SchlilchternerMim g
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
mit amtlichem Kreisblatt.
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 67. Samstag, den 21. August 1909 60. Jahrgang.
Der türkisch-griechische Streit.
Es müßte sich Unsinniges ereignen, wenn es wegen der Kretafrage noch zu einem türkisch-griechischen Kriege kommen sollte. Der Griechenhaß der Albanesen und der Tatendrang der Jungtürken in Saloniki und Monastir sind keine genügenden Gründe, um eine wenig gefestigte Regierung in Konstantinopel gegen die Wünsche des ganzen übrigen Europas zu einer kriegerischen Unternehmung zu bestimmen, mag diese auch vom rein militärischen Standpunkte aus nicht gefährlich erscheinen.
Den sichtbaren Anlaß zum türkisch-griechischen Streit bot die Hiffung der griechischen Flagge auf den Regierungsgebäuden in Kanea, alsbald nachdem die Besatzungen der vier Schutzmächte von der Insel zurückgezogen waren. Auf die erste türkische Note, die einen Verzicht auf alle Annexionsbestcebungen verlangte, hat die griechische Regierung geantwortet, sie habe an diesen Bestrebungen auf Kreta keinen Teil, und es sei Sache der Schutzmächte, die Angelegenheiten der Insel zu ordnen. In der zweiten türkischen Note ist erklärt worden, daß Griechenland auf Kreta in der Tat nichts zu suchen habe. Die Pforte erhebt weiter aber neue Beschwerden über griechische Umtriebe in Mazedonien und bezeichnet dies als eine Angelegenheit, bei der sich Griechenland nicht hinter die Schutzmächte verstecken könne.
Inzwischen haben sich die Schutzmächte durch Ent- sendung von Kriegsschiffen stark gemacht, die Nieder- Holung der griechischen Flagge in Kanea zu erzwingen. Damit fällt also jeder Grund zum Einrücken türkischer Truppen in Griechenland, soweit es sich um Kreta handelt, weg. Was aber die griechischen Banden in Mazedonien betrifft, so sind hierbei die alten Nationalst tätenkämpfe und die Mißslände der türkischen Verwaltung viel stärker im Spiel als Einflüsse der griechischen Regierung. Dieser Streit kann daher noch weniger Vorwand zu einem Kriege bieten als die Kretafrage, zumal in einem Zeitpunkt, da sämtliche Großmächte durch Verzicht auf die Finanzkontrolle in Mazedonien einen Vertrauensbeweis geben, den das neue Regiment in Konstantinopel durch eigene praktische Reformen und friedliche Haltung zu rechtfertigen verpflichtet ist.
Deutsches Reis).
— Wilhelmshöhe bei Kassel. Sicherem Vernehmen nach werden der Kaiser und die ganze kaiserliche Familie am 28. d. M. nachmittags noch dem Tempelhofer
^olbflefer.
Roman von Lothrr Mehnert. 4
Ein fast krankhafter Ehrsiz beseelte ihn schon als Kind .. Ehrgeiz und leidenshaftliche Liebe zum Golde. Als er sich das erste GoldsMverdient, hatte, es war zu seiner Portierszeit, drückte c es an seine Lippen und schwur, sich noch viele, vielesolcher herrlichen Stücke zu erwerben, gleichviel durch nelche Mittel. Und als ihm später als Bankbeamter uryezählte Rollen Goldes durch die Finger liefen, da klopft sein Herz oft stürmisch vor Verlangen nach dem blinknden Metall.
Nur Gold interessierte.hu ; Papiergeld ließ ihn völlig kalt. Selbst für die wertiollsten Banknoten hatte er nur ein Achselzucken. Aber ^olb, Gold ! Diese kleinen runden Dinger, deren geheimnisvolles klingendes Geflüster seinem Ohre die herrlichte Musik dünkte.
Und diese Sehnsucht in den Besitz ungezählter Goldstücke zu kommen, nah» mit den Jahren zu. Bald dachte er an nichts anderesmehr. Jede geschäftliche Vertraulichkeit seines Chefs, ide neue Bekanntschaft wurde von ihm nur daraufhin.eprüft, wie er sie sich zu nutze machen könne.
Eines Tages hae der Direktor etwas ganz besonders Wichtiges mit seiner Untergebenen besprochen-.. etwas, das WilliamHelbones Blut bis zur Siedehitze aufregte. Eine große Anzab angeblich wertloser Aktien der Jo- hannesburger Golmine Helena war durch Zufall ganz billig zu verkaufe; während es in eingeweihten Kreisen feststand, daß gerbe die Aktien dieser Mine voraussichtlich bald ums Hn-, ja Zwölffache steigen könnten. Ha, wer jetzt Geld Me, jene Aktien zu kaufen! Er wäre binnen kurzem n reicher Mann!
Helborne Erzählte seine kleinen Ersparnisse! Pah, soviel wie ga nichts! Damit kann er kaum eine einzige Aktie kaufen, -ein, wenn nicht gleich mit einem Schlage
Felde bei Berlin fahren, um im Offizierskasino des Königin-Augusta-Grenadier-Regiments die Ankunft des Grafen Zeppelin zu erwarten.
— Der Kaiser wird nach der „N. Pol. Korr." am 20. August der Einweihung des Offizier-Genesungsheims in Falkenstein im Taunus beiwohnen, am 27. August im Damenstift Fischbeck bei Hameln einen Aebtissinnenstab an die Aebtissin Frau v. Butlar überreichen, am 28. August den Grafen v. Zeppelin bei seiner Landung in Berlin begrüßen, am 29. August der Wiedereröffnung der Berliner Garnisonkirche beiwohnen. Dann folgen am 1. September die Herbstparade auf dem Tempelhofer Felde und die Einweihung des Offizierversammlungshauses der Landwehrinspektion Berlin und bis zum 5. September die Flottenmanöver. Am 7. September findet die Parade des 14. Armeekorps bei Forchheim statt; vom 8. bis 10. September befindet sich der Kaiser bei den österreichischen Manövern bei Groß-Meseritsch in Böhmen, am 11. September ist die Parade des 13. Armeekorps bei Kannstatt. Die Kaisermanöver spielen sich in der Zeit vom 13. bis 17. September ab. Am folgenden Tage will der Kaiser bei der Neueröffnung der Schackgalerie im neuen preußischen Gesandtschaftsgebäude in München anwesend sein. Am 20. und 21. September wohnt der Kaiser den Manövern der beiden sächsichen Armeekorps bei Chemnitz bei. Auf der Albrechtsburg bei Meißen gibt der König von Sachsen am 21. September ein Festmahl.
— Berlin. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg, Rittmeister a. D., zuletzt Oberleutnant des 2. Aufgebotes der Garde-Kavallerie (Potsdam) ist unter Verleihung des Charakters als Major mit der Berechtigung zum Tragen der Uniform des 1. Garde-Dragoner- Regimentes Königin Viktoria von Großbritannien und Irland bei den Offizieren ä la suite der Armee angestellt worden.
— Der Staatssekretär des Reichspostamtes hat der Handelskammer in Metz auf ihre Eingabe über die Wahrung des Telephongeheimniffes mitgeteilt, daß aus Anlaß der Revision des Strafgesetzbuches Schritte getan sind, um die Verletzung des Fernsprechgeheimnisfes künftig unter Strafe zu stellen. Bisher konnten Telephonbeamte, falls sie rechtswidrige Mitteilungen von Telephongesprächen an Dritte machten, nur disziplinarisch bestraft werden.
— In Detniold ist die Neunzehnhundertjahrfeier der Hermannsschlacht im Teutoburger Walde unter ungemein starker Beteiligung begangen worden. Bei
ein reicher Mann, dann lieber überhaupt die Hände davon.
Er sucht sich die Gedanken mit den Goldminenaktien aus dem Kopfe zu schlagen. Es will ihm nicht gelingen. Ein kostbarer Tag nach dem anderen vergeht.Die Aktien sind noch immerzuverkaufen; denn niemand außerdem Direktor, den Aufsichtsräten und William weiß darum, und Direktor und Aufsichtsräte haben ihr Geld festliegen. Vielleicht morgen schon können die Aktien steigen .. steigen bis ins Unendliche .. und die schöne Zeit ist dann verpaßt.
William fieberte. Wie ein Schlafwandelnder läuft er umher. All seine Gedanken, seine Empfindungen drehen sich nur um den einen Punkt: Aktien kaufen! Aktien kaufen, so lange sie noch niedrig stehen ...
Der Tag ist außergewöhnlich heiß, selbst für Südafrika. Senkrecht fallen die Sonnenstrahlen hernieder auf die weißen Häuser, auf das glühende Pflaster. Keine kühle Brise weht vom Meere herauf; sengende Glut haucht durch die Straßen, jedes lebende Wesen verscheuchend. Und wenn einmal hier und da eine Gestalt im weißen Tropenanzug an den Häusern entlang schleicht, so schnappt der Unglückliche in dieser sauerstoffarmen, glühenden Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen.
William Helborne hat soeben das Bankgebäude verlassen und ist auf dem Wege nach einem Restaurant in der Adderlepstraße, wo er täglich zu Mittag speist. Auch ihm klebt in dieser Atmosphäre des „dampfenden Schweißes" der dünne Tropenanzug am Körper. Er beachtet es nicht.
„Morgen ist es vielleicht schon zu spät!" murmelt er finster vor sich hin, während er langsam die Straße entlang geht.
Unter dem weißen Zeltdache seines Restaurants setzt er sich in die entfernteste Ecke. Wie von selbst bestellt er etwas zu essen. Aber schon nach fünf Minuten läßt er das Gericht wieder fortnehmen, ohne es angerührt zu haben.
dem großen Germanenzug durch die Straßen der Stadt bildete eine nach Zehntausenden zählende Menschenmenge Spalier. Der Zug stellte in seinem ersten Teile den Siegeszug der Deutschen nach der Schlacht im Teutoburger Walde dar, im zweiten aber ein anschauliches Bild der alten Germanen und ihrer Kultur. Der Zug wurde gebildet aus etwa 1000 Personen. Den Schluß des Festzuges bildete der Erinnerungswagen an den Schöpfer des Hermannsdenkmals Ernst von Bändel. Bei der Festfeier am Hermanndenkmal, mit der die Einweihung eines Bandel-Denkmals verbunden war, hielt Professor Hans Delbrück aus Berlin die Festrede, die mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß.
— Zu den von Süddeutschland aus erhobenen und von der „Nordd. Allg. Ztg." zurückgewiesenen Vor- würfen gegen die preußische Eisenbahnpolitik spricht in der „Karlsruher Zeitung" auch die badische Eisenvahn- Verwaltung ihr lebhaftes Bedauern aus. Solche Vor« würfe seien durchaus ungerechtfertigt. Durch die im Jahre 1905 auf Veranlassung und unter Führung Preußens über die Leitung des Güterverkehrs getoffenen Vereinbahrungen, die im wesentlichen auf der Grundlage des bisherigen Besitzstandes beruhten, sei den bis dahin bestandenen Klagen über die aus Wettbewerbsrücksichten erfolgenden Umleitungen der Boden entzogen worden. Es sei damit aber zugleich eine wesentliche Verbesserung in der Wirtschaftlichkeit der Betriebsführung herbeigeführt worden, die auch für die badischen Staatsbahnen mit ihren bis dahin vielfach recht zersplitterten und unwirtschaftlichen Leitungsverhältnissen sich in der Folge als finanziell sehr vorteilhaft erwiesen habe. Ebenso habe die durch das Entgegenkommen Preußens ermöglichte Einführung des am 1. April d. J. ins Leben getretenen deutschen Staatsbahnwagenverbandes den badischen Staatsbahnen erhebliche finanzielle Vorteile gebracht.
— Die Ansiedlungskommission hat die königliche Domäne Hallberg im Kreise Obornik, 350 Hektar, angekauft.
— Der Bierkrieg in ganz Thüringen ist in vollem Gange. Gastwirte und Biertrinker in zahlreichen Städten des Herzogtums Meiningen beschlossen infolge zu hoher Preisaufschläge der Bierbrauereien gemeinsam den Bierstreik. Boykottiert wurden über hundert Brauereien. Ferner nahm in Koburg eine Versammlung von 152 Gastwirten eine Resolution an, in der die Festsetzung des Bierpreises auf 18 Mk. pro Hektoliter bedauert und die Verpflichtung der Gastwirte ausgesprochen wird, solange kein Bier der Ringbrauereien
^Zu spat! Zu spät!" summt es ihm in den Ohren
Mehrere Bekannte, die regelmäßig hier essen, treten zu chm. Er gibt auf ihre Fragen solch sonderbare Antworten, daß sie ihn kopfschüttelnd bald wieder allein lassen.
„Zu spät! Zu spät!" rauscht ihm der Springbrunnen zu, der nicht weit entfernt seine Wasserstrahlen in ein marmornes Becken ergießt. „Zuspät! Zu spät!" zwitschern spöttisch die Vögel in dem neben ihm befindlichen Bauer. „Zu spät! Zu spät!" knirschen die Räder des mit schweren Eisenschienen bepackten, vorbeischwankenden Lastwagens. „Zu spät! Zu spät!" dröhnt es wie mit Hammerschlägen in seinem Hirn.
Mißmutig will William Helborne aufstehen,um sich wieder m sein Bureau zu begeben, als mit den Zeichen lebhaftester Freude ein junger, schlanker Mann auf ihn zueilt. ' '
r . „Gruß Gott alter Junge! Wie geht's?Undso allein? s ist wohl zu heiß zur Unterhaltung, was? Hab' heute gerade an Dich gedacht, und nun treffe ich Dich hier.. famos!" 7
„An mich gedacht? Wieso?" WilliamHelborne fragt es ein wenig erstaunt.
„Ich habe einen der Direktoren der Johannesburqer Goldmme Helena" gesprochen. Er sagte, daß ..."
SM I Perasini!" unterbricht ihn Helborne fast flüsternd. „Nicht hier! Ich weiß, was Du sagen willst- aber es ist noch ein Geheimnis. Komm' mit in meine Wohnung! Da können wir ungestört plaudern."
Doch der andere will davon nichts wissen. Er müsse noch zu seiner Braut und habe sich schon ohnehin verspätet, wandte er ein.
„Wenn Du mir aber einen Gefallen tun willst, lie- ber Helborne, so löse für mich auf Deiner Bank diesen Scheck hier ein!« schließt er lebhaft. „Ich habe keine Zeit mehr. Heute abend hole ich mir das Geld in Deiner Wob- "ung." . ......_ 161,18