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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: LandwirtschaftlicherZRatgeber,
Vierteljährliche Beilage: „Unsere tzeimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser wird, wie man aus unterrichteten Kreisen mitteilt, die Mr dieses Frühjahr wieder geplant gewesene Mittelmeerreise wahrscheinlich aufgeben. Dagegen ist ein längerer Frühjahraufenthalt in Homburg in Aussicht genommen: Man erwartet dort den Kaiser bereits Anfang April. Die Ankunft des Kaisers zur Rekrutenvereidigung in Wilhelmshafen erfolgt am Montag, vormittags 12 Uhr.
— Der Kaiser hat auf Vorschlag des Prinzen Heinrich von Preußen, als des Vorsitzenden des Zeppe- lin'Nordpolexpeditonsausschusses hin bestimmt, daß der im Dienste der „Internationalen Meeresforschung" stehende Reichsdampfer „Poseidon" als Aufklärungsund Begleitschiff der Expedition für die nächsten beiden Jahre in Dienst gestellt wird. Am 5. März findet in den Räumen des Regattavereins zu Hamburg eine Exekutivsitzung des Präsidenten unter seinem prinzlichen Präsidenten statt, in der über alle Einzelheiten der Forschungsfahrt Beschluß gefaßt werden soll. Der „Poseidon", dessen Heimatshafen Geestemünde ist, und der u. a. schon mehrfach den Fürsten Albert von Monaco auf Tiefseeforschungsreisen beherbergt hat, fährt am 25. Juni nach dem hohen Norden ab und wird sich am 7. Juli in Narwick mit seinem Begleitschiff, einem für zwei Jahre gecharteten schwedischen Holzdampfer, vereinigen. Beide Fahrzeuge erhalten funkentelegraphische Apparatausrüstung, die beim „Poseidon" eine sehr erhebliche Reichweite haben wird. Für die Dauer der Zeppelin-Expedition soll von der deutschen Telefunkengesellschaft auch eine dritte — Land- und Hilfs- — Station in den norwegischen Fjorden für drahtlose Relaiszwecke eingerichtet werden..
— Der Reichstag hat am Mittwoch an Stelle des verstorbenen Grafen von Stolberg, den Grafen von Schwerin-Löwitz zum Präsidenten gewählt. Graf Schwerin-Löwitz gehört zur konservativen Partei und vertritt 1893 den pommerschen Wahlkreis Anklam- Demmin. Geboren am 19. Mai 1847 zu Schwerinsburg besuchte er das Französische Gymnasium in Berlin und diente im Kürassier-Regiment Nr. 7 in dessen Reihen er die Kriege 1866 und 1870 mitmachte. 1866 wurde er Kreisdeputierter und entfaltete eine reiche Tätigkeit im Interesse der Landwirtschaft. In Anerkennung seiner Verdienste tvurde er 1900 zum Präsidenten des Landwirtschaftsrats und des königlichen Landesökonomie-Kollegiums erwählt. Auch im Reichstag wandte Graf Schwerin sein Hauptinteresse wirtschaft-
* Merkannt.
Roman von Lothar Palmer. 20
„Briefe schreiben? Hat das nicht Zeit?"
„Nein. Du irrst; mit dem Schreiben wird es heute nichts mehr, aber ich muß Visiten machen."
„Absolut heute."
„Ja!"
„Na, dann laß uns traben! Marsch, marsch!"
. Als die Freunde sich bald darauf trennten und sich beim Abschied die Hand kräftig schüttelten, sagte Graf Hornberg aufgeräumt: „Also, bald nachmachen, Alexander!"
„Warum denn nicht?" lachte Buschbeck, „übrigens, Helene, meinen Gruß, und .. vielleicht besuche ich Euch dieser Tage."
„Das ist recht, aber Wort halten!"
Etwas Freudiges und Selbstbewußtes war über den Baron gekommen, ohne seine gemessene Art zu stören; der Gedanke eines Mißerfolges bei Marianne oder ihren Eltern kam ihm keinen Augenblick in den Sinn. Er war Marianne in den letzten Wochen sehr nahe gekommen, er hatte in ihren stillen, tiefen Augen lesen lernen, und es stand ohne langes Erwägen in ihm fest, daß gerade sie berufen sei, sein Weib zu werden, sein Heim durch ihre frauliche Anmut zu schmücken und zu verwalten, und seinem Leben das Glück zu bringen, nach welchem er sich zu sehnen begann, seit sein Herz schneller schlug, wenn er Mariannes gedachte. Mit einem Male war ihm während des Rittes auch der Gedanke gekommen, nicht erst an Marianne zu schreiben; er wollte mit ihrem Vater sprechen und sie dann selber fragen, ob er sich getäuscht, als er in ihren Augen die Antwort auf die Frage seines Herzens gefunden zu haben wähnte.
Oberst von Stupka empfing den Baronin seiner leutseligen Weise in seinem Arbeitsraum, da Buschbeck ausdrücklich dem Diener auf trug, er wünsche speziell in einer
Samstag, den 5. März 1910
lichen Fragen zu; er ist Mitglied des Börsenausschusses Und des Wirtschaftsausschusses und gilt allgemein als ein gemäßigter Politiker, der aus eigener Erfahrung sich sein eigenes Urteil bildet.
— Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Sonnabend die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern fort. Beim Kapitel „Landratsämter" kam wieder das angebliche Vorhandensein eines konservativen Parteiregiments zur Sprache. Abg. von Goßler (kons.) hielt es für selbstverständlich, daß die Landräte doch auch eine politische Ueberzeugung haben dürften. Dann kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Graf Praschma (Z.) und von Kardorff (freikons.), der dem Zentrum Verlogenheit im politischen Kampfe vorwarf. Abg. Liebknecht (Soz.) wetterte wieder in altgewohnter Weise über die Berliner politische Polizei. — Am Montag richteten wiederum die Abgg. Liebnecht (Soz) und Hirsch (Soz.) scharfe Angriffe gegen das Ministerium des Innern, namentlich gegen die Organisation der politischen Polizei und machten die Polizei verantwortlich für die Ausschreitungen bei den Demonstrationen in der letzten Zeit. Der so« zialdemokratische Abg. Hirsch erhielt einen Ordnungsruf, als er erklärte, das Haus mache sich durch die Bewilligung der Mittel für die Geheimpolizei zum Mitschuldigen an dem Spitzeltum. Unterstaatssekretär Holtz erwiderte, für die unerhörten Verwürfe gegen bis politische Polizei sei auch nicht der Schatten eines Beweises erbracht worden; über die Beurteilung der Straßendemonstrationen wolle er sich mit den Sozial- demokraten nicht unterhalten. Die Frankfurter Gerichts« Verhandlungen würden Klarheit schaffen und auch zeigen, daß die Agitatoren auch hier wieder hinter der Front geblieben seien. Schließlich wurde der Etat des Ministeriums des Innern bewilligt.
— Der Bundesrat hat genehmigt, daß in den« jenigen Fällen, in denen die bei der ersten Ausgabe von Wertpapieren mit diesen vor dem 1. August 1909 in Verkehr gesetzten Gewinn anteilschein- und Zinsbogen auf einen kürzeren als zehnjährigen Zeitraum lauten, die Reichsstempelabgabe von den zur Erneuerung dieser Bogen ausgegebenen Bogen aus Billigkeitsrücksichten verhältnismäßig um so viel, als der an dem bezeichneten Zeitraum fehlenden Anzahl Jahre entspricht, gekürzt und die Erhebung des hiernach verbleibenden Steuerbetrags bis nach Ablauf dieses Zeitraums ausgesetzt werde. In Bezug auf die sogenannte Talonsteuer hat der Bundesrat beschlossen, daß, wenn aus Anlaß einer stempelfreien Erreuerung von Wertpapieren,
MSMMBB^MftMM^^ 7aia«aggEwiww in1 iiiifflamn—acagi rein persönlichen Angelegenheit den Herrn Oberst zu sprechen.
Dieser kam ihm mit einer leicht besorgten Miene entgegen.
„Doch nichts Aergerliches ?" fragte er, indem er Buschbeck die Hand reichte und ihn Platz zu nehmen bat.
„O nein, HerrOberst! Ganz im Gegenteil führt mich eine sehr freudige und hoffende Stimmung zu Ihnen, nur fürchte ich, mich vielleicht etwas unbeholfen auszu- drücken, da ich mich nie vorher in ähnlicher Lage befand . . ."
„Machen Sie doch keine Umstände, lieber Baron! Da es, wie Sie sagen, etwas Erfreuliches ist, so reden Sie nur ganz ungeniert. Sie wissen ja, daß Sie mir kein Fremder mehr sind, und ich nehme innigen Anteil, was Sie mir auch mitzuteilen haben mögen."
Als aber der Baron mit Wärme seinen Antrag in aller Form kundgab, rang in dem Obersten die ehrliche Freude mit einer unverkennbaren Verlegenheit, denn ihm fielen plötzlich dieSpekulation und die Pläne seiner Frau ein, und als Buschbeck eine kleine Pause machte, sagte er sehrhöflich, doch ganz dem Ernst der Situation angepaßt: „Ich danke Ihnen, Her: Baron, für die Ehre, die Sie uns erweisen; gestatten Sie mir nur die eine Frage, die der Liebe zu meinem Kinde entspringt und die allein das Glück der Zukunft befestigen kann: Haben Sie mit Marianne schon von Ihrem Entschlüsse gesprochen und ist es nur die tiefe, selbstlose Neigung zu meiner Tochter, die Sie zu diesem Entschlnsse bewegt ?"
„Gewiß, Herr Oberst, nur meine aufrichtige Liebe zu Fräulein Marianne, eine Liebe, die wohl schon lange in mir schlummerte, deren ich mir aber erst bewußt wurde, als ich Ihr Fräulein Tochter im näheren, ungezwungenen Beickehr bester kennen lernte und von Tag zu Tag tiefer empfand, daß uns gemeinsame Sympathien verbanden. Direkt habe ich jedoch mit Fräulein Marianne noch nicht über meinen Entschluß gesprochen; ich kamnach
61. Jahrgang.
^y«M3ia»8«MMMM»M»^ aus Anlaß einer Verlegung des Geschäftsjahres oder aus anderer geschäftlicher Veranlassung neue Gewinn« anteilscheilscheine- oder Zinsbogen unter Einziehung von Bogen ausgereicht werden, die erst nach dem 31. Juli 1909 abgelaufen sein würden, die neuen Bogen von der Talonsteuer frei bleiben, falls der Beschluß, aus dessen Veranlassung die neuen Bogen ausgegeben sind, vor dem 10. Juli 1909 gefaßt ist und die neuen Bogen den Bezugsberichtigten vor dem 1. August 1909 zur' Verfügung gestellt sind. Umfassen die neuen Bogen Scheine für eine größere Anzahl Jahre, als dies bei den alten Bogen der Fall war, und beruht dies auf Anordnungen, die nach dem 9. Juli 1909 getroffen sind, so ist, so weit dies zutrifft, die Stempelavgabe verhältnismäßig zu entrichten.
Ausland.
— Ueber den Rückgang des Deutschtums in der Schweiz kommen betrübende Nachrichten. Im St. Jmmerten (jetzt Jmmier) im schweizerischen Jura gibt es nur noch vereinzelt ältere Leute, die ihr Schweizer- Deutsch sprechen. Im Bezirk Delsburg (Delömont) ist es etwas besser, aber das Heranwachsende Geschlecht bevorzugt das Französische; in Porentruy (Pruntrut), in Frimont (Freibergen), in Biene (Biel) u. a. O. ist das Französische vorherrschend. In 25—30 Jahren spätestens wird die Verwischung vollständig sein. Die „neue Sprache" wirkt ansteckend, die Leute schämen sich ihres Patois ; französisch gilt als vornehm! Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse im Kanton Fri- bourg (Freiburg) der fast ganz französisch ist. Noch vor 30—40 Jahren war die Bevölkerung zu 80 v. H. deutsch. Im Süden dringt im Kanton Tessin das italienische, gerade wie in Südtirol, mächtig vor. Der gute Michel läßt sich alles gefallen und fährt mit Vorliebe in die fremde Haut.
— Die Erhöhung der französischen Automobilsteuer ist von der Deputiertenkammer angenommen worden. Nach kurzer Diskussion bewilligte die Kammer sodann die Bestimmung, wonach für ein- und zweisitzige Automobile von Ausländern, die sich in Frankreich aufhalten, eine auf 50 Francs festgesetzte Steuer, und zwar für einen Zeitraum von 360 Tagen, erhoben wird. Die Steuer für Automobile mit mehr als zwei Sitzen beträgt für denselben Zeitraum 90 Francs. Außerdem soll eine Steuer, die nach je der Motorkraft des Automobils abgestuft ist und zwischen 5 Francs und 15 Francs für die Pferdekraft variiert, entrichtet werden.
— Große Unterschleife im Arsenal von Toulon sind
einigem Schwanken zu der Entscheidung, in diesem Punkte die Etikette nicht zu durchbrechen, und so sehen Sie mich hier."
Der freundliche, gütige Zug war wieder in das Gesicht des Obersten zurückgekehrt, glücklich atmete er auf, als der Baron in so innigen Worten von seiner Neigung zu Marianne sprach, und impulsiv reichte er ihm die Hand und drückte sie warm.
„Ich danke Ihnen wiederholt, HerrBaron, doch ehe wir Marianne in das Vertrauen ziehen, halte ich es für meine Pflicht, Sie darüber aufzuklären, daß wir unserer Tochter nur eine standesgemäße Aussteuer, aber kein Vermögen mit in die Ehe geben können."
Der Baron errötete wie ein Jüngling; es war ihm entschieden sehr peinlich, daß dieser Punkt überhaupt berührt werden mußte, anderseits sah er aber auch die Notwendigkeit ein, und fast verlegen entgegnete er: „Herr Oberst, ich bin glücklich, in der angenehmen Lage zu sein, in keiner Weise auf eine Mitgift bei meiner Wahl sehen zu müssen."
„Ich habe eine tiefe Neigung zu Fräulein Marianne gefaßt, wenn sie diese erwidert,ihreHandvertrauensvoll in die meinige legen will, und Sie, HerrOberst, und Ihre verehrte Frau Gemahlin Ihren Segen dazu geben, so bin ich glücklich und dankbar. Daß meine Verhältnisse die denkbar besten sind, möchte ich aber auch noch anfügen; ich kann meiner Frau ein sehr behagliches Leben bieten. Den Beweis zu erbringen, halte ich meinerseits auch für Pflicht, und ich hoffe, Herr Oberst, daß Sie bei meinem Sachwalter genaue Einsicht in den Stand meiner Finanzen nehmen werden." 164,18
~ „Gewiß, lieber Baron! Es ist ja freilich nur eine Formsache, aber es muß ihr genügt werden zur Beruhigung des elterlichen Gewissens, aber jedenfalls hat das Zeit. Mir scheint nun die wichtigste Frage, Marianne und meine Frau einzuweihen. Ist es Ihnen recht, Baron, so gehen wir in die Frauengemächer hinüber."