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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
___________vierteljährliche Beilage: „Unsere ^eimat^._______________________
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 66.
Mittwoch, den 18. August 1909 60. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 4659 K.-A. Im 2. Halbjahr 1909 finden folgende Bullenkörungstermine statt:
11. September in Steinau.
13. November in Schlüchtern.
Schlüchtern, den 16. August 1909,
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Politischer Wochenbericht.
Die diesjährige Aera der Monarchenbegegnungen hat in der Berichtswoche durch die abermalige Begegnung unseres Kaisers mit dem Zaren in Kiel ihren Abschluß gefunden, der in Begleitung seiner hohen Gemahlin auf der Rückreise von England den Kaiser Wilhelm-Kanal durchfuhr. Die freundschaftlichen Gesinnungen, in denen die Herrscher der beiden großen Nachbarreiche einander zugetan sind, haben in dieser zweiten diesjährigen Zusammenkunft einen erneuten wertvollen Ausdruck gefunden. Auch bei Wahrung ihres persönlichen und intimen Charakters schließt sie sich den Kundgebungen an, die zur Festigung von Friede und Freundschaft zwischen den Mitgliedern der europäischen Staatenfamilie vorher in Cherbourg und Cowes erfolgt waren. Freilich heißt es bei allen Friedenskundgebungen doch auch bei uns, das Pulver trocken zu halten; denn daß Frankreich Rußland nicht zu bewegen vermocht hat, sich für die Wiedergewinnung von Elsaß-Lothringen einzusetzen, daß England während der Balkankrisis vergebliche Anstrengungen gemacht hat, Rußland gegen Deutschland zu hetzen, danken wir doch zuletzt einzig und allein der Achtung gebietenden Stärke unserer Waffen.
Die verflossene Woche hat auch zwei bemerkenswerte Jubiläen zu verzeichnen. Nachdem das Herzogtum Eleve in Gegenwart des Kaiserpaares festlich den Tag seiner dreihundertjährigen Zugehörigkeit zur Krone Preußen begangen hatte, schloß sich am darauffolgenden Tage die gleiche Feier für die Grafschaft Mark und Ravensberg auf der Hohensyburg an, an der ebenfalls das Kaiserpaar teilnahm. Beide Jubelfeiern, die. unter begeisterter Teilnahme der gesamten Bevölkerung begangen wurden, stellten sich dar als Akte der Dankbarkeit gegen das Herrscherhaus, als Betäligung und Befestigung der Treue, als Kundgebung des Willens, auch in aller Zukunft festzuhalten an dem angestammten Hause der Hohenzollern. Namentlich die Grafschaft Mark ist eine Hochburg einer stark ausgeprägten preußischen Gesinnung geworden. Welchen Siegeszug
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Hokdsteöer.
Roman von Lothar Mehnert. 2
Die jüngere, eine hohe Gestalt in einem schlichten, aber gutsitzenden Kleid von resedagrüner Seide, scheint ganz vertieft in die Musik zu sein, während die ältere ihre Augen lebhaft umherschweifen läßt.
„Sieh, Angelika. Dort kommt William Helborne!" flüsterte sie jetzt hastig. „Mir scheint, er will zu uns."
„Wohl möglich, Mama."
Keine Miene in dem edlen Antlitz der jungen Römerin verändert sich .. auch nicht, als der Bankier gleich darauf den Hut in der Hand, mit einer tiefen Verbeugung vor den beiden Damen steht.
„Endlich sehe ich Sie wieder, Fräulein Brandissi!" sagte er leise, nach der ersten förmlichenBegrüßung. „Seit drei Wochen suche ich tagtäglich überall nach Ihnen: hier,: im Theater, auf den Redouten. Vergebens; man sieht Sie nirgends mehr. Was hat das zu bedeuten? Sie waren doch nicht krank?"
Ein Lächeln huscht über Angelikas stolze Züge. Ihre großen, tiefschwarzen Augen blicken ihn voll an. „Gewiß nicht, Herr Helborne. Ich stecke nur ganz und gar in der Arbeit."
„In der Arbeit? Wieder ein besonderes Kunstwerk, wie?"
„Ich kopiere gerade eines meiner Lieblingsbilder; Murillos Anbetung der Hirten aus dem Vatikan. Es nimmt mich ganz gefangen."
„Und da haben Sie für Ihre Freunde gar keine Zeit mehr übrig?" Sein Ton klingt vorwurfsvoll.
„Offen gestanden, nein," lächelt Angelika. „Aber in den nächsten Tagen bin ich damit fertig."
„Und ich werde mich freuen, das Werk und Sie zu sehen. Darf ich mir einmal gestatten, Sie in Ihrem Atelier aufzusuchen, Fräulein Brandissi?"
c Ein freundliches Neigen des schönen Kopfes der Toch
das Gewerbe der Grafschaft Mark unter den Hohenzollern, namentlich in den letzen Jahrzehnten, genommen hat, das weiß das Inland und das Ausland; von Bochum bis Hamm, von Hagen bis Jserlohn reihen sich heute arbeitsfrohe und ruhmreiche Gewerbestätten in schier endloser Zahl aneinander. Deshalb ist auch die große patriotische Kundgebung anf der Hohensyburg eine begeisterte Huldigung für das Hohenzollernhaus geworden, die aus dem Herzen der Markaner kam.
Ueberraschend ist der Rücktritt des preußischen Kriegsministers v. Einem gekommen, der lediglich auf den besonderen Wunsch des Generals, an die Spitze eines Armeekorps gestellt zu werden, zurückzuführen ist. Heiße Kämpfe hat der Scheidende im Parlamente vor allem mit der Sozialdemokratie zu führen gehabt. Hier hatten wohl selbst die „Genossen" das Gefühl, daß der Sieg niemals bei ihren Fahnen war, selbst dann nicht, im März 1904, als Herr Bebel sein Herz entdeckte und die Flinte für das Deutsche Reich schultern wollte, und auch dann nicht, als Herr Noske in gleicher Glut der Vaterlandsliebe dafür zu sorgen versprach, daß Deutschland nicht an die Wand gedrückt werde. Es ist stets ein ästhetischer Genuß gewesen, die elegante Manier zu bewundern, in der Herr v. Einem seine schneidige Klinge gegen die plumpen Speere der „Genossen" wandte, um sie doch regelmäßig gründlich abzuführen.
Im Auslande ist zunächst des schwedischen Generalstreiks zu gedenken. Es handelt sich hier um eine gewaltige Kraftprobe zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter, die für Schweden etwas Neues bedeutet. Die Proklamierung des Generalstreiks war die Antwort der Arbeiter auf die Aussperrungen, welche die Arbeitgeber in einzelnen Industriezweigen zur Lohnreduzierung vorgenommen hatten. Die Leitung der Streikenden hat alles auf eine Karte gesetzt, um durch die Lahmlegung des ganzen Erwerbs- und Verkehrslebens den Widerstand der Arbeitgeber zu brechen. Die Anzeichen sprechen aber schon jetzt dafür, daß ihnen der Erfolg versagt bleiben wird. Der Generalstreik wird zum großen Teil mit deutscher Hilfe durchgeführt. Nützen wird er den Arbeitern weder jetzt noch für die Zukunft. Aber die junge schwedische Industrie, die noch in den Kinderschuhen steckt, hat bereits einen starken Rückschlag erlitten, von dem sie sich lange nicht erholen wird. Und die Kosten dieses Rückschlages werden vor allem die schwedischen Arbeiter zunächst zu tragen haben, dafür können sie sich dann auch bei ihren sozialdemokratischen Freunden in Deutschland bedanken.
ter, ein Händedruck der Mutter .. und der Bankier ist entlassen.
Obgleich der kleine Besuch am Wagen der Marchesa Brandissi durchaus nicht allzu aufmunternd ausgenommen worden war, fühlt William Helborne sich doch zufrieden. Was ersuchte, hat er gefunden. Ihn hält nichts mehr hier oben. Er besteigt seinen Wagen und fährt langsam davon.
Als der Bankier seinen Palast in der Via Nazionale betritt, beginnt leise Dämmerung sich herabzusenken. In seinem Privatbureau glühen bereits die großen elektrischen Flammen.
William Helborne wechselt rasch den Rock und setzt sich in den kunstvoll geschnitzten Armstuhl, um den Erfolg des Tages zu überdenken.
"Ja, er ist befriedigt. Das berühmte Rennpferd gehört ihm; er hat mit dem Mädchen gesprochen, welches allein im stände ist, einen gewissen Eindruck auf ihn hervorzu- bringen. Was will er mehr?
Plötzlich leuchten meine Augen auf.. Heller, stärker noch als vorhin beim Anblick Angelika Brandissis.
Er zieht einen Schlüssel aus der Tasche und öffnet ein Geheimfach seines Schreibtisches. Dann entnimmt er demselben einen ganz eigen geformten, sechseckigen Schlüssel, schließt das Geheimfach wieder, riegelt die gepolsterte Tür nach dem Entree ab, damit kein unberufenes Auge ihn beobachte und tastet an der einen Längs- wand des Zimmers entlang.
Jetzt, ein Druck .. die Wand schiebt sich beiseite. Eine schmale Eisentür wird sichtbar. William Helborne steckt den sechseckigen Schlüssel in ein kleines, kaum sichtbares Loch und dreht ihn zweimal links herum. Ein leiser Krach: die Tür öffnet sich.
Sie ist so schmal, daß der Bankier sich mit Mühe durchzwängen kann. Inwendig ist alles dunkel. Nur ein Strahl des elektrischen Lichtes fälltvom Zimmer herein und läßt es hier und da aufleuchten wie Gold.
Deutsches Reich.
— Die Einberufung des Reichstages ist, wie eine Berliner parlamentarische Korrespondenz mitzuteilen weiß, frühestens für den 23. November d. J. zu erwarten.
— Friedrichshafen. Graf Zeppelin hat den Reichstag auf den 4. September eingeladen. Für Tags zuvor hat der Bundesrat eine Einladung erhalten, und es steht fest, daß die Mehrheit am 3. September in Friedrichshafen erscheinen wird. — Die Nachricht, daß Graf Zeppelin wieder auf seinem Gute Giersberg weile, ist falsch, er wird noch 8 Tage im Krankenhause bleiben. Auch wird er nicht die ganze Fahrt von Friedrichshafen bis Berlin mitmachen, sondern erst von einer Zwischen- station aus die Leitung seines Luftschiffes übernehmen.
— Der neue Kriegsminister v. Heeringen war bisher Kommandierender General des zweiten Armeekorps. Im Jahre 1850 geboren, begann er seine militärische Laufbahn im »Füsilier-Regiment Nr. 80 und wurde später in den Generalstab kommandiert. 1887 zum Major befördert, kam er in das Kriegsministerium, dem er drei Jahre lang angehörte. Von 1890 bis 1892 war er Bataillons-Kommandeur im 3. Großherzoglich Hessischen Infanterie Leib-Regiment Großherzogin Nr. 117, worauf er als Abteilungschef wieder in den Großen Generalstab versetzt wurde. Von 1895 bis 1898 war er als Oberst Kommandeur des Infanterie- Regiments Nr. 117. Hierauf wurde er unter Beförderung zum Generalmajor Direktor des Armeeverwaltungsdepartements im Kriegsministerium. Als solcher wurde er 1901 zum Generalleutnant befördert. Im Jahre 1903 erhielt er das Kommando der 22. Division in Kassel, das er im Oktober 1906 mit der Führung deö zweiten Armeekorps vertauscht hat.
— In der Landtagsersatzwahl im Unterlahnkreise für den zurückgetretenen Dr. Heyweiler wurde Amtsgerichtsrat Lieber (natl.) mit 131 Stimmen gewählt, während Oekomierat Lücke (Bund d. Landw.) nur 19 Stimmen erhielt.
— Unter der Anklage des Hochverrats, Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und Aufforderung zum Ungehorsam sind in Berlin drei anarchistische Redakteure verhaftet worden. Es sind dies Hermann Reetz, Gustav Levyn und Gustav Lübeck. Der letztere hat seinerzeit die „Genossin" Rosa Luxemburg geheiratet; die Ehe wurde aber schon nach kurzer Zeit wieder geschieden.
— Zur Beantwortung der Frage, ob eine sofortige Erhöhung der Zigarrenpreise nötig ist, trägt ein Rund-
Helborne drückt auf einen Knopfund blendendes Licht ergießt sich durch den Raum.
In der Mitte desselben steht ein langer, mit grünem Tuch überzogener Tisch, an welchem die hochfußige elektrische Lampe befestigt ist. Rings an den Wänden in drei Reihen übereinander liegen Kasten an Kasten aus schwerem Eichenholz, die in die Wände schubladenartig eingelassen sind, jeder mit einem Schloß und glänzenden Griff versehen.
Alle diese Griffe schimmern wie reines Gold. Man sieht auf den ersten Blick, mit welcher Sorgfalt sie ge» putzt werden.
Helborne zieht die Tür hinter sich zu. Dann setzt er sich in den Lehnstuhl. . das einzige Stück Möbel außer dem Tisch .. und stützt die Arme auf die grüne Tischplatte.
Eine eigentümliche Veränderung ist mit dem Manne vorgegangen. Seine sonst so ruhigen Züge zeigen einen gespannten Ausdruck, seine Augen glänzen fieberhaft. Nervös bewegen sich die Finger hin und her. Und die Erregung wächst und wächst und nimmt von seiner ganzen Person Besitz, bis seine Gedanken, seine Empfindungen zugespitzt und auf einen einzigen Punkt gerichtet sind.
Nun erst steht er auf. Langsam schreitet er auf einen der Schubkastenzu, steckt den sechseckigen Schlüssel ins Schlüsselloch, dreht viermal rechts, dann einmal links herum und zieht den Kasten heraus. Leuchtend strahlt es ihm entgegen: in Tausenden und Abertausenden von Goldstücken.
Eine Weile sonnt er sich schweigend an dem berauschenden Anblick. Liebkosend streicht seine Hand über das glitzernde Metall. Dann öffnet er Kasten auf Kasten.
Niemand außer dem Bankier wäre im stande diese Kasten zu öffnen, da die Umdrehungen des Schlüsses nach einem bestimmten Schema erfolgen .. selbst der Kunstschlosser nicht, der seinerzeit dieses Wunderwerk verfertigte, da der Bankier selbst eigenhändig die Kasten in die Nischen verteilte und allein im Besitze des Geheimnisses ist. _________ „ 181,18