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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
_____Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Samstag, den 9. April 1910
61. Jahrgang,
Fortwährend
werden Bestellungen auf die
Schlüchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
finden in der Schlüchterner ■ Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlächtern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Deutsches Reich.
— Homburg v. d. Höhe. Der Kaiser und die Kaiserin, die Prinzessin Viktoria Louise sowie Damen und Herren des Gefolges unternahmen am Mittwoch Nachmittag einen größeren Ausflug in sechs Automobilen. Die Fahrt ging über Königstein, Epstein, Wiesbaden, Schierstein, Eltville, Hattenheim, Geisenheim und Rüdes- Heim zum Niederwalddenkmal, das besichtigt worden ist. Die Rückfahrt ging über Höchst und Kronberg nach hier zurück. — Der Kaiser empfing am Donnerstag Vormittag den Großadmiral von Küster nach dessen Rückkehr aus Monaco. Großadmiral v. Küster überreichte dem Kaiser die von dem Fürsten von Monaco aus Anlaß der Einweihung des Ozeanographischen Museums in Monaco gestiftete goldene Medaille. Danach wurde er zur Frühstückstafel bei den Majestäten geladen.
— Die Jerusalemfahrt des Prinzenpaares. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich sind nach AÄcanda abgereist und fahren heute vormittag mit dem Dampfer „Schleswig" nach Jaffa.
— Kaiserliche Stiftung für eine Kirche in China. In der Kreisstadt Tsimo, die 45 Kilometer von Tsing- tou entfernt liegt, wurde vor zwei Jahren ein evangelisches Gotteshaus eingeweiht. Es führt den Namen Christuskirche und ist von der Berliner Mission erbaut. Auf ein Jmmediatgesuch der christlichen Gemeinde von Tsimo stiftete der Kaiser die Altar- und Abendmahlsgeräte, mit deren Ausführung Professor Rohloff beauftragt wurde. Es sind ein Ebenholzkreuz mit dem in vergoldeter Bronze gefertigten Bild des Gekreuzigten, zwei Altarleuchter als vergoldeter Bronze, eine silberne,
Uerkannt.
Roman von Lothar Palmer.
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Vielleicht kam sie wieder? Sie liebte ihn ja so sehr. Er las ihren Brief wieder und Mutlosigkeit erfaßte ihn. Alles Blut drang ihm in die Schläfen und er sank auf einen Stuhl. Mechanisch spielte er mit dem Waffenkasten und zählte die Blumenmusterseiner Tapete. In jagendem Kreislauf irrten seine Gedanken.
Sie war schön als Kleopatra, als ich sie zuerst wie- dersah. Wie sagte sie doch mit dem Flammenblick, an dem ich sie erkannte: „Jst's denn Sünde, zu stürmen ins geheime Haus des Todes, eh' Tod zu uns sich naht?" Ja, so war's, und grell lachte er auf.
Dann eilte er durch den Raum und blieb wieder am Tische stehen: „Zur Reise nach Norwegen habe ich sie damals gekauft, und hab sie nie gebraucht, die dummen Waffen! Ja, ja, nach Norwegen!"
Lächelnd nahm er den einen Revolver zur Hand und hob ihn leicht in der Rechten.
„Sünde ist's; aber besser als die Nacht des Wahnsinns !" Auf der nahen Rathausuhr schlug es dreiviertel Zehn.
„Halt, nun muß ich ins Gymnasium."
Aber er gingnicht; er setzte sich an den Tisch und untersuchte die Waffe, als hätte erzum ersten Male einen Revolver in Händen.
„Sechs Kugeln! Sechsmal könnte man so ein armseliges Erdenleben beschließen. Aber .. wie sagt Hamlet: „Was in dem Schlaf für Träume kommen werden?" Vielleicht ist sie nach Aak gefahren und wartet auf mich ?Oder sie richtet unser Heim, oder .. ."
Hastig sprang er auf: „Nein, ein Leid tut sie sich nicht an; sie ist zu gläubig, zu fromm. Wie schreibt sie doch? „Ich gehe dahin, wo Du mich nicht finden wirst. Und kommt auch über Dich eine dunkle Stunde, dann denke, daß auch ich im Schatten lebe!"
vergoldete Abendmahlkanne, ein Kelch, eine Schüssel und ein Hostienbehälter. Diese Gegenstände sind an ihrem Bestimmungsort eingetroffen und bereits aufge« stellt. Die Gemeinde hat dem Kaiser nach chinesischer Sitte auf einer gelbseidenen Rolle eine Dankadresse gesandt.
— Aus Bielefeld kommt die Trauerkunde von dem Tod des Pastors Dr. Friedrich von Bodelschwingh, des Begründers der Anstalt Bethel. Man greift im Ausdruck nicht zu hoch, wenn man den nun Verblichenen den großen Apostel der Nächstenliebe nennt, der unserem Zeitabschnitt beschieden war. Er wirkte durch tatkräftiges Beispiel, sein Idealismus und seine Selbstlosigkeit scheuten nicht leicht von einer Schwierigkeit zurück. Pastor v. Bodelschwingh war der zugleich aneifernde Helfer der Hilfsbedürftigsten vor allen: er suchte das Elend der Landstraße zu bannen und bewältigen. Und es sind Musteranstalten geworben, die dieser kernige, liebreiche zugleich aber unerschrockene und praktische Seelsorger, der die leibliche Wohlfahrt seiner Schutzbefohlenen nie aus dem Auge ließ, hervorrief und zur Blüte brächte. In höherem Maße als er hat kein Mann unter Hintansetzung aller äußeren Interessen sein Leben in so heißer Arbeit für ein edleres Ziel hingebracht. An der Bahre b<.§ Hilfreichen und Guten werden mir mit Schmerz inne, welchen Verlust das Hinscheiden dieses bis in sein hohes Alter feurigen Ver- künders und Förderers der christlichen Charitas bedeutet. Seine Saat war Segen, sein Andenken wird immerdar hell erglänzen.
— Ein schönes Beispiel der Arbeiterfürsorge gab die chemische Fabrik Geitner und Co. in Schneeberg im Erzgebirge, die dieser Tage ihr hundertjähriges Ju- ........
biläum feierte. Aus dieseni Anlaß hat die Fir^na fürLuKärte der Gesandte Liberias in London einem Ver« ihre Arbeiter nach der Dauer der Dienstzeit Sparkassen- " " ™—'-
bücher gestiftet, und fortan soll jedem Arbeiter alljährlicher Urlaub unter Gewährung des vollen Lohnes bewilligt werden.
— Die Vereinigten Gewerkschaften in Stuttgart haben sich gegen die Maifeier durch Mehrheitsbeschluß in Stuttgart ausgesprochen. Es sollen am 1. Mai vor-
mittags Gewerkschaftversammlungen abgehalten werden; die Veranstaltung am Nachmittag will man der Sozial- demokratie überlassen.
KuslanS.
— Ueber die Dattelkultur in Deutsch-Südwestafrika entnimmt das „Deutsche Kolonialblatt" einem Bericht
„O, nun verstehe ich. JmSchatten. Ja,ja, mein Lieb, die dunkle Stunde ist da, sie ist schneller gekommen, als Du vielleicht geahnt hast. Ich gehe, wo ich Dich doch finden werde!"
„War das nicht ein Schuß ?" sagte erschreckt Doktor Göllnitz' Hauswirtin und lief mit ihrem Mann, einem biederen Malermeister, über den Korridor. Ein Weilchen lauschten sie mit Herzpochen an der Tür, dann klopften sie an, und als alles still blieb, öffneten sie zaghaft.
Richtig, da lag ihr lieber, solider Zimmerherr in einer Blutlache am Boden, der abgeschossene Revolver lag neben ihm.
Trotz des lähmenden Schreckens, der sich ihrer bemächtigte, überzeugten sie sich bald, daß Doktor Göllnitz noch lebte, und fest überzeugt, daß nur ein unglücklicher Zufall hier vorliegen könne, hoben sie den Schwerverletzten aufs Bett. Während die Hausfrau dieKleider lockerte, undüms angefeuchteteHandtuchaufdiestarkblutendeWundepreßte, eilte ihr Mann zum nächstwohnenden Arzt, mit dem er bald an der Unfallstelle eintraf.
Doktor Göllnitz schlug die Augen auf, und preßte in heftigem Schmerz die Lippen, als der Arzt die Schußverletzung untersuchte. Das Resultat ergab, daß die Kugel durch die linke Lunge gedrungen war, und zwischen der neunten und zehnten Rippe festsaß, wo sie gut fühlbar war. Die Verletzung war, wenn auch sehr schwer, doch, wenn keine Komplikation hinzutrat, nicht direkt lebensgefährlich ; aber der Arzt ordnete zur sicheren u nb vein- licheren Pflege die Ueberführung in das städtische Krankenhaus an, was der Kranke mit apathischer, schwacher- Stimme guthieß. Nachdem der erste Verband angelegt und der Verletzte, der über großen Durst klagte, gelabt worden war, fuhr der Sanitätswagen Doktor Göllnitz in langsamem Schritt ins Krankenhaus. Abends brachten, die Stadtblätter die lakonische Notiz: „Heute vormittag ver letzte sich durch ungeschickte Manipulation mit einem Revolver ein Dr. phil. lebensgefährlich. Der Schwerkranke
des Gouverneurs folgendes: Auf der Forststation Ukuib sind jetzt 15 mit 16 Hektar mit im ganzen 5000 Datteln bepflanzt. Für 1500 Pflanzen sind noch Bewässerungsanlagen erforderlich, 4 Hektar sind neu gerodet. Die ersten Palmen werden in diesem Jahre tragen.
—Eine neue politische Mordtat wird in der Türkei gemeldet. Als der Mutessarif JsmailHakki Bey von Jpek in Begleitung des Majors Ruschdi Bey ein einem al- banesischen Bey von Jpek gehörendes Haus verließ, wo sie eine gerichtliche Untersuchung vorgenommen hatten, wurden von einem Unbekannten Schüsse auf sie abge
"N
geben. Ruschdi Bay brach ^rt tot zusammen, während der Mutessarif zwar ’ wurde, aber in Sicherheit gebracht werdenkonnte. > danschlag in Jpek, der reaktionären Mache. Trieben wird, ist die dortige Bevölkerung in b~, versetzt worden. Die Bazare wurden gefaju,, Einwohnerschaft bewaffnete sich. Die Regierung fände vier Bataillone nach Jpek, über das erforderlichenfalls der Belagerungszustand verfügt werden soll.
— Nach neuerlichen Meldungen hat ein neuer Zwischenfall an der türkisch-bulgarischen Grenze statt- gesunden. Bulgarische Soldaten schössen nachts auf den türkischen Posten in Koulovo, Sandschak Kirk-Kilisse, und verwundete einen Soldaten. Die türkischen Truppen
erwiderten heftig das Feuer, woraus die Bulgaren
flüchteten.
— Nach Meldungen aus Aden sind die Anhänger des Mullah auf dem Kriegspfade; sie töteten 800 An- achörige der englandfreundlichen Stämme und raubten ihr Vieh. Sie'Stämme fliehen zur Küste.
— Zu den Unruhen in der Negerrepublik Liberia
tretet des Reuterschen Bureaus, Großbritanien stimcke den Vorschlägen der Vereinigten Staaten zu, Liberia finanziellen Beistand zu gewähren und Reformen ein- zuführen. Der Zweck der amerikanischen Vorschläge sei, den Frieden in Liberia, eine gesunde Basis der Finanzen und eine Kontrolle der Ausgaben zu sichern.
— Nach einer neuerlichen Meldung soll Kaiser Menelik noch am Leben sein. Die Meldung der „Agence Havas" vom Tode des abessinischen Herrschers erklärt eine Depesche der „Agenzia Stefani" aus Addis Abeba für unbegründet. Der Zustand des Negus sei unverändert. Das Land sei ruhig. Die Kaiserin Taitu habe sich vergeblich bemüht, mit den Anführern der Schoa ein Einvernehmen zu erzielen.
wurde mittelst Sanitätswagen von seiner Wohnung, Tierschstraße, nachdem Krankenhause gebracht."
Als ReferendarPöhland, beim Abendbrod sitzend,diese Notiz las, bemächtigte sich seiner ein Unbehagen; sofort drängte sich ihm der Gedanke auf, „Du hast heute morgen bei Göllnitz den Waffenkasten nicht auf seinen Platz zurückgestellt; Göllnitz, der so seltsam zerstreut war, wird doch nicht etwa?" Er dachte garnicht aus, so sehr quälte ihn der Gedanke; die halbe Mahlzeit ließ er stehen und eilte über die Maximiliansstraße Göllnitz' Wohnung zu. Als sein häßlicher Verdacht ihm dort bestätigt wurde, fuhr er nach dein Krankenhaus; aber der Schwerkranke lag im heftigen Fieber, und er wurde nicht zu ihm gelassen.
Unweit Padovani steht in einem kleinen Hain von Palmen, Koniferen und Magnolien ein kleines idyllisches Landhaus. „Villa Vetrello" steht auf schwarzer Tafel in weißen Lettern am Gittertürchen, das den laubigen Garten abschließt. Es ist kein reicher und kein eleganter Bau, aber lieblich wie ein Märchentraum steht das einstöckige graue Haus in der Blumen- und Baumwildnis, und die heiße Sonne brennt selbst in Hochsommertagen nicht gar so aufdringlich durch die dicken Mauern in die tiefenRäume. Durch eine Zypreffenallee gelangt man in einen dunklen Lorbeerweg, Reben und Oliven stehen ringsum. Hier dringt der große Zug der Fremden, die alle Jahre das Sonnen- land Italien aufsuchen, nicht hin; zu still und abgeschieden liegt die Villa Vetrello, und nur Künstler oder solche, die Einsamkeit lieben, flüchten in die lauschige Stille. Der Besitzer ist ein Deutscher, den die rauhen Winde der Heimat hierher verschlugen, und er öffnet gern Deutschen die wenigen Räume, die er abgeben kann, und bietet ihnen, so gut es sich machen läßt, auch deutsche Kost und Behaglichkeit. 164,18
In diesem Jahre hat auch zur heißen Jahreszeit ein deutscher Gast sein Idyll aufgesucht. Cäcilie Richon bewohnt zwei kleine Stuben; dieFenster hat sie mit dichter Gazeverhangeu.und die Bäume spenden sanften Schatten.