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SWchternerMung mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber, Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat"._________________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Mittwoch, den 13. Oktober 1909

60. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestellungen auf die

Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen. ,

finden in der Schlüchterner IllOd Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Die Wälder in Kimerun und Toko.

Mit Unterstützung des Königlich preußischen Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, des Reichskolonialamts sowie des Kolonialwirtschaftlichen Komitees haben die Herren Dr. Jentsch, Professor der Forstwirtschaft an der Königlichen Forstakademie in Hann.-Münden, und Dr. Büsgen, Professor der Bota­nik an derselben Akademie, eine sechsmonatige Reise nach Kamerun und Togo unternommen, um die dortigen Wälder in forstwirtschaftlicher wie forstbotanischer Hin­sicht zu durchforschen. Ein Bericht über diese Expedition

ist imTropenpflanzer" veröffentlicht worden, den: liefe.n, auch natürliche Wasserkräfte für nehme B triebe sino vorhanden. Erwägenswert wäre auch die

folgende Angaben entnommen sind.

Die Aufgabe, in deren Dienst sich die genannte Herren gestellt hatten, bestand darin, zu erforschen, was an Holzvorräten das große Waldgebiet Kameruns enthalte, aus welchen Holzarten sich diese Vorräte im wesentlichen zusammensetzen, was und wieviel davon als nutzbar im technischen und wirtschaftlichen Sinne bei einer künftigen Erschließung des Waldlandes, von dem naturgemäß nur einzelne Teile durchforscht werden konnten, angesehen werden könne. Durchforscht wurdet jene Teile, deren Erschließung durch die vorhandenen natürlichen Wasserstraßen und die beiden im Bau be­findlichen Eisenbahnlinien zunächst zu erwarten ist: da» Gebiet des Mungo bis zum Manengubagebirge uno bti Gebiet des unteren und mittleren Sanaga. Es Mrden sehr viele waldbildende Holzarten bestimmt und ^zeichnet; die mitgebrachte Sammlung, in der Haupt­

sache die gerade blühenden oder fruchtenden Holzpflanzen der Expedition besuchten Wälder zeigen schon Eingriffe berücksichtigt sind, umfaßt etwa 600 Nummern. Die

Holzmenge konnte nur schätzungsweise auf Grund aus­gemessener Probeflächen berechnet werden ; die Angaben über die zurzeit verwertbaren Notzholzmengen haben

; Hotdfieöer.

Roman von Lothar Mehnert. 21

Beim Diner um sieben Uhr abends, diesmal ohne Tischmusik, unterhält man sich nur im Flüsterton. Von Zeit zu Zeit streifen scheue Blicke die beiden leeren Stühle hinten am Ende der einen langen Tafel.

Für abends acht Uhr, gleich nach dem Diner, ist das Begräbnis angesetzt. Die Tote soll feierlich unter Beteili­gung aller Fahrgäste bestattet werden.

Acht Uhr. Auf dem Hinterdeck nehmen mehrere Ma­trosen auf einem Haufen Taue Platz. Daneben schie­ben sich wetterharte Gestalten einiger Zwischendecksrei­senden. Wenige Schritte davon stehen Goldgräber, Lö­wenjäger, Spekulanten.. afrikanische Typen jeder Art. Und alles zusammengedrängt auf dem engen Raum. Selbst Damen in schweren Seidenroben und befrackte Her­ren. . nach der auf englischen Schiffen herrschenden Sitte erscheint man zum Diner ingroßer Toilette".. fehlen nicht. Im ganzen weit über dreihundert Menschen I

Matrosen mit aufgekrempelten blauen Hemdärmeln beschäftigen sich am geschlossenen Eisentor der Reeling. Sie legen die Haken zurück, ziehen an den kräftigen Rie­geln .. knirschend geht das Eisentor auf.

Weitklaffend ist sie geöffnet, die unheimliche Pforte zum Friedhofe des Ozeans.

Bim .. bam." , c

Dumpfe Schläge der kleinen Schiffsglocke auf her Kommandobrücke stellen das Totengeläute dar. Feier­lich langsam naht der Leichenzug.

Voran, in großer Uniform, ein Gebetbuch in der Hand, der Kapitän. Dann sechs Matrosen, die einen langen Se­geltuchsack tragen .. die Tote, darüber das Bahrtuch, einemächtige englische Flagge. Dann, gleichfalls in dün­kender Uniform, die dienstfreien Schiffsoffiziere und der Schiffsarzt. ,

. Bor der geöffneten Pforte lagern die Matrosen die

nur vorläufige Bedeutung Da nur von den wenigen Holzarten Erfahrungen über ihre technische Brauchbar« keit vorliegen, eine gründliche Prüfung im Walde selbst aber nicht möglich war, müssen erst die Ergebnisse der Prüfung der mitgenommenen Probestücke abgewartet werden.

Etwa die Hälfte des errechneten Nutzholzes dürf als Nutzholz in Frage kommen. Jedenfalls sind reich­lich, wenn auch örtlich wechselnd, Hölzer vorhandefi, die für mannigfache Verwendungszwecke geeignet sind. Schwere, harte Hölzer überwiegen. Eine nutzbringende Verbringung nach Europa hängt davon ab, ob die Eisenbahnfrachten zur Küste und dann die Seefrachten niedrig genug werden bemessen werden können. Neben den Eisenbahnen käme auch der Wassertransport auf dem Mungo, Wuri und Sanaga in Frage. Unter­nehmungen, die etwa nur die Gewinnung einer oder weniger Holzarten ins Auge fassen wollten, hätten keine Auspcht auf Erfolg, da die wertvollen Holzarten zu sehr gemischt und auf zu große Flächen verstreut sind. Aussichtsvoll dürfte es nur sein, wenn im Urwald" oder an den Küsten von Kamerun die Hölzer schon zu Hanffabrikaten für die Ausfuhr bearbeitet würden. die Ausstellung kleiner Sägewerke sind die Bedingungen günstig; Brennmaterial würde ihnen der Holzabfall

chemische und mechanische Verarbeitung weniger wert­voller Hölzer yz Kohle, Holzstoff und Destillations- ae ivaten. Das nicht aussuhrfähige geringe Material würde in den h^ftenorten, vor allem m Dualla, willige Abnehmer finden.

Ganz anders als in Kamerun liegen die Waldve Hältnisse in Togo. Der vermutlich einst reichlich vo - Har den gewesene Wald ist, sei es infolge einer Ver­änderung des Klimas oder infolge der Grasbründe, bis auf bescheidene Reste in den gebirgigen Gegenden md entlang den Flußläufen verschwunden. Metzger scyätzt die jetzige Bewaldungsziffer nur auf 1 v. H. Diese Urwaldreste zeigen im vorigen ähnliche Bilder wie die ausgedehnten Kameruner Urwälder, nur ist das natürliche Wachstum in Togo nirgends so gewaltig wie auf den besten Kameruner Standorten. Alle von

von Menschenhand. Dem Forstmann sind in Toko daher ganz andere Aufgaben gestellt als in Kamerun: tunlichste Erhaltung der vorhandenen Waldreste im Interesse der Landeskultur, tunlichste Mehrung des

Tote auf ein schrägliegendes Brett. Ernst, erwartungs­voll, tiefergriffen steht alles ringsum. Eine Trauerhymne wird angestimmt. Erschütternd verhallen die trüben Klänge auf der mondbestrahlten Meeresfläche.

Ein Signal gellt von der Kommandobrücke dazwi­schen. Das Schiff fährt langsamer.

Jetzt erhebt der Kapitän seine kräftige, weithin schal­lende Stimme. In knapper, aber darum um so tiefer zu Herzen gehender Weise hielt er eine Ansprache.

Und wieder ein Zeichen von der Kommandobrücke. Das Schiff hält.

Und so übergebe ich Dich, geliebte Tote, dem weiten Meer!" fährt der Kapitän bewegt fort.Fahr wohl auf ewig!"

Ein Matrose hebt das Brett am Kopfende der Zoten' empor und zieht diedarübergelegte englische Flagge hin­weg. Einen Augenblick wird der mit Eisenbarren be­schwerte Segeltuchsack sichtbar. Dann gleitet er sanft hin­ab in die Fluten.

Eine im Glanz des elektrischen Lichtes schimmernde Welle spritzt der fallenden Leiche entgegen. Grün schäumt das Wasser auf.

Und dann.. vorbei.

Ruhe in Frieden!" schließt der Kapitän, während es hier und da in der Menge aufschluchzt und manche Hand verstohlen über die Augen fährt.

Bim.. bam!"

Dann geht es mit Volldampf weiter. Die er schüt­telte Menge verläuft sich. Der Kapitän aber steigt hin­auf ins Navigationshäuschen und macht in das dort aufliegende Schiffsjournal folgenden Eintrag unter dem Datum des Tages:Gestorben an Bord Gerda^oan Niessen. Tropenfieber. Versenkt zwei Grad südlicherBreite, fünf Grad östlicher Länge."

Und weiter jagt das Schiff hinein in die silberndäm­mernde afrikanische Mondnacht. *

Waldes an dazu natürlich und wirtschaftlich geeigneten Oertlichkeiten. Die geschilderten Anfänge in dieser Richtung sind zu begrüßen. Ein abschließendes, fach- - tännisches Urteil über das bisher Geleistete ist bei dem nrzen Bestehen noch nicht abzugeben. Wichtig ist ferner die baldige Herstellung eines Waldschutzes, zu- sür diejenigen Waldungen, die Schutzwaldcharakter on. Eine Einschränkung beziehungsweise örtliche Festigung der planlosen Grasbrände wird hierbei ehr nützlich und ohne Schädigung der Interessen der Eingeborenen durchführbar sein.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf am Freitag um 6 Uhr 25 Mini ten von Marienburg in Danzig-Langfuhr ein und wurde vom kommandierenden General des 17. Armee­korps v. Mackensen empfangen. Hierauf begab sich oer Kaiser mit dem General v. Mackensen, vom Publi­kum stürmisch begrüßt, nach dem Neubau des Patschkeu- hauses im Upenhagen-Park, um dort die Zimmer, welche mit Majoliken aus Kabinen ausgestattet sind, zu besichtigen. Sodann fuhr der Kaiser in das Offiziers­kasino der Leibhusaren-Brigade, wo um 7 Uhr Tafel stattfand. Um 10 Uhr 30 Minuten erfolgte die Weiterreise des Kaisers nach Hubertusstock.

Der Reichsadler auf Vereinsfahnen. Der Kaiser hat hinsichtlich der Abbildung des Reichsadlers auf Vereinsfahnen bestimmt, daß in den Vereinsfahnen, wenn solche mit dem Reichsadler geschmückt werden sollen, dieser ohne die Kette des Ordens vom Schwarzen Adler zur Darstellung zu kommen hat.

Von den deutschen Fürstenhöfen. An den Be­such des Großherzogs von Sachsen-Weimar beim Her­zog von Sachsen-Meinigen knüpfen sich lautBerl. Lok.-Anz." Gerüchte von einer bevorstehenden Verlobung des Großherzogs mit der Prinzessin Karola Feodora von Sachsen-Meinigen. Der Großherzog von Sachsen- Weimar war bekanntlich schon einmal verheiratet, seine erste Gemahlin, eine geborene Prinzessin von Reuß ä. L., starb 1905 21 Jahre alt an Lungenentzündung.

Ueber die Verwendbarkeit der Flugmaschinen für die Armee hat sich an zuständiger Stelle ein Ver­treter des Kriegsministeriums in folgender Weise ge­äußert : Wir haben die Berliner Flugwoche mit großem Interesse verfolgt und ihr Ergebnis ist für uns keines­wegs ohne Bedeutung. Trotzdem sind wir besonders darüber vollständig klar, daß der Aeroplan in seiner gegenwärtigen Gestalt für militärische Zwecke noch

Als nach einigen Tagen der alte Messen von den Fol­gen seiner tiefen Ohnmacht soweit hergestellt ist, daß er seine Kabine verlassen kann, begegnet man ihm allseitig mit einer Art scheuer Ehrfurcht. Doch wagt niemand von den Mitreisenden zu ihm von seiner toten Tochter zu spre­chen. Man fürchtet einen Verzweiflungsausbruch.

Nur der Arzt, dem die anscheinende Ruhe des alten Mannes bedenklich vorkommt, fragt schonend:Nun, mein lieber Herr van Niessen, haben Sie sich ein we­nig erholt von dem Abschied von Ihrer Tochter?"

Danke, ja," lautet die ruhige Antwort.Sie wird sich freuen, wenn ich wieder zu ihr nach Kapstadt zu» rückkehre."

Der Arzt schüttelt den Kopf.Nicht doch! Ihre Toch­ter kam mit Ihnen an Bord. Wissen Sie das nicht mehr?"

Ein leises Lächeln spielt um die Lippen des alten Mannes .. ein tiefergreifendes und herzzerreißendes Lä­cheln.Sie spaßen," entgegnete er einfach.Ich ließ meine Tochter in Kapstadt zurück."

Der Arzt ist erregt. Augenscheinlich hat Charles van Messen durch den furchtbaren Schrecken, verbunden mit dem Fall, eine Gehirnerschütterung erlitten, die ihn eines Teiles seines Gedächtnisses beraubte. Nun gilt es, ihm die traurige Gewißheit beizubringen, daß seine Tochter nicht mehr unter den Lebenden weilt .. und zwar mög­lichst bald, damit jene Meinung sich nicht als fixe Idee in seinem kranken Hirn einniste.

Herr van Messen," sagt er deshalb kurz entschlossen, Ihre Tochter ist tot."

Hm, was Sie sagen." Der alte Mann lacht.Tot? Da irren Sie aber gewaltig. Meine Tochter ist in Kap-

Und leise vor sich hin pfeifend, die Hände auf dem Rücken, steigt Charles van Messen hinab in seine Ka­bine.

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