Einzelbild herunterladen
 

SchWernerMun g

mitIamtlichem^Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

__Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Sanistag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 10L Samstag, den 18. Dezember 1909 60. Jahrgang.

Preußische Ausführungsanweisung M Gewerbe- ordnungsnooelle.

Der preußische Handelsminister hat anläßlich des Inkrafttretens der Gewerbeordnungsnovelle über Ar- beiterinnenschutz zum 1. Januar 1910 umfassende Aus­führungsanweisungen erlassen. Diese sind als Beilage zu dem soeben erschienenen Ministerialblatt der Hani el's- und Gewerbeverwaltung Nr. 23 erschienen. Aus den umfangreichen Vorschriften heben wir als erfreulich hervor, daß das Recht des Gewerbeinspektors erweitert, seine Stellung insofern gehoben ist, als nunmehr als untere Verwaltungsbehörde im Sinne der §§ 138 und 139 (Ausnahmebefugnisse hinsichtlich des Arbeiterinnen- schutzes) nicht mehr die Polizeibehörde, sondern die Gewerbeinspektoren zu fungieren haben.

Die bisher in der Ausführungsanweisung zur Ge­werbeordnung aufgestellten Grundsätze für die Hand­habung dieser Genehmigungsbefugnisse sind in die neue Fassung der Ausführungsanweisung nicht übernommen worden. Denn ihre Fassung hat zu manchen Miß­verständnissen Anlaß gegeben, und nach den bisherigen Erfahrungen erscheint es auch wohl nicht möglich, den mannigfachen Bedürfnissen des praktischen Lebens durch eine allgemein gültige Formel gerecht zu werden, während zu erwarten ist, daß auch ohne eine solche die Gewerbeaufsichtsbeamten auf Grund ihrer besonderen Vorbildung und ihrer gesamten dienstlichen Tätigkeit willigen Ausgleich zwischen den berechtigten Interessen der Arbeitgeber und Arbeiter finden werden.

Im einzelnen ist vergeschrieben:

Zuständig für die Zulassung der Ueberarbeit von Arbeiterinnen über 16 Jahren wegen außergewöhnlicher Häufung der Arbeit ist der Gewerbeinspektor nur auf die Dauer von zwei Wochen, d. h. 10 aufeinander­folgenden Arbeitstagen, da zwei Wochen außer den etwaigen Feiertagen stets zwei Sonntage und zwei Sonnabende umfassen. Für die Zulassung auf längere Dauer ist nur der Regierungspräsident (un Laudes- polizeibezirk Berlin der Polizeipräsident von Berlin) zu­ständig, also auch dann, wenn vor Ablauf der zwei Wochen eine Fortdauer der Beschäftigung nachgesucht wird. Innerhalb des Kalenderjahres ist der Gewerbe­inspektor nur von neuem zuständig, wenn nach der von ihm oder dem Regierungspräsidenten (im L. P. B. dem Polizeipräsidenten von Berlin) zugelassenen längeren Beschäftigung in dem Betrieb oder der Betriebsabteilung die gesetzliche Beschäftigung wieder eingetrelen, und, nachdem dies geschehen ist ein neuer Antrag wegen

Hotdfieöer.

Roman von Lothar Mehnert. 45

Mitleidig zuckt der Karabiniere mit den Achseln. Au­genscheinlich ist der Alte etwas wirr im Kopf. Mag er laufen!...

Als kurz vor Beginn des Rennens Melitta Somlo in ihrem bunten Tänzerinnenkostüm, das Tamburin mit den klappernden Kastagnetten in der Hand, nach dem Großvater Umschau hält, um seiner Fürsorge Klein-Vina zu übergeben, sucht sie vergebens.

Der Alte ist nicht da.

Ueberfüllt ist der Rennplatz; Kopf drängt sich an Kopf, Schulter an Schulter. Niemand kann seinen Platz wechseln, ja sich bewegen.

Oben in einer der ersten Tribünenreihen sitzt William Helborne mit seiner Gemahlin. Das Ehepaar zusammen ist eine seltene Erscheinung auf dem Rennplatz. Was Wunder, daß es das Ziel von vielen Tausenden von Au­gen ist!

Angelika sieht wunderbar schön aus in ihrem gelb­lichen, mit roten Kamelien geschmückten Spitzenkostüm und dem zartfarbenen Rembrandhut. Lebhaft bewegen ihre schlanken, in langen schwedischen Handschuhen stecken­den Hände den kostbaren Pfauenfederfächer. Eine gewisse nervöse Unruhe malt sich auf ihren Zügen. Ihr Gatte hingegen blickt heute auffallend befriedigt drein. Eiweiß, wenn Kleopatra siegt, bringt sie ihm eine erkleckliche Summe ein. , . ,

Hinter der jungen Frau hat Romano Perasim Platz genommen. Er ist sehr bleich. Das plötzliche Verschwin­den des alten Charles hat ihm ans Herz gegriffen. Ihm ist, als habe er ein der toten Gerda gegebenes Verspre­chen schlecht gehalten, als sei er mit schuld an dem Un­glück, das ihren Vater betroffen.

Denn daß der Alte verunglückt ist, steht bei rhm fest, da trotz eifrigen Suchens mehrerer Detektive keine Spur

Wiederkehr außergewöhnlicher Häufung der Arbeit ge­stellt wird.

Der schriftliche Antrag ist an den Gewerbeinspektor oder durch dessen Vermittelung an den Regierungs- Präsidenten (in Berlin an den Polizeipräsidenten) zurichten.

Unternehmer, die für mehr als 40 Arbeitstage im Kalenderjahr die Genehmigung zur Ueberarbeit nach­suchen, haben einen Betriebsplan für das ganze Kalender« jahr einzureichen, der für den Betrieb oder die Betriebs­abteilung der Arbeitszeit der Arbeiterinnen über 16 Jahren an allen Betriebstagen ersehen läßt.

Bei der Genehmigung ist abgesehen von besonderen im einzelnen Falle zu stellenden Bedingungen, sowohl von dem Gewerbeinspektor als auch von dem Regierungs­präsidenten (in Berlin dem Polizeipräsidenten) stets ausdrücklich der Widerruf für den Fall vorzubehalten, daß die Grenzen und Bedingungen der Ueberarbeit nicht innegehalten werden, oder daß Unzuträglichkeiten aus der Ueberarbeit entstehend sollten. Ist die Ge­nehmigung auf Grund eines Betriebsplanes erfolgt, so ist außerdem zu fordern, daß Betriebsplan mit dem Genehmigungsvermerk in den Räumen, in denen Ar« beiterinnen über 16 Jahre beschäftigt werden, aus­gehängt werde.

Wenn die Bedingungen der Genehmigung nicht innegehalten werden und die Nichtinnehaltung durch den Unternehmer oder durch eine von ihm zur Leitung des Betriebs oder zur Beaufsichtig»^ gestellte Person verschuldet ist, so ist in der RegeM; Genehmigung sofort zu wiederrufen und die Best^ng wegen Zu­widerhandlung gegen § 137 auf Gründ des § 146, Abs. 1 Ziffer 2 herbeizuführen.

Der Antrag auf Ausnahmen wegen Unterbrechung des regelmäßigen Betriebes durch Naturereignisse oder Unglücksfälle ist schriftlich an den Gewerbeinspektor oder durch dessen Vermittelung an den Regierungspräsidenten (in Berlin an den Polizeipräsidenten) zu richten. Er muß den Grund aus dem die Erlaubnis beantragt wird, die Zahl der in Betracht kommenden Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter und den Zeitraum angeben, für den die Ausnahme staitfinden soll. Ist der Re­gierungspräsident (in Berlin der Polizeipräsident) oder der Reichskanzler zuständig, so hat der Gewerbeinspektor sofort den Antrag, wenn er mangelhaft ist, zur Ver­vollständigung zurückzugeben, andernfalls die Richtigkeit der tatsächlichen Angaben festzustellen und den Antrag mit dem Ergebnisse dieser Feststellung und seiner gut­achtlichen Aeußerung weiter zu befördern.

aufzufinden war. Auch ist Angelikas Benehmen gegen ihn verändert. An Stelle der früheren Vertraulichkeit ist kühle Zurückhaltung getreten. Er fühlt deutlich, die junge Frau Bleibet ein Zusammensein mit ihm.

Noch immer mehr Publikum drängt sich heran. Die Spannung erreichte den Siedepunkt. Nervöse Erregung macht sich auf den Gesichtern der Beteiligten bemerkbar, die entweder selbst ein Pferd laufen oder wenigstens auf eines gewettet haben. Ungeduldig zieht man die Uhren und späht man nach dem Start hin.

Jetzt werden die Pferde vorgeführt, etwa zwanzig an der Zahl. Angestrengtes Hälserecken.Zuerst erscheint alles wie ein buntes Gewimmel. Es dauert lange, bis der Blick die einzelnen Jockeys in ihren farbigen Jacken aus­einanderhalten kann.

Und jetzt geht es los!

William Helbornes Augen hängen wie gebannt an der goldfarbigen Jacke in der Bahn. Er sieht nichts wei­ter als diesen goldenen Fleck, der sich rasch vorwärts be­wegt. Er ist so fest überzeugt von der Ueberlegenheit Kleo- patras, daß er nicht begreift, wie das Tier kaum eine Kopfeslänge den übrigen voraus ist. Seiner Meinung nach muß es alle anderen Pferde bedeutend hinter sich lassen, gerade so wie er selbst auf dem Geldmarkt die übrigen Geldleute.

Die allgemeine Erregung wächst und wächst. Kaum wagt man zu atmen. Krampfhaft stieren die Augen. Da plötzlich .. ein einziger Schrei des Entsetzens aus taufen­den von Kehlen.

Dort mitten auf der Rennbahn steht ein alter Mann, der sich unversehens hereingedrängt hat. Seine langen, weißen Haare flattern im Winde. Er steht genau dort, wo Kleopatra vorbei muß, mit abwehrend ausgestreck­ten Armen, den Blick fest auf den sich blitzschnell nähern­den Renner gerichtet.

Wie erstarrt steht dieMenge.JnwenigenAugenblicken schonmuß die Katastrophe eintreten. Ach Gottl

Deutsches Reich.

Kaiser Wilhelm wird im Januar einen kurzen Besuch in Kassel machen und die Wilhelmshöhe besuchen.

Der Besuch des Reichskanzlers in Rom wird, u ie verlautet, nicht vor Ostern nächsten Jahres erfolgen, da sowohl die parlamentarische Lage in Deutschland wie der Kabinettswechsel in Italien einen früheren Zeitpunkt als wenig geeignet erscheinen lassen. Der Gegenbesuchdesösterreichisch-ungarischenMinisters Grafen Ahrenthal in Berlin wird entgegen anders lautenden Meldungen im Laufe des Winters erfolgen.

Der Herzog-Regent in Braunschweig hat aus Anlaß seiner Vermählung für arme Witwen und Familien der Stadt Braunschweig den Betrag von 3000 Mk. aus seiner Schatulle bewilligt.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die Etats­beratung fort. Staatssekretär des Auswärtigen von Schoen legte noch einmal zur Verhütung oder Be­seitigung von Mißverständnissen die Stellung der Regierung zu der Mannesmann-Affäre in Marokko dar. In der Debatte führten die Redner der einzelnen Par­teien ihre Kämpfe untereinander weiter, vom Etat war fast gar nicht mehr die Rede. Am Montag ergriff wieder der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg das Wort, um sich über die elsaß-lothringische Frage zu äußern. Er hielt sowohl auf deutscher als auch auf französischer Seite mancherlei Uebertreibung für vor­liegend, gab aber trotzdem zu, daß in die Weißenburger Totenfeier politische Momente hineingetragen worden sind. Das soll für die Zukunft ferngehalten werden, wenn auch die Ehrung tapferer, für ihr Vaterland gefallener Krieger, gleichviel welcher Nationalität sie angehören, als ein Akt der Pietät weiter gestattet werden soll. ES ist nun Vorsorge getroffen, daß politischer Chauvinis- nius den Kultus der Toten künftig seinen Zwecken nicht mehr dienstbar machen kann. Die Gewährung voller Selbständigkeit an Elsaß-Lothringen ist noch nicht möglich, weil dazu erst im Interesse des Reichsganzen alle Garantien erfüllt sein müssen. Die Rede des Reichskanzlers fand lebhaften Beifall im ganzen Hause. Zu stürmischen Szenen kam es bei der Rede des Abg. Gans Edler Herr zu Putlitz (kons.) der unter lebhaften Unterbrechungen und fortgesetzten Zurufen der Sozial- demokraten die preußischen Könige gegen die Anwürfe des Sozialdemokraten Scheidemann verteidigte.

Die Ansiedlungskommission hat das im Kreise Konitz gelegene 538 Morgen große Gut Frankenhagen für Besiedlungszwecke angekauft. Im Kreise Konitz

Fort! Fort!" ruft man ..Wahnsinniger, es ist Ihr Tod . . Retten Sie sich!"

Vergebens. Wie eine Bildsäule steht der Alte.

Ein Schauer überfliegt Helborne. Ist Charles van Nieffen von den Toten auferstanden, um ihm seinen Triumph zu verderben? Ohnmächtige Wut erfüllt ihn.

Hol der Henker den Kerl!" preßte er zwischen den Zähnen hervor.

Angelika hörtdie Verwünschung. Ihr Herz krampst sich zusammen. Unwillkürlich schreckt sie zurück vor ihrem Manne.

Dieser hat seine Selbstbeherrschung verloren. Seine scharfen Züge, die sonst stets die Maske der Gleichgül­tigkeit, der überlegenen Ruhe tragen, zeigen ihr wahres Gesicht. Die Augen sind blutunterlaufen, die Nasenflügel beben krampfhaft. Den wutverzerrten Lippen entschlüpft Verwünschung auf Verwünschung. <

Judas!Judas!

Angelika bedeckt ihr Gesicht mit den Händen. Ihr ist, als sterbe etwas in ihr. Ein tiefer Seufzer entringt sich ihrer Brust.

Jetzt! Jetzt!"

Dem Rufen, Schreien und Toben folgt Totenstille. Starres Entsetzen.

Niedergetreten von den Hufen der Pferde liegt der Tollkühne da .. still, unbeweglich.

Ist es vorbei?" haucht Angelika, einer Ohnmacht nahe.

Heiseres Lachen ihres Mannes ist die Antwort.

Sehen Sie nicht hin," flüsterte Romano ihr zu, bleich wie ein Toter und am ganzen Körper bebend, Ja, es ist vorbei." }

Gott sei ihm gnädig!" Angelika schluchzt.

Die Pferde sind vorübergaloppiert. Eine Menge Men­schen macht sich um den Verunglückten zu schaffen. Auch Romano, nachdem sich sein erstes starres Entsetzen ge­legt, springt auf. 161,18,