das bekanntlich auch seinerzeit von den österreichischen und italienischen Eisenbahnern angewendet wurde. Es besteht darin, das die Eisenbahner alle Dienstvorschrif- teu mit so peinlicher Gewissenhaftigkeit erfüllen, daß der ganze Verkehr ins Stocken gerät. Das National- syndlkat der Eisenbahner hat einen großsprecherischen Aufruf veröffentlicht.

Nach dem jetzt veröffentlichten Ergebnis der dänischen Volkszählung beträgt die Gesamtbevölkerung Dänemarks 2 726 000 Personen. Da bei der letzten Volkszählung im Jahre 1906 2 605 000 Bewohner zu verzeichnen waren, so ist ein Zuwachs von 1A v. H. vorhanden.

In bisher gut informierten Kreisen Konstan­tinopels heißt es, daß die entdeckte reaktionäre Ver­schwörung in Konstantinopel, an der über zwanzig Deputierte sowie auch türkische Frauen beteiligt sein sollen, von der türkischen Regierung äußerst ernst ge- nommen werde. Es wird behauptet, daß der Exsultan Abdul Humid sich nicht mehr in seiner Villa in Salo­niki befinde, Dieselbe werde nur noch zum Scheine streng überwacht. Der Sultan werde vielmehr in der Nähe von Konstantinopel in strenger Gefangenschaft gehalten, um ihn besser im Auge behalten zu können. Der streng geheini gehaltene Aufenthalt des Exsultans soll auch kein dauernder sein, sondern wiederholt ge- wechselt werden. _____________ ____________

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 19. Juli 1910.

* Am Sonntagabend fand in der hiesigen Turn­halle unter sehr reger Beteiligung die Gedächtnisfeier zur hundertjährigen Wiederkehr des Todestages der Königin Luise von Preußen statt. Die Feier wurde durch

das gemeinsam gesungene Lied:Sei Lob und ^teU' dem höchsten Gut" eingeleiiel. Hierauf folgten Vor- lräge und lebende Bilder, welche einen ergreifenden Eindruck auf die Zuhörerschaft gemachi haben. Be­sonders hervorzuheben sind der Prolog, vorgetragen von Fräulein K. Freund, sowie der Vortrag des Hlrrn Seminardirektors Kolbe, welcher in zu Herzen gehenden Worten die Leidenszeit der hohen Herrscherin schilderte. Herr Superintendent Orth rief in seinem Vortrag das Gedächnis der frommen Königin wach, um ihre Per­sönlichkeit bekannt zu machen, eine Königin, welche das Leid des Vaterlandes als eigenes Leid empfunden und stets Zuflucht zu ihrem Gott gesucht. Der hiesige Männergesangverein" erfreute das Publikum durch drei Lieder, welche der Feier angepaßt waren. Be­sonders schön wirkten die lebenden Bilder, dargestelll von Damen der hiesigen Stadt. Das letzte Bild, Königin Luise auf dem Sterbebette war ein künstlerisches Gemälde vom Photographen Joh. Freund. Die Feier legt beredtes Zeugnis ab von der regen Tätigkeit, welche das Komitee entwickelt haben muß und der Mühe der Vortragenden, ihr bestes zu leisten, denn hochbefriedigt konnte das Publikum das wirklich schön verlaufene Fest verlassen.

* Aus Anlaß der Gedächtnisfeier zur hundert­jährigen Wiederkehr des Todestages der Königin Luise von Preußen wurde heute morgen von 9 bis 10 Uhr mit sämtlichen Glocken gelautet.

* Der für Sonntagmittag angekündigte Ausflug der Eisenbahn-Vereine Burghaun und Elm nach dem Acisbrunnen dahier war von herrlichem Wetter be­günstigt und verlief auf vortrefflichster Weise. Um 1 Uhr traf der Eisenbahnverein Burghaun mit seiner Musikkapelle auf dem hiesigen Bahnhöfe ein, während der Eisenbahnverein Elm wegen Beerdigung eines Kollegen Abstand nehmen mußte. Von hier aus zog der Verein unter vorauftritt der Musik nach dem schönen grünen Wald, wo dann Konzert und Tanz ihren Anfang nahmen. Der Mittag war für die Be­sucher so amüsand sodaß die Stunde, wo der betreffende Veiein seine Rückreise antreten mußte zuschnell herbei- eilte. Um 5 Uhr ertönte das Signal zum Sammeln, worauf ein Mitglied mit Namen Kaufmann erst eine fertigste Rede hielt. Redner hob besonders hervor, daß dieser Ausflug nach Salzungen bestimmt gewesen wäre, aber von höherer Behörde nicht ge­nehmigt wurde und somit wäre er nach dem herrlichen Acisbrunnen verlegt worden. Dann danlte er den erschienenen Gäste, besonders aber dem Pächter für seine labenden Speisen und Getränke. Er schloß mit einem dreifachen Hocy auf Se. Majestät den Deutschen Kaiser, worauf sich die Nationalhymne anschloß. Nachdem der 1. Vers verklungen war zog der Verein unter den Klänger der MusikMuß ich denn, muß ich denn zum Städt'lein hinaus" nach dem Bahnhof. Die hiesigen Besucher blieben noch längere Zeit ver­gnügt beisammen. Der hiesigeMusikverein" hielt am Sonntag ein Tanzvergnügen auf dem Felsenkeller ab, welches gut besucht war.

* Ernannt: der Pfarreiverweser Fuchs zu Wäch­tersbach, Klasse Gelnhausen, zum 2. Pfarrer und Rektor dortselbst, an Stelle des aus dem Gemeindeamt« geschiedenen Franz Joseph Wiegand zu Flieden der Beigeordnete Heinrich Spähn ebenda zum Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Flieden, dem Förster o. R. Dietrich zu Tannenberg, Oberförsterei Nentershausen, vom 1. August d. Js. ab die Försterstelle Thalhof Oberförsterei Marjoß. übertragen In den Ruhestand versetzt: der Revierförster Amelung in Flieden, Oberförstei Neuhof, vom 1. Juli d. J. ab, der Hege­meister Reiche in Thalhof, Oberförsterei Marjoß, vom 1. August d. I. ab.

* Deutsche Hausfrauen' Die im Kampfe ums Dasein schwer ringenden armen Thüringer Handweber bitten um Arbeit! Dieselben bieten an: Tischtücher, Servietten, Taschentücher, Hand- und Küchentücher, Scheuertücher, Rein- und Halbleinen, buntes Schürzen- leinen, Bettzeuge, Matratzendrell, Halbwollene Kleider­stoffe, Altthüringische und Spruch-Decken, Kyffhäuser- Decken, Wartburg-Decken usw. Sämtliche Waren sind Handfabrikate, dauerhaft und preiswert. Dies wird durch taufende unverlangter Anerkennungsschreiben bestätigt. Muster und Preisverzeichnisse wolle man verlangen vom Thüringer Handweber-Verein Gotha. Vorsitzender C. F. Grübel, Kaufmann und Landlags- abgeordneter. Der Unterzeichnete leitet den Verein kaufmännisch ohne Vergütung.

* Für die diesjährigen Manöver sind mehrere Bestimmungen getroffen worden, die im Interesse der Landwirtschaft und den Schutz der Aecker sowie die Schonung der Ackerpferde betreffen. Besonders häufig waren die Klagen, i 'e von der Landbevölkerung über die Anforderungen an die Ackerpferde laut wurden. Es handelt sich stets darum, daß zu den Manöver­fuhren die Pferde der Landwirte zu stark in Anspruch genommen worden waren. Die Entschädigung, die den Landwirten gezahlt wurde, war sehr gering, da sie sich nach der Anzahl der Tage richtete, an denen die Pferde im Manöver beschäftigt waren. Die Forderung der Landwirte geht aber dahin, daß die Entschädigungen nach der Anzahl der von den Gespannen zurückgelegten Kilometer bemessen werden, da nur auf diese Weise ein gerechter Ausgleich geschaffen wird, Anläßlich einer

Eingabe der Landwirtschaftskammer zu Hannovers weche diese Klagen der Landwirte vor die Intendantur des 10. Armeekorps brächte, werden in dieser Hinsicht * allgemein Maßregeln getroffen werden, daß die Ge­spanne dem engeren Manöverbezirke entnommen werden. Femer sindGelandekommission" errichtet, die die ®e- länie für die einzelnen Manöver zu bestimmen haben. Es werden dabei die Landwirte gehört werden, damit eine möglichste Schonung der Gelände eintreten kann und nur solches Terrain ausgesucht wird, das am wenigsten durch die Uebungen Schaden nimmt.

HüttenWenn es noch eines Beweises dafür bedürft, daß die Mission nicht mehr eine Winkelsache ist, sie Edinburger Weltmissionskonferenz im Juni dieses Jahres hätte ihn gegeben." So schrieb kürzlich ein evangelisches Gemeindeblatt. Und es ist wahr. Wenn das Evangeliumaller Welt" gebracht werden soll, müssen auch alle, die es kennen, sich für die Aus­breitung "desselben, für die Mission also, wenigstens intere'fieren. Der kommende Sonntag soll in unserer Geme nde dem Werke der Mission gewidmet sein. Alle Freunde desselben sind eingeladen; auch die Skeptiker sollen willkommen sein, damit sie sich ein richtiges Ur­teil bilden können. Herr Missionar Müller, der im Dienste der Baseler Missionsgesellschaft lange Zeit in China arbeitete und mit der Missionslueratur sehr vertraut ist, wird als Redner auftreten. Herr Pfarrer Heck-Hüttengesäß hat in großer Liebenswürdigkeit die Festpredigt übernommen. Er ist der Sohn des gewiß im Kreise und in der Stadt Schlüchtern noch in bester Erinnerung stehenden Herrn Superintendenten Heck, also ein Landsmann von uns den zu hören einem Freude machen muß," wie kürzlich ein hiesiger Orts- bürger sagte. Hier oben in den Bergen soll das Fest stattfinden, bei günstigem Wetter im Freien. Schon der Spaziergang ist lohnend, entweder am Branden- stein, der alten Ritterburg, oder am Cementwerk, der Stätte modernen Gewerbefleißes vorüber. Wer mit der Bahn nach Elm fährt, passende Züge kommen von Jossa, Fylda und Hanau her, tut am besten, wenn er über den Sieg gegangen ist, rechts umzubiegen und längs dem Bahnkörper her zu wandern, bis er nach ca. 10 Minuten auf die Chaussee stößt. Von da ist in knapper halber Stunde der Festplatz zu erreichen. Für leibliche Stärkung wird Herr Gastwirt Wissenbach sorgen, Kaffee brauen und Backwerk bereit halten. Wer sich mit 5 Pfg.-Karte anmeldet, dem wird an dem Kaffeetisch ein schönes Plätzlein reserviert. So rufen wir allen evangelischen Lesern zu: Kommt nächsten Sonntag nach Hütten und feiert mit uns das erste evangelische Fest dahier, das Missionsfest der Klaffest Schlüchtern und Schwarzenfels.

* Den eifrigen Bemühungen des Herrn Bürger­meisters Dr. Schmidt ist es gelungen, in Folge seiner guten Beziehungen nach Außen, eine Frankfurter Ver­einigung für Gelnhausen zu interessieren, welche eine Stätte für Ferienheim in Gelnhausen errichtet. Ueber 200 Schüler höherer Lehranstalten werden hier im Casino und int Restaurant Ferd. Baumann vorm Rölertor ihr Quartier für einige Wochen aufschlagen. In einem mit verschiedenen Aussichten aus unserer Stadt ausgestatteten Prospekt ist Gelnhausen in Poesie und in einer wohltuenden Sprache verherrlicht. Am Montag den 18. d. Mts traf die erste Abteilung hier ein, die zweite folgt am 30. d. Mts. Gelnhausen tritt mit diesem Unternehmen wieder in einen weiteren Konnex mit unseren größeren Nachbarstädlen, aus dem heraus für unsere Stadt nur Nutzen springen kann. Wir hören weiter, daß auch zwei Jndustrieunternehm- ungen sich hier niederlassen werden. Aus Allen diesen dürfte zu schließen sein, daß neues pulsierendes Leben bei uns einkehrt.

* Frankfurt a. M. Am Dienstag fand imFaust" die Generalversammlung der Zentralverwertung statt. Aus dem Geschäftsbericht ging hervor, daß seit der Umgestaltung der Zentralstelle als Angliederung an den Deutschen Pomologenverein in Eisenach die Zentralstelle zurückgegangen ist. Da sich nun schon seit längerer Zeit das Bedürfnis einer Rückgestaltung als unbedingt notwendig herausstellte, so haben seitens des erweiterten Vorstandes umfangreiche Vorarbeiten stattgefunden. Es konnte die Reorganisation der Zentralstelle vorgenommen werden. Die neue Marktordnung ist in nächster Zeit von der Zentralstelle oder der Geschäftsstelle des Oberhessischen Obstbauvereins zu beziehen. Es werden wöchentlich und zwar Donnestags in einer städtischen Markthalle Obstmärkte abgehalten.

* Die Wagenfabrik von Flemme in Fulda wurde durch Feuer gänzlich zerstört.

* Niederellenbach, Kreis Rotenburg. Der ehemalige Müller Z. hier hat eine große Erbschaft gemacht, und zwar soll sie 150 000 Mark in bar und ebensoviel an Ländereien betragen, die ihm sein in Nordamerika kinderlos verstorbener Bruder hinterlassen hat. Nun ist aber auch Z. ohne Leibeserben, und da er schon 84 Jahre alt ist, wird dieß große Erbschaft später einmal an entfernte Verwandte^fallen.

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