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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mir „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Amtliches.
J.-Nr. 391 K. A. Die Bitllenkörungstermine für 1910 werden wie folgt festgesetzt:
am 12. März in Schlüchtern
„ 7. Mai in Sterbsritz
„ 9. Juli in Sterbfritz
Mittwoch, den 26. Januar 1910
am 10. September in Steinau
„ 12. November in Schlüchtern Schlüchtern, den 20." Januar 1910.
Der Landrat: Valentiner.
J.'Nr. 509 K-A. Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises mache ich darauf aufmerksam,
61. Jahrgang
M^HBHHei^HHHBHHHSHHiHHHHHHHBHIRHBK^/ daß die 2. Kreissteuerrate am 1. Februar bei der Kreiskommunalkasse fällig ist. Ich ersuche, die Rechnungsführer zur möglichst pünktlichen Einhaltung des Termins anzuhalten.
Schlüchtern, den 21. Januar 1910.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
Seit dem Saif^tl
Oh wiederum des Winters rauhes Wehen Umspielt, mein Herr und Kaiser, Deinen Fuß, Zu deinem Thron zieht heut von Tal und Höhen Warm wie des Lenzes Hauch der Liebe Gruß. Kimm als Geburtstagsgabe heut aufs neue Auch die bewährte alte deutsche Treue!
„Gut Zollern alleweg!" bleib das panier, Trag's wo Du willst, wir folgen treulich Dir!
Scharf willst Du deutsches Schwert und seine Klinge, Trotzstark wie einst im alten Kampf und Streit, Nimm als Geburtstagswunsch, daß Dir's gelinge, 3ft doch Dein Schwert dem Jrieden nur geweiht! Und, unbeirrt vom Undank und Verhöhnung, Bau rüstig fort am Werke der Versöhnung, Dein mächtig Zepter nur, sonst andres nicht, Gs führt das deutsche Volk hindurch zum Licht.
(37. Januar.)
Wogt auch die Aut in immer wildrem Dräuen Rings um der Treue Fels mit Allgewalt, Will selbst die Lüge Dich uns entzweien, Die machtlos vor der Wahrheit Ruf verhallt, — Zag nicht, o Kaiser, in der Zeit Gefährden! Dir muß in Stadt und Land nur Liebe werden; Ein rechtes Kinb bringt nie den Eltern Schand', Das deutsche Herz schlägt treu fürs Vaterland. Zieh denn, o Jriedenskaiser, Deine Pfade, Und unsere Liebe sei Dir gut Geleit.
Der Weg der Pflicht, umstrahlt von Gottes Gnade, Führt, fei’s durch Blühen auch, zur Herrlichkeit. Bleib, was Du bist: des Friedens Feinde Wehrer, Der Schwachen Hort, des deutschen Ruhmes Nehrer! Stets werde Gottes Segen Dir zuteil!
Heil, dreimal Heil! Dir, Kaiser Wilhelm, Heil! toben Rȧ.
Unser Kaiser tritt morgen in ein neues Lebensjahr, und mit den deutschen V undesfürsten nehmen Millionen deutscher Herzen an der Festfeier innigen Anteil und gedenken in alter Liebe und Treue des Herrschers, der durch eine mehr als zwanzigjährige Regierung bewiesen hat, daß für ihn des Volkes Wohl, des Vaterlandes Größe und Gedeihen höchster Leitstern in allem Streben und Handeln gewesen ist. Niemals haben andere Gesichtspunkte des Kaisers und Königs Entschließungen bestimmt. Dieses Anerkenntnis wird unserm regierenden
^erkannt.
Roman von Lothar Palmer. 7
„Die Büsten der Damen leuchteten, die nackten Arme waren von Goldspangen umschlossen und die Hände bis zum Ellbogen hinauf züchtig in knappe Handschuhe gepreßt."
Baron Vuschbeck kam, als der Tee schon längst getrunken war; Frau von Stupka atmete auf, und die trostlose Spannung wich aus ihren Zügen. Der Baron verneigte sich wie vor einer Fürstin, und entschuldigte sein Zuspätkommen mit einer Zungengeläufigkeit, die ihm sonst nicht eigen war.
„Eine fatale, unvorhergesehene Abhaltung; ich war außer mir, wie auf Kohlen, gnädigste Frau, und ich habe mich gewaltsam losreißen müssen!"
Sie lächelte ihm huldvoll die Verzeihung entgegen, und flüsterte ihm zu: „Ich habe nur auf Sie gewartet, um das Zeichen zum Souper zu geben; bitte, wollen Sie meine Tochter führen!"
„Ah! Ich bin entzückt, Gnädigste!" sagte er, froh, so gnädig empfangen zu sein, und während er, das Einglas ins Auge geklemmt, das bleiche Haustöchterchen suchte, sich hierhin und dorthin artig verneigend, dachte er: „Um solcher ödön, konventionellen Soiree willen drei Akte der „Heimat" versäumen müssen! Schauderhaft, wirklich ganz schauderhaft."
Nach Mitternacht brachen die Gäste auf; jeder schüttelte der Oberstin und ihrem Gatten die Hand, die Herren berührten mit ihren Bartspitzen ihre Glacees, lächel- tenmitvielsagendemAugenausschtag Fräulein Marianne an, steckten sich in der Garderobe eine Zigarre an, und während die Haustür zuschlug, und einige Equipagen und Mietdroschken davonfuhxen, zählte der Galonnierte seine Trinkgelder zusammen.
Referendar Pöhland eilte Alexander Buschbeck nach
Herrscher auch da von niemandem versagt werden können, wo das gesteckte Ziel nicht erreicht wurde. In der überwältigenden Mehrheit unserer Nation jedoch ist das Bewußtsein lebendig, daß das hohe Streben des Kaisers auf weiten Gebieten staatlicher Betätigung reiche Früchte getragen hat. Zwar bringt es der Tageskampf mit sich, daß wirkliche oder angebliche Mängel der bestehenden Verhältnisse in den Vordergrund gerückt werden. Es stellen sich dann aber Stunden ein, in denen man sich vergegenwärtigt, daß wir ein tüchtiges
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und sagte: „Haben Sie noch einen Platz im Wagen für mich?"
Der Baron maß den Freund mit einem ärgerlichen Gesicht und meinte mit erzwungener Artigkeit: „Gewiß, aber ich fahre direkt nach Hause."
„Um so besser; ich habe einiges Interessantes zu erzählen."
Mit einer stummen Handbewegung lud oer Baron den Referendar ein, den Zweispänner mit den Eisenschimmeln zu besteigen, und als die feurigen Tiere aus- griffen, sagte Pöhland ganz unvermittelt: „Die Holt- haus ist ein Komödiantenkind, und tut nur so spröde!"
„Woher haben Sie die Kenntnis?" fragte der Baron noch immer verstimmt.
„Sie wissen, lieber Buschbeck, daß ich für gewisse Dinge eine feine Spürnase habe. Hier in diesem speziellen Fall Handeltees sich aber auch noch darum, Ihnen einen Dienst zu erweisen."
Der Baron räusperte sich ein wenig. /
Pöhland tat, als ob er die Verstimmung gar nicht merke, lehnte sich bequem in die weichen, grauen Polster zurück und fuhr fort: „Darum suchte ich neulich dieHolt- haus sofort auf; ich wollte das Terrain untersuchen."
„Wobei ich Jhnen sehr ungelegenin dieQuerekam?"
Pöhland lachte laut auf: „Das klingt fast wie Eifersucht, liebster Baron.Nee,nee, daran istwahrhaftig nichts!"
„Wenn ich noch bei Ihnen eine Zigarre rauchen darf, werde ich Ihnen klar machen, daß dieses MalJhr Scharfblick sich getäuscht hat, und daß es sich gar nicht der Mühe lohnt, um den neuen Stern am Theaterhimmel zu schmachten. Sie hat ihren „Beschützer" schon gefunden, und im übrigen.. hat sie schon auf der Lebensbühne längst ihr Debüt im Punkt der Liebe gefeiert."
Der Wagen hielt mit einem kurzen Ruck vor dem kleinen, fashionablen Heim des Barons, und langsam stiegen die Freunde über die weichen Treppenläufer zum Rauchsalon.
Stück vorwärts gekommen sind, und wieviel die Förderung des Gemeinwohls der eigensten Initiative des Kaisers und Königs zu verdanken hat.
Die Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. hat Beweise in großer Zahl für die Richtigkeit der Auffassung erbracht, daß der Herrscher durch die vorhandenen ver« fassungsmäßigen Schranken nicht gehemmt ist, auf das öffentliche Leben der Nation einen tiefgreifenden Einfluß auszuüben. In keiner Richtung ist dies klarer zu erkennen als in der Frage der Stellung unseres Volkes
Punkt halb zwölf, wie Trude Herrn Franz Gottschall auf ihrer Herrin Geheiß bedeutet hat, lautet er an. Er hat mit Sorgfalt Toilette gemacht, aber es geht ein Duft von altem Zigarrenrauch und Wirtshausluft von ihm aus. Als Trude ihn über den breiten Korridor dem Salon zuführt, sieht er indiskret die Wände empor und taxiert mit sicherem Blick den Wert der schweren Portieren und den hohen Trümeau, der hinter einerVorsaal- toilette bis zur Decke aufreicht.
„Ein ivarmes Nest," denkt er und ein eigenartiges Lächeln, halb Behagen, halb Neid, zuckt über sein Gesicht. Es war ein grauer Regentag, im Salon herrschte tiefes Dämmerlicht; die Golddecken vor den Fenstern wirkten fast braun wie welkes Laub und der Duft von Veilchen strömte aus der hohen etruskischen Base am Fenster her.
„Ich bitte Platz zu nehmen, Fräulein von HolthauS wird sogleich kommen,"hatTrude gesagt,aberHerrGott- schall beachtet es nicht; als sich die Tür geschlossen hat, wirst er einen prüfenden Blick umher. „Gediegen reich ausgestattet," sinnt er vor sich hin: „scheint einen reichen Freund gefunden zu haben."
Fast geräuschlos war Elfriede eingetreten; die Störung war ihr unangenehm; sie studierte eben eine neue Rolle ein und hatte den zudringlichen Besucher fast ganz vergessen gehabt. Etwas gereizt und nervös klingt ihre hastige Anrede: „Sie drangen darauf, mich zu sprechen; ich bitte sich kurz fassen zu wollen, dameineZeitsehr knapp bemessen ist."
Gottschall steht im Schatten der hohen Palmengruppe; er rührt sich nicht, antwortet nicht, sondern sieht nur mit einem lauernden Blick nach Elfriede, die sich vom Goldgrund der Fensterdecken wie ein altes Bild italienischer Meister abhebt.
„Mein Herr, Sie wünschen?" sagt sie irritiert, ohne ihre Stellung zu wechseln. 164, Iß