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SchlilchterimMun g

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Samstag, den 6. November 1909

60. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 6131 K. A. Die Bullenkörung in

Schlüchtern wird vom 13. d. Mts. auf

Samstag, den 27. November 1909 verlegt.

Schlüchtern, den 2. November 1909.

Der Landrat: Valentine^.

Deutsches Reich.

An der Hubertusjagd in Döberitz am Mittwoch nahm der Kaiser, ebenso die Kaiserin und die anderen Mitglieder der kaiserlichen Familie, auch die Prinzessin Viktoria Luise, teil. An den Parforceritt schloß sich das gewohnte Jagdfrühstück im Kasino des Döberitzer Lagers. Die fürstlichen Damen waren vorher nach Potsdam zurückgekehrt.

Prinz Heinrich wird am 17. d. Mts. in Betkar im ungarischen Komitat Gömör eintreffen, um dort auf Einladung des Grafen Geza Andraffy an Bärenjagden teilzunehmen. Als Prinz Heinrich im Sommer d. Js. ws Anlaß der Prinz Heinrich-Automobilfahrt in Wmör weilte und ihm vom Grafen Andraffy im dortigen Schlosse mehrere Prachtexemplare von aus- gestopften Bären gezeigt wurden, äußerte er den Wunsch, an einer Bärenjagd teilzunehmen. Der Graf lud da­rauf den Prinzen zu einer solchen ein.

Bei den Luftschiffmanövern unternahmen die drei in Köln stationierten Lenkballons eine Nachtfahrt rheinaufwärts und führten Angriffsmanöver auf die Festung Ehrenbreitstein aus.

Die neuen Fünfundzwanzigpfennig stücke, £k schon so oft verhießen wurden, sollen nun um die Glitte dieses Monats endlich erscheinen. Es sollen gleich 20 Millionen Stück in Verkehr gebracht werden, denen dann sehr bald weitere Millionen folgen werden. An neuen Talern oder vielmehr bei Markstücken herrscht noch immer Mangel, obgleich auch die Prägung dieser in den weitesten Kreisen beliebten Geldstücke mit Eifer fortgesetzt wird.

Berufung von Arbeitern in die Generalsynode. Auf eine Jmmediateingabe an den Kaiser, in der um & Berufung von Arbeitern in die preußische General - fjnode gebeten wurde, erging ein zusagender Bescheid. Mit Ermächtigung des Kaisers erwiderte der evangelische Oberkirchenrat dem Bittsteller, d. h. dem Vorstand der kirchlich-sozialen Konferenz: Mit dem Endziel einer Ver­tretung des Arbeiterstandes in der Generalsynode durch­aus einverstanden, halten wir es dem Sinne und Geiste

i Hotdfieber.

Roman von Lothar Mehnert. 28

Das weiß ich. Um so mehr befremdet mich sein jetzi­ges Benehmen. Kann Ihr Einfluß ihn nicht für einige Zeit von seinen Geschäften abziehen, gnädige Frau, damit er sich ein wenig erholt?"

Nein, mein Freund; darin vermag ich nichts über ihn. Er überarbeitet sich eher, als daß er seine Geschäfts- »slichten vernachlässigt."

Romano schweigt. Diese starre Pflichterfüllung, die von keiner Regung des Herzens beeinträchtigt wird, ist ihm unheimlich. Und wieder, wie schon so oft, legt er

8 die Frage vor, wie diese tiefempfindende, durch und ch künstlerisch veranlagte Frau den kalten, auf starrer Nichterfüllung trotzenden, nüchtern denkenden Mann lie­ben kann.

Auch jetzt wieder, im Gegensatz zu Helbornes frosti­ger Kälte, fragt sie in liebevollster Weise nach den Ein- Seilen des Todes der armen Gerda und tröstet ihn ch teilnehmende Worte. Schließlich bittet sie ihn, ihr den alten Messen zuzuführen, damit sie versuche, sein krankes Hirn vorsichtig auf den furchtbaren Schlag vor- zubereiten, der ja doch einmal, ob früher oder später, ein­treffen müsse.

In warmen Worten dankt Romano der edlen Frau für ihre Teilnahme und verabschiedet sich bald darauf.

Beim Mittagessen erzählt Angelika ihrem Manne von Romanos Besuch, und wie sie versucht habe, ihn zu trö­sten.

Der Bankier lächelt ein wenig .. ein spöttisches, eigen­tümliches Lächeln, welches Angelika noch nie an ihm wahrgenommen hat und das'sie unwillkürlich an ein Judasbild erinnert, welches sie kürzlich gesehen. Sie er- fchnckt vor dem Vergleich. Wie kann ihr nur ein derar­tiger Gedanke kommen. Ihr Mann, die Ehrenhaftigkeit JW.. und jener Verräter!

unserer Kirchenverfassung entsprechend, wenn auf die vorhergegangene Teilnahme an der kirchlichen Arbeit der Gemeinde, sowie der Kreis- und Provinzialsynoden, auch aus dem Arbeiterstande geeignete Kräfte für die Teilnahme an den Aufgaben der Generalsynode herbei­gezogen würden. Es werden daher die Konsistorien und die Gemeinden auf die Gewinnung geeigneter Per­sönlichkeiten aus dem Arbeiterstande für die kirchliche Vertretung in den Gemeinden hingewiesen. Die be­währten ^Persönlichkeiten sollen dann in die Provinzial- und schließlich in die Generalsynoden aufrücken.

Recht erfreuliche Erfahrungen bei der Ansiedlung galizischer und russischer Rückwanderer sind im Kreise Mogilno gemacht worden. Wie derOsten" berichtet, sind bereits mehr als 1000 Ansiedlerfamilien in ca. 30 Landgemeinden von der Ansiedlungskommission an« gesetzt.

Zur Gründung eines polnischen Nationalrats als höchster nationalpolitischer Behörde des Großpolen- tums, wie er von dem Abgeordneten Brejski angeregt und von der Mehrheit der Polenpresse freudig begrüßt wurde, äußert sich derKuryer Slonski" u. a.:Es scheint uns, daß der Abg. Brejski das Projekt in einem glücklichen Augenblick angeregt hat; denn infolge der Politik der Mehrheit unserer Fraktion ist eine Spannung unserer nationalen Kräfte, eine Entzweiung der polnischen Gemeinschft eingetreten, wie dies noch nie war. Gäbe es einen Nationalrat, so wäre eine Politik, wie sie der Abg. Napieralski betreibt, unmöglich. Man brauchte sie nicht zu bekämpfen, zu ihrer Bekämpfung keine Kräfte zu vergeuden, und manche Streitigkeiten und Unannehmlichkeiten wären vermieden. Ein solcher Nationalrat könnte unserer Sache ungeheuren Nutzen bringen."

Eine prinzipiell wichtige Entscheidung über den sozialdemokratischen Boykott hat das preußische Kammer­gericht gefällt. Der Pächter einer der Gemeinde Zehlendorf bei Berlin gehörigen Restauration war von den Sozialdemokraten boykoltiert worden. DieGe­nossen" hatten mit den verwertlichsten Mitteln den Boykott durchgeführt und auch die bürgerlichen Gäste der Restauration belästigt, so daß der Wirt sich ge­zwungen sah, Schadenersatzklage zu erheben. Das Kammergericht hat nun anerkannt, daß die beklagten Sozialdemokraten zur Zahlung des Schadenersatzes, den der Wirt auf 4700 Mk. berechnete, verpflichtet seien, wenn der Kläger den Nachweis des Schadens erbringe, was ihm nicht schwer fallen dürfte.

Daß Sozialdemokratie und Gewerkschaften eins

Als müsse sie ihn im stillen um Verzeihung bitten wegen dieses ungeheuerliches Vergleiches, saßt'sie jetzt zärtlich feineHand.Du bist so gut, so mitfühlend, Wil­liam," sagte sie weich.Nicht wahr, Dir tut Dein ar­mer Freund leid?"

Schroff zieht er seine Hand zurück.Wie lammst Du darauf?"

Herr Perasini meinte, Du hättest kein Mitgefühl für sein Unglück gehabt."

Habe ich auch nicht."

William!"

Er braucht mein Mitgefühl nicht, denn er ist nicht unglücklich."

Er hat seine Braut durch den Tod verloren, Wil­liam."

Bah! Schon lange vorher hatte er aufgehört, sie zu lieben. Ihr Tod war für ihn eher eine Erleichterung."

Ohne daß Angelika es merkt, beobachtet Helborne sie scharf. Er sieht, wie ein verwunderter Ausdruck in ihre Augen tritt, wie sie über etwas nachdenkt und dann zweifelnd den Kopf schüttelt.

Wie kommst Du auf den Gedanken, William ?"

Teils habe ich es erraten, teils hat er es mir selbst gestanden."

Du wunderst Dich?"

Ja; denn er hält ihr Andenken hoch."

Das ändert an der Sache nichts. Er kann sich doch freuen, daß er frei ist."

Wieder beschleicht Angelika fettes leise Unbehagen, das jetzt öfter bei den spöttischen Worten ihres Mannes über sie kommt.

Er müßte sehr selbstsüchtig sein, wenn er nur die Erinnerung an seine Braut liebte und nichts mehr da­von empfände, was sie ihm im Leben war," ruft sie et­was erregt.

Wir Männer sind alle selbstsüchtig," lautet die spöt-

sind, beweist wieder einmal recht deutlich eine vom Deutschen Metallarbeiterverband in derBremer Bürgerztg." veröffentlichte Einladung zu einer Ver­trauensmännersitzung, in der es zum Schluß heißt: Zu dieser Sitzung ist neben dem Verbandsbuch auch das Mitgliedsbuch der Partei und die Abonnements­quittung derBremer Bürgerztg." vorzuzeigen."

Eine Warnung vor der Auswanderung nach Kuba veröffentlicht das W. T. B. Gegenwärtig.soll sich ein gewisser Pfarrer Albert Stroebele aus Piloto bei Nuevitas auf Kuba in Deutschland aufhalten, der unter verdächtigen Anpreisungen junge Leute zur Aus­wanderung nach Kuba verlockt. In öffentlichen Vor- trägen rühmt er die Fruchtbarkeit und das unüber- tresfliche Klima Pilotos und fordert die Zuhörer auf, ihren heimischen Besitz zu veräußern und sich in Piloto in Kuba niederzulassen. Damit scheint die Absicht ver­bunden, die Auswanderer weiterhin völlig in die Hand zu bekommen. Was den Ort Piloto anbetrifft, so ist dieser ebenso wie die übrigen Plätze an der Nordkllste Kubas zur Ansiedlung deutscher Kolonisten nicht ge­eignet, da jegliche Verkehrswege sowie sonstige Hilfs- Mittel fehlen. Auch die Fruchtbarkeit des Gebietes läßt noch viel zu wünschen übrig; so haben amerikanische Kolonisten erst nach fünf Jahren eine einigermaßen erträgliche Ernte erzielt. Wir möchten unter Hinweis hierauf nicht unterlassen, vor der Auswanderung nach Kuba und der Werbetätigkeit des Pfarrers Stroebele dringend zu warnen.__

Ausland.

Genickstarre in der französischen Marine. Die in Lorient unter dem Marinepersonal seit einiger Zeit herrschende Genickstarre nimmt eine beunruhigende Aus­dehnung an, obwohl von den Behörden alles getan wird, um die Krankheit einzudämmen. Die erste und zweite Kompagnie der dort stehenden Marineinfanterie sind von den übrigen Truppen isoliert worden, da in ihrer Mitte zahlreiche Erkrankungen vorkamen. Ein Matrose starb, ein anderer ringt mit dem Tode. Alle andern dort befindlichen Kranken schweben ebenfalls in Lebensgefahr.

Die NordSüd-Bahn in Deutsch-Südwestafrika war bisher als Verbindungslinie zwischen Windhuk im Norden und Keetmanshoop im Süden geplant. Nach den neuesten Mitteilungen soll jetzt aber Windhuk mit Rücksicht auf übergroße Geländeschwierigkeiten als Aus­gangspunkt der Bahn aufgegeben sein. Anstatt dessen wird die geplante Linie an eine von der jetzigen

! tische Erwiderung;der eine mehr, der andere weni- ' ger."

Und Du meinst wirklich, er habe seine Braut nicht mehr geliebt? Warum denn nicht?"

jVielleicht liebt er eine andere."

Helbornes Ton klingt ruhig, kühl; doch läßt die Span- i nung seiner Gesichtszüge auf innere Erregung schließen.

Wenn er jedoch glaubte, Angelika würde die Farbe wechseln oder sonst ein Zeichen der Verkegenheit geben so irrte er.

Vollkommen ruhig erwiderte sie:Vielleicht hast Du recht. Ich bezweifle es jedoch, da er niemals zu mir einer anderen Frau erwähnte, als nur der kleinen Gerda van Messen."

Dann bittet sie ihren Gatten,ihr Charles van Messen recht bald zuzuführen, damit der arme Perasini nicht ganz allein die Gesellschaft des alten kranken Mannes zu tra­gen habe.

Darauf verläuft das Mittagsmahl ziemlich schweig­sam. So oft Angelika ihren Gatten anblickt, fällt ihr je­nes Bild ein, und dies Bewußtsein gibt ihrem Wesen etwas Nervöses. Helborne hingegen denkt darüber nach, ob Angelika ihn wohl geheiratet hätte, wenn Gerda van Messen, ein paar Monate früher gestorben und Romane Perasini damals ichon frei gewesen wäre. Er denkt da­rüber nach, nicht mit der eifersüchtigen Erregung des ver­liebten Ehemannes, sondern mit skeptischer Ueberlegeu- heit.

Schon jetzt, nach kaum vierteljähriger Ehe, läßt ibn der Besitz einer der schönsten und vornehmsten Frauen Roms ziemlich kalt. Was er so brennend ersehnt.. jetzt, da es erfüllt, reizt es ihn kaum mehr.

* *

Merkwürdig genug: Charles van Messen hat Hel­bornes Anerbieten, während der nächsten drei Monate seines Aufenthaltes in der ewigen Stadt auf seinem Bu­reau zu arbeiten, angenommen. 161,18