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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

_________ Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Amtliches.

J.-Nr. 10831088 K.-A. Den nachstehenden Per­sonen sind für langjährige treue Dienstzeit Prämien aus Kreismitteln bewilligt worden:

1. Dem Schweinehirten Adam Beck in Schlüchtern 50 Mark.

2. Dem Kutscher und Knecht Nikolaus Eckhardt in Schlüchtern 25 Mark.

3. Dem Schweinehirten Konrad Zeller in Mottgers 25 Mark.

4. Dem Schweinehirten Johannes Rosenberger in Niederzell 20 Mark.

5. Dem Knecht Adam Hohmann und dem Kuh­schweizer Josef Statt in Ramholz je 15 Mark.

6. Der Magd Angelika Elisabetha Fehl in Ziinters- ~ bach 10 Mark.

Schlüchter:' den 16. Februar 1910.

Z 1 Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

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Mißdeutung der Wahlrechtsvorlage.

Die Wahlrechtsvorlage ist nach dreitägigem Rede­turnier an die Kommission verwiesen worden. Letztere hat nunmehr die schwierige Aufgabe, die weit ausein­anderlaufenden Meinungen der Parteien auf einen gemeinsamen Boden insoweit zusammenzuführen, daß eine Verständigung erzielt wird, mit der auch das Herrenhaus und die Regierung sich zufriedengeben können. Der notwendige Kompromiß ist in diesem Falle umso schwerer zu veranlagen, als Einwände und Bedenken nicht nur von links Herkommen, sondern auch, unter anderm Gesichtswinkel, auf der Rechten bestehen. Der Kommission bleibt es vorbehalten, die Opposition der einzelnen Abgeordneten durch sachgemäße Aufklä­rung zu entkräften. Insbesondere werden auch die Irrtümer zu widerlegen sein, die in den Blättern der Rechten wie der Linken Umläufen, weil man häufig sich nicht der Mühe unterzogen hat, in die Begründung der Vorlage tiefer einzudringen.

Linksliberale Wahlrechtsmathematiker haben wieder­holt ihren Witz an den methodischen Grundzügen zur Feststellung des Wahlergebnisses geübt, wobei sie heraus­klügeln, daß aus der Abstimmung unter Umständen mehr Abgeordnete in einem Wahlkreise als gewählt sich ergeben könnten, wie überhaupt zu wählen sind. Natürlich gehen die klugen Rechenmeister von falschen Voraus­setzungen aus; ihre Rechnung stimmt wohl auf dem Papier, wird aber im Wahlakt selbst niemals zutreffen, weil die ganze rechnerische Aufmachung falsch ist.

Samstag, den 19. Februar 1910 mwwmmmmmmmmmmww«

In einem rechtsstehenden Blatte wird behauptet, daß die Vorlage auf einepolitische Entrechtung der freien Erwerbsstände zugunsten der oberen und mittleren Beamtenschaft und der landwirtschaftlichen Wähler erster und zweiter Klasse zugunsten der städtischen Wähler dieser beiden Klassen" hinauslaufe. Der Verfasser verrät in seiner Beweisführung, daß er die Vorlage nur sehr flüchtigstudiert" hat. Er behauptet zu­nächst, daß mittlere Beamte übrigens in noch größerer Anzahl bekanntlich Nichtbeamte! mit dem Einjährigenzeugnis oder Zivilversorgungsschein, falls sie 35 Jahre alt sind, in die zweite Abteilung auf­steigen. Das ist ein Irrtum; denn außerdem ist die Veranlagung der betreffenden Wähler zu einem Ein- kvmmensteuersatze von mehr als 1800 Mark erforder­lich. Die Befürchtung aber, daß Wähler dieser Quali­täten im Verein mit Akademikern und pensionierten Offizierenan vielen Orten die erste und zweite Wühlerklasse völlig beherrschen" könnten, wird dadurch hinfällig, daß solche Wähler schon jetzt ganz über­wiegend der 2. Abteilung angehören ; speziell akademisch gebildete Beamte und Offiziere kommen nummerisch so gut wie gar nicht für eine Aenderung der Zusammen- setzung der beiden oberen Abteilungen in Betracht, geschweige denn, daß von ihnen eine Ueberflutung der­selben zu besorgen ist. Die Vorschrift hat unverkenn­bar hauptsächlich den Zweck eine Minderheit solcher Wähler in eine Gemeinschaft emporzuheben, zu der sie intellekluell und sozial gehören.

Eine zweite Sorge jenes Kritikers ist, daß abge­sehen von der soeben erwähnten Vermehrung der städt­ischen Wählerum Tausende und Abertausende", die ländlichen Bezirke auch dadurch beeinträchtigt werden könnten, daß in ihnen nicht mehr wie bisher bei der Zwischenstufe der Wahlmänner gesondert gewählt wird, sondern die Gesamtzahl der Stimmen durch ländliche und städtische Bezirke hindurch gezählt werden. Da­her sollen durch die Neuerungendie städtischen Wähler erster und zweiter Klasse ein erdrückendes Uebergewicht über die landwirtschaftlichen Wähler der gleichen Klasse in fast sämtlichen Wahlkreisen erlangen."

Unrichtig ist zunächst, wie ein Blick in die Wahl­rechtsstatistik lehrt, daß in den gemischt städtischen und ländlichen Wahlbezirken die Wähler der beiden oberen Abteilungen in den Städten regelmäßig größer als auf dem Lande gewesen ist. Hiergegen ist unschwer ^estzustellen, daß die ländlichen Wähler aller Abteilungen,

ausdrücklich gegen die Behauptung des Abg. Dr. Pach- sis auf einige wenige Wahlbezirke, die auch große? nicke (f. Vg.) als habe die Staatsregierung ein Rück- Städte umfassen, so erheblich in der Mehrzahl sind, zugsgefecht angetreten, indem sie die Vorlage einbrachte.

61. Jahrgang

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daß ihre Stellung durch das Aufrücken und den Stimmzählungsmodus nicht erschüttert werden. Radikale Verschiebungen im Verhältnis der städtischen zu den ländlichen Wählern sind von der Vorlage in ihrer gegenwärtigen Gestalt nicht zu befürchten. Demgemäß ist auch der Vorwurf, daß die landwirtschaftliche Be­völkerung infolge der Wahlrechtsreform auf das Niveau der Sozialdemokratie herabgedrückt, also ihr bisheriges Stimmgewicht im Abgeordnetenhause einbüßen könnte, ganz und gar haltlos. Mit dem Aburteilen sollte man wenigstens solange zurückhalten, bis man den Geist und die Wirkungen der betreffenden Materie er­kannt und erfaßt hat.

Deutsches Reich.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die zweite Lesung des Militäretats fort. In der Spezialdebatte wurden die verschiedensten Wünsche und Anregungen vorgebracht, und zwar drehten sich sämtliche Reden um die eine sozialpolitische Frage, daß den Arbeitern in den militärischen Betriebswerkstätten eine bessere Löhn­ung gezahlt werden soll, und daß überhaupt eine Re­vision der Lohnordnung eintreten müsse. Wie immer ergingen sich dabei die Sozialdemokraten in den ärgsten Uebertreibungen. Bei dem Extraordinarium kamen allerei Sonderwünsche zur Sprache. Am Montag wurde mit der ersten Lesung des Kaligesetzentwurfes begonnen, der vom Handelsminister Dr. Sydow be­gründet wurde. Er schilderte die Versuche, das Kali­syndikat wieder zustande zu bringen, die jedoch an den mittlerweile abgeschlossenen Verträgen mit Amerika scheiterten und legte dann die Gründe dar, die für den vorgelegten Gesetzentwurf maßgebend waren, der nament­lich eine Vertriebsgemeinschaft aller Kaliproduzenten schaffen soll, d. h. also ein Syndikat unter staatlicher Aufsicht. Die Abgg. Hein (Z.) und Frhr. v. Gamp hatten an der Vorlage manches auszusetzen, letzterer sprach indes die Hoffnung aus, daß in der Kommission eine befriedigende Lösung erzielt werde. Abg. Gothein (fr. Vg.) sprach sich völlig ablehnend gegen die Vorlage aus, Abg. Roesicke (kons.) stimmte der Vorlage in der, Hauptsache zu und verwies im übrigen auf die Ver­handlungen in der Kommission.

Das preußische Abgeordetenhaus beendet am Sonnabend die erste Lesung der Wahlrechtsreform. Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg verwahrte sich

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WW

Roman von Lothar Palmer.

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Das hatte er noch nie getan und doch zögerte sie kei­nen Moment; in festem, ehrlichen Druck umspannte er ihre schmale Rechte, und beide hatten die Empfindung, als sei dieser Händedruck ein Versprechen gewesen, und in beider Herzen wogte ein frohes, seliges Gefühl auf.

Marianne nahm dann noch eine Tasse Tee im be­haglichen Wohnzimmer ein, erzählte ihren Eltern von der Aufführung, war aber einsilbiger als sonst und zog sich ziemlich schnell in ihr Schlafzimmer zurück. Sie schlief aber nicht schnell ein, immer wieder mußte sie an die eigentümliche Wendung denken, die heute ihre Unterhal­tung mit Buschbeck genommen hatte, an seinen Hände­druck, der ihr wie eine heiße Frage geschienen, und den sie so warm und ehrlich erwidert, als wollte sie sagen: Ja, es ist so, wie Du fragst, ich bin Dir gut, seitdem ich Dich kennen lernte, ohne den Ballast öder Konven­tion."

Buschbeck aber wanderte langsam seinem Heim zu und er sann darüber nach, warum er eigentlich bis heute im­mer nur seichten Vergnügungen nachgegangen war, aller­hand Dingen, die ihn für den Augenblick beschäftigt, er­freut, manchmal sogar beglückt, die alle aber nichts Blei­bendes gehabt hatten. Von seinem ersten, flüchtigen Schwärm für eine schöne Badebekanntschaft in Abbazia durch all sein Auflackern für Bühnengrößenund Salon- Sterne war alles nur an der Oberfläche haften geblieben. Nie packte ihn das Gefühl so tief, daß er weiter gedacht häute, als an das Heute und Morgen, und nun beschäf­tigte er sich schon seit Monaten stets in Gedanken mit dem bleichen Mädchen, dessen Augen ihn bis in seine Träume verfolgten.

Manchmal legte er sich dieFragevor:Gehe ich wohl der HolthauswegestinsTheater,ziehtsie mich unwiderstehlich M, oder ist es Marianne von Stupka, die sympathische

Tochter der berechnenden Mutter, die mir gar zu deutlich zu erkennen gibt, daß ich ihr kein unwillkommener Freier für ihre Einzige wäre?" Und lautpochte dann sein Herz: Marianne ist's, Marianne, die Sinnige, Scheue, Ver­träumte." Heute aber frug er nicht mehr; er wußte Be­scheid. Gar nichts Stürmisches und Unbändiges jubelte in ihm auf, nur ein großes, ruhiges Glück, eine klare, frohe Hoffnung. Wie schön niußte sein elegantes Haus werden, wenn statt des Trosses von Freunden Marianne als liebe, sanfte Hausfrau schaltete und waltete.

Alle Morgen wollte er ihr Veilchen pflücken, bis die Rosen erblühten, von denen sie ihm erzählt hatte, daß es ihre Lieblingsblumen seien; jedes vergeudete Jahr seines Lebens wollte er ihr abbitten und sie verwöhnen, wie eine Mutter wohl ihren Liebling verwöhnen mag. Ach, und nicht zaudern wollte er, jedes Zögern war ja Verlust an Glück.

Er stürmte heim:Morgen gleich," murmelteer,mor- St schreibe ich an sie und halte bei dem alten, lieben ersten um sie an!"

Morgen!" stahl eS sich noch auf seine Lippen, als er einschlief.

Albin Pöhland hatte kein Glück mit seinen Bewer­bungen um Elfriede. Sie ließ sich bei all seinen Besu­chen mit eiserner Konsequenz verleugnen und übersah es gänzlich, daß er säst immer der erste und jedenfalls der lauteste Applaudeur im Theater war, so kam es, daß sich allmählich seine Bewunderung in das Gegenteil ver­wandelte, daß er mit Wonne die Kritiken las, die ihm Herr Gottschall stets liebenswürdig in die Hände spielte, und die in raffinierter Weise ein Verkleinerungssystem verfolgten, das bald seine giftigen Früchte trug. In den einmütigen Beifall mischten sich schon zuweilen leise Zi- scher, die zwar übertönt wurden, aber trotzdem nicht ohne Wirkung blieben. Auch die besseren Blätter singen an, nicht mehr alles einmütig zu loben, was auf Elfriede deprimierend einwirkte.sodaßsie zuweilen befangenwurde.

Wenn Göllnitz sie dann trösten wollte, wehrte sie fast

heftig ab:Laß doch, um so leichter scheide ich von meiner Kunst, Du siehstja,daß ich nurHalbes biete!"

Göllnitz selber war aber tiefer getroffen als sie, und er sehnte den Kontraktschluß förmlich herbei. Nicht nur die Haltung des Theaterpublikums ärgerte ihn, mehr noch waren es die Kritiken, die ihm anonym zugeschickt wur­den, und denenhieunddaein hämisches oder beleidigen­des, geschriebenes Wort angefügt war, das Verleumdun­gen gegen Elfriede enthielt, die er mit einer fast krank­haften Eifersucht liebte. Wohl war er sich klar, daß ano­nyme Angriffe stets nur von unlauteren Menschen, von Feiglingen ausgehen, daß nicht der Schimpf, sondern allein die Tat schändet, daß gerade Leute mit besudel­ten Namen durch die Reinheit anderer gereizt werden, aber ungewollt bohrte sich doch der Stachel in sein Herz, und das ausgestreute Gift begann an seinem Vertrauen zu rütteln.

Elfriede sah wohl, daß ihn etwas bedrückte: sie bat ihn um Offenheit, aber er wehrte immer ab und sobald er in ihrer Nähe war, schwanden alle Zweifel. Sie sah ihn so lieb und offen an, sie plauderte so glücklich von ihrer Liebe, vom neuen, trauten Heim, das sie sich einrich­ten wollten, und er vergaß so gern und schnell die dü­steren Wolken, die seine Sonne hatten verdunkeln wollen.

Dann sagte er sich auch, es würde wohl einer all der abgewiesenen Besucher sein, die sich rächen wollten, die wohl nicht ohne Neid und ohne boshafte Kombinatio­nen sein tägliches Aus- und Eingehen bei Elfriede sä­hen, und er wurde wieder froh, bis ein neuer anonymer Hieb ihm die Ruhe raubte.

Eines Tages aber war man deutlicher geworden; er hatte einen Brief erhalten, worin ihm in kurzen, dür­ren Wortenzur Erweiterung seiner Kenntnisse" direkt Briefe von Fräulein Cäcilie Richon, genannt Elfriede von Holthaus angeboten wurden. Auch dieses Schreiben war ohne Unterschrift, doch war zu eventueller Antwort eine Chifseradresse angegeben. 164,18