WüWimMung mit amtlichem Rreisblatl. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
__Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
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finden in der Schlüchterner Ih1SöI^<Hö Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- tein erscheinenden Zeitungen besitzt.
Der deutsche Ilottenverein.
Der soeben erschienene Jahresbericht des Deuischen Flottenvereins für 1909 hat insofern aus ein besonderes Interesse Anspruch, als das vergangene Jahr das erste ist, das in vollem Umfange, im Zeichen der neuen leitenden Personen stand. Was die Milglieder- bewegung während des verflossenen Jahres betrifft, so .ist die Anzahl der Hauptausschusse mit 53 die gleiche geblieben. Die Zahl der Ortsgruppen betrug am 31. Dezember 1909 3335, 41 weniger, als am 31. Dezember 1908; die Anzahl der Vertrauensmänner ist um 37 Köpfe gesunken und betrug am 31. Dezember 1909 2936; die Zahl der Einzelmitglieder ist etwas gesunken, dagegen die der körperschaftlichen wesentlich gestiegen, so daß die Gesamtmitgliederzahl am 31. De» zeinber 1909 1031339, am 31. Dezember 1908 1007 563 betrug. Um so auffälliger und erfreulicher ist demgegenüber, daß das Vereinsvermögen im ver- gangenenJahre ganz erheblich angewachsen ist, u. zwar von 29 L 849,98 Mk. im Vorjahre auf 335 838,17 Mk. Schon in dieser Tatsache liegt der Bewer »..dafür, daß die währ end des vergangenen Jahres ausgeschiedenen Mitglieder für den Verein keine finanzielle Einbuße bedeuteten. Das innere Vereinsleben war während des vergangenen Jahres ganz' besonders rege; man kann darin ein weiteres Zeichen dafür erblicken, daß dem Bedürfnis nach innerer Festigung steigend Rechnung getragen wird.
Zur Wohlfahrtspflege des deutschen Flottenvereins ist zu bemerken, daß die beiden Kuratorien für den Chinafonds und den Südwestafrikafonds im vergangenen Jahre umfangreichere Unterstützungen bewilligt haben: ersteres 8595 Mk. letzteres 110 40 Mk, zusammen 19635 Mk. Für die Gesellschaft m. b. G. Seemanns
haus für Unteroffiziere und Mannschaften der Kaiserlichen Marine stiftet der Flottenverein jährlich 1000 Mark. Seine fünf Freistellen für das Schulschiff des Deutschen Schulschiffvereins konnte der Deutsche Flottenverein im vergangenen Jahre vergeben. Auffällig war jedoch, daß nur 18 Meldungen dafür einliefen. Im übrigen wurden noch verschiedene andere Geldzuwendungen gemacht.
In der literarischen Betätigung des deutschen Flotten- vereins steht wie immer die Vereinszeitschrift „Die Flotte" an erster Stelle. Das Blatt erscheint in einer Auflage von 345 000 Exemplaren. Die Mitteilungen des Deutschen Flottenvereins sind während des vergangenen Jahres erheblich ausgestaltet worden und haben in kürzeren und längeren Ausführungen zu allen aktuellen Fragen auf dem Gebiete des Marinewesens Stellung genommen. Der Bericht stellt mit besonderer Befriedigung fest, daß die Mitteilungetlin ihrer neuen Gestalt ' bei der Tagespresse viel Ankkanggesünden haben. In einer Auflage von 50 000 Exemplaren erschien, und zwar mit gutem Erfolge, zum erstenmal in Buchform, der Kalender des Deutschen Flottenvereins. An sonstigen Publikationen sind zu nennen: Ansichtspostkarten, Vereinspostkarten ohne Bild, Werbekarten, Werbeschreiben, ein Längsschnitt des Schlachtschiffes Lothringen, das rühmlichst bekannte Rassowsche Werk Deutschlands Seemacht, das Roon-Plakat für Anküudr- gungszwecke, Marinebilderbogen.
Sehr lebhaft war die Tätigkeit der Ortsgruppen, sowohl durch Vorträge als auch durch kinematographische Vorführungen und Kriegsmarineausstellungen. Außer der vierten Lehrerfahrt nach der Wasserkante, an der. 300 Lehrer teilnahmen, fanden aus einzelnen Landesverbänden elf Schülerfahrten und yvei BolkSschüler'- sahrieu statt. Diese Fahrten, wie auch ganz besonders die Schülel führten sind nicht nur als ein höchst wertvolles Werbemittel zu betrachten, sondern sind auch sonst geeignet, den Gesichtskreis der Teilnehmer spielend zu erweitern und ihnen Anregungen zu geben, die fortwirken und ihre Früchte tragen. Der Deutsche Flottenverein blickt somit auf ein Jahr zurück, das von eifriger, wenn auch mühevoller Arbeit ausgefüllt war, der auch der Erfolg nicht gefehlt hat.
Deutsches Reich.
— Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Donnerstag seine Arbeiten nach den Osterferien wieder auf und überwies zunächst die Novelle zum Staats-
Mittwoch, den 13. April 1910
61. Jahrgang.
chuldbuchgescy an die Budgetkommission. Dann wurde n die zweite Lesung des Bauetats eingetreten. Eisen- rahnminister von Breitenbach ergriff sofort die Gelegenheit, um sich vor dem Parlament über die verhängnisvolle Mühlheimer Eisenhahn-Katastrophe auszuspreche». Er gab seinem schmerzlichen Empfinden Ausdruck über die beklagenswerten Folgen des schweren Unglücks, erörterte kurz die Schuldfrage und versicherte, daß die Cisenbahnverwaltung alles tun werde, um die Sicherheit des Betriebes zu gewährleisten. Eine längere Debatte entspann sich über die Einführung von Schiff- -ahrtsabgaben, die Abg. v. Pappenheim (kons.) eifrig befürwortete. — Am Freitag wurde die allgemeine Debatte über den Bauetat beendet. Sie verlor sich in der Hauptsache in Einzelwünsche, und auch in der Spezialdebatte wurden lediglich lokale Anregungen ge« geben. Zu einer längeren Erörterung gab nur noch die Petition eines Majors v. Donat in rtreslau Veranlassung, der große Projekte zur Verhütung der Hochwassergefahren im Odergebiet ausgearbeitet hat und sich über eine allzu bureaukratische Behandlung seiner Pläne beklagte, die Petition wurde schließlich einer be- sonde en Kommission überwiesen.
— Ein trauriges Zeichen der Zeit sind die immer mehr zunehmenden Austritte aus der Landeskirche. Beim Amtsgericht Berlin-Mitte sind seit dem 1. Januar bereits fast 800 AustrittSerklärungen aus der Landeskirche fast durchweg aus Arbeiterkreisen erfolgt. Auch hier zeigen sich die verderblichen Folgen der sozialdemokratischen Verhetzung.
— An der bevorstehenden Einweihung des Kgl. Residenzschlosses in Posen wollen sich auch die dortigen .konservativen Polen beteiligen. Die interessierten Kreise suchen jetzi die Mitglieder der Polenfraktion für ihre Stellungnahme zu gewinnen. In diesem Sinne ist der Abgeordnete Dr. v. Dziembowski tätig, er stößt jedoch auf Widerstand beim linken Flügel seiner Fraktion. Ueber die Frage soll in einer Fraktionsitzung beraten werden. — Die Polen sollten lieber noch etwas warten. Die Herren scheinen nämlich die Hauptsache ganz übersehen zu haben: es wird doch vor allem darauf ankommen, ob sie überhaupt eingeladen werden.
Ausland.
— London. Der mit 900, größtenteils russischen, armenischen, montenegrischeu Auswanderern auf der Fahrt nach Portland im Staate Maine befindliche englische Dampfer „Cairnrona" geriet im Aermelkanal
Uerkannt.
Roman von Lothar Palmer. 34
O, vielleicht konnte noch alles wieder gut werden, er war ja so gut, er hatte sie ja immer und immer so lieb gehabt. Ach, was er auch beschloß, sie wollte es in Demut hinnehmen, nie wieder sich in Wildheit auflehnen. Liebe muß tragen lernen, muß aufrichten, nicht niederreißen.
Als sie diesen Entschluß einmal gefaßt hatte, kam eine große, schöne Ruhe, eine hoffende Freudigkeit über sie, und als Frau von Buschbeck ihr im Abenddämmer im lauschigen Lorbeerwege erzählte, sie wollten die nächste Woche aufbrechen, um das Osterfest in Rom zu feiern, da fragte sie freudig, ob sie sich anschließen dürfe, auch sie wolle nach dem Auferstehungsjubel nach Deutschland zurück. Marianne, welche die junge Künstlerin in den wenigen Monaten gemeinsamen Lebens in der stillen Zurück- gezogenheit lieben lernte, freute sich über Cäcilies Entschluß, und die beiden waren schon im Besprechen kleiner Einzelheiten, als Baron Alexander sich zu ihnen gesellte.
Er hatte von seinem Vetter Hornberg eine Sendung heimischer Blätter erhalten und einen Brief vom Referendar Pöhland, der ihm nachgesandt worden war.
„Sie kannten ja auch meinenFreund ?" sagte er neckisch; «er hat den ganzen Winter in Aegypten zugebracht und ist jetzt auf dem Heimwege begriffen."
„Wie geht es seinem Freunde?" fragteMarianne.
„Nun, ganz will er sich scheinbar nicht erholen, höre, was er schreibt: Doktor Göllnitz .. ."
„Doktor Göllnitz?" rief, stehen bleibend, Cäcilie, und ein unerklärliches Angstgefühl bemächtigte sich ihrer.
„Wie, Sie kennen den Professor?"
„Gewiß," sagte Cäcilie erregt, „wir sind als Kinder zusammen aufgewachsen, aber bitte, lesen Sie, was ist mit ihm?“
„Damit Sie den Brief verstehen, muß ich Sie fragen, ob Sie von dem Unfall wissen, der ihm zustieß?"
„Ein Unfall? Nein. Verzeihen Sie, aber der Freund stand mir sehr nahe, ich bin durch Ihre Andeutungen etwas beunruhigt und verwirrt..."
„Nun, nun," unterbrach sie der Baron gutmütig, „er ist ja längst aus aller Gefahr, und heute schreibt sogar Pöhland, daß sie zusammen die Heimreise noch in den Apriltagen angetreten haben, Göllnitz sei körperlich ziemlich genesen, wenn auch die Lunge noch immer schwach sei, und an ein Wiederaufnehmen seiner Tätigkeitnoch nicht gedacht werden könnte, aber es scheine noch ein tieferes, seelisches Leiden seinen Freund zu drücken sodaß ihm oft schon der Gedanke gekommen sei, der unselige Schuß damals sei nicht ganz Zufall gewesen."
„Ein Schuß?" fragte Cäcilie erblassend und so ergriffen, daß sie sich gegen einen Baumstamm lehnen mußte, um nicht umzusinken.
Im Dunkel der hereinbrechenden Nacht sahen weder der Baron noch seine Frau die furchtbare Erregung, die sich ihrer bemächtigte, und ganz ruhig erzählte Herr von Buschbeck: „Ja, ja; es war gerade an dem Tage, als sie den Hochstapler Gottschall, der auf Pöhlands Namen Wechsel gezogen hatte, auf der Fahrt nach Vlissingen dingfest machten, als Göllnitz mit einem Schuß durch die Lunge in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Ich weiß alles noch so gut, es war gerade an Deinem Geburtstag, Marianne, am 23. Mai, als Pöhland ganz verstört zu mir kam. Er hatte mit Göllnitz' Waffen achtlos gespielt, und sie auf dessen Tisch liegen lassen. Göllnitz, den er in aller Frühe wegen der Wechselgeschichten aufgesucht hatte, war ihm nach der Lesung eines Briefes schon sehr zerstreut und aufgeregt vorgekommen, und als man ihn bald darauf mit derSchußwunde vorgefunden hatte,machte sich Pöhland die bittersten Vorwürfe, als ob seine Unachtsamkeit die indirekte Ursache des Unglücks gewesen wäre."
„Und dann?" hauchte Cäcilie mehr, als sie sprach.
„O, dann ging alles noch ziemlich glatt ab. Göllnitz erholte sich von der Verletzung, die anfangs viel schwe
rer geschienen hatte, als sie tatsächlich war, noch ziemlich schnell, aber im Herbst riet ihm sein Arzt den Aufenthalt in Aegypten, und Pöhland, der durch die Schilderungen Hornbergs schon lange den Plan gefaßt hatte, einmal Kairo zu besuchen, schloß sich dem Freunde an, immer von dem Gedanken ausgehend, daß er gewissermaßen eine Verpflichtung hätte, sich des Rekonvaleszenten anzuneh- men."
Cäcilie war wie niedergeschmettert; keines Wortes fähig, rang sie mit einem gewaltigen,anklagendenSchmerz, und unaufhaltsam quollen ihr die Tränen aus den Augen. Marianne zuerst fühlte mehr, als sie ihn sah, den Gefühlsausbruch bei der jungen Künstlerin, und den Arm um die Bebende legend, sagte sie weich und besorgt: „Wir haben Sie erschreckt, das Schicksal Ihres Jugendfreundes geht Ihnen so nahe; kommen Sie ins Haus, legen Sie sich zur Ruhe, morgen, wenn Sie gefaßter sind, erzählen wir Ihnen alle Details, die Sie wünschen."
Cäcilie preßte dankbar der jungen Frau die Hände; „am 23. Mai stöhnte sie!" und ein heftiger Weinkrampf überstel sie.
Erst als sie sich beruhigte und kühle Kompressen die Erregung lösten, verließ die Baronin die Künstlerin. „Sie hat mehr als eine kindliche Anhänglichkeit für Doktor Göllnitz, wenn mich nicht alles trügt," sagte sie zu ihrem Gatten.
Cäcilie Richon lag mehrere Tage zu Bett; der Schreck und die Erschütterung, der Schmerz und die Selbstoor- würfe waren zu großund heftig gewesen. Am ersten Tage, als sie wieder aufstand, war sie schwach, als ob eine schwere Krankheit hinter ihr läge. Nun erst fühlte sie sich schuldig und sie hielt den Kopf gebeugt, als ob eine Last sie drücke. Die Baronin hatte gütig manche Stunde erzählend bei ihr verbracht und nun sah sie klar in der schaurigen Vergangenheit. Sie hatte mit ihrer Abreise und mit ihremBriefeGöllnitz zu dem verzweifelten Schritte getrieben, sie hatte nun auch seine Schuld auf dem Gewissen. { - 16 4,18