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Ueber den gegenwärtigen Stand der Mission in Afrika macht dieMissionary review of the World in ihrer Novembernummer folgende Angaben. Zurzeit arbeiten in demdunklen" Erdteil 2470 Missionare im Verein mit 13 089 eingeborenen Helfern auf 4789 Stationen und Predigtplätzen. Die Zahl der Christen beträgt 749 646, darunter 221856Abendmahlsberechtig>e. In etwa 4000 Missionsschulen werden 202 390 Sch ler und Schülerinnen unterrichtet. 95 Hospitäler und 16 Druckereien sind von der Mission gebaut worden und stehen unter ihrer Leitung. Am stärksten ist der Pro enb satz der Christen in der Kapkolonie, wo von 7 00 000 Eingeborenen etwa 200 000 Christen sind.

Die übertriebenen Gerüchte über das Befinden der Zarin von Rußland werden jetzt halbamtlich als jeder Begründung entbehrend bezeichnet- Es wird da* rauf hingewiesen, daß der Gesundheitszustand der Kaiserin seit Jahr und Tag kein so günstiger gewesen sei wie gegenwärtig. Er habe sich unter der Anwendung der verordneten Schlammbäder und systematischer Massage der unteren Extremitäten ganz wesentlich ge bessert. Eine gewisse Schwäche in den Füßen, sowie eine allgemeine nervöse Schwäche sei allerdings noch zurückgeblieben. In russischen Hofkreisen angeblich war das Befinden der Zarin als höchst bedenklich bezeichnet worden. Die Zarin erkenne selbst ihre Freunde und Diener nicht mehr, und die Venenentzündung, an der sie leidet, zwinge sie zur Bewegungslosigkeit Sie zittere, wie es nach Londoner Depeschen vom Petersburger Hofe weiter verlautet, für das Leben des Thronfolgers, seitdem die Polizei eine Verschwörung gegen ihn ent­deckt haben will. Sie verbringe schlaflose Nächte an seinem Bette und wolle ihn tagsüber nicht aus den Armen lassen; sie befürchte eine Vergiftung, und bereite ihm die Speisen selbst.

Der Beweis ist geliefert!

Seit Monaten bemüht sich eine Anzahl von Frie­densschwärmern unabläßlich Mittel und Wege zu finden, die endlich die langersehnte Verständigung mit England herbeizuführen geeignet sein sollen. Sie halten an ihren Vorschlägen mit einer Hartnäckigkeit fest, die sie jede gegenteilige Beweisführung, daß ihr Vorgehen niemals zu dem gewünschten Ziele führen kann, einfach über­setzen läßt, und wiederholen stets ihre gleichen Argu­mente. Vor kurzem erst hatte derDeutsche Flotten- Verein" in einem Artikel, überschriebenGefährliche Ratschläge", eingehend nachgewiesen, wie bedenklich es sei, wenn man von der Durchführung unseres Flotten- gesetzes absehen und die Zahl der Unterseeboote auf Kosten der Linienschiffe vermehren wollte. Ganz be­sonders ist darauf hingewiesen worden, daß England weit davon entfernt sei, daraus den Schluß zu ziehen, daß unsere Absichten friedlicher Art seien. Wie richtig diese Behauptung gewesen ist, beweisen die Betrachtungen, die derStandard", eines der führenden Blätter Eng­lands, an den deutschen Marine-Etat für 1910 knüpft.

Es heißt darin:

Besonders bezeichnend ist die Erhöhung der Summen für Unterseeboote und Torpedofahrzeuge um 33 v. H. Diese Fahrzeuge können unmöglich dazu dienen, den deutschen Seehandel in fernen Meeren zu schützen, eine Erklärung, die bekanntlich der deutsche Botschafter in Washington für die Seerüstungen Deutschlands gegeben hat. Unterseeboote und Torpedoboote braucht man nicht, um die Handelsstraßen im Atlantischen unv Stillen Ozean zu sichern. Man baut sie zum Gebrauch in der engeren Heimat, nicht in den Ozeanen, sondern in der Nordsee. Sie sind Werkzeuge derselben Politik, die Deutschland mit dem Bau seiner Linienschiffe mit starker Artillerie und geringem Kohlenfassungsvermögen verfolgt. Die ganze Flotte ist---für den Dienst in den Gewässern bestimmt, die Deutschlands Küste bespülen und unsere eigene."

Abgesehen von der alten falschen Behauptung, die deutschen Linienschiffe hätten ein kleineres Kohlen­fassungsvermögen als die englischen, besagen diese Aeußerungen für den Kenner Englands nichts neues. Es ist und bleibt eine fixe Idee des Britenreiches, daß Deutschland bei jedem Tun auf Englands Küsten starrt, wie die Franzosen auf das Loch in den Vogesen. Anstalt aber auf diese Gespensterfurcht eine ganz unangebrachte Rücksicht zu nehmen, sollten wir uns für unser ge­samtes Verhalten als Richtschnur nur unsere eigene Ueberzeugung nehmen. _________________

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 10 Dezember 1909

* Durch Ausbrennen eines Akkumulatoren wurde unsere Stadt am Donnerstag abend 7«6 bis 10 Uhr plötzlich in eine ägyptische Finsternis versetzt. Die Ver­wirrung, die dadurch entstand, kann man sich leicht vor­stellen/ Alle Gattung von Lichtern wurden schleunigst aus den verstaubten Ecken hervorgeholt und fehlte es natürlich trotz böser Laune an den nötigen Witzen nicht.

* Heute wurden uns einige muntere Maikäfer gebracht, die beim Ausputzen eines Baumes gefunden wurden. Gewiß ein verfrühter Frühlingsbote.

* In den nächsten Tagen wird nochmals eine außerordentliche Revision der Quittungskarten durch einen Beamten der Landesversicherungsanstalt zu Cassel vorgenommen werden, worauf wir die Arbeitgeber hier­durch aufmerksam machen wollen.

* Verliehen: dem Amtsgerichtsrat Rothe in Sal- münster der Rote Adlerorden IV. Klaffe.

* Nach einigen einleitenden Worte» des Herrn. Pfarrers Schulz wurde heute am 8. Dezember in der Kinderheilanstalt in Soden-Stolzenberg eine Koch- und Haushaltungsichule eröffnet. Etwa 23 junge Mädchen haben ihre Teilnahme im Unterrichte zugesagt Alsbald nach den nötigen Vorbereitungen gings flott ans Kochen, um gleich in Her Praxis den theoretischen Unterricht, der vorausgSL ^men war, zu betätigen. Mt sichtlicher Freude mre, E erste Abteilung der Mädchen mit der einem jedM Mädchen zugeteilten Arbeit beschäftigt und in geh«, jener Stimmung über den guten Erfolg, ver­zehrten dann die jungen Fräulein mit großem Wohl­behagen das erstmals selbst bereitete Mahl. Fräulein Lehrerin Kceß hat den Unterricht an Wochentagen und eine der Barmherzigen Schwestern an Sonntagen über­nommen. Hoffentlich bleiben die jungen Fräulein den Bestrebungen, die bei solcher Einrichtung ins Auge ge­faßt hold und gewinnen hon Tag zu Tag immer mehr Sinn und Liebe für dieselben, wie auch deren Eltern.

* Neuhof Eine bemerkenswerte Umwälzung bezw. Neugestaltung der Gemeinoeverhältnisse dürfte bevor- stehen. Bekanntlich besteht Neuhof aus den drei Ort­schaften Opperz, Neustadt und Ellers. Jeder der drei Orte hat seinen Bürgermeister, Ortsdiener und Nacht­wächter. Dagegen unterhalten die 3 Orte eine gemein­same evangelische und katholische Volksschule. Auch die beiden Kirchen sind gemeinschaftliches Eigentum der 3 Gemtänven. Die Einkünfte aus dem Bahnbetriebe werden der Gemeinde Opperz besteuert, dagegen fließen die Steuer aus dem Kaliwerke der Gemeinde Ellers zu, während der Gemeinde Neustadt die zu allen gemein­schaftlichen Lasten in gleicher Weise wie die Schwester­gemeinden herangezogen wird, von den gemeinsamen Einkünften bezw. Vorteilen ganz ausgeschlossen wird. Mit Recht protestiert letztgenannte Gemeinde gegen diese Ungerechtigkeit. Den Bemühungen des Herrn Berg­werksdirektors Kronjäger scheint es gelungen zu jfetn, die Behörde von der Unhaltsamkeit dieses Zustandes zu überzeugen und soll eine Zusammenlegung der 3 Ortschaften zum OrteNeuhos" demnächst, dem Ver­nehmen nach, bevorstehen. Sollte sich fragt. Gerücht verwirklichen, so dürfte dies einen ungeahnten Auf­schwung des Ortes zur Folge haben.

«ine furchtbare Explosionskatastrophe im Ham­burger Ireihafengebiet.

Die Zahl der Getöteten wird aus wenigstens zwanzig geschätzt.

Auf den Gaswerken im Freihafen brach am Dienstag nachmittag Großfeuer aus unter dem Dach des alten Gasometers. Gegen 3 Uhr nachmittags explodierte aus bisher unbekannter Ursache der noch im Bau befindliche Gasometer, in dem sich etwa 10000 Kubikmeter Gas befanden. Eine Hochaufschlagende Stichflamme griff auf den alten Gasometer über, der etwa 40 000 Kubikmeter Gas enthielt, und setzte das Dach desselben in Brand. Infolge der isolierten Lage war es der Feuerwehr nicht möglich, nahe genug an den Brandherd zu gelangen, so daß schließlich um 4 Uhr 40 Minuten das Dach in sich zusammenstürzte und dadurch den Gasbehälter eben­falls zur Explosion brächte. Hunderte von Metern stieg eine gewaltige Feuersäule in die Luft, glühende Teile des Gebäudes und brennende Koksstücke mit sich führend, die weit in die umliegenden Stadtteile und in den Hafen hinausgeschleudert wurden. Durch den ungeheuren Druck und die Hitze wurden die Umfassungsmauern ge­sprengt. Auf der Brandstätte selbst wurden bisher sechs bis zur Unkenntlichkeit entstellte Leichen geborgen. Ferner sind etwa vierzig Verletzte in das Hafen-Krankenhaus eingeliefert worden, von denen bisher mehrere ihren Verletzungen erlegen sind. Die genaue Zahl der dem Brande zum Opfer gefallenen Personen konnte bisher noch nicht festgestellt werden, da sich noch mehrere unter den Trümmern befinden sollen.

Ueber die Ursache des.Explosionsunglücks wird nun­mehr berichtet, daß in dem neuen Gasometer plötzlich ein Riß entstanden ist. Das ausströmende Gas drang in das Retortenhaus ein, und in diesem Augenblick er­folgte die Katastrophe. Die Flamme fegte über etwa 25 in der Nähe des Gasometers beschäftigte Bauleute hinweg und verletzte sie zum Teil tötlich. Eine unterhalb des Gasometers belegene Kantine ist völlig zerstört, drei darin beschäftigte Frauen find getötet worden. Gleich nach der ersten Explosion begann man, die Verletzten ins Krankenhaus zu schaffen. Inzwischen erfolgte durch Ueberspringen der Flamme die zweite Explosion. Erst nachdem konnte vie Feuerwehr, die bis dahin dem Ele­mente gegenüber völlig machtlos gewesen war, erfolgreich eingreifen. Die Flammeu schnitten den flüchtenden Ar­beitern den Landweg ab und ließen ihnen nur den Weg ins Wasser offen. Infolge der Löscharbeiten ist die Um­gebung der Gaswerke überschwemmt, der Verkehr ist behindert. Bei der zweiten Explosion wurden brennende Holzscheite weithin in die umliegenden Straßen ge­schleudert. Die Bergungsarbeiten werden fortgesetzt, da man noch Tote unter den Trümmern glaubt. Die Zahl der Getöteten wird auf wenigstens zwanzig geschätzt. Für den noch nicht vollendeten Umbau dieser Gaswerke hat die Bürgerschaft im vorigen Jahre 14 Millionen Mark bewilligt.

Von den nach der ExplosionSkatastrophe in das Krankenhaus eingelieferten Personen find bisher vier gestorben.

Einer der wenigen bei dem Bau des neuen Gaso­meters beschäftigten Arbeiter, die sich bei der Explosion zu retten vermochten, entwirft folgende Schilderung von dem Uuglück: Es war kurz nach 3 Uhr, als plötzlich der gewaltige Gasometer sich in die Höhe hob, um sich kurz darauf zu senken und abermals zu heben Ein großer Wasserstrahl schoß aus seinem unteren Teile her­vor, dem unmittelbar eine riesige Stichflamme folgte. Jetzt hieß es, rette sich, wer kann! Wir waren etwa 40 bis 50 Mann auf dem Baugerüst, das im Nu in Flammen stand. Ein Teil von uns stürzte schwer ver­brannt in die Tiefe, während die anderen kletternd und springend den Boden erreichten. Die meisten von uns hatten jedoch auch schwere Brandwunden davongetragen. Fuchtbar wirkte die Explosion auf die Kantine, die un­mittelbar unterhalb des Gasometers in einem aus­gemauerten Gewölbe untergebracht war. Die Kantine wurde durch den ungeheuren Luftdruck auseinander­geschmettert und die drei in der Kantine beschäftigten Frauen wurden unter den Trümmern begraben. Das Feuer griff auch auf die anderen Baulichkeiten über, die gleichfalls in kurzer Zeit in hellen Flammen standen. Fünf Minuten nach 5 7, Uhr erfaßten die Flammen auch den zweiten Gasometer. Eine turmhohe Flamme loderte empor und erfüllte die angrenzenden Straßen mit einer derartigen Gluthitze, daß die Feuerwehrleute sich nur mit knapper Mühe und Not zu retten ver­mochten. Bürgermeister Burchard ist aus der Brand­stelle eingetroffen und hat persönlich die Leitung des Rettungswerkes übernommen.

Wer uns sieht.

Wer uns sieh», hört auf zn klagen Es ergreift ihn wunderbar Denkt nicht seiner eignen Plagen, Rutscht vor ihm die Jammerschar.

Wer uns sieht, kann nimmer fassen, Daß die Elendsten auch glücklich sind, , Ja selbst fröhlich über alle 'Maßen, Obschon Krüppel Kmd für Kind.

Wer uns sieht, der muß uns lieben, Kinderaugen tun's ihm an, Und es bleibt ihm in sein Herz geschrieben Diesen helf ich, wie ich kann".

Meine 350 Krüppelkindlein, aus allen Teilen Deutschlands von mir unter unsäglichen Mühen um entgeltlich versorgt und aus den dunklen Tiefen hilfloser Gebrechlichkeit emporgehoben. Dieses Jahr viel Not. Habe außer diesen 350 verkrüppelte»» Kin­dern auch noch 320 alte Krüppel zu versorgen. Wer erbarmt sich meiner elenden Krüppelschar? Jede, auch geringste Liebesgabe wird durch ein Büchlein mit vielen reizenden Kcüppelgeschichten und Segens­gruß bedank».

Aug-rburg Ostpreußen, Kinderkrüppelhet«.

Braun, Superintendent. j ,

Versuche über Wiesendüngung veröffentlicht soeben Herr Geheimrat Professor Dr. Paul Wagner, Vorstand der Landwirtschaftlichen Versuchsstation Darm­stadt, in einer für jeden Landwirt außerordentlich lehr­reichen Broschüre'), aus der wir folgendes entnehmen: Eine Wiese, die jährlich 80 dz Heu auf ein Hektar liefern soll, erfordert eine jährliche Düngung von 4 dz Thomasmehl von 16°/, Phosphorsäure, und, falls sie noch nicht mit Phosphorsäure gesättigt ist, hat man ihr 2 oder 3 oder 4 Jahre lang eine Düngung von jährlich 78 dz Thomasmehl zu geben; erst von da ab hat man die Düngung auf etwa 4 dz zu mäßigen." Professor Wagner fährt dann fort:Liegen die Ver- Hältnisse dann so, daß man von der Wiese nicht mehr als durchschnittlich 50 dz Heu von 1 Hektar erzielen kann, so genügt der gesättigten Wiese eine jährliche Düngung von etwa 3 dz Thomasmehl. Kann man durchschnittlich 80 dz Heu ernten so gibt man 4 dz Thomasmehl. Läßt sich der Ertrag auf durchschnittlich 100 dz steigern, so gibt man 57e -6 dz Thomasmehl pro Hektar". Natürlich darf man auch die Kalidüng­ung nicht unberücksichtigt lassen. Professor Wagner hat gefunden, daß zur Erzeugung von je 100 är Heu 170 kg Kali erforderlich sind.

i) Heft 162 der Arbeiten der Deutschen Landw.-Gesellschaft. Verlag Parey._______

Seletzraphilcher Schiffsb^ Star Linie'

Antwerpen

Der PostdampferLapland" derRed Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegramm am 6. Dezember wohlbehalten inNewyort" angekommen.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.

Evangelische Gemeinde:

Sonntag, den 12. Dezember 1909 (3. Advent ) Vorm. 10 Uhr: Herr Superintendent Orth Nachmittags 1 7« Uhr: Herr Pfarrer Rollmann. Wochendienst: Herr Superintendent Orth.

Kathol ische Gemeinde Vorm-: 10 Uhr: Herr Kaplan Roßbach-Sannerz.