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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich I Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner IZeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Mr das neue Landesmuseum.

In seiner Sitzung vom 28. d. M. hat der Landes­ausschuß, dem ein Antrag der Königlichen Museums« direktion vorlag, für das Museum eine Anzahl hessischer Hoftrachten, Unifmmen usw. aus der Garderobe des Königlichen Theaters zu erwerben, folgenden Beschluß gefaßt. 1. Der Landesausschuß sprich, seine Geneigt­heit aus, dem neu zu gründenden Landesmuseum zu Cassel von Seiten des Bezirksverbandes eine größere Schenkung zum Zwecke des Erwerbs von hessischen Altertümern zu machen und ersucht daher den Herrn Landeshauptmann eine dementsprechend« Vorlage für den Kommunallandtag vorzubereiten. 2. Ein Teil dieser Schenkung soll für die im Gesuch der König­lichen Museumsdirektion vom 10. Juni 1910 näher bezeichneten Hoftrachten, ferner Uniformen, Waffen und Ausrüstungsgegenstände der hessischen und westfälischen Armee verwendet werden, welche die Jndendantur des Königlichen Hoftheaters mit Genehmigung des Herrn Ministers des Königlichen Hauses an das neue Landes­museum abzugeben bereit ist. Der Landes-Ausschuß hat dadurch sein Interesse an der Entwicklung des hessischen Landesmuseums bewiesen, das durch das einmü­tige uud opferwillige Zusammenwirken des Staates, des Bezirksverbandes und der Stadt Cassel zu Stande ge­kommen ist, und dessen Bau noch in diesem Jahre beginnt. Es ist zu wünschen, daß dies Vorgehen des Bezirksverbandes in weiten Kreisen der Bevökerung Verständnis für das Museum und seine Aufgaben weckt. Daß sich insbesondere Kreis- und Gemeinde­verwaltungen, Innungen und sonstige Korporationen über seine Bedeutung für unser engeres Vaterland klar werden. Das neue Landesmuseum soll in seinen Sammlungen die Entwickelung der Kultur und Kunst

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In der Schule des Lebens.

Roman von Editha v. Welten. 27

Gott fei Dank, doch noch eine Menschenseele, dies Haus ist ja sonst wie ausgestorben. Die Mahlzeiten zu Dreien sind nicht übermäßig amüsant, obgleich sich un­sere liebe Doktorin alle Mühe gibt, mit jedem Gange auch das Thema zu wechseln."

Frau Doktor Gebauer ist aber eine reizende Wir­tin, so gut waren wir auf unseren Reisen noch nie un- tergebracht."

Das ist wohl wahr, Kind, ich bin auch sonst sehr zufrieden. Daß wir bis jetzt ihre einzigen Gäste waren, war ja für sie selbst am schlimmsten; mir tat sie leid, sonst hätte ich vielleicht doch gekündigt und wäre drüben in die große Villa gezogen, die schon zur Hälfte be­setzt ist. Hoffen wir, daß der heutige Zuwachs hier bei uns Nachfolger hat."

Hoffen wir, daß uns die Dame auch sympathisch sei. Mamachen, sonst sagen wir am Ende bald, vor­her war es doch gemütlicher. Ist sie jung oder alt?"

Anfang oder Mitte dreißig, denke ich, genau kann ich es nichtsagen. Sie trug einen dichten schwarzen Schleier und hatte langsame Bewegungen, schien mir jedoch ju­gendlich schlank zu sein."

Du meinst, sie gehörte den besseren Ständen an?"

Sicher. Ihr Auftreten und ihr weniges, aber gutes Reisegepäck bürgen dafür. Auch hat sie das große Eckzim­mer, Dir gegenüber, genommen, und Du weißt, billig ist unsere Frau Gebauer gerade nicht."

Ich freue mich für Dich, Mama, daß wir etwas Gesellschaft bekommen. Ich bin Dir so oft davongelaufen und Du hast Dich wohl schon manchmal nach Hause gesehnt, wo Du Deine vielen Freunde hast. Es war un­recht, selbstsüchtig von mir, ich will mich bessern."

Sie schmiegte sich wieder, wie in vergangenen Ta­gen, an ihre Mutter, und diese, glücklich über das seltene

Samstag, den 9. Juli 1910

Hessens darstellen. Es wird alle Altertümer aus dem Lande sammeln, mögen sie die Familie oder die Ge­meinde oder den Staat betreffen: bauliche Altertümer, Möbel und Hausrat, Tracht und Schmuck, Werkzeuge und Zunftsachen, Gegenstände des christlichen und des jüdischen Kultus, Uniformen und Waffen, Orden und Münzen usw. In unserer alles nivellierenden und vergessenden Zeit soll eine Stätte der Erinnerung an die reiche Vergangenheit unseres Landes geschaffen werden. An ihr sollen gleichzeitig Künstler und Hand­werker von den Werten der Väter lernen, deren Sinn noch schlicht und wahr, deren Auge klar und deren Hand sicher war. Soll das Museum dieses Ziel er­reichen, heute wo schon so unendlich viel durch Unver­stand, Not oder Zufall verdorben und verschleudert ist, so bedarf es der tätigen und opferwilligen Mitarbeit weitester Kreise Hessens. Wie manches für das Mu­seum wertvolle Stück liegt unbeachtet auf unseren Boden und in unsern Rumpelkammern, wie inanches unersetzliche Altertum geht durch unsachgemäße Aufbewahrung seinem Untergänge entgegen. An anderen Stellen werden kostbare Erzeugnisse unserer alten Industrie wohl sorgfältig aufgehoben, aber versteckt und ver­einzelt wie sie sind stiften sie den Nutzen nicht, den sie haben würden, wenn sie in großem Zusammenhänge der öffentlichen Betrachtung zugänglich wären. Hier darf Niemand, der sein Vaterland lieb hat, Kirchtums- Politik treiben und für sein Städtchen, sein Dorf, sein Haus, seine Stube erhalten wollen, was der Oeffentlichkeit über- wiesen reichen Segen stiften würde. Der Museums« verein zu Cassel der die Förderung des Museums als seine vornehmste Aufgabe betrachtet, richtet deshalb an unsere Landsleute schon jetzt die dringende Bitte, even­tuell unter Vorbehalt des Eigentums, zur Verfügung zu stellen, was zur Entwickelung des hessischen Landes­museums von Wert sein kann. Herr Geheime Regie­rungsrat Dr. Knorz (Cassel, Schöne Aussicht 7) steht zu Verhandlungen ebenso wie der Museumsdirektor Dr. Boehlau und der Vorsitzende des hessischen Ge- schichtsvereins, Generalmajor Eisentraut (Cassel, Luisen- straße 10 jederzeit zur Verfügung.

Aeutsches Reich.

Der Kaiser ist aus der Nordlandreise, die er Montag nachmittag an getreten hat, begleitet u. a. von : General von Moltke, dem Chef des Generalstabes, Freiherrn von Lyncker, dem Chef des Militärkabinetts, dem Generalarzt Dr. von Jlberg, dem Prinzen Albert

Zeichen einer wiedererwachenden Zärtlichkeit, strich ihr liebkosend über den Scheitel.

Mama, wenn sie nun auf ihrem Zimmer ißt?"

Kind, wie Du mich erschreckt hast. Sie wird doch nicht? Allein essen, wenn man nicht muß, ist ja fürch­terlich. Mir würde kein Bissen schmecken."

Andere Leute sind vielleicht anders gesonnen," ver­setzte Lina nachdenklich.Zum Beispiel Nervöse, oder sonst Leidende, oder jemand, der sehr, sehr traurig ist."

Mag wohl oft das Alleinsein vorziehen, aber besser ist es ihm auf alle Fälle mit Menschen zusammenzu- kommen."

Frau Willfurth sagte das mit so großer Bestimmt­heit, daß ihre Tochter nicht widersprach.

Glücklicherweise schien die neue Hausgenossin keine einsiedlerischen Neigungen zu haben. Sie lernte schon beim gemeinsamen Abendessen ihre Mitpensionärinnen kennen.

Sie war eine Frau Charlotte Eibig aus Hamburg und führte keinerlei Titel.

Schick, sehr schick, dachte Frau Willfurth, als ihr die hohe Gestalt im schweren, schwarzen Schleppkleide ent- gegentrat.

Ach, wie interessant!" fuhr es Lina durch den Sinn, die ihre Blicke nicht losreißen konnte von dem bleichen, feingeschnittenen Gesicht, dem die dunklen Augen und der schwermütige Mund einen besonderen Ausdruck ver­liehen.

Das Tischgespräch war heute etwas lebhafter, ob­gleich Frau Eibig einfach und nicht zu viel sprach. Doch übernahm sie bald die Führung, indem sie die ver­schiedensten Gebiete berührte, gleichsam tastend nach Ensamen Interessen. Da hatte sie bei du., Will-

; wenig Glück, Frau Willfurth hatte stets nur an berfläche gelebt und freiwillig ihren Geisteshori­zont eng begrenzt, und Lina war ganz stumme Bewun- oerung für die Fremde. Diese bemerkte es wohl und wandle sich mehrmals an das liebliche junge Mädchen,

zu Schleswig-Holstein, dem Generalintendanten Grafen von Hülsen-Häseler und dem Marinemaler Professor Stöwer.

Zu Ehren Kaiser Wilhelms wurde in Aalesund ein Baustein eingeweiht, der drei Meter hoch ist. Die vordere Seite, die das Hohenzollernwappen mit den Portraitmedaillen des Kaisers zeigt trägt die Inschrift: Wilhelm II. 1904. Die Stadt ist beflaggt.

Die Neubesetzung der Oberpräsidien der Rhein« Provinz und Schlesiens ist imStaatsanzeiger,, ver­öffentlicht worden. Der frühere Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben wurde zum Oberpräsidente.l der Rhein­provinz, Unterstaatssekretär v. Guenther zum Ober­präsidenten der Provinz Schlesien ernannt. Der neu­ernannte Oberpräsident von Schlesien Hans Lauchlan V. Guenther ist zu Berlin am 3. Februar geboren. Nach Absolvierung des Gymnasiums in Berlin und Posen studierte er von 1881 bis 1884 in Heidelberg und Berlin die Rechte. Als Regierungsassessor 1890 war er kommissarisch u. a. beim Polizeipräsidium in Breslau beschäftigt, und nachdem er 1891 beim Polizei­präsidium in Berlin, dann bis 1895 beim Oberpräsidium in Potsdam tätig gewesen war, verwaltete er vom Januar 1890 bis Januar 1901 das LandratSamt in Löwenberg in Schlesien. Im Januar 1901 zum Re­gierungsrat und ständigen Hilfsarbeiter in der Reichs­kanzlei ernannt, wurde er im Juni desselben Jahres zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat beim Staatsministerium befördert, setzte aber seine Tätigkeit in der Reichskanzlei fort; 1904 zum Ge­heimen Oberregierungsrat ernannt, erhielt er 1907 at* Kaiserlicher Geheimer Oberregierungsrat die neu­geschaffene Stelle eines Vortragenden Rares in der Reichskanzlei; am 29. Juni 1907 wurde er zum Unterstaatssekretär des Staatsministeriums ernannt.

Die Absetzung des geisteskranken Königs von Bayern und die Proklamation des Prinzregenten Luitpold zum König gelegentlich des 25jährigen Regentschaftsjubiläums wird von weiten politischen Kreisen Bayerns mit so regem Interesse betrieben, daß die Möglichkeit eines Wechsels in der Regierungs­form doch nicht mehr als ganz ausgeschlossen erscheint. Der greise Prinzregent will freilich von der Aenderung nichts wisfen, entspricht aber möglicherweise doch einem an einem an ihn herantretenden Wunsche aller Parteien und maßgebenden Faktoren.

Prinz Ludwig von Bayern hielt bei der Jahr­hundertfeier der Zugehörigkeit Erlangens zur Krone

im übrigen unterhielt sie sich fast ausschließlich mit Frau Doktor Gebauer.

Als man sich erhob, hatte Frau Willfurth innerlich bereits festgestellt, daß diese Neue nichts für sie sei, wäh­rend Lina geradezu für sie schwärmte.

In den nächsten Tagen lernte man sich nicht besser kennen. Mittags und abends eine kühle Begrüßung, einige konventionelle Bemerkungen, und jeder ging seine eigenen Wege, zu Linas großem Bedauern.

Frau Willfurth gelangte sehr bald zu der ärger­lichen Ueberzeugung, daß es wirklich vorher mit der Doktorin allein gemütlicher gewesen sei.

Endlich sollte ein Zufall wenigstens Lina der Dame in Schwarz etwas näherbringen. Sie war eines schö­nen Vormittags weiter als gewöhnlich gegangen, da sie ihre Mutter mit Briefschreiben vollauf beschäftigt wußte, und, da sie an dem Tage kein Bad zu nehmen hatte, viel Zeit hatte. In der herrlichen Morgenlust wanderte es sich so schön, weiter, immer weiter lockte es sie, bis schließlich die Wegweiser aufhörten und sie die Richtung verloren hatte.

Nun wurde sie ängstlich. Nicht wegen ihrer eigenen Person, sie fürchtete sich nicht, und zurückkommen mußte sie ja, den ersten Menschen, den sie traf, wollte sie nach dem Wege fragen, aber wenn sie sich verspätete, zu Mittag nicht zu Hause war, würde Mama sich furchtbar aufregen. Wie hatte sie auch so leichtsinnig sein können.

Ratlos stand sie, als der Weg sich teilte, ging es nun links oder ging es rechts? Nach welcher Seite lag Pyrmont. Wieder kein Wegweiser, wie fatal.

Auf gut Glück ging sie nach links, das Herz fing ihr an zu pochen, es war gar zu still und einsam hier im Walde. Wenn sie sich nun ganz und gar verirrte, sich immer weiter von ihrem Ziele entfernte? Als Kind und auch noch als Backfisch hatte sie sich das oft gewünscht, und alle Märchenromantik zu Hilfe genommen, sich solch ein Verirren im dunklen Walde recht reizvoll aus- zumalen." 168,18