Einzelbild herunterladen
 

von der Dresdner Staatsanwaltschaft die Vorunter­suchung wegen Gotteslästerung eingeleitet worden.

Ausland.

Aus Athen wird gemeldet, daß es für die Schutzmächte immer schwieriger werde, in der Kreta- frage einen geeigneten Ausweg zu finden. Frankreich sei mit seiner scharfen Tonart, die es angeschlagen habe, bei den übrigen Schutzmächten nicht durchge­drungen. König Georg von Griechenland sei es ge­lungen, in London die Regierung davon zu überzeugen, daß die Preisgebung Kretas an die Türkei für Grie­chenland die schwersten Folgen haben würde. England und Rußland wollen sich angeblich darauf beschränken, im höchsten Falle Truppen in Kreta zu landen. Es sei aber anzunehmen, daß sich die türkische Regierung mit einer solchen Beschränkung der Aktion der Schutz­mächte nicht zufrieden geben werde, sondern es scheine, daß die Türkei die Absicht habe, in einem solchen Falle selbst eine Geltendmachung ihrer Souveränitätsrechte auf Kreta vorzunehmen.

Meldungen aus dem Aufstandsgebiete in Alba­nien besagen, daß es vollständig verfehlt sei, den Auf­stand als erloschen anzusehen. Die Rebellen hätten sich nur in das Gebirge zurückgezogen, und die Waffen, welche sie bis jetzt abgeliefert hätten, seien nur alte und unbrauchbare gewesen. Im Dernitzagebiet haben sich Ausständige mit dem Gros der angehensten Stam­meshäuptlinge konzentriert, und es verlauten sogar, daß die Rebellen unter sich einen Blutvertrag geschloffen haben, nach welchem sie sich verpflichteten, daß keiner von ihnen die Waffen abliefere.

Die französische Regierung teilt mit, sie habe den Entwurf der Wahlreform endgültig feftgestellt, wonach die Listenwahl mit Proportionalvertretung der Minoritäten eingeführt werden soll. Der Entwurf sieht eine sechsjährige Mandatsdauer mit Erneuerung eines Drittels der Mandate für jedes zweite Jahr vor. Die Regierung ist der Ansicht, daß der Entwurf als Basis für die Verhandlungen dienen soll, sie wird aber nicht hinsichtlich jedes Einzelpunktes die Vertrauens­frage stellen.

In einer Unterredung mit einem Vertreter der Deutschen Kabelgramm-Gesellschaft gab Generaloberst Frhr. v. d. Goltz seine große Befriedigung über die in Argentinien empfangenen Eindrücke kund. Die außerordentliche Entwicklungsfähigkeit Argentiniens habe alle Erwartungen übertroffen. Herzerfrischend wirkte die große Energie der Regierung und die Unterstützung, die sie beim Volke bei ihren Bestrebungen gegen arnachistische Umtriebe schlechter eingewanderter Elemente finde. Die Truppen machten einen vortreff­lichen Eindruck. Sie seien physisch gut entwickelt und recht intelligent, ihre Organisation schreite auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht fort. Argentinien werde sich schnell zu einem starken, mächtigen Staatswesen entwickeln, in dem der deutsche Handel bei aufmerk- samem Studium noch manches Gebiet für die deutsche Industrie gewinnen könne.

Unfall-Versicherungs-Gesetzgebung.

Aufgabe der Unfall-Versicherungs-Gesetzgebung des Deutschen Reiches ist es, nicht nur erst dann cinzu- greifen, wenn ein Versicherter einen Unfall erlitten hat und ihn oder seine Angehörigen dann durch Gewährung einer Rente zu entschädigen. Die Unfall-Versicherungs­Gesetzgebung will vielmehr auch vorbeugend wirken; sie will die Unfälle zu verhüten suchen.

Zu diesem Zwecke haben eine Anzahl Berufs- genossenschaften sogenannteUnfallverhütungs-Vor- schriften" erlassen, die Anordnung darüber treffen, welche Vorsichtsmaßregeln zu beobachten sind, um die bei der Ausübung eines Berufes drohenden Gefahren nach Möglichkeit abzuschwächen. Um die Durchführung dieser Maßnahmen zu erreichen, sind Strafen vorge­sehen, denen sich diejenigen Berufsgenossen aussetzen, die jene Vorschriften außer Acht lassen.

Auch für die Hessen-Nassauische landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft mit ihren 237678 versicherten Betrieben sind vom Genoffenschafts-Vorstand auf Ver­anlassung des Reichsversicherungsamtes als oberster Aufsichtsbehörde vor einigen Jahren Unfallverhütungs­Vorschriften erlassen, die sich auf die landwirtschaftlichen Geräte und Maschinen, die landwirtschaftliche Vieh-, Fuhrwerks- und Bauhaltung, die Forstwirtschaft und forstwirtschaftliche Nebenbetriebe beziehen.

Um sich selbst an Ort und Stelle davon zu über­zeugen, ob und wieweit jene Vorschriften gehandhabt und befolgt werden, fand am 30. und 31. Mai d. J. durch den Präsidenten des Reichs-Versicherungsamtes Dr. Kaufmann und den Geheimen Regierungsrat Radtke vom Reichs-Versicherungsamt eine Bereifung unserer Provinz statt. Von dem Genossenschafts-Vor- stande nahm am 1. Tage Landesrat Dr. Schröder, am 2. Tage der Landeshauptmann Freiherr Riedesel zu Eisenbach, außerdem an beiden Tagen den technische Aufsichtsbeamte der Genossenschaft teil.

Die Fahrt ging am ersten Tage durch die Kreise Casfel, Fritzlar, Homberg, Ziegenhain und Kirchhain nach Marburg. Am folgenden Tage wurde sie durch die Kreise Marburg, Frankenberg und Biedenkopf fort­gesetzt und fand ihr Ende im Dillkreis.

Mittelstürmer in großer Form, die rechte StüMerhälfte gut, der Mittelläufer war die Seele der Mannschaft^ Hoffen wir, daß der Seminarklub im Retourwettspiel besser abschneidet.

* Hanau. Nach einigen Wochen großer Dürre be- kamen am Samstag abend Felder und Wälder die ersehnte Labung in ausgiebigster Weise. Zu jener Zeit zog über unsere Gegend ein schweres Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen, der vielerorts Schaden anrichtete. So wurden Keller und Straßen unter Wasser gesetzt und an Gebäuden Schaden angerichtet. In der Vallonischen Kirche, fiel durch einregnen die Decke herab. Der Blitz schlug in mehreren Häusern ein, ohne jedoch zu zünden. Unwillkömmlich war der ausgiebige Regen für die Besucher des Lamboyfestes, (dasselbe wird als Gedenktag am 13. Juni zur Er­innerung an die Erlösung Hanaus von einer langen Belagerung gefeiert) da durch die Unmassen Wasser alle niedrig gelegene Stellen des Lamboywaldes zu Teichen verwandelt wurden und dadurch den Verkehr der hin- und herwogenden Jugend wesentlich beein­trächtigte. Da jedoch der Himmel am Sonntag und Montag ein freundlicheres Gesicht machte, bot der Wald trotz der Nässe sein altgewohntes Bild und verlief ganz heiter.

Blitzkatastrophe in der Jungfernheide.

Ein furchtbarer Blitzschlag, dei dem sechs Personen, und zwar ein Mädchen und fünf Diänner getötet, 17 schwer und 70 bis 80 leichter verletzt wurden, ereignete sich Montag abend gegen 6'/, Uhr in der Jungfern­heide, direkt vor dem neuen Johanniskirchhof unweit des Plötzensees. Etwa 30 Verwundete waren im Rudolf-Virchow-Krankenhause eingeliefert, einige konnten, nachdem sie sich erholt hatten, wieder,entlassen werden. Die Mehrzahl der vom Blitz Getroffenen brauchten ärztliche Hilfe nicht in Anspruch zu nehmen. Das Virchow-Krankenhaus hatte mehere Aerzte an die Um fallstelle entsandt, die für den Transport der Verwun­deten sorgten. DerL.-A." erfuhr über die Katastro­phe folgende Einzelheuen:

Die Jungfernheide, von jeher ein beliebtes Aus­flugsziel der Berliner, wurde während des gestrigen Tages von Tausenden von Berliner Familien aufge- sucht, die bei dem heißen Wetter ins Freie strebten. Bald nach 6 Uhr abends verfinsterte sich der Himmel, und die ersten Regentropfen fielen nieder. Das Pub­likum das bis dahin teilweise im Grünen lagerte, suchte Zuflucht in den ohnehin überfüllten Lokalen oder flüch­tete unter die Bäume. Am Zaun des Neuen Johan- nissriedhofes halten wohl mehr als 1000 Personen Schutz gesucht. Der Gottesacker ist an dieser Stelle vom Gelände der Jungfernheide durch einen Bretter­zaun abgeschlossen, der zum Schutz gegen das nächt­licher Weile dort umherstreifende Gesinde! mit einem Stacheldraht bekleidet ist. Der Regen war inzwischen stärker geworden, der Donner rollte, und Blitze zuckten am fernen Horizont. Näher und näher kam das Ge­witter, und bald stand es direkt über der Junfernheide. Etwa um 6SM Uhr fuhr, begleitet von einem furcht­baren Donnerschlag, der Blitz in das Schützenhaus, und zwar durch den Schornstein in den großen Saal, umtanzte dort den in der Mitte des Saales hängenden großen Kronleuchter, fuhr in die Erde und wurde unterirdisch weiter nach dem Zaun des Friedhofes ge­leitet, wo er wieder aus der Erde fuhr und an dem Stacheldraht entlang lief. Die Wirkung dieses Blitzes war furchtbar, denn längs des Zaunes halten sich, wie oben berichtet, mehr als tausend Menschen postiert. Mitten in diese Menschenmassen fuhr der Blitz und raffte 80 bis 100 Mann nieder. Im ersten Augen­blick waren die Menschen erstarrt vor Schrecken, als sie wieder zu sich kamen und den Schauplatz des Un­glücks übersahen, war die Situation traurig genug. Am Erdboden lagen vom Blitzstrahl getroffene Men­schen ; einige gaben kein Lebenszeichen von sich, andere krümmten sich in den seltsamsten Stellungen, überall ertönte Wehegeschrei und das Wimmern der Verletzten. In einer nahe gelegenen Fabrik, von der aus man den Blitz und seine schrecklichen Folgen beobachtet hatte, setzte man zuui Alarm die Dampfsirene in Bewegung. Der Heilgehilfe Melzer aus der Luftstraße eilte ans Telephon und allamierte das nächstgelegene Rudolf- Virchow-Krankenhaus, das seinerseits den Verband für erste Hilfe benachrichtigte. Dieser entsandte sofort vier Krankenwagen, darunter das Kranken-Automobil, nach der Unfallstelle, wo inzwischen von zahlreichen Men­schen das Rettungswerk in Angriff genommen war. Der Sanitätsfeldwebel Skrodzki, kommandiert zum Garnisonlazarett I, der an der Unfallstelle weilte, organisiere den ersten Hilfsdienst. Im Plötzensee badeten zuv Zeit die beiden Offiziere vom 4. Garde- Regiment Leutnannt von Pröck und von Zawatzky, die bem Sanitäter ihren Krüppelwagen zum Transport der Verwundeten zur Verfügung stellten. Der Pächter des Moabiter Schützenhauses, Herr Freyer, kam eben­falls sofort mit seinem Fuhrwerk zur Stelle, das er zum Transport der Verletzten anbot. Weiter stellten zwei Droschkenkuscher ihre Droschken und ein Fuhr­werksbesitzer sein Braek zur Verfügung.

Die Namen der Verletzten, soweit man ihre Per-- , sonalien feststellen konnte, sind folgende; 46 Jahre

Unterwegs wurde in einer größeren Anzahl Ort­schaften halt gemacht und jedesmal einige bäuerliche Betriebe von allen Größen aufgesucht, in denen man sich die Geräte und Maschinen zeigen ließ und die Bauhaltung, insbesondere die Scheunen und Böden, besichtigte.

Da sich unsere Landleute nur schwer zu Neuerungen entschließen, wie sie die Unfallverhütungs-Vorschriften mit sich bringen, so fanden sich, zumal die Vorschriften erst einige Jahre in Kraft sind, noch manche Mängel. Insbesondere waren die Maschinen noch nicht voll­ständig gesichert, und auch der Zustand der Scheunen, der Bodenluken, der Treppen und Leitern ließ bis­weilen noch zu wünschen übrig.

Immerhin war aber gegen früher eine erhebliche Besserung der Verhältnisse zu beobachten. Das Ver­ständnis für die Bedeutung und den Wert der Un­fallverhütungs-Vorschriften hat doch schon festen Frist gefaßt, und die Betriebsunternehmer sind sich der Verantwortung bewußt, der sie sich bei Außeracht- laffen der Vorschriften aussetzen.

Es ist daher zu hoffen, daß diese im Laufe der Zeit zur vollständigen Durchführung gelangen und daß als Folge hiervon eine erhebliche Verringerung der Zahl der landwirtschaftlichen Unfälle eintreten wird.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 14. Juni 1910.

* Am Samstag abend gegen 8/a Uhr entlud sich über unsere Stadt ein heftiges Gewitter, wobei es bei Herrn Lederhändler Rothschild, auf der Schenk, eingeschlagen hat, aber ohne jedoch zu zünden.

* Wie wir hören, wird auch in Schlüchtern, wie in zahllosen anderen Städten mit evangelischer Bevöl­kerung, am nächsten Sonntag, den 19, ds Mts., abends 8 Uhr in der Turnhalle eine Versammlung des Evangelischen Bundes stattfinden, um zu der vor kurzem erschienenen Enzyklika des Papstes zu Ehren des Kar­dinals Borromaeus, in welcher das Andenken der Re­formatoren gebrandmarkt, und die evangelischen Fürsten und Völker beleidigt werden, Stellung zu nehmen. Als Redner des Abends ist Herr Metropolitan Schäfer aus Gelnhausen gewonnen worden, welcher durch seine hervorragenden Kenntnisse auf dem Gebiete der Kirchen- gefchichte rühmlichst bekannt ist. Alle evangelischen Gemeindeglieder, Männer und Frauen, sind zu der Versammlung eingeladen.

* Die Kriegervereine in Altengronau, Bellings, Eckardroth, Hohenzell, Kreffenbach, Marborn, Nieder- zell Soden, Vollmerz und Weiperz haben die Anmel­dungen zum Veteranen Appell in Kassel bis heute noch nicht erstattet und werden, an sofortige Einsendung derselben erinnert mit dem Hinweis, daß bei der zu erwartenden großen Beteiligung, Anmeldungen, welche nach dem 15. Juni ergehen, nicht mehr berücksichtigt werden sollen. Einige der vorstehend aufgeführten und eine Anzahl der übrigen Vereine haben auch den von den Vereinskassen zu leistenden Beitrag und etwaige Ergebnisse freiwilliger (Sammlungen noch nicht einge­sendet. Wir erinnern auch hieran mit der Bitte, die Beiträge dem Verbandskassierer Gutermuth zu über­senden. Wir bitten zu bedenken, daß die Vorberei­tungen zu dem Appel äußerst mühevoll sind und nach Möglichkeit durch Einhaltung der für die Anmeldungen und Zahlungen gesetzten Fristen gefördert werden müssen.

* Sport. Am vergangenen Sonntag lieferten sich die I. Mannschaft des I. Gelnhäuser Fußballklubs und die I. Mannschaft des hiesigen Seminars auf dem Acisbrunnen ein schönes Wettspiel, das in allen Phasen interessant war. Obwohl der Seminarklub mit 2 ; 7 unterlag, entspricht diese Torzahlverhältnis nicht der Sp elstärke der beiden Mannschaften, ein Resultat 2 : 3 wäre verdient gewesen. Pünktlich stellten sich dem Schiedsrichter Herrn Schwacke-Fulda beide Mann­schaften. Schlüchtern hat Anstoß, verliert aber den Ball an die gegnerische Läuferreihe. Gelnhausen kommt schön vor, schnürt Schlüchtern ein, kann aber nichts Zählbares erringen, denn der Mittelläufer ver« eidelt jede Chance Gelnhausens. Erst in der 21. Mi­nute ist ihnen ein Erfolg durch ein Eigentor SchlUchterns, beschieden. Fascinierend wirkt dieses auf den Semi­narklub. Mit allen Kräften sucht er gleichzuziehen. Prächtige Angriffe leitet die linke Stürmerreihe ein, da aber der' linke Läufer nicht in gewohnter Weise unterstützt, kann kein Erfolg erzielt werden. In der 24. Minute fällt das 2. Tor für Gelnhausen, ein Eigentor des rechten Verteidigers. Noch zweimal lächelt Gelnhausen das Glück. Mit 4 : 0 gehts für Geln­hausen in die Pause. Nach Halbzeit findet sich Schlüchtern allmählich zusammen und die rechte Stür- merhälfte leitet wiederholt gefährliche Angriffe durch den Halbrechts ein, und unter großem Beifall kann der Mittelstürmer ein Tor für seine Farben buchen. Hierauf setzt Gelnhausen 2 Tore gegen. Verzweifelnd arbeitet jetzt der Mittelläufer Schlüchterns, der sich heut selbst überbietet. Schlüchtern kann noch einmal erfolgreich sein durch seinen Mittelstürmer, ebenso Geln­hausen. Somit hatte ein faires Spiel sein Ende ge­funden. Der Schiedsrichter war unparteiisch. Von Gelnhausen gefielen besonders der linke Verteidiger und die rechte Stürmerreihe, von Schlüchtern war der