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L GüchlkmerMun g mit amtlichem A^eisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Aatgeber, _______________ Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".______

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Deutsches Reich.

Homburg. Das Kaiserpaar reiste Samstag früh 9 Uhr 50 Min. Von hier über Karlsruhe nach Straß­burg ab. In Karlsruhe ist ein kurzer Aufenthalt vor­gesehen.

Karlsruhe. Samstag nachmittag 1 Uhr trafen der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise mit Gefolge zu einem kurzen Besuch von rein familiärem Charakter bei den großherzoglichen Herr­schaften hier ein. Zum Empfang auf dem Bahnhof hatten sich eingefunden der Großherzog, die Groß- Herzogin und die Großherzogin-Wilwe, Prinz und Prin­zessin Max von Baden, der preußische Gesandte und Gemahlin sowie der kommandierende General des 14. Armeekorps. Nach herzlicher Begrüßung begaben sich die Herrschaften nach dem Residenzschloß, wo eine Frühstückstafel statlfand.

Der Reichstag setzte am Dienstag die erste Lesung der Reichsversicherungsordnung fort. Für den noch immer durch Krankheit verhinderten Staatssekretär Dr. Delbrück griff Ministerialdirektor Dr. Caspar in die Debatte ein, um alle Redner mit ihren Wünschen und Klagen auf die Kommissionsverhandlungen zu vertrösten, in denen man schon zu einer Verständigung kommen werde. Die Abgg. Behrens (wirtsch. Vg) und Gräfe (Resp.) wandten sich gegen die beabsich­tigte Halbierung der Beiträge. Abg. Pauli (kons.) besprach die Vorlage vom Standpunkte des Handwerks, während der Abg. Dr. Arning (natl.) die Wünsche der Aerzte zum Ausdruck brächte. Am Mittwoch wurde die Debatte, in der neues nicht gesagt wurde, zu Ende geführt und die Vorlage einer besonderen Kommission überwiesen. Dann wurde die erste Lesung der neuenFernsprechgebührenordnung fortgesetzt,dievon den Rednern fast aller Parteien mehr oder minder scharf kritisiert wurde. Staatssekretär Krätke verteidigte in einer kurzen Rede die Vorlage, die schließlich der Budget­kommission überwiesen wurde. Am Donnerstag wurde zunächst der Gesetzentwurf über das Reichs­schuldbuch, mit dem man sich im großen und ganzen bei allen Parteien einverstanden zeigte in erster und zweiter Lesung erledigt. Dann folgten einige kleine Rechnungssachen und schließlich wurde noch die zweite Lesung des Gesetzentwurfes über die Haftung des Reiches für seine Beamten durchgeführt, der nach dem Anträge des Abg. Erzberger (Z.) in der Form ange­nommen wurde, daß die Frage der farbigen Beamten nicht durch das Gesetz selbst, sondern im Wege der

ZN der Schute des Leöens.

Roman von Editha v. Welten. 1

(Nachdruck nicht gestattet.)

Die Helle Wintersonne warf ihre Strahlen über den zierlich gedeckten Frühstückstisch. Sie spiegelte sich in den blinkenden Silberlöffeln, in dem feingemalten Por­zellan, und selbst die gestickten Streublümchen des lei­nenen Tischläufers erhielten in ihrem Schimmer einen lebensfrischeren Glanz.

Es war ein behagliches Gemach, indem es nach gu­tem Kaffee und feinem Gebäck roch, aber noch ein anderer, etwas fader Duft durchzog den Raum, der von welkenden Blumen. Da standen sie, Sträuße und Sträuß- chen, in Vasen und Gläsern, auf einem Nebentischchen aufgebaut, und von Zeit zu Zeit ließ die auf dem Sofa hinter dem Kaffeetische Sitzende einen wohlgefälligen Blick über diese Opfer irgend welcher Menschenfreuden gleiten. Gewöhnlich folgte diesem Blick ein zweiter auf den Regulator an der Wand gegenüber, und ein halb ungeduldiger, halb zärtlicher Ausdruck erschien auf dem Gesicht derWartenden.

Sie war eine Frau in mittleren Jahren, mit an­genehmen Gesichtszügen und rundlicher Figur- auf der glatten Stirn thronte Zufriedenheit und die vollen, brau­nen Scheitel zeigten noch kein weißes Haar. Wohl­gepflegte, mit einigen kostbaren Ringen geschmückte Hände machten sich mit anmutigen Bewegungen an dem Gerät des Tisches zu tun, rückten an der Butterschale, dem Zuckerkörbchen, oder legten sich besorgt an die kleine Kaffeekanne, um zu fühlen, ob sie noch heiß sei.

Endlich ein leichter Schritt im Nebenzimmer, und mit den Worten:Guten Morgen, Mama, warum hast Du mich so lange schlafen lassen?" trat ein junges Mäd­chen herein.

Die Mutter streckte ihr die Hand entgegen und zog sie liebevoll an sich.Herzchen, Du schliefst so schön,

Mittwoch, den 27. April 1910

Verordnung geregelt werden soll. Am Freitag be­schäftigte sich der Reichstag mit der nationalliberalen Interpellation über das Mülheimer Eisenbahnunglück. Der Präsident des Reichseisenbahnamts Wackerzapp gab für die verbündeten Regierungen der schmerzlichen Teilnahme über das Unglück Ausdruck. Ueber die Ur­sachen des Unglücks gab er dieselbe Auskunft wie im Abgeordnetenhause der preußische Eisenbahnminister. Wegen der Einführung mechanischer Sicherungen schweben seit einem Jahrzehnt Versuche die noch zu keinem befriedigenden Resultat geführt. Die beste Garantie für die Betriebssicherheit werde aber in Zu­kunft die Zuverlässigkeit und Pflichttreue des Personals sein müssen. Die Besprechung der Interpellation bot keine neuen Gesichtspunkte.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Dienstag die zweite Lesung des Kultusetäis fort. Abg. Winkler (kons.) wies die Angriffe des Sozialdemokraten Hoffmann zurück. Kultusminister v. Trott zu Solz dankte dem Vorredner für die Zurückweisung der Hoff- mannschen Angriffe und führte an der Hand eines ausführlichen Zahlenmaterials den Nachweis, daß für die Volksschule unendlich viel mehr geschehe als bei­spielsweise für die Kirche und Geistlichen. Ministerial- direktor Dr. Schwartzkopff wandte sich gegen die Be­hauptung des Abg. Ernst (fortsch. Vp.), daß bei der Entlassung von Lehrern, die ihre zweite Prüfung nicht rechtzeitig' gemacht hätten zu rigoros vorgegangen werde, und stellte fest, daß in Bromberg nicht 18, sondern nur 4 Lehrer deshalb entlassen worden seien. Der Abg. v. Brandenstein (kons.) forderte eine Ver- mehrung der Seminare für Volksschullchrer, worauf der Kultusminister erwiderte, daß die Regierung ge­rade auf diesem Gebiete in den letzten Jahren außer­ordentliches geleistet habe. Am Mittwoch stellte gegenüber einer Aeußerung des Abg. Hintzmann (natl.) der Kultusminister fest, daß durch das Lehrerbesol­dungsgesetz doch Ruhe in den Lehrerkreisen, namentlich in den Landlehrerkreisen, eingetreten sei; die Mietsent- schädigungsfrage würde bei dem Wohnungsgeldzuschuß- Gesetzentwurf neu geregelt werden. Gegenüber einer Empfehlung des neuen preußischen Lehrervereins durch den Abg. Frhrn. v. Zedlitz (frkons.) betonte der Minister die Notwendigkeit, daß die Verwaltung keinen Einfluß auf die Lehrer bezüglich ihres Eintritts in Vereine auszuüben habe. Abg. v. Goßler (kons.) verlangte Förderung des Gesangunterrichts, und Abg. Dr. Heß (Z.) richtete scharfe Angriffe gegen den Allgemeinen "Deutschen Lehrerverein. Am Donnerstag wurde die

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ich mochte Dich nicht wecken; Jugend braucht Schlaf, sonst werden die Bäckchen blaß und die Augen matt."

O, Muttchen," lachte die Tochter,das bißchen Schlaf hole ich schon nach, ich könnte alle Abende bis Mitter­nacht tanzen, das machte mir gar nichts."

Es war eben gestern .. nein, heute, schon zwei Uhr durch, als wir nach Hause kamen."

Wirklich? Ich hatte gar nicht nach der Uhr ge­sehen. Ach, Mama, es war doch zu schön, zu himmlisch," damit warf sie sich der Mutter an die Brust und um­armte sie stürmisch.O, und meine Blumen," rief sie, wieder aufspringend,ihr armen Dinger, wie welk ihr schon seid. Aber laßt nur, ich hebe euch alle auf zur Er- inuerung an meinen ersten Ball." Sie ging von Strauß zu Strauß, pflückte hier und da ein braunes Blättchen ab und versuchte die müden Köpfchen wieder aufzurich- ten.

Nun komm aber frühstücken," mahnte die Mutter.

Mit dem gestrigen Balle hatte Frau Professor Will- furth ihre Tochter Lina in die Geselligkeit eingeführt, und dieses ersteAuftretenim größerenKreise war für das junge Mädchen ein Erfolg gewesen. Im Nu war ihre Tauzkarte mit Namen bedeckt, beim Souper hatte sie den unterhaltendsten Herrn der Gesellschaft gehabt, und bei dem Kotillon hatte es Blumen geregnet, und keine war so oft wie sie zu Extratouren geholt worden, selbst Steuerrats Elfe nicht, die ihr noch vor Beginn der Po­lonaise in herablassender Weise zugeredet hatte, nur den Mut nicht zu verlieren, das Ballfieber gäbe sich beim dritten Tanz, den man sicher habe. Sie freilich hatte das Ballfieber wohl schon vor fünf oder sechs Jahren überwunden, als Lina noch in der zweiten Klasse war.

Es stellte sich zu Linas Verwunderung heraus, daß ihre Mutter besser als sie selbst, die es doch schwarz auf weiß hatte, über ihre einzelnen Tänze orientiert war, und genau wußte, mit wem sie diese und mit wem sie jene Extratour getanzt hatte. Die gute Mama mußte

61, Jahrgang. MMMKi

zweite Lesung des Kultusetats fortgesetzt. Die Debatte beim KapitelElementarunterichtswesen" drehte sich ausschließlich um den Allgemeinen deutschen Lehrer­verein. Beim KapitelLehrerbildungsanstalten" traten die Abgeordneten v. Schenkendorff (natl), Dr. Schepp (fortschr. Vp.) Cassel (fortsch. Vp.) und Hintzmann (natl.) warm für die Förderung der Leibesübugen bei der Heranwachsenden Jugend ein. Abg. Liebknecht (Soz.) führte über die Unterdrückung der sozialdemo- kranschen Jugrndturnvereine Klage. Der Kultusminister hielt ihm vor, daß die Sozialdemokraten diese Vereine nur als Deckmantel für ihre politischen Bestrebungen benutzten. Zum Schluß beschäftigte sich das Haus noch eingehend mit der Frage der Ortsschulinspektionen. Am Freitag kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Korfanty (Pole) und Liebknecht (Soz) einerseits und dem Kultusminister, welcher dem Abg. Liebknecht vorhielt, es sei eine notorische Tatsache, daß die Sozialdemokratie zur Verbreitung ihrer Ideen in den Jugendorganisationen eine weitverzweigte Organisation geschaffen hat, um die Jugend immer mehr in die Reihen der Sozialdemokratie zu ziehen. Wenn das geschieht, könne man sich nicht wundern, wenn auch von der andern Seite Bestre­bungen hervortreten, die im Gegensatz zu den Bestre­bungen der Sozialdemokratie stehen. Dem Abg. Kor­fanty gegenüber bemerkte er, daß auch die polnischen Vereine nicht mit doppeltem Maße gemessen werden. Es werde die Erlaubnis nicht erteilt, wenn solche Ein- richtungen dazu benutzt werden, um nationalpolnische Bestrebungen zu fördern und gegen bestehende Einrich­tungen Propaganda zu machen. Dem Abg. Schepp (fortsch. Vp.) der über zu große Zahl der Akademiker unter den Kreisschulinspektoren klagte, erwiderte Mini­sterialdirektor Dr. Schwartzkopff, daß unter diesen Akademikern sich eine große Anzahl seminaristisch ge­bildeter Lehrer befände, die dann später studiert hätten. Auch eine große Anzahl der Theologen seien als Mittelschullehrer und Rektoren im Volksschuldienst praktisch tätig gewesen.

Die große Fahrt der drei Militärluftschiffe. Bald nach 11 Uhr vormittags stiegen die drei Militär­luftschiffeM",Z" undP" in kleinen Zwischen- räumen von Köln aus auf und lenkten die Fahrt rheinwärts. An der Fahrt nahm der Inspekteur der Verkehrstruppen und Lyncker Major v. Sperling teil. Die Fahrt ging über Bonn, Honnef, Andernach. Um 1 Uhr wurde Koblenz passiert. Von hier aus schlugen die Luftschiffe die südöstliche Richtung nach dem Taunus

keinen Blick von ihkem Kinde gelassen haben, Linas Herz schwoll in Rührung und Dankbarkeit. Sie selber war in ihrem Amüsement so aufgegangen, daß sie wie berauscht gewesen war, sich auch nicht viel um Rosa und Adolfine gekümmert hatte, die doch ihre besten Freun­dinnen waren, und die ihr das schön übelnehmen wür­den.

Frau Willfurth schien auch über diese Buch geführt zu haben, da sie mitleidig bemerkte, daß Adolfine wäh­rend der ersten Quadrille in der Garderobe gesessen, und daß Rosa zum Kotillon überhaupt nicht engagiert ge­wesen, weshalb ihre Eltern den Ball vorzeitig mit ihr verlassen hätten. 168,18

Mitten in dem fröhlichen Geschwätz lehnte sich Frau Willfurth mit einem sentimentalen Seufzer, der etwas gemacht klang, ins Sofa zurück und sagte mit veränder­ter Stimme:Hätte doch Papa noch Deine Sträuße alle sehen können, wie würde er sich gefreut haben!"

Lina schwieg, aber ein leichtes Rot der Verlegen­heit stieg in ihr zartes Gesicht. Ihr Vater sich freuen über Kotillonblumen. Das wäre nie geschehen, und sie mußte sich über Mama wundern, daß sie den Verstor­benen in so wenig zutreffender Erinnerung hatte. Ja, wenn Lina eine Abhandlung geschrieben oder eine Ode gedichtet hätte, das wäre ihm wohl eine Herzensfreude gewesen, und eine solche Herzensfreude, sie machte es sich noch jetztzum Vorwurf, würde sie ihm ja nie be­reitet haben. Warum war sie auch kein kluger Junge, statt eines dummen Mädels ein Sohn, ein Erbe seines Wissens,seiner Forschungen. Aber nein, aufatmend ward sie sich der holden Wirklichkeit bewußt, das waren mü­ßige Wünsche; da hätte sie ja gestern nicht im Kleide von weißer Seidengaze, mit Rosenknospen geschmückt, den Ball besuchen können. Mit achtzehn Jahren drückte sie als Junge wohl noch die Schulbank, stand gar in dem greulichen Examen, dem Schrecken aller Tanz- stundenherren von ehemals. Nein, zehnmal lieber ein Mädchen sein, das hatte doch mehr vom Leben,