SchWernerMimg
mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
________________________Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".________________________
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,
Amtliches.
J.-Rr. 12023. Am 9. d. Mts. ist ein aus der Gemeinde Veitsteinbach, Kreis Fulda, stammender Hund bei den Höfen Bucheller, Gemeinde Mittelkalbach, erschossen worden, der als toUwutverdächtig bezeichnet worden ist und es ist deshalb für den Umfang der Gemeindebezirke Eichenried, Mittelkalbach, Niederkalbach, Rückers, Schweben und Veitsteinbach die Hundesperre angeordnet worden.
Schlächtern, den 23. Oktober 1909.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Kreis-Biehverffcherungsanstalt betreffend.
Zur Deckung der in dem Halbjahr April/September 1909 aus der Kreiskommunalkasse gezahlten Entschädigungen für Viehverluste und der tierärztlichen Kosten, hat der Kreisausschuß beschlossen, eine Prämie von 70 Pfg. von 100 Mk. Versicherungskapital von den versicherten Rindviehbesitzern und eine solche von 1 Mk. von 100 Mk. von den versicherten Pserdebe- sitzern zu erheben.
Die Hebelisten hierüber sind den Herren Ortsvertretern bereits zugegangen. Diese wollen die Prämien bis spätestens zum 16. November er. an die Kreiskommunalkasse abliefern.
Das erste Halbjahr war in Folge der ungünstigen Witterungs- und Fütterungsverhältnisse reicher an Schäden und tierärztlichen Kosten als die Vorjahre. Deshalb können von der 70 Pfg.-Prämie der Rind- Viehversicherung voraussichtlich nicht alle Ausgaben gedeckt werden, vielmehr wird in Höhe von 600—700 M! der Reservefonds in Anspruch genommen werden müssen, wenn das zweite Halbjahr nicht günstiger abschließt. Die Pferdeversicherung kommt mit 1% Prämie aus, jedoch bestehen noch einige zweifelhafte und streitige Entschädigungsansprüche.
Der Vorstand der Anstalt gibt sich bei seiner ehrenamtlichen Geschäftsführung alle erdenkliche Mühe, um den berechtigten Anforderungen der Versicherten gerecht zu werden und mit einem Prämiensatz von 60 bis 70 Pfg. halbjährlich, wie in den letzten zwölf Jahren, bei der Rindviehversicherung und 1% bei der Pferdeversicherung auch weiter auszukommen. Ich ersuche die Herren Bürgermeister und Ortsvertreter wiederholt, den Vorstand hierbei nach Kräften unterstützen zu wollen.
Schlüchtern, den 25. Oktober 1909.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Holdfieöer.
Roman von Lothar Mehnert. 25
„Wie lange bleiben Sie noch hier?"
„Noch acht Tage. Dann gehe ich zurück nach Kapstadt, zu meiner Gerda."
„Und ihr Bräutigam?"
„Kommt nach, wenn die Wettrennen vorüber sind. Es ist schon alles besprochen."
„So, so!"
Noch ein paar gleichgültige Worte, ein flüchtiger Han- dedruck .. wobei der Bankier dem Alten nicht viel mehr als zwei Fingerspitzen reicht.. und der ehrliche Charles trottet wieder hinaus aus dem goldenen Tuskulum des steinreichen Südafrikaners.
WilliamHelbornefühltsichnichtrecht behaglich. Schon lange hat er den Besuch des alten Messen ermattet und sich gewundert, daß derselbe unterblieb. Aus Hochmut hat er jedoch seiner Verwunderung zu Romana keinen Ausdruck gegeben: Wenn der Alte nicht wollte, na, dann nicht! Aber als der Bure nun doch in dem Privatbureau des Bankiers erschien, als er so gar kein Heh! aus seiner Abneigung gegen den ehemaligen Kollegen von der südafrikanischen Nationalbank machte und als er ihm mitteilte, seine Tochter sei gar nicht mitgekommm, sondern warte drunten in Kapstadt auf den Bräutigam,da erschien Helborne die ganze Sache doch ein wenig bedenklich.
Und warum hat Perasini ihm von alldemnichts mitgeteilt? Weshalb läßt er ihn in dem Glauben, seine Braut sei hier? Er nimmt sich vor, Romano bei nächster Gelegenheit zur Rede zu stellen.
Das Verhältnis der beiden Freunde zu einander hat sich gelockert. Es ist als habe sich ein unsichtbares Etwas zwischen sie geschoben. Ohne es zu wissen, weichen sie einander aus, beschränken sie ihre Unterhaltung auf das Allernotwendigste.
Während der ersten Zeit seiner Ehe schien für den
Mittwoch, den 27. Oktober
Deutsches Reich.
— Die Kaiserin nahm anläßlich ihres Geburtstages am Freitag vormittag die Glückwünsche der kaiserlichen Familie und des engeren Hofes entgegen. Später fand Fanlilienfrühstück statt, woran auch die Großherzogin von Baden und Prinz Christian von Schleswig-Holstein teilnahmen. Der Kaiser ernannte die Prinzessin Viktoria Luise zum Chef des zweiten Leibhusarenregiments. Der Regimentskommandeur, eine Abordnung von Offizieren, der Kommandeur der Leibhusarenbrigade, kommandierender General Mackensen, sind am Donnerstag vormittag im Neuen Palais in Potsdam eingetroffen und wurden der Prinzessin, die in der Uniform des Regiments, auf einem Schimmel reitend, an der Gartenseite des Neuen Palais erschien, durch den Kaiser in Gegenwart der Kaiserin mit einer Ansprache vorgestellt.
— Staatssekretär Dernburg wird am 25. dieses Monats die Rückreise von Amerika antreten und sich zunächst nach England begeben.
— Elektrische Ortsschnellbahn zwischen Cöln und Düsseldorf. In der Frage der Herstellung einer elektrischen Ortsschnellbahn für den Personenverkehr zwischen Cöln und Düsseldorf ist nunmehr eine gründ-' sätzliche Entscheidung ergangen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat gegenüber den Bewerbern um die Konzessionserteilung für eine solche Bahn sich bereit erklärt, den Bau und Betrieb der geplanten Eisenbahn, die unter Mitbenutzung der Straßenbahnnetze der beiden Städte in diese einmünden soll, der Privatunternehmung zu überlassen und die Allerhöchste Konzession für die dem Eisenbahngesetze vom 3. November 1838 zu unterstellende, als Haupteisenbahn zu behandelnde Schienenverbindung zu erwirken. Nach Behebung der Schwierigkeit, die sich daraus ergibt, daß das Konzessionsbegeyren von verschiedenen Seiten gestellt ist, soll dem Konzessionsverfahren möglichst rascher Fortgang gegeben werden.
— In den letzten Tagen ist die Nachricht verbreitet worden, infolge der neuen Steuergesetzgebung hätte der Schmuggel an der holländischen Grenze besonders in Tabak und Kaffee derart überhand genommen, daß sich die Notwendigkeit ergeben habe, die Zahl der Zolleamten erheblich zu verstärken. Diese Verstärkungen hatten aber so wenig wie besondere Instruktionen eine Zunahme des Schmuggels verhindern können, so daß sich die preußische Regierung Ver-
Bankier ein neues Leben aufzugehen. Das Zusammenleben mit einer Frau wie Angelika übte einen wohltuenden Einfluß auf seine überreizten Nerven aus; es milderte auch seine Kälte gegen seine Mitmenschen und machte ihn weniger hart und gefühllos. Sogar die geheime Schatzkammer mit ihrem blitzenden Inhalt mußte zurückstehen; nur selten noch sonnte er sich an den Strahlen des Goldes. Lieber fuhr er mit seinem liebreizenden, jungen Weibe hinaus in die blütenduftende Campagna oder er folgte Anaelikas lebhaftem Wunsche und begleitete sie in die Kirchen oder in die Galerien und Museen, deren weltberühmte Kunstschätze er zum größten Teil noch gar nicht kannte.
Doch William Helborne ist schon zu fest von den Klauen des Dämons Gold gepackt worden. Jenes Aufraffen konnte nur vorübergehend sein. Unmerklich gleitet er wieder in seine alten Gewohnheiten zurück. Schon werden seine Besuche in der geheimen Schatzkammer häufiger. Schon beginnt er, die harte Berührung des Goldes dem weichen, warmen Händedruck seiner Gattin vor- zuziehen. Schon schleicht sich auch wieder in sein Herz die frühere Gleichgültigkeit, die zynische Ueberlegenheit, womit er vor seiner Verheiratung das ganze „Menschenpack", wie er es nannte, behandelte.
Als vor etlichen Wochen Romano ihn um Urlaub bat, um Braut und Schwiegervater bei ihrem Eintreffen in England in Empfang zu nehmen, da hatte Helborne, sichtlich unangenehm berührt, ausgerufen: „Der alte Narr! Was will denn der hier in Rom?"
Seitdem war nie wieder ein Wort über die beiden gesprochen worden und Romano wundert sich nur, woher die augenscheinliche Abneigung zwischen William Helborne und Charles van Niessen stammt. Früher in Kapstadt standen die beiden doch ganz gut miteinander!
Als am Morgen nach van Messens Besuche Romano seinen alltäglichen Bericht über die Rennpferde abstat- tet, empfängt ihn derBankierbesonders kühl.
„Warum erwähnst Du nie den alten Messen bei mir?"
60. Jahrgang.
anlaßt sähe, 150 neue Zollämter an der holländischen Grenze zu errichten. Diese Nachricht ist, wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" feststellt, in jeder Beziehung unzutreffend. Eine erhebliche Zunahme des Schmuggels an der holländischen Grenze ist nicht bemerkt worden. Es hat sich daher weder eine Verstärkung des Grenzschutzpersonals als notwendig erwiesen, noch ist beabsichtigt, die Zollämter zu vermehren.
— Bei der Reichstagsstichwahl in Coburg wurde der Sozialdemokrat Zitsch mit 6937 Stimmen gewählt gegen Dr. Quarck (natl.), der 6286 Stimmen erhielt. So blüht dank der Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien der Weizen der Sozialdemokratie.
— Bei den Landtagswahlen im Königreich Sachsen wurden 14 Konservative, 4 Nationallieberale und 16 Sozialdemokraten gewählt, während 57 Stichwahlen erforderlich sind.
— Bei den badischen Landtagswahlen wurden 21 Mitglieder des Zentrums, 10 Sozialdemokraten, 4 Nationalliberale und 1 Demokrat gewählt, während 37 Stichwahlen erforderlich sind
— Im Reichspostamt zu Berlin ist die internationale Postscheckkonferenz eröffnet worden. Den Vorsitz führt Unterstaatssekretär Frank. Vertreter der^Reichs- Postverwaltung sind außerdem Geheimer Oberpostrat Aschenborn und Geheimer Postrat Wernecke. Zweck der Konferenz ist die Einrichtung eines internationalen Post- giroverkehrs zwischen Deutschland, Oesterreich, Ungarn und der Schweiz.
— Der einzige Verein in der Ostmark, der vorwiegend Akademikern und höheren Fachschülern (auch Frauen) Stipendien gewährt, ist der 1906 gegründete Deutsche Stipendienverein zu Ostrowo (Vorsitzender Superintendent Harhausen). Seine Mittel sind aber noch so gering, daß er nur 8 Stipendien von 100 Mk. im letzten Jahre geben konnte. Lohnende Erfolge kann er nur erzielen, wenn er baldigst reichlich Zuwachs an Mitgliedern (Jahresbeitrag 5 Mk.) erhält. Es ist dringend zu wünschen, daß das Interesse für dieses national wichtige Unternehmen steigt und ihm auch außerhalb der Ostmark viele Freunde zuführt-j
— Infolge der Ausschreitungen der streikenden Mansfelder Bergarbeiter wurden^drei Kompagnien des Füsilier-Regiments General-Feldmarschall Graf Blumenthal (Magdeburgisches) Nr. 36 in Halle in Stärke von 350 Mann in das Ausstandsgebiet abgesandt. Bei Hettstadt sind einige Kompagnien des 3. Magdeburgischen
I fragt ergänz unvermutet mitten hinein in die Rede des ! jungen Mannes.
; „Ich dachte, Du wünschest es nicht," gab Romano ruhig zur Antwort.
„Warum soll ich es nicht wünschen? Wir kennen einander doch lange genug!"
i Helbornes Ton wird schon etwas erregt.
I Um so ruhiger blickt der andere. „Nun gut. So will ! ich Dir alles erzählen. Es ist traurig genug."
Die Unruhe des Bankiers wächst. Weiß der Alte et- ' was? Und hat er zu Romano geplaudert?
! „Na, also los!" ruft er innern vergeblichen Bemü- ; hen, ferner Stimme ruhige Festigkeit zu geben. „Tust ja gerade, als wäre ganz was besonderes geschehen."
i „Ist es auch, Helborne. Gerda ist .. tot."
„Ah .." Ein Seufzer der Erleichterung hebt die Brust des Bankiers. Freundlicher als sonst fordert er Romano auf, ihm alles über den Tod seiner Braut zu erzählen.
„So., hm," macht er ruhig, als der Bericht been-, det ist. „Deine Braut ist aber doch erst vier Wochen tot, und ich habe gar keine Veränderung an Dir bemerft' Hast Du solch große Gewalt über Dich? Oder trifft Dich der Verlust nicht allzu schmerzlich?"
Heißes Rot stieg bei diesem Spott in Romanos Wangen. Hat Helborne ihm nicht bis auf den Grund der Seele gelesen?
„Hast recht," erwidert er zögernd. „Ich weiß selbst nicht, wre es kommt. Vielleicht liebte ich sie doch nicht so, wie ich es hätte sollen."
„Hm."
Ein forschender Blick aus den scharfen grauen Augen trifft Romano. Unwillkürlich senkt dieser die Lider.
„Hm," wiederholt Helborne spöttisch. „Vielleicht ist es gut, daß die arme Gerda van Messen da drunten im Wasser liegt!"
„Helborne!"
„Jawohl. Sonst hätte sie vielleicht zu ihrem Unglück erfahren, daß Du sie aufgegeben." 161,18