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mit amtlichem der Zmisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

_____________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch^^s amStag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, dm 3. November 1909

60. Jahrgang.

Mahlbetrachtungen.

Dreierlei Wahlen haben soeben in Deutschland statt« gesunden: die Reichstagsersatzwahl in Koburg, die Land« tagwahlen in Sachsen und die Landtagswahlen in Baden- .Die gemeinsame Signatur des Ausfalls dieser Wahlen ist das Anwachsen und siegreiche Vorwärts­schreiten der Sozialdemokratin

Fragt man nach den Gründen für die Erfolge der Revolutionspartei, so ergibt sich eine ganze Reihe von Antworten. In Sachsen zunächst hat vor allem die Demokratisierung des Wahlrechts der Sozialdemokratie die Wege geebnet. Bekanntlich sind die jüngst statt- gehabten sächsischen Landtagswahlen zum erstenmal nach dem Pinralwahlrecht vollzogen worden, das an die Stelle des früheren sächsischen Dreiclaffenwahlrechts ge­treten ist. Die Einführung des neuen Wahlrechts war von seinen Urhebern mit dem ausdrücklichen Wunsche motiviert worden, dadurch auch der Sozialdemokratie wieder eine ausgieberige Vertretung im fäcyiifc^er Landes­parlamente zu gewährleisten. Nun, dieser Wunsch ist in reichstem Maße erfüllt worden. Ueber alle Er­wartungen hinaus ist in Sachsen die Sozialdemokratie gewachsen, dergestalt, daß ihre Presse »Uumphierend wieder von dem roten Königreich reden darf. Sie hat bei den Haup.wahlen die meisten Mandate, nämckch lo, erlangt und ist an den 57 Stichwahlen 53mal oeteiligt. Das hat in erster Linie das neue Vierstimme,rwayre-yt bewirkt. Mit großer Spannung sah man allenioalbrn im Reiche dem sächsischen Experimente mit oiesem Slimmrechte entgegen. Die Spannung ist in wenig erfreulicher Weise gelöst worden; das Experiment ist derartig, ausgefallen, daß es kaum zu uneingeschränkter Nachahmung reizen dürfte. Vielmehr gilt hier mit Recht das Wort: X estigia terrent (die Spuren schrecken).

Weiterhin sind sowohl an den Georgen de Sozial­demokratie in Sachsen und in Baden wie an ihrem Reichstagswahlsiege in Koburg die Reichsfinanzresorm und die Selbstzerfleischung der bürgerlichen Parteien untereinander schuld. Hinsichtlich der Reichsfinanzreform möchten wir nicht mißverstanden sein. Wir meinen nicht, daß das Wie dieser Reform oder die restimmte Art ihrer Durchführung für die sozialdemokratischen Wahl­erfolge maßgebend gewesen ist, sondern die einfache Tatsache ihres Zustandekommens an sich hat der sozial­demokratischen Bewegung einen erneuten momentanen Aufschwung gebracht. Bedauerlicherweise bewirkt aber jede Maßnahme, die notwenoigerweise mit neuen Steuern verknüpft ist, bei den Massen infolge des Mangel an

genügenden Nationalsinn, politischem Verantwortlichkeits­gefühl und Verständnis für die staatlichen Lebens- notwentigkeiten ein Erstarken des Radikalismus, führt dem roten Heerbann frische Scharen zu und läßt die sozialdemokratischm Mühlen für eine Weile lustiger und wirksamer klappern als zuvor. Das prägt sich d nn natürlich auch in dem ziffernmäßigen Anschwellcn der sozialdemokratiscyen Wahlstimmen aus.

Schließlich hat zweifelsohne der mörderische Bruder­kampf, der infolge der Reichsfinanzresorm zwischen den bürgerlichen Parteien entbrannt ist, auch sein wesentliches Teil zu der Niederlage des Bürgertums und den Wahl­erfolgen der Revolutionspartei beigetragen. Aber glück­licherweise vermag in diesem Punkte auch die Erkenntnis des Uebels zugleich Heilung und Abhülfe zu bringen. Noch ist es nicht zu spät, vielmehr liegt in Sachsen so­wohl wie in Baden das Hauptgewicht der Entscheidung erst bei den Stichwahlen. W-un bei .. efen das Vürae tum geschlossen aufrütt, dann kann die Kraft des Li stur ms dr. Roten noch rechtzeitig gebrochen und ih. Uc vermute ein heilsamer Dämpfer aufgesetzt werden. E wurde ein beschämendes Zeugnis für das nationc Denken und s chlen inn.hatp oes deutschen Bürgerlm. sein, wenn in Baden wieder wie 1CO5 der Großb von den Na.ionaUiberalen bis zu den Sozialdemokra^ mstande käme, zumac d.. hie.für geltend gemachte Grund oer Aoweyr einer künftigen cerikal-konse.vaüven Parlamentsmehrheit absolut nicht stichhaltig ist, da schon der Ausfall der Havp wa./en diese Mehrheit als Phantom erscheinen läßt. In Sachsen haben höchst ers.euliche.- ege sowohl die kon'erva ive wie die na.ionall'berale m cei.ung die S.chwah'parole ausgegeben, unter 'm Umständen für bi i bürge lichen Kandidaten gegen d i Sozichdemok- aten cmzu.re en, und m ch der ^r scyluß des Freisinns, die Cnt,cheidnng den einzelnen Wahlkreisen zu überlassen, wird hoffentlich in der Praxis überall zu einem der ronservat.v'l beraten Losung entsprechenden Be.Halten führen.

Z igt sich das Bürgert.'m in Baden und Sachs bei ven uumittetoar bevor gehenden Stichwahlen von dem Geiste der Solidarität beseelt, so vermag dies für die gesamte polnische Lage in Deutschland von segens- voller Bedeutung zu werden. Das Beispiel treuer Waffen­brüderschaft wäre wohl geeignet, dem sicherlich bereis lange genug währenden Selbstzerfleischungsprozesse ein Ende zu setzen und von neuem die Lust an gemeinsamer positiver Tätigkeit zu wecken.Nicht rückschauende Kritik, sondern zielbewußte Arbeit an den großen nationalen Aufgaben," wie es in dem soeben erschienenen

Aufrufe des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie heißt, das ist es, was uns not tut, und was der kranken Zeit die Wiedergesundung bringen kann und muß.

Deutsches ^eich.

Die Patenstelle bei dem jüngsten Sohne des Kronprinzenpaares, welcher am 6. November im Marmorpalais zu Potsdam aetauft wird, haben über­nommen: S. M. der Kaiser, y. M die Kaiserin, Groß- Herzogin Anastasia von Mecklenburg-Schwerin, Groß­fürst Michael Nikolajewitsch von Rußland, Großfürst Nikolaus Michailowitsch von Rußland, Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, Herzog Karl Theodor in Bayern, der König von Rumänien, der König von Württem­berg, General der Kavallerie Graf von Zeppelin, Ober­jägermeister a. D. Freiherr v. Heintze.

; Das Kaffermanöver im Jahre 1910 findet, wie amtlich bekanntgegeben wird, zwischen dem L und 17. orps sta . Für die Kaiserparade des 17. Korps ist .ls Termin der 24. August und als Ort der große Exerzierplatz bei Danzig in Aussicht genommen.

P.inzregent Luitpold von Bayern beging am Montag sein 70iähriges Jubiläum als Inhaber des t. vayerischen Feldartillerie-Regiments. Anläßlich dieses ] eines wohl einzigartigen militärischen Ehrentages hat oer greise Regent eine ganze Reihe von Gnaden- bezeugungen ve fügt, wie zahlreiche Ordensverleihungen, militärische Ernennungen und Beförderungen, wertvolle Geldstiftungen zugunsten seines Regiments usw. Für Sonnabend abend war im alten Rathaussaal zu München eine Tafel zu 250 Gedecken zur Feier dieses seltenen Armeejubiläums des Prinzregenten angesagt.

Ueber eine n" le Bombenexplosion in München wird von dort folgendes berichtet: In einem dem Publikum zugängigen, zur ebenen Erde gelegenen Abort des Juf.izpalastes e folgten nachmittags zwei Deto­nationen. Beim Nachsuchen fand man auf einem an der Wand angebrachten Brett eine offene Blech­büchse, die wie der Polizeibericht meldet der Täter wahrscheinlich als Bomoe hergerichtet hatte, die aber a^s solche nicht wirken konnte. Die Blechbüchse enthielt 1r- Revolverpa.conen von 8 Milli­meter- und zwei Revolverpatronen von 5 M'llimeter- Kaliber, ferner eine große Anzahl eiserne Nägel und Schrauben Explodiert sind nur zwei der großen und eine der kleinen Revolverpatronen. Aus der Büchse herausgeflogen und in nächster Nähe liegen geblieben sind nur eine Patronenhülse, eine nicht explodierte

Holdfieber.

Roman von Lothar Mehnert. 27

Dabei will er den Alten studieren, durch Aushorchen und Ausfragen sich Gewißheit verschaffen. Wenn er die Stellung nur annimnit! Der Bankier hat den Alten seit jenem ersten flüchtigen Besuch nicht wiedergesehen. Wie also ihn unauffällig zu sich heranziehen?

Angelikas klarer Blick merkt gar bald, daß ihren Gat­ten wieder etwas drückt. Sie fragt ihn sanft danach. Doch William Helborne weist sie fast schroff zurück. Ihm fehle , nichts, gar nichts.

Um seine Gedanken abzulenken, äußert sie ihre Ver­wunderung, daß Romano Perasini sich schon seit Wochen nicht habe blicken lassen. Diese Bemerkung gibt Hel­borne Veranlassung, ihr von Gerda van Nieffens Tod Mitteilung zu machen. Er tut dies in solch kalter, ja fast spöttischer Weise, daß Angelika sich unangenehm berührt fühlt. Gewiß, ihr Mann muß krank sein! Wie könnte er sich so teilnahmslos gegenüber dem Unglück seines Freundes verhalten. Und ihr gutes Herz verlangt nach dem Augenblick, da sie Romano als Entschädigung ihre warme Teilnahme ausdrücken^kann.

Romano fühlt nach jener schroffen Unterredung mit Helborne das Bedürfnis, sich einer mitfühlenden Seele auszusprechen. Und wer kann diese anders sein als An­gelika .. Angelika Brandisst, wie er sie bei sich noch im­mer nennt! , '

Seitdem er urplötzlich zur Erkenntnis gelangt ist, baß er Angelika liebt, hat er tagtäglich, ja stündlich gegen dieses Gefühl angekämpft. Er hat ihre Gesellschaft nach Möglichkeit gemieden: er hat sich beständig vorgehal­ten, daß sie die Braut eines anderen sei, und schließ­lich ist es ihm auch gelungen, die leidenschaftlichen Emp­findungen zu der früheren selbstlosen Verehrung abzu- Ilären. _________________- .

Als er dann die schöne Römerin so jungfräulich stolz an der Seite ihres Erwählten vor dem Altar knien sah, da schwur er sich, niemals auch nur durch einen unrechten Gedanken dies hehre, leuchtende Bild zu be­flecken und ihr und ihrem Gatten stets ein wirklich treuer Freund zu sein.

Der traurige Tod der armen, kleinen Gerda tat noch ein übriges. Ja, der welterfahrene Bankier in seiner Ge­fühllosigkeit hatte recht: die Tote steht seinem Herzen nä­her, als die Lebende. Wäre Gerda frisch und munter in ihrer ganzen Harmlosigkeit und Schlichtheit vor ihm auf­getaucht, er hätte jedenfalls Vergleiche gezogen zwischen ihr und jenem Frauenbild, das ihm das Höchste auf Er­den scheint. Die tote Gerda hatte keinen Vergleich mehr zu fürchten.

Umso peinlicher berührte ihn der Spott des Freundes, die Bloßlegung seiner geheimsten Herzensempfindungen, das unaufrichtige Versteckenspiel.

Er möchte den düsteren Schleier, den Helbornes Worte über seine Seele geworfen, wieder heben lassen durch ein paar freundliche Worte seiner Gattin.

So läßt er sich bei Frau Helborne melden und wird auch sofort vorgelassen.

Ihre Begrüßung schon zeigt ihm, daß sie bereits von Gerdas Tode weiß.

Ich empfinde innigste Teilnahme für den schweren Verlust, der Sie betroffen, lieber Freund," tönt ihm ihre warme, volle Stimme entgegen.Wie überaus traurig ist das für Sie!"

Ich wußte, daß Sie mir Verständnis entgegenbrin- gen würden, gnädige Frau," erwiderte er, sich über die seinen Finger beugend und dieselben ehrfurchtsvoll an seine Lippen drückend.Ich bin deshalb gekommen; denn ich habe ein paar freundliche Worte nötig. Das bestän­dige Zusammensein mit dem Vater meiner armen Braut regt mich aus."

Wie eigentümlich, daß der Herr nicht an den Tod

seiner Tochter glauben will," fällt sie lebhaft ein.Ich möchte ihn kennen lernen. Mein Mann muß ihn mir zu­führen."

Ein freudiges Lächeln huscht über RomanoS ernste Züge.Wie gut Sie find, gnädige Frau! Er wird Ih­nen gefallen, der brave van Messen. Ein prächtiger, bie­derer Alter."

Drunten in Kapstadt nannte man ihn nur denehr­lichen Charles". Doch das wissen Sie wohl schon? Er war ja an derselben Bank mit Ihrem Herrn Gemahl angestellt."

Ah!" Gespannt leuchteten ihre Augen auf.Nein von all dem weiß ich gar nichts. Mein Mann spricht nie über sein Leben in Südafrika. Er geht so völlig in der Gegen­wart auf, daß die Vergangenheit seinem Gedächtnisse fast entschwunden zu sein scheint. . Sie sagen, die beiden kannten einander bereits in Kapstadt? Waren sie besreun-

Sie standen gut miteinander .. wenigstens so gut, wie ein langsam denkender Bureaukrat und ein genialer spekulativer Geist überhaupt miteinander stehen können."

Ja, Sie haben recht, lieber Herr Perasini!" ruft Angelika lebhaft.Mein Mann ist ein genialer Geist. Ich fürchte nur, er überanstrengt sich."

Das glaube ich auch, gnädige Frau. Er ist jetzt manch­mal von einer fast beängstigenden Gereiztheit. Selbst in seinem Benehmen gegen mich macht sich diese Verände­rung bemerkbar. Er behandelt mich schroff, fast verletzend. Als ich ihm vor kurzem das traurige Ende meiner Braut mitteilte, da fand ich bei ihm auch nicht ein Fünkchen von Mitgefühl."

Angelika ist aufgestanden. Sie entsinnt sich des kal­ten, spöttischen Tones, mit dem ihr Gatte gestern von dem Freunde sprach.

Das mag so scheinen, Herr Perasini," erwiderte sie ernst in dem Bestreben, ihren Mann zu entschuldigen. Er meint es sicher gut mit JhnenckJ. 161,18