— Die Weihnachtshonigkuchen der Stadt Thorn für das Kaiserpaar sind am Donnerstag im Neuen Palais bei Potsdam eingetroffen. Die historische Weihnachtsspende besteht aus einem großen Thorner Honigkuchen mit Zitronat und Mandeln belegt und mit allerlei Verzierungen versehen, im Werte von 24 Mark, sowie aus 300 Stück Thorner Lebkuchen und Thorner Katharinchen. Das Kronprinzenpaar hat die gleiche Weihnachtsgabe erhalten. Die großen Kuchen sind mit Schleifen in den deutschen Farben geschmückt, und auch die Päckchen mit den Lebkuchen und Katha» rinchen weisen eine Ausschmückung mit bunten Bändern und Schleifen auf.
— Professor Ludwig Knaus in Berlin ist zum Ehrendoktor der philosophischen Falkultät der Universität Marburg ernannt worden.
— Kürzung der Reiseronte nach England. Ist einer im Kölner Rathause abgehaltenen überaus zahlreich besuchten Versammlung von Vertretern der größten west- und süddeutschen Städte, sowie der Handelskammern, die ein Interesse an einer direkten Eisenbahnverbindung von Süddeutschland nach England unter Umgehung des französischen Gebietes haben, wurde beschlossen, eine Eingabe an den Eisenbahnminister zu richten um möglichst raschen Ausbau der Eisenbahnstrecke von Aachen nach Loewen herbei- zuführen, wodurch eine Verkürzung der Linie um 30 Kilometer eri eicht wird. Durch direkten Ausbau dieser Strecke erhofft man eine gewaltige Steigerung des Verkehrs über die deutsch-belgischen Linien herbeizu- führen.
— Die Stadtverordnetenwahlen in Halle haben einen Sieg des Bürgertums ergeben, und zwar dank seiner guten Organisation und dank seiner noch rechtzeitig erfolgten Einigung. Diese Nachricht wirkt in der jetzigen Zeit der roten Wahlsiege wahrhaft erfrischend. Dem Halleschen Stadtparlameni gehören zurzeit fünf Sozialdemokraten an. Jetzt standen sieben Mandate der dritten Abteilung zur Wahl, und bei der Hauptwahl zu Anfang November fiel die Entscheidung auf Stichwahl zwischen der sozialdemokratischen Liste und der des „Halleschen Bürgervereins", während die Liste der „Kommunalvereine" ausfiel Glücklichere eise einigten sich die beiden bürgerlichen Gruppen für die Stichwahl, und in dieser siegte die bürgerliche Liste mit nahezu 1000 Stimmen Mehrheit.
— Die bevorstehende Reichstagswahl in Posen gibt der demokratischen Polenpresse erwünschten Anlaß, einen alten Plan wieder aufzunehmen: die Wabl eines Arbeiters zum Abgeordneten. Besonders eifrig tritt hier- für der Bochumer „Wiarus Polski" ein. Die demokratischen Polenblätter in Posen, Berlin, Graudenz und Thorn machen ebenfalls dafür eifrigst Propaganda. Dagegen hat sich sehr entschieden gegen die Wahl eines Arbeiters der konservative „Dziennik Poznanski" ausgesprochen. Das Blatt ist grundsätzlich gegen eine Arbeiter-Kandidatur, weil durch die Entsendung eines Arbeiters in den Reichstag die polnische Fraktion aufhören würde, eine nationale Vertretung zu sei», sie dann eine Klassenvertretung werden würde. Denn dann könnten mit gleichen! Recht auch die polnischen Kaufleute, Handwerker und Bauern usw. eine eigene parlamentarische Vertretung verlangen. Das Blatt empfiehlt daher die Wahl des Redakteurs Dr. Rabski, der seinen Wohnsitz ausgerechnet in — Warschau hat. Dr. Rabski hat, bevor er nach Warschau übersiedelte, in Posen gelebt, wo er Redakteur und Vorsitzender des Sokolvereins war. Er gehört nicht zu den politischen Freunden des „Dziennik", sondern neigt eher zu der vom „Kuryer Poznanski" vertretenen Richtung, zu dessen geistigen Vätern er als ehemaliger Redakteur des verflossenen „Przeglad Poznanski" gehört.
Ausland.
— In der italienischen Deputiertenkammer hat Ministerpräsident Sonnino eine bedeutsame Rede gehalten, in der er alle innern und äußern Angelegenheiten des Landes streifte. Die Beziehungen zu den verbündeten Mächten seien nie so vertrauensvoll gewesen wie in letzter Zeit. Der Dreibund bedeute nach wie vor nicht nur einen mächtigen Faktor im Dienste des Friedens, sondern auch die Garantie der italienischen Interessen. Das ständige Ziel der italienischen Politik sei der Friede, indem gleichzeitig mit der Sicherheit des Landes dessen hohe moralische und wirtschaftliche Interessen ihren Schutz fänden. Diese Richtung der auswärtigen Politik werde die italienische Regierung unverändert beibehalten.
— Zu stürmischen Szenen in der russischen Duma kam es bei der Beratung über die Zulassung der nicht russischen Sprachen bei den örtlichen Gerichten. Der Abgeordnete Roditschef (Kadett)' erklärte, daß die Abschaffung der den Polen durch die Grundgesetze gewährten Wahlrechte »„gesetzmäßig gewesen sei. Diese Worte riefen auf der Rechten und zum Teil auch bei den Nationalisten unglaubliche Lärmszenen hervor. Man klappte mit den Pultdeckeln, und mehrere Nationalisten zerbrachen ihre Pulte in Stücke. Der Präsident versuchte vergeblich, die Ruhe wiederher- zustellen und sah sich schließlich gezwungen, die Sitzung zu unterbrechen. Darauf wäre der Abgeordnete Tu- moschkin von der Rechten mit dem Kadetten Adschemow fast handgemein geworden; eine Prügelei wurde nur
durch die Ordnungsbeamten des Hauses und durch die Freunde der beiden Abgeordneten verhindert.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 24 Dezember 1909.
—* Am Sonntag, den 19. d. Mts. feierte der Handwerker-Verein im Saale des „Hess. Hofes" dahier sein 25jähriges Stiftungsfest im Familienkreise. Nach einer Begrüßungsansprache gab der Kassierer einen Ueberblick über das Entstehen und die Tätigkeit des VereinS und wies darauf hin, was in der verflossenen Zeit an Krankenunterstützungen gezahlt wurde. Ferner betonte er daß Mitglieder auf ein 25jähriges Jubiläum zurückblicken und denselben ein Ehrendiplom ausgehän- digt wird. Bei ernsten und heiteren Vorträgen blieb man bis in die frühe Morgenstunde beisammen und bedauerte nur, daß die Zeit zu rasch vorüber ging. Wünschen wir dem Verein noch ein reges und gesegnetes Wirken.
—* Der Handelsmann L. A. von hier erhielt am Dienstag von der Strafkammer wegen Urkundenfälschung 2 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust Dem verschuldeten Landwirt K. in R. half er seit Jahren in Geldangelegenheiten und ging später, als der junge K. das Anwesen übernahm, mit diesem einen Vertrag ein, wonach er gegen eine bestimmte festgesetzte Summe sich verpflichtete, weitere Ansprüche nicht mehr zu erheben. In der gezahlten Summe war auch eine Hypoihetenschuld von 250 Mark mit eingerechnet, A. jedoch setzte das Wörtchen „nicht" hinein, erhob dann Ansprüche, wurde aber abgewiesen. Nachdem er den Zivilprozeß verloren hatte, griff der Strasrichter ein mit dem obengenannten Resultat.
—* Dem seit über 30 Jahre in dem Betriebe der Brauerei W. Thaler hier tätigen Maschinisten Herrn Michael Kraushaar aus Elm wurde zum Weihnachtsfeste eine schöne Ueberraschung zuteil. Derselbe wurde für seine langjährigen treu und gewissenhaft geleisteten Dienste von dem Dampfkessel-Ueberwachungs-Verein in Frankfurt a. M. durch eine Geldspende von 50 Mark geehrt und durch Verleihung eines Diploms ausgezeichnet.
—* Am 22. Dezember d. Js. verstarb zu Hinter- steinau der Landwirt Johannes Kempel. Die Nachricht von seinem Tode wird viele in der Nähe und Ferne, die den ausgezeichneten Mann gekannt haben, schmerzlich berühren. Er verband mit einem gründlichen Wissen in der Landwirtschaft noch andere hervorragende Kenntnisse und mit einem immer sich gleich bleibenden edlen Charakter eine seltene Anspruchslosigkeit. Das machte, daß nicht nur die Gemeinde ihm das wichtige Amt des Gemeinderechners übertrug und seine Hülfe bei baulichen Anlagen von den Dörflern im weitesten Umkreise gesucht wurde, sondern alle in Berührung mit dem Manne, von dessen gefälligem Wesen, gesundem Humor und richtigem Urteil den besten Eindruck Mitnahmen. Er besaß eine verhältnismäßig stattliche Bibliothek, die ihm ein Freund überlassen hatte, und jahrelang bildete in den Winterabenden sein Haus den geistigen Mittelpunkt des Wissens und der Unterhaltung für die Dorfnachbarn. Wieviel Gutes von dieser einzelnen Persönlichkeit ausgegangen ist, zeigt das un- geminderte Ansehen seiner Person. Solche Männer sind eine Zierde ihrer Gemeinde und Wohltäter ihrer Standesgenossen. Sein Andenken — in Ehren!
— * Versetzt: der Gerichtsvollzieher Knobeloch von Salmünster nach Steinau.
—* Vogelsberger Höhen-Club. Der Zweigverein Darmstadt hat sich steter Zunahme zu erfreuen, die Mitgliederzahl hat sich in diesem Jahre verdreifacht. Dank dieses Umstandes kann sich auch dieser Zweigverein als Wanderverein betätigen. Der Wanderplan für 1910 liegt bereits vor, er enthält 16 Nununern. Von den einzelnen Wanderungen seien hier erwähnt:
14. Mai. Wimpfen (die südliche Enklave Hessens), Weinsberg mit Weibertreu, Heilbronn, Stuttgart — 2'/, Tage.
21. Mai. Schlüchtern, Freiensteinau, Mooser Teiche, Hochwaldhausen, Jlbeshausen, Herbstein, Besuch der Hauptversammlung in Crebenhain 1 7» Tage.
2. Juli. Grünberg, Ulrichstein, durch den Oberwald nach Schotten, Besuch des Hoherodskopf- festes — 1 72 Tage.'
Aug. Friedberg, Bad-Nauheim rund um Gießen 1'/, Tage.
4. Sept. Gelnhausen, Büdingen, Hirzenhain, Gebern 17» Tage.
Die Errichtung einer sogenannten Wanderkasse, in die jedes Mitglied nach Belieben einzahlen kann, wird die Beteiligung an den Wanderungen günstig beeinflussen. Hoffentlich werden die Anstrengungen des Wander- ausschusses durch weitere Zunahme der Mitgliederzahl ihren Lohn finden. An den Wanderungen wird sich auch der Zweigverein Groß-Gerau beteiligen.
—* Am 25. November feierte in Mt. Troy, Alleghentz-Pittsburg, Pa. Herr Martin Erb und Frau Rosa geb. Lauer aus Rebsdorf, Kreis Schlüchtern, im Kreise ihrer sieben Kinder und 150 geladener Gäste das Fest der silbernen Hochzeit.
—* Die internationale Ackerbauausstellung in Buenos-Aires betreffend, schreibt man uns von Seiten des europäischen General-Kommissariates in Berlin, Argentinische Gesandtschaft, daß die Regierungen Gcoß-j
britaniens, ' und der Vereinigten Staaten Nordamerikas für landwirtschaftliche Maschinen und Produkte je 5000 Quadratmeter, die Regierung Italiens 4000 Quadratmeter und die Frankreichs 3500 Quadratmeter für ihre diesbezüglichen offiziellen Ausstellung belegt haben, außer Räumen für Vieh und öffentliche Ver- waltungs- und Wohlfahrtseinrichtungen Ferne. sind bedeutende Anmeldungen ^erfolgt | von Seiten privater Aussteller in Deutschland, Spanien, Schweden, Norwegen und in anderen Ländern. Man erwartet täglich die Mitteilung einer offiziellen Beteiligung Deutschlands sowohl als die der Schweiz, Belgiens, Hollands, Dänemarks .und SchwedensAu. a. ^Staaten. Aussteller, welche offiziell teilnehmenden Nationen angehören, sind gehalten, in deren Räumen auszustellen.
* Am Dienstag vormittag wurden drei Zigeuner in Gelnhausen eingebracht, tbie in Fulda verhaftet worden sind. Sie^ wurden^geschlossen hierhergebracht und in das Gefängnis gesetzt. Sie sollen einen Raubmord auf dem Gewissen haben und haben.sich auch hier etwas zu schulden kommen lassen, weshalb sie hier vernommen werden sollen.
* Ein großes Sängerfest verbunden mit Gesang- Wettstreit wird vom 18.—20. Juni 1910 in Nieder- Jngelheim a. Rh., der ehemaligen Residenz) Kaiser Karl des Großen, stattfinden. Zahlreiche Anmeldungen von auswärtigen Gesangvereinen liegen bereits vor. Der festgebende Gesangverein „Einigkeit", der mit diesem Fest sein 25jähriges Bestehen feiert, hat die Sympathie der ganzen Bürgerschaft des aufstrebenden Ortes. Nahe 3000 Mk. sind für Geldpreise vorgesehen, außerdem kommen ein Wanderpreis und sehr viele wertvolle Kunstgegenstände unter den preisgekrönten Gesangvereinen zur Verteilung Der Wanderpreis wird Eigentum desjenigen Vereins, dem derselbe drei Mal hintereinander vom Preisgericht zugesprochen wird. Das Volkslied soll bei dem Wettstreit mehr zur Geltung kommen. Der Festort liegt sehr bequem an der Bahn zwischen Mainz und Bingen; herrliche Aussicht aus das Niederwalddenkmal, Ryöngau, Taunus- und Wiesbaden hat man von dem gleich direkt am Ort ansteigenden Hochplateau. Wer von den Gesangvereinen am Wettstreit nicht teilnehmen kann oder will, sollte am Hauptfesttag wenigstens eine Sängerfahrt dorthin unternehmen. Es lohnt sich!
/ Wegen Verleitung zum Meineid stand.die Aus- zügerin Johanna Kr. in Flieden vor der Strafkammer in Fulda. Die Angeklagte stand seit Jahren im Prozeß mit ihrem Schwiegersohn und machte sich im Laufe dieses Prozesses obigen Deliktes schuldig. Sie wurde zu einem Jahre Gefängnis"verurteilt.
* Der in Burghaun gebürtige jüngst verstorbene Kaufmann Nußbaum in Frankfurt a. M. hinterließ der Burghauner Synagogengemeinde 10000 Mk. zum Bau einer neuen Synagoge.
* Am 26. Dezember d. Js. findet im Hotel Birkenruth in Fulda die Jahresversammlung des Lehrervereins „Jeschurium" statt.
Permischtes.
— Hohe" Obstpreise. Im praktischen Ratgeber im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. O. teilt ein Obsthändler seine Erfahrungen mit, die er beim Einkauf von seinem Tafelobst gemacht hat. Er erklärt, daß er gern bereit sei, hohe Preise für Obst zu bezahlen, wenn er nur die Gewißheit hat, vorzügliche Ware zu erhalten. Aber daran fehlt es in der Regel. Das deutsche Obst ist größtenieils.ungenügend sortiert und schlecht verpackt. Das ausländische Obst würde nie solche Bedeutung bei uns erlangt haben,^wenn unsere Obstzüchter das Obst besser behandeln und sachgemäßer zum Verkauf stellen wollten, und die Obstzüchter selbst würden den größten Vorteil davon haben; denn es ist schließlich doch ein gewaltiger Unterschied, ob sie für den Zentner von ein und derselben Sorte 8 Mark oder 27 Mark erhalten. — Der Käufer zahlt für gute Ware gern einen entsprechend höheren Preis. —
— Die ehemalige Hofschauspielerin Klara Ziegler in München ist gestorben.
— Unter dem Verdacht der schwarzen Pocken sind in Berlin am Samstag eine Frau und ein Kind in das Virchow-Krankenhaus eingeliefert worden. Es wurden sofort alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Die Untersuchung des Falles ist noch nicht beendet.
— Die Schreckenstat des Friseurs Poboß aus der Weinstraße 30 in Berlin, der am 3. Dezember seine Frau erschoß und dann die Waffe gegen seine drei kleinen Kinder und sich selbst richtete, hat jetzt noch ein fünftes Todesopfer gefordert und so den Untergang einer ganzen Familie zur Folge gehabt. Während die Frau sofort getötet wurde, starben das zweijährige Töchterchen Flory und Poboß selbst kurz nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus; bald darauf erlag das jüngste Kind der Familie, die drei Monate alte Anna ihrer tödlichen Verletzung. Nur der vierjährige Sohn Herbert blieb am Leben, und es schien anfangs, als ob er wieder genesen würde. Jetzt.ist ^er jedoch als letztes Opfer der Familientragödie seinen Eltern und Geschwistern in den Tod gefolgt.
— Eine landwirtschaftliche Versuchsstation soll in^ filimanoschora-Meru-Gebiete errichtet werden-