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mit amtlichem Kreisblatt. Ulonatsbeilage; Landwirtschaftlicher Ratgeber,
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 68. Mittwoch, den 25. August 1909 60. Jahrgang,
Amtliches.
J.-Nr. 4737 K. A.
Bekanntmachung.
Der Gastwirt Johannes Gärtner in Weichersbach beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Weichersbach gelegenen Grundstück Kartenblatt D. I Parzelle N. 578/81 ein Schlachthaus zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen.Kennt- nis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht
Dienstag, den 14. September d. Js.
Vormittags 11 Uhr
vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung des Unternehmens bezw. der Einwendungen vorgegangen werden.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können während der Dienftstunden im Bureau des Kreisausschusses eingesehen werden.
Schlüchtern, den 23. August 1909.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
Zur Erinnerung und Lehre.
Aus der frühesten Morgendämmerung unserer Geschichte tönt die Kunde von Hermann dem Cherusker und der Befreiungsschlacht in, Teutoburger Walde herüber. An der Stätte, da sich das glorreiche Ereignis vor nunmehr 1900 Jahren vollzog, hat man das Andenken an die Werdestunde deutscher Nationalität jüngst in rauschenden Festlichkeiten gefeiert. Hoch gingen die Wogen patriotischer Begeisterung, und die Presse erfüllt nur eine Pflicht, wenn sie an ihrem Teile dazu beiträgt, daß diese Begeisterung nicht wie flüchtiger Schaum mit dem Festesrausche verfliegt, sondern dauernde Spuren in der Volksseele hinterläßt.
„Kein Volk hat Gott verlassen, das sich nicht selbst verließ" und „Männer machen die Geschichte" — diese beiden Aussprüche unseres großen Heinrich von Treitschke können als Motto für eine Erinnerungsfeier der Schlacht im Teutoburger Walde gelten. Hart und schwer lastete
Koldsieber.
Roman von Lothar Mehnert. . 6
Ueber Nacht ist William Helborne zum reichen Manne geworden, ohne daß jemand etwas davon weiß, ohne daß er auch nur einen Schilling seiner eigenen kleinen Ersparnisse darangesetzt hat, ja, ohne überhaupt selbst auf dem Geldmarkt erschienen zu sein. Schleunigst zahlt er die neuntausend Pfund Sterling in der Nationalbank auf Romano Perasinis Namen wieder ein. Die Summe wird gebucht. Nichts fehlt an Perasinis Vermögen. Alles stimmt.
Obgleich Bankbeamte alle geschäftlichen Dinge als strengstes Geheimnis betrachten und niemals selbst zu ihren Kunden über deren Spekulationen oder Verluste sprechen, konnte derDirektor derNationalbank doch nicht umhin, Perasini bei einer zufälligen Begegnung augen- zwinkernd zuzuraunen: „Wünsche Glück, junger Mann. Siewarenschlauer als alle anderen. Müssen ein hübsches Sümmchen eingeheimst haben, wie?"
Lachend erwiderte Perasini: „O ja, es geht."
Daß er die Aktien nicht für sich gekauft hatte, verschwieg der junge Mann, da er seinem Freunde das Versprechen gegeben hatte, nicht darüber zu sprechen.
Romano Perasini war ein Römer von Geburt. Sein Vater hatte eine reiche Südafrikanerin geheiratet und war dadurch in den Besitz zweier Farmen in der Nähe von Kapstadt gelangt. Die größere derselben, Rosebank, bewirtschaftete Romano nach seiner Eltern Tode selbständig. Doch zog es ihn stets wieder nach seiner herrlichen italienischen Heimat, und er hatte deshalb beschlossen, sobald sich Gelegenheit böte, Rosebankzu verkaufen,seine Braut, ein braves Burenmädchen aus Kapstadt, zu heiraten und nach der ewigen Stadt, die er als ganz kleiner Junge verlassen, zurückzukehren.
f Indem ehrlichen, wackern Burschen steckte keine Spur
das Joch der römischen Fremdherrschaft auf Germanien, aber in der Seele Hermanns und seiner Genossen erlosch nicht der stolze Glaube an die Zukunft des Vaterlandes und die geschichtliche Mission des deutschen Volkes. Und aus diesem Glauben erwuchs die Kraft zur Abschüttelung des Joches, dieser Glaube gebärden Heldenmut, der die ruhmgekrönten Aare der römischen Legionen in den Schluchten und Hängen der Berge Niedersachsens vor dem Ansturm Hermanns und seiner Cherusker in den Staub sinken ließ. „Kein Volk hat Gott verlassen, das sich nicht selbst verließ." Und nicht die Selbstbewegung der Idee, aus der Hegel den Gang der Geschichte zu erklären pflegte, nicht irgendwelche unpersönlichen Mächte wirtschaftlicher oder sonstiger Art haben die Befreiung Germaniens und damit ein neues Zeitalter der Geschichte heraufgeführt, nein, faß- und greifbar verkörpert sich jener Umschwung der Dinge in der heldenhaften Gestalt Hermanns des Befreiers. Es muß in seiner Persönlichkeit ein Zug von Genialität und bezwingender Größe gelegen haben, dessen Einflüsse sich auch die Gegner nicht zu entziehen vermochten. Als einen Mann von tapferer Hand, geschwinden Geistes und von einer Klugheit, wie man sie dem Barbaren nicht zutraut, feurich und doch zugleich von jener zähen und ruhigen Art, die sich durch das Feuer nicht zur Unbesonnenheit hinreißen läßt, — so schildert ihn uns der römische Schriftsteller Vellejus Paterculus, der ihn von Angesicht zu Angesicht gesehen hat. Ein Volk, das seine großen Männer ehrt, ehrt sich selber. So wollen auch wir das Andenken an Hermann, unsern Befreier von der Römerherrschaft, allezeit wach und in Ehren halten. Ebenso aber bleibe auch den wackeren Stammes- und Volksgenossen Hermanns, die sich in allgermanischer Mannestreue begeistert um ihn scharten und, was sein rascher Geist ersonnen, mit heldenmütiger Kraft in die Tat umsetzten, eine dauernde Stätte des Dankes und der verehrenden Liebe in unsern Herzen geweiht. Alles, was am deutschen Wesen groß und glänzend ist, Freiheitssinn, Tapferkeit, Nationalgefühl, Mannestreue, erstrahlte damals in hellster Pracht. O möchten doch diiese Eigenschaften allezeit unseres Volkes köstlichstes Erbteil bleiben!
Römische Schriftsteller haben uns die Kunde von Hermann und der Befreiungsschlacht im Teutoburger Walde übermittelt. Was in ihren Berichten an Grimm und Schmerz des Besiegten nachzittert, löst in unsern Herzen Akkorde des Jubels aus. Aber auch Töne der Versöhnung werden wach. Wohl mußte das Germanen
von Spekulationsgeist. Er war glücklich und zufrieden, als er seine Farm verkauft und Geld in Händen hatte, und dachte anfangs nicht daran, die Summe durch Bör- senunternehmungen zu vergrößern. Aber das allgemeine Goldfieber und besonders das erstaunliche Glück seines Freundes Helborne steckte schließlich auch ihn an, und so kam es, daß er gerade zur ungünstigsten Zeit, als die Aktien der Goldmine Helena am höchsten standen, eine Anzahl davon auf eigene Rechnung kaufte, trotz Helbor- nes entschiedenem Abraten.
Und richtig: bald fingen die Aktien an zu fallen. Wieder riet William Helborne seinem Freunde, seine Aktien schnell zu verkaufen, um wenigstens noch etwas zu retten. Romano hörte nicht auf ihn. Er meinte, die Aktien würden schon wieder steigen.
Aber sie stiegen nicht. Wie ja gewöhnlich im geschäftlichen Lebennach unnatürlich emporgeschraubten Preisen ein Rückschlag eintritt, so kam es auch hier. Ein fürchterlicher Krach folgte. Nach wenigen Monaten schon wollte kein Mensch niehr etwas von Helena-Aktien hören; man betrachtete sie als Makulatur.
Romano Perasini besaß nichts mehr als eine kleine, unansehnliche, schlecht bewirtschaftete Farm tief im Innern des Landes und einen Haufen gänzlich wertloser Goldminenaktien.
William Helborne wurde in diesem allgemeinen geschäftlichen Niedergänge der Boden Südafrikas zu heiß unter den Füßen. Zwar fürchtete er nicht, daß sein vor Monaten ausgeführter Betrug von seinem Freunde entdeckt werden würde, die Summe war ja zurückgezahlt worden, aber das häufige Zusammensein mit dem Manne, dem er feinen ganzen Reichtum verdankte und sogardurch ein Verbrechen, und der nun arm war, ganz arm, demütigte ihn.
Seiner selbstherrlichen Natur war jedes Gefühl der Demütigung ein Greuel, und so beschloß er, sich mit seinem Golde nach Europa einzuschiffen .. doch mcht
tum, um seine nationale Eigenart zu erhalten und damit der Welt eine Segensmacht werden zu können, sich den universalistischen Tendenzen der römischen Cäsaren entgegenstemmen und seine Nationalität vor dem Aufgehen in dem Völkerbrei eines Weltreiches zu schützen suchen. Aber anderseits ist doch auch die intensive Berührung mit dem Römertum für unser Volk und die gesamte Welt von unermeßlicher segensreicher Bedeutung geworden. Nur indem die Deutschen die ungebrochene Kraft und Frische ihres Volkstums in den Dienst einer alten, hochentwickelten Kultur stellten, auf deren Boden damals als edelste Blüte die absolute Weltreligion des Christentums emporwuchs, und ihr Leben von den Elementen dieser Kultur durchdringen ließen, vermochten sie die Träger einer weltgeschichtlichen Mission zu werden und dem nachfolgenden Zeitalter ihr Gepräge zu leihen. Das sei allen Versuchen gegenüber, unsere Gegenwart von dem Zusammenhänge mit der Kultur des klassischen Altertums völlig loszulösen, hier mit Nachdruck betont.
Endlich aber predigen die Ereignisse vor 1900 Jahren mit erschütternder Macht noch eine gewaltige Lehre. Neben Hermann schreitet Segest durch die Hallen der Geschichte, neben dem Helden, der die geeinte Kraft seines Volkes für große, nationale Ziele in Bewegung zu setzen weiß, steht der Mann, der kleinliche Interessen über das Gemeinwohl stellt und den Geist nationaler Zwietracht in sich verkörpert. Die Wahrheit des Wortes, daß die Fehler der Menschen und Völker häufig nur der Schatten ihrer Tugenden zu sein Pflegen, ist für unsere Nation in ihrem geschichtlichen Werdegang vielfach zum Fluche geworden. Ein kraftvoller Freiheitsdrang und das Streben, seine Individualität allen Widerstreitenden Gewalten zum Trotze zu behaupten, sind gewiß schätzenswerte Eigenschaften, aber sie dürfen, wenn anders sie wohltätig wirken sollen, nicht zur Ueberspannung führen. Und das ist leider beim Deutschen oft der Fall gewesen und ist es noch heute. Wieviel kleinliche Rechthaberei und trotziger Eigensinn, wieviel Zwist und Hader, wieviel innere Selbstzerrüttung und Selbstzerfleischung sind nicht auf der geschichtlichen Lebensbahn unseres Volkes angehäuft! Auch gegenwärtig wieder tobt der Parteihader auf Straßen und Plätzen und fördert geschäftig die Interessen des inneren Feindes. Da vermag wohl ein Rückblick auf die Tage Hermanns des Befreiers läuternd und reinigend zu wirken. Welche Tragik haben doch Verrat und Abfall um das Schicksal des Helden gesponnen, und wie sehr
nach England. Eine unüberwindliche Abneigung gegen die Heimat, wo seine Eltern zu den Parias dieser Erde gehörten, hielt ihn davon ab; vielleicht nach Frankreich oder Italien. Schließlich wählte er Rom. In dem leichtgläubigen, lebensfrohen Volke Italiens hoffte er am leichtesten sein Geld vermehren, verdoppeln, ja verzehnfachen zu können. So schiffte er sich eines Tages nach Europa ein.
Mit einer halben Million im Vermögen ist es leicht vorwärts zu kommen, besonders wenn man nicht „auf den Kopf gefallen", sondern mit klarem, nüchternen Geschäftssinn begabt ist. Kaum hatte Helborne in Rom ein Bankgeschäft größten Stils eröffnet und sich in einige erfolgreiche Unternehmungen eingelassen, so flogen ihm auch die Gelder nur so zu. Und merkwürdig; was der Mann in die Hand nahm, das glückte. Ein paar ganz besonders gewagte Unternehmungen, die von anderer Seite mit Kopfschütteln verfolgt wurden, schlugen ein und brachten ihm Riesensummen ein.
Nach einem Jahre schon hatte er sein Vermögen verdoppelt, im zweiten verzehnfacht. Bald gewöhnte man sich daran, zuerst den Rat der Bank William Helbornes einzuholen, bevor man sein Geld in Papieren oder Hu- potheken anlegte oder sich in irgend ein Unternehmen ein« ließ. Er wurde Mitglied der verschiedensten Gesellschaften, und überall nahm man ihn mit offenen Armen auf. Selbst die hocharistokratischen Klubs rechneten es sich zur Ehre, wenn der „reiche Südafrikaner", wie man ihn nannte, ihrer Einladung Folge leistete.
Trotzdem war William Helborne ein einsamer Mann. Zwar schmeichelte man ihn, wo immer er sich blicken ließ, zwarwarfensämtlicheMütterheiratsfähigerTöchter, bis hinauf zu Gräfinnen und Fürstinnen, ihre Netze nach ihm aus. Aber der Bankier war klug genug, um zu erkennen, daß diese Liebenswürdigkeiten nicht seiner Person, sondern nur seinen Millionen galten, und er verachtete alldieseLeute samt ihrer Machenschaften aus dem Grunde seiner Seele. • 161,18