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Schlüchterner^eitun g mit amtlichem Kreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

______Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

JU 50. Mittwoch, den 22. Juni 1910 61. Jahrgang.

J.-Nr. 5715. Vorstehende Aenderungen der Satz­ungen der Kreis Sparkasse in Schlüchtern werden auf Gruuv des § 52 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 hiermit bestätigt.

Cassel, am 1. Juni 1910.

Der Oberpräsident I. V. von M a u v e.

Amtliches.

Bekanntmachung,

Am 16. April 1910 wurde folgende Aenderung und Ergänzung der Kreissparkassen Statuten beschlossen:

a) die §§ 19 und 24 des Statuts vom 19. März 1902 erhalten folgenden Wortlaut:

§ 19.

Die Zinsen werden von jeder vollen Mark an wie folgt berechnet:

Von Einlagen an den ersten drei Werktagen des Monais vom ersten Tage des Einzahlungsmonats ab, von Einlagen von da ab bis 15. vom 16. des betreffen­den Monats ab. Alle späteren Einlagen bis zum letzten Tage des Monats werden vom ersten Tage des folgenden Monats ab verzinst.

Nach diesen Grundsätzen werden auch die Rückzah­lungen, welche in der ersten Hälfte eines Monats er- sol en bis zum letzten Tage des Vormonats, und solche, welche in der zweiten Hälfte stattsinden, bis zum 15. des Auszahlungsmonats verzinst. Bei Berechnung der Zinsen wird jeder Monat zu 30 Tagen angenom­men. Pfennigbrüche bleiben außer Ansatz.

§ 24.

Das Original-Einlagebuch wird kostenfrei ausge­fertigt, für eine zweite Ausfertigung nach § 23 haben Einleger 50 Pfg. zu entrichten.

b) das Statut erhält folgenden Nachtrag:

I Nachtrag zu den Satzungen der Kreissparkasse zu Schlüchtern vom 19. März 1902.

Uebertragbarkeit der Einlagen.

I. Die Kreis-Sparkasse führt zwischen sich und an­deren öffentlichen Sparkassen einen Uebertragbarkeits- Verkehr ein. Die ihm zu Grunde liegenden Bedingungen sind folgende:

1. Auf Verlangen bewirkt die Kreis-Sparkasse sowohl die Ueberweisung von Spareinlagen Abziehender an eine andere Sparkasse als die Einziehung von Einlagen aus auswärtigen Sparkassen für Angezogene.

2. Der Antrag kann mündlich oder schriftlich ge­schehen, das Sparkassenbuch muß dem Anträge beigefügt sein; über den Empfang ist von der Sparkasse eine Bescheinigung zu erteilen, gegen deren Rückgabe seinerzeit bei der neuen Spar­kasse die Uebergabe des neuen Sparkassenbuches mit der Abrechnung erfolgt.

In der Schule des Leöens.

Roman von Editha o. Welten. 21

Frau Willfurth, die im Grunde eine nüchterne, poe­sielose Natur war, wußte nicht, was sie mitdiefen grau­samen Worten in ihres Kindes Seele zertrümmert hatte. Zum ersten Male hörte es Lina frank und frei aus­sprechen: Du bist ein reiches Mädchen, darum wirst Du geliebt. Es war nicht nur die jugendliche Eitelkeit, die getroffen wurde, etivas Besseres brach unter diesen ver­nichtenden Streichen zusammen, das Gefühl, durch Ei­genschaften des Geistes und des Herzens einer treuen Liebe wert zu sein.

Also ihr Geld liebte man. Sie war wohl nur eine lästige Zugabe. Und Walter, ihr Walter hätte auch., nein, das konnte und wollte sie nicht glauben.

Sie vergegenwärtigte sich seine offene Miene, seine dunklen Augen, in denen kein Falsch war, und sie ge­dachte der Stunden, die sie mit ihm und Wilhelmine bei seinem Mütterchen in dem bescheidenen Witwenheim verlebt hatte. Allen Dreien traute sie keinerlei Berech­nung zu, was sie ihnen war, sie war es durch ihr eigenstes Selbst.

Du tust ihm Unrecht, Mama, Du kennst ihn nicht." 'Ich kenne die Welt, und ich weiß, wie oft die so­genannte Liebe zum Deckmantel selbstsüchtiger Pläne wirb."

Auch bei Leopold Seidel, auch bei den anderen, die Air als Bewerber recht gewesen wären?"

Bei ihnen spielte Dein Vermögen keine Rolle, oder sie setzten Namen, Ansehen, Stellung dagegen ein. Der arme Philologe aber..."

Der arme Philologe," fiel Lina begeistert mit schwärmerisch leuchtenden Augen ein,der hat das eine vor den anderen voraus, daß ich ihn liebe und an feine Liebe glaube."

Frau Willfurth stand auf. Ihr Blick wurde wieder

3. Sperrvermerke, Bevormundungen und Pfleg­schaften, durch welche die Auszahlung des zu überweisenden Guthabens beschränkt oder an die Zustimmung dritter Personen geknüpft ist, sind von der überweisenden der empfangenden Kasse mitzuteilen und von dieser auf das neue Gut­haben zu übernehmen. Die Ueberweisung gericht­lich gepfändeter Gnthaben ist ausgeschlossen.

4. Die empfangende Kasse ist auch bei Annahme eines überwiesenen Guthabens an die für die Annahme von Spareinlagen nach ihrer Satzung vorgeschriebene Höchstgrenze gebunden.

5. Die überweisende Kasse kann die Ausführung der Ueberweisung bei Einlagen, für deren Rück­zahlung satzungsmäßig die Jnnehaltung einer Kündigungsfrist verlangt werden kann, bis zum Ablauf der Kündigungsfrist Hiyausschieben; die Kündigungsfrist läuft in diesem Falle vom Tage des Eingangs des UeberweisungsantrageS bei der überweisenden Kasse.

6. Die Verzinsung der Einlage wird durch die Ueberweisung an eine andere Sparkasse in keinem Falle unterbrochen. Die Verzinsung endigt bei der alten und beginnt bei der neuen Sparkasse mit dem Ende des Tages der Absendung des Geldes oder der Einzahlung aus Reichsbankgirokonto.

7. Die Kosten der Ueberweisung einschließlich der Ausfertigung des neuen Sparkassenbuches trägt in jedem Falle die Sparkasse des neuen Aufenthaltortes.

8. Die Ueberweisung findet nur statt zwischen Spar­kassen, unter denen hinsichtlich des Ueberweisungs- verkehrs Gegenseitigkeit verbürgt ist.

II. Im Hinblick auf Nr. 6 der vorstehenden Be­dingungen werden die Bestimmungen im § 19 des Statuts der Einlagen-Verzinsung dahin abgeändert, daß die Zinsen der durch Uebertragung der Sparkasse zufließenden Einlagen und der von der Sparkasse an eine andere Kasse zu übertragenden Einlagen nach Maßgabe der vorgenannten Bedingung Nr. 6 berechnet werden.

Schlüchtern, den 16. April 1910.

Der Kreistag Valentiner Landrat und Vorsitzender.

Berta, Albrecht, Schäfer, Mitglieder

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strenger, und sie schob Lina, die sie liebend umfassen wollte, mit kühler Abwehr zurück.

Ich sehe, wir kommen so nicht weiter. Du hast einen eigensinnigen Kopf, der sich nicht belehren läßt. Dich wird das Leben in die Schule nehmen müssen. Vorläufig spreche ich nicht mehr mit Dir über die An­gelegenheit, aber ich verbiete Dir, weitere Liebesbriefe zu schreiben und Schneiders zu besuchen. Und jetzt ziehe Dich an, wir wollen früher essen, da wir ins Theater müssen. Ich möchte nicht, daß wir unser Abonnement versäumten."

* *

Was sie an diesem Abend im Theater gegeben, wie sie gespielt hatten, ob es voll oder leer gewesen, daran hatte Lina, als sie am anderen Morgen bleich und übernächtig ihrer Mutter beim Frühstück gegenübersaß, keine Erinnerung. Sie hatte kein Auge geschlossen die ganze Nacht und erhob sich, als der Wintermorgen graute, mit zerschlagenen Gliedern und müder Seele; sie zwang sich, einige Bissen zu essen und von dem hei­ßen, kräftigen Kaffee zu trinken, dann begab sie sich an ihre gewöhnlichen häuslichen Verrichtungen. Auch Frau Willfurth schien es für heilsamer zu halten, daß sie sich beschäftigte, als daß sie sich unnützen Grübeleien über­ließ.

Lina ging umher wie eine Schlafwandelnde,ihre Hände arbeiteten wohl mechanisch, aber ihr Geist schweifte weit ab in Sphären, wo das Glück und die Liebe wohnten.

So vergingen zwei Tage, in denen Mutter und Tochter nur das Notwendigste miteinander sprachen, keine Besuche annahmen und nicht zusammen ausgingen.

Am Vormittag brächte das Mädchen eine Visiten­karte herein, mit dem Bemerken, der Herr bitte drin­gend, Frau Professor sprechen zu dürfen.

Lina sah, wie ihre Mutter errötete, als sie einen Blick auf die Karte geworfen hatte, da wußte sie, wer drau­ßen stand, und wollte aufspringen.

J.-Nr. 3895 K. A. Die vorstehend näher bezeich­neten Statutenänderungen und der Nachtrag treten am 1. Oktober 1910 in Kraft. Die neuen Bestimmungen finden von da ab für alle seitherigen Sparkassen- Jnteressenten, sowohl Gläubiger wie Schuldner, An­wendung sofern solche nicht vorher ihre Einlagen gekündigt oder zurückgezogen, bezw. ihre Schulden ge­kündigt oder abgetragen haben.

Schlüchtern, den 21. Juni 1910.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses

I. V.: Bert a.

Deutscher Reich.

Potsdam. Seine Majestät der Kaiser und König haben sich einen anscheinend durch die ersten nach der Genesung unternommenen Ritte veranlaßten Erguß im rechten Kniegelenk zugezogen und mußten auf die Teilnahme an der für den 16. ds. Mts. in Döberitz in Aussicht genommenen Uebung und die Reise nach Hannover-Hamburg verzichten. Das Allgemein­befinden ist in keiner Weise gestört, die Körpertempe­ratur nicht erhöht. Schmerz so gut wie gar nicht vorhanden. Um Mißdeutungen vorzubeugen, wird ärztlicherseits Wert darauf gelegt, auszusprechen, daß ein Zusammenhang der Knieaffektion mit dem nunmehr geheilten Furunkel nicht besteht.

Die Kaiserin war Sonntag vormittag 10 Uhr nach Hamburg zu dem Rennen bei Horn abgefahren. Im Gefolge befanden sich die Hofdame Gräfin zu Rantzau und Kammerherr v. Winterfold. Prinzessin Viktoria Louise hat die Kaiserin begleitet.

Die Ankunft der Kaiserin in Wilhelmshöhe. Dem Vernehmen nach trifft Ihre Majestät die Kai­serin mit der Prinzessin Viktoria Louise Ende dieses oder Anfang nächsten Monats zum diesjährigen Som- meraufenthalt in Wilhelmshöhe ein.

Potsdam. Der Kronprinz und die Kronprin­zessin haben Freitag vormittag im Automobil die Reise nach Kiel angetreten.

Du bleibst," rief Frau Willfurth energisch.Ich will ihn allein iprechen. Auguste, führen Sie den Herrn in den Salon."

Damit rauschte sie hinaus und schloß die Verbin­dungstür, die sonst offen stand, hinter sich. Lina litt es nicht im Wohnzimmer. Leise schlich sie über den Kor­ridor nach Z>em einfenstrigen Zimmer an der anderen Seite des Salons, der von diesem nur durch eine Por­tiere getrennt war. So behutsam wie möglich, trat sie ein, im selben Moment, als Frau Willfurth eben noch einen prüfenden Blick durch den kleinen Raum ge­sandt und die schweren Vorhänge an der Tür her­untergelassen hatte. Sie bemerkte ihre Tochter nicht und diese gelangte auf dem dicken Teppich lautlos bis an die Portiere, an der sie stehen blieb, um zu lauschen.

Nicht einen Augenblick kam ihr das Bedenken, wie unschicklich ihr Tun sei. Hier, wo es sich um ihr Le­bensglück handelte, hätte sie nicht horchen sollen, wenn nur die entfernte Möglichkeit dazu gegeben war?

Die Händeaus daswildschlagendeHerzgedrückt, stand sie da, nur gedämpft drangen die Stimmen in schnel­ler Wechselrede an ihr Ohr. Sie suchte mit zitternden Fingern eine Spalte in den dichten Falten zu finden; jetzt, ja, jetzt konnte sie sogar einen Blick auf den Ge- liebteu werfen, der ihr gerade gegenübersaß. Die Mama, Gott sei Dank, kehrte ihr den Rücken zu, aber er, mußte er nicht ihre Nähe ahnen, fühlte er nicht, daß ihre Blicke mit heißer Liebe auf ihm ruhten?

Sehr einfach, gnädige Frau," hörte sie ihn jetzt sa­gen,Sie hatten Lina wohl verboten, zu meinen An­gehörigen zu gehen, nicht aber, bei einer zufälligen Begegnung das Vorgefallene zu erwähnen."

Ein Brief meiner Schwester beschleunigte meine Abreise von Berlin, und kaum angelangt, eine ich hier­her, nm vor allen Dingen Ihre Verzeihung zu er­flehen. Ihre Verzeihung, gnädige Frau, nicht dafür, daß wir uns lieben, sondern dafür, daß wir unsere Liebe vor Ihnen geheimhielten." , 168,18