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mit amtlichem Meisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
^Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Psg.
M 5.
Samstag, den 15. Januar 1910
61. Jahrgang.
Fortwährend
werden Bestellungen auf die SchMchterner Zeitung
mit amtlichem Kreisolatt von allen Postanstalten, Landbrieslrägern sowie von der Expedition entgegengenommen.
finden in bei Schüchterner ■ ZeitNNg den meisten Erfolg, da sie die größte Aunage der iw Kreise Schlächtern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Amtliches.
Der Deutsche Verein für Knabenhandarbeit in Görlitz veranstaltet im Jahre 1910 technische Kurse nnd Kurse zur Ausbildung von Lehrern für den Werkunterricht.
Die technischen Kurse, die den Zweck haben, Lehrkräfte für den Knabenhandarbeits-Unterricht praktisch und theoretisch auszubilden, nehmen am 5. Juli ihren Anfang. Der Eintritt kann auch am 18. Juli und 1. August erfolgen.
Für den Werkunterricht werden zwei Kurse eingerichtet werden, vom 8. Februar bis 5. März und vom 5.—30. Juli. Diese Werkunterrichtskurse erstrecken sich auf die einfachste Werktätigkeit, die im Rahmen des Unterrichts ehr q in den ersten vier Schuljahren betrieben werden kann, und umfassen Formen, Papier- Karton- sowie einfache Holzarbeiten, und zwar in Ver. bindung mit theoretischen und methodischen Erläuterungen und mit Uebungen im Zeichnen. Da der erste Werkunterrichtskursus bereits am 8. Februar beginnt, so sind etwaige Anmeldungen tunlichst bald an den Seminardirektor Dr. Pabst in Leipzig, Scharnhorst- straße 19, zu richten.
Auf Wunsch werden von dem genannten Herrn Programme für die technischen und für die Werk- unterrichtskurse kostenlos abgegeben.
Schlüchtern, den 12. Januar 1910.
Der Königliche Landrat: Valentin er.
Die Thronrede zur Eröffnung des preußischen Landtages.
Mit besonderer Spannung sah man in den weitesten Kreisen diesmal der Thronrede zur Eröffnung des Landtages in Preußen entgegen. Handelte es sich doch um
. Ierkannt.
Roman von Lothar Palmer. 4
Elfriede erfaßt die Hand des Mannes und zieht ihn vor in die Helle der sonnenbeschienenen Fenster, wieder steht sie forschend in das Gesicht, in die tiefen, dunklen Augen des Mannes, dann geht es wie Rührung und freudiges Erschrecken durch ihr Herz, und zweifelnd, bebend ruft sie: „Bist Du es wirklich, Du, Oswald Göll- nitz, mein lieber, lieber Freund aus unvergessener, wonniger Kinderzeit!"
Was sie sich nicht alles zu erzählen haben seit den langen Jahren, als das Schicksal sie gewaltsam auseinandergerissen hat. Die sonnige, lichte Kindheit. Sie, das lustige, bewegliche Künstlerkind mit dem sprudelnden, französischen Naturell des verstorbenen Vaters, er, der stille, ernste, mutterlose Sohn des gelehrten Sonderlings, der in den weiten Sälen des alten Palastes mit Giften und Säuren, mit Kolben und Retorten seine Tage verbrachte. Sie beide den ganzen Tag fast ohne Aufsicht, sich selber überlassen.
Alle Tage hatte sie in den alten Bogengängen auf ihn gewartet, bis er aus der Schule kam. Die Händlerinnen, die ihre Waren feilboten auf den Steinbänken 'der Arkaden, kannten das zierliche Blondchen mit den Goldlacken wohl, und bald reichte die eine ihr einige duftende Erdbeeren aus den Riesenanlagen von Sablon oder eine andere weißbehauchte Trauben von Sey und St. Rufine. Und dann gingen Oswald und Cäcilie Hand in Hand über den kleinen Ludwigsplatz durch den dunklen Torbogen des alten, schwarzen Schlosses über den weiten Hof mit den Remisen und Stallungen nach dem verträumten Gärtchen, das die Aeste seiner Trauerweiden tief über den Mauerrand in die Seille senkte. Das Gärtchen lag für alle anderen Bewohner des Fouqueschlosses vergessen hinter den hohen,kunstvollenGittern ausSchmie- deeisen, und nur die Vögel gaben sich noch in der Wild-
die Frage, ob die in der vorigen Thronrede verheißene Wahlreform dem Landtage noch in dieser Session unterbreitet werden würde oder nicht. Diese Frage ist nun im bejahenden Sinne beantwortet worden: die Vorarbeiten für eine Reform des Wahlrechts zum Hause der Abgeordneten sind, wie die Thronrede, mit der Kaiser Wilhelm soeben den Landtag eröffnet hat, verkündet, ihrem Abschlüsse nahe, und in einigen Wochen wird das Ergebnis dieser Arbeiten in einer Vorlage der Beratung des Landtages unterbreitet werden. Ueber den Inhalt dieser Vorlage macht die Thronrede keinerlei Andeutungen. Die berufenen Konjekturenmacher haben daher auch weiterhin freies Spiel. Wir unserseits meinen, daß dieses ganze Frage- und Antwortspiel keinen Sinn hat, sondern wollen der angekündigten Vorlage mit Ruhe und Vertrauen entgegensehen.
Neben der Wahlrechtsreform geschieht in der Thronrede auch noch einer andern bedeutungsvollen und weitgreifenden Reform Erwähnung, nämlich der Reform der innern Verwaltung. Wir erfahren über den Stand dieser Angelegenheit, daß die im Juni des vergangenen Jahres berufene Jmmediatkommission sachverständiger und erfahrener Männer aus den verschiedensten Kreisen eifrig an der Arbeit ist. Ihre gutachtlichen Vorschläge werden die Grundlage für die weiteren Beschlüsse und für gesetzgeberische Vorschläge der Regierung bilden. Der auf die Verwaltungsreform bezügliche Passus schließt mit dem Ausdrucke des Vertrauens, daß der Landtag das für die Fortentwicklung des Landes wichtige Werk nach Kräften unterstützen werde.
Hinter diesen beiden Refornien stehen die übrigen Ankündigungen der Thronrede an Interesse zweifellos zurück, ober dennoch sind auck die gesetzgeberischen Maßnahmen, die sonst noch in Aussicht gestellt werden, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. So werden zur ©Weiterung und besseren Ausrüstung des Staatseisenbahnnetzes sowie zur Unterstützung von Kleinbahnen wiederum erhebliche Mittel gefordert werden. Der Fürsorge für die schulentlassene Jugend ferner sollen Gesetze dienen, die nach dem ersprießlichen Vorgänge des im Jahre 1904 für die Provinz Hessen-Nassau erlassenen Gesetzes auch den Kommunalverbänden in den Provinzen Pommern, Schlesien und Westfalen das Recht verleihen, die Pflicht zum Besuche ländlicher Fortbildungsschulen einzuführen. Weiterhin wird beabsichtigt, das Werk der inneren Kolonisation durch Erlaß eines Gesetzes zu fördern, das die Mittel zur Gewährung von Zwischenkredit bei Rentengutsgründungen erhöht.
»»■■«»■■■»■Ma»MMEM»»M«»«»MHav»»**»»»wmasm nis Stelldichein. Unter den knorrigen Akazien standen verwitterte Bänke und bemooste, efeunmwucherteSteine, dichter, wilder Wein verbarg die Gitter und kroch an der Mauer des verfallenen Gartensalons empor bis über das niedrige Dach hin und fiel in langen Ranken zur trägen Seille, die schmutzigbraun vorüberfloß.und wo alle Farbenmischungen einer nahen Bilderfabrik aus den Wasch- räumen abflossen.
Die Kieswege waren dicht mit Gras bewachsen, und so versteckt lag das Plätzchen zwischen Mauern, daß kein Lärm von den Straßen hereindrang; kaum hörte man das Knarren der Räder, wenn ein schwerer Lastwagen über die nahe Brücke fuhr, oder die Glocken in der Bilder- und Buntpapierfabrik die Feier- und Arbeitszeit an- gaben.
Mit dem ersten Frühlingssonnenstrahl stahlen sich die beiden Kinder in das sprossende Grün der zerfallenen Herrlichkeit; da wuchsen ihre Seelen und ihre Herzen zusammen, eines ergänzte das andere, und mitten in dem unruhevollen hastenden Leben der großen Garnisonstadt lebten sie ein Märchenleben, wie in einem einsamen Walde. Oswald erzählte der großäugig lauschenden Cäcilie alte Helden- und Rittersagen, all die Weisheit seiner Schul- und Märchenbücher, und wenn es wetterte und Regentage kamen, dann flohen sie durch die nur noch in einer Angel haltende Tür in das Gartenzimmer wo rostige Fechtwaffen, Raufdegen, Rappiere, gerade und krunime Säbel herumhingen und in einer Ecke sogar ein Schild lehnte, der mit alten Wappenzeichen geschmückt war. Kam der Herbst mit seinen Stürmen, dann krochen sie ins duftende Heulager hinter der Remise, wo die Staatskutsche, der Jagd- und einige Leiterwagen des Besitzers standen; da sah ein Fenster nach der Seille hinunter, und sie zählten die Tage, bis es wieder Frühling werden würde, bis Amseln und Finken die Halme zusammentrügen und die alten Akazien wieder blühen würden.
Dann war eines Tages das große Weh über den
Endlich soll das älteste der geltenden preußischen Ge- meindeverfassungs-Gesetze, die Gemeindeordnung für die Rheinprovinz vom 23, Juli 1845, durch eine Novelle den Aufgaben der Gegenwart besser angepaßt und durch einen Weilern Gesetzentwurf die Möglichkeit geschaffen werden, kommunalen Doppelbesteuerungen innerhalb der einzelnen Bundesstaaten im Verwaltungswege entgegen- zutreten. Das sind gewiß alles Maßnahmen, die geeignet erscheinen, in hohem Maße der Wohlfahrt des Landes zu dienen.
Die Wendung zum Schlechteren, die während der letzten Jahre in der Finanzlage Preußens eingetreten ist, muß leider auch von der jüngsten Thronrede wieder festgestellt werden. Zwar dürfte sich infolge der allmählichen Wiederbelebung von Handel und Verkehr der für das laufende Etatsjahr veranschlagte Fehlbetrag voraussichtlich nicht unerheblich ermäßigen, trotzdem aber wird auch der Etatsentwurf für das kommende Jahr mit einem noch namhaften Fehlbeträge abschließen. Die Thronrede erklärt daher auch weiterhin möglichste Zurückhaltung in allen staatlichen Aufwendungen als Pflicht und gibt zugleich bekannt, daß in dem Entwürfe des Etats versucht worden ist, zur Herbeiführung größerer Gleichmäßigkeit im gesamten Staatshaushalt einer übermäßigen Inanspruchnahme der schwankenden Eisenbahnerträge für andere staatliche Zwecke angemessene Schranken zu setzen.
Die Thronrede schließt mit den Worten: „Strenge Sachlichkeit und pflichtbewußte Staatsgesinnung wird, des bin Ich gewiß, wie bisher die Entschließungen der preußischen Landesvertretung leiten. Und so erhoffe Ich von der bevorstehenden Tagung segensreiche Er- ge^tisse für die Wohlfahrt des Vaterlandes". Das hohe Lob und das Vertrauen, das in diesen Worten des Monarchen zum Ausdruck kommt, hat das vielgeschmähte preußische Dreiklasfenparlament zweifelsohne in vollstem Maße verdient, und wir sind überzeugt, daß es sich dieses Lobes und Vertrauens auch fernerhin jederzeit würdig erweisen wird, solange die Grundlagen, auf denen sich seine gegenwärtige Zusammensetzung aufbaut, im wesentlichen unversehrt erhalten bleiben.
Deutsches Deich.
— Der Kaiser empfing am Mittwoch vormittag den amerikanischen General Woodford zur Ueberreichung der Erinnerungsmedaille an die Hudson-Fulton-Feier.
— Der Kaiser und die Kaiserin sind am Dienstag vormittag gegen 11 Uhr vom Neuen Palais aus mit
poetischen Glückstraum der Kinder gekommen. Cäcilies Mutter, die Altistin des Stadttheaters,war zu einer Auslandstournee engagiert worden, und fast ohne Abschied hatten sich Oswald und Cäcilie getrennt.
Und nun sitzen sie sich seit fast zwanzig Jahren wieder gegenüber, und er erkennt in jedem Zuge des Gesichtes, im Blick, im Wort, im silberhellen Lachen sein Goldchen aus den Kindertagen wieder, während sie nicht müde wird, zu staunen, welch' breitschultriger Mann ihr schmächtiger Freund geworden ist.
„Und doch," lacht sie. „Deine Augen sind dieselben geblieben, so versonnen und verträumt wie damals noch, als Du mir von Fridtjof und Jngebiörg erzähltest."
„Und hast mich dennoch nicht erkannt!"
Das klingt wie ein Vorwurf, aber sie merkt es gar nicht. „Du bleibst heute zu Tisch bei mir," bittet sie, und ehe er noch antworten konnte, hat sie die Tür aufgerissen und ruft hinaus: „Trude, ich bin für keinen Menschen mehr zu Hause, hörst Du? Für niemand, mag's sein wer will! Und dann, lege zwei Kuverte auf."
Dann steht sie wieder vor ihm: „Nicht wahr, Du bleibst, und wir plaudern von der Vergangenheit."
„Ja, König Belis Töchterchen!" sagt er ernst, so wie es immer seine Art gewesen war.
* *
Elfriedes Wohnung lag im vornehmen Villenviertel der Großstadt. Durch eine Erbschaft, die ihr von einer Tante zugefallen war, hatten sich ihr die Mittel geboten, ein behagliches Heim zu gründen.
Ihr künstlerisches Empfinden und ihr geläuterter Geschmack kamen ihr dabei sehr zu stakten, und wenn sie auch nur mit wenigen Gemälden und Kunstgegenständen für würdigen Schmuck ihres Heims gesorgt hatte, so war doch alles von echter Meisterhand geschaffen, und streng all jener billige, blendende Tand vermieden, der so vielfach die Signatur der heuten Salons bildet. 164,18