Einzelbild herunterladen
 

MWemerMun g

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

________________________vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg. ____!.lt..lw>l*.i^M~iy itfc^.TOiifi wft n nix» il Kin'r <isfi K^niHüMV' -1>|n-r-ri I H.I~" »||~~------- -'.-^ir~i'.. . ,.i«-^.1. -ianai, , ..... I i ' iiji n»MMuntiwwrrrw^Trr^mTTiriMr*rrr~M,,rwnnlrT'^w*H^1T,^>m»xtmaaMe»^.^ 3£ 90. Mittwoch, den 10. November 1909 60. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 6103 K..A.

Bekanntmachung.

Der Gastwirt und Metzger Eduard Heil in Ulmbach beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Ulmbach gelegenen Grundstück Kartenblatt A Parzelle N ^ ein Schlachthaus zu errichten.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kennt­nis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu« bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwen­dungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht

Freitag, den 26. November d. 3.

vormittags 11 Uhr

vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Aus­bleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung des Unternehmens bezw. der Einwendungen vorgegangen werden.

Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienststunden im Bureau des Kreisaus­schusses eingesehen werden.

Schlüchtern, den 5. November 1909.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Friedrich v. Schiller.

Ein Gedenkblatt zu seinem 150. Geburtstage.

(10. November 1759).

von S. Freudenberger in Flieden.

Motto:Wer den Besten seiner Zeit genug getan, der hat gelebt für alle Zeiten".

Schiller in Wallenstein.

Das deutsche Volk und die Gebildeten aller Na« tionen rüsten sich, den 150. Geburtstag des Dichter­fürsten Friedrich v. Schiller festlich zu begehen. Soweit die deutsche Zunge klingt, nennt man am heutigen Tage mit Stolz den Namen Schiller, den wir den Unsern nennen dürfen. Kein Feldherr, kein Diplomat, kein Staatsmann hat einen so großen Einfluß zur Hebung des Deutschtums geübt, als dieser be­rühmte Sohn des Schwabenlandes.

In dem bescheidenen Städtchen Marbach in Württen-

Kotdsieöer.

, Roman von Lothar Mehnert. 30

Ganz deutlich steht dort eine Hundert in Zahlen; darauf folgen nach einem kleinen Zwischenraum zwei weitere Nullen. Und gleich darunter die ganze Zahl zu­sammengefaßt als eine einzige Zehntausend. Und dane­ben in großen, unsicheren, wie nur probeweise hinge­worfenen Buchstaben der unvollständige Name:Ro- mano P ..."

Für jeden anderen ist nichts Auffälliges in diesen Aufzeichnungen. Für William Helborne jedoch enthalten sie die Gewißheit, die er schon seit einiger Zeit befürch­tete, die zu erlangen, er den Alten in sein Bureau ge= nommen: die Gewißheit, daß es jemand auf der Welt gibt, der sein Verbrechen kennt. Und dieser eine ist der rehrliche Charles", der Mann, den man fürbeschränkt" oder geistesgestört hält!

Eine Wut packt den Bankier plötzlich . . eine sinn­lose Wut gegen den armen Alten, eine Wut gegen sich selbst, gegen die ganze Welt.

Schon jetzt kritzelt der Alte gedankenlos allerlei auf herumliegende Vapierfetzen. Wird nicht die Zeit kommen, wo er unbewußt oder bewußt vor sich hin redet, wo er das Geheimnis ausplaudert, den hochgeachteten Namen des angesehenen Bankiers in den Staub zieht? Hat Hel­borne deshalb mit Aufbietung aller seiner Kräfte so lange gearbeitet, um schließlich in die Hand eines alten Narren gegeben zu sein?

In seiner Aufregung übertreibt William Helborne, sieht er schwärzer, als die Sache wirklich liegt. Was hätte er im Grunde von einem halb Verrückten zu fürch­ten ? Doch einer klaren, ruhigen Ueberlegung ist er jetzt nichtfähig. Nur darandenkter, was eintreten kann, wenn Messen plaudert.

In diesem krankhaften Zustande höchster Erregung, schließt er sich in seiner geheimen Schatzkammer ein. Sein

berg erblickte Schiller am 10. November 1759 das Licht der Welt. Das Haus, in dem der Dichter geboren wurdedas Schillerhaus" befindet sich im Besitze der Stadt und bietet noch heute den Besucher interessante Erinnerungen an die ersten Jugendjahre des berühmten Mannes. Der Vater unseres Dichters, Johann Kaspar Schiller, ein höchst angesehener, ehren­werter Mann war damals Leutnant im württem« belgischen Heere, stieg aber später noch bis zum Range eines Hauptmanns empor. Die Mutter war Elisabeth geb. Kodweis, die tugendhafte Tochter des Gastwirts Zum Löwen" in Marbach. Dieselbe war eine fromme, stille, fleißige Hausfrau und eine liebevolle, sorgsame Mutter. Manche Züge, der für Poesie empfänglichen Mutter sind auf unseren Helden übergegangen.

Die ersten Jugendjahre verlebte der kleine Fried­rich in der Heimatstadt. In dem anmutigen Lorch, wohin sein Vater versetzt worden war, genoß der be­gabte Knabe den ersten Schulunterricht und wurde späterhin der Lateinschule in Ludwigsburg über wiesen. Als der Herzog Karl Eugen von Württemberg in Solitade einem schönen Luftschlosse in der Nähe Stuttgarts eine militärische Erziehungsanstalt die be­kannte Karlsschule eröffnete, mußte auch der junge Schiller in dieselbe eintreten. Auf Veranlassung des gestrengen Landesherrn mußten die bestürzten Eltern, die in ihrem einzigen männlichen Sprossen den zu­künftigen Geistlichen erblickten, sich entschließen, den­selben der Jurisprudenz zuzuführen. Streng war das Leben in dieser Anstalt, alles war hier nach dem militärischen Zuge zugeschnitten. Am wenigsten behagte hier das Leben dem nach Freiheit lechzenden Schiller, dessen Herz schon damals der Poesie angehörte.

Im Jahre 1775 verlegte der Herzog die Karls« schule nach Stuttgart nnd erweiterte dieselbe durch eine medizinische Fakultät. Schiller wandte sich nun den medizinischen Studien zu und hatte bereits als 21jähriger Jüngling sein ärztliches Diplom in der Tasche. Doch griff auch jetzt wieder der tyrannische Herzog mit rauher Hand in das Geschick des jungen Arztes ein. Er schickte ihn als Regimentscherurgus nach Stuttgart. Hier stand Schiller noch weiter unter streng militärischer Aufsicht. Er bezog ein sehr niedriges Gehalt und durfte keinerlei ärztliche Praxis ausüben. Hier verfaßte Schiller sein Erstlingswerk Die Räuber". Dieses Stück wurde zum ersten Male auf der Schaubühne in Mannheim aufgeführt. Schiller selbst kam heimlich von Stuttgart, um der Aufführung

Dämon soll, wie so oft, auch heute als Gegengift auf seine bis zum Aeußersten erregten Nerven wirken. Er öffnet Kasten auf Kasten.

Da breitet er sich vor ihm aus, der goldene Traum seiner Jünglingsjahre, den zu verwirklichen er zum Fäl­scher, zum Verbrecher geworden! Noch einmal ziehen jene Tage in Kapstadt an seinem geistigen Auge vor­über, langsam, plastisch, greifbar deutlich. Keine Reue steigt in ihm auf über sein Vergehen, nein, er würde im gleichen Falle genau wieder so handeln. Nur Mit­leiden empfindet er, grenzenloses Mitleiden mit sich selbst .. und Wut, Wut gegen den Alten.

Seine Hände ballen sich. Unstet irren seine Augen über die goldenen Massen. Er besitzt so viel davon .. warum benützt er nicht ein kleines TeilchenseinesSchatzes, um den Alten, der als lebenslänglicher Vorwurf sein Leben zu vergiften droht, fortzuschaffen, gleichviel wo­hin . . nach Kapstadt,.. nach ..

Er schaudert. Welch ein Gedanke steigt plötzlich in ihm auf? Ein Gedanke, furchtbarer als jener, da er vor acht Jahren in Kapstadt den Scheck fälschte.

Rasch schließt er die Kasten. Rasch dreht er die Lampe aus. Rasch öffnet er die dicke Eisentür, schlüpft hindurch und zieht sie wieder hinter sich zu. Rasch tritt er in sein Bureau.

Ein leiser Schreckensruf springt von seinen Lippen. Abwehrend hebt er beide Hände, als sehe er ein Gespenst.

Und doch ist es nur ein alter Mann, der, den Hut in der Hand, den weißen Kopf gebeugt, fast verlegen vor ihm steht.

Verzeihen Sie, Herr Helborne, ich wollte Sie nur fragen..."

Was fragen? Was? Machen Sie schnell!"

Ob Sie während meiner Abwesenheit an meinem Pulte waren?"

Warum?"

Die Papiere liegen alle anders."

Vermissen Sie etwas?"

seines Werkes beizuwohnen. Ueberwältrgend war der Eindruck, den dieses Erstlingswerk des jungen Dichters überall machte. Ueberall, wo die Räuber aufgeführt wurden, füllten sich die Theater. In ganz Deutschland und selbst im Auslande war man des Lobes voll über den jugendlichen Dichter. Alles war begeistert nur der gestrenge Herzog nicht. Er schickte den Dichter, der ohne Erlaubnis die Garnison verlassen hatte, in Arrest und verbot ihm bei Androhung strenger Festungshaft, daß er fernerhin etwas Poetisches schreibe. Diesem Befehle konnte der von Poesie durchdrungene Jüngling sich nicht fügen und da ihm außerdem der militärische Zwang schon lange verhaßt war, so reifte in ihm der schon längst gehegte Entschluß sich durch kühne Flucht der strengen Disziplin seines Peinigers zu entziehen. In Begleitung seines treuen Freundes, des Musikers Andreas Streicher begab er sich zunächst nach Mannheim, wo er hoffte, daß der Jndentant des dortigen Theaters, der Freiherr von Dalberg ihn durch Ankauf seines neuen WerkesFiesko" von seine pekunniären Schwierigkeiten befreien werde. Diese Hoffnung schlug jedoch fehl. Der schlaue Hofmann wollte es mit dem ergrimmten Herzoge Karl Euger nicht verderben und lehnte es ab, mit dem geächteten Flüchtling Beziehungen anzuknüpfen. Da erging an den verlassenen Dichter eine Einladung seitens der edlen Freifrau Henriette von Wolzogen. Dieselbe bot ihm ihr Gut Bauerbach bei Meiningen als Asyl an. Gleich Luther auf der Wartburg lebte hier der junge Dichter unter fremden Namen. Nur wenige Menschen wußten, daß der junge GastDr. Ritter" mit dem Dichter derRäuber" identisch sei.

picc in diesem idyllischen Plätzchen konnte sein Geistes­flug sich weiter entfalten und schuf hier der Dichter ein neues SchauspielKabale und Liebe". Noch ein weiteres TrauerspielDon Karlos" wurde hier be­gonnen. Da Scyiller das einsame Leben nicht länger ertragen mochte, so übernahm er bereitwilligst die ihm vom Jndentanten Galberg in Mannheim angebotene Stelle eines Theaterdichters. In Mannheim pflegte er Umgang mit seinen alten Freunden und durfte er hier mit den höchsten vornehmsten Kreisen in Verkehr treter Doch nicht lange währte die Freundschaft mit dem eigennützigen Freihern. Nach Jahresfrist verließ Schiller Mannheim zum zweiten Male und fand in Dresden einen treuen, selbstlosen Freund, der sich seiner bereitwilligst annahm und ihm die treueste Freundschaft bis ans Lebensende bewahrte Christoph Gottfried

Nein, aber .. aber ich hab's nicht gern, wenn jemand in meinen Papieren herumkramt."

Jetzt hat sich Helborne so weit gefaßt, daß er ruhig antworten kann.Ja, Nieffen," erwidert er in geschäfts­mäßigem Ton.Ich suchte nach einem Brief, den Sie vor kurzem fürmich kopierten.Jch brauchte ihn sehr nötig."

Ach, den wegen des neuen englischen Patents ?"

»Ja." y

Und Sie haben ihn gefunden?"

Nein."

Dann werd' ich selber suchen. Einen Augenblick, Herr Helborne."

Der Alte verschwindet in seinem Zimmer und kehrt gleich darauf mit einem Briefe zurück.

Hier, Herr Helborne, Sie müssen viel Geld durch Ankaufen des Patents verdient haben."

O ja. Und ich denke, es wird noch besser werden."

Halten Sie es für ganz korrekt, Herr Helborne, sich die Ideen und Erfindungen anderer so zunutze zu ma- chen?"

Der Erfinder ist ja von mir bezahlt worden!"

Aber mit dem hundertsten Teil von dem, was Sie damit verdienen werden."

»Pah, das ist Geschäftssache! Der arme Kerl brauchte Geld; ihm war mit der kleinen Summe gedient."

Der Alte schüttelt den Kopf.Ja, ja," murmelt er, Sie sind viel klüger als ich, Herr Helborne, und Sie werden gewiß recht haben. Aber in meinen einfältigen Kopf will eine solche Art der Geschäftsführung nicht hinein. Die Welt ist doch recht wunderlich!"

Damit nimmt der Alte seinen Hut und geht wieder in sein Zimmer.

Finster blickte ihm William Helborne nach. DerMann mit seiner übertriebenen Gewissenhaftigkeit, seinen alr- väterlichen Ansichten über Recht und Unrecht, dieser ganze ehrliche Charles" fängt an, ihm unbequem zu werden.

Wenn er ihn nur erst los wäre!

* _ e * 161,18