ZchlüchtermrZeitun g
mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
____Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".________________________
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
32 60. Mittwoch, den 28. Juli 1909 60. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 4225 K.-A. Die Regierungs-Hauptkasse ist angewiesen, den Herren Standesbeamten des Bezirks die von dem Königlichen Statistischen Landesamt in Berlin festgestellten Kopialien-Entschädigungen für die im Rechnungsjahr 1908 eingereichlen Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle zu zahlen.
Ich gebe den Herren Standesbeamten des Kreises hiervon mit dem Bemerken Kenntnis, daß, wenn die Abhebung der Betrüge bei der Königlichen Kreiskasse hier nicht binnen Monatsfrist erfolgt, die Zusendung durch die Post portofrei geschehen wird, soweit die Standesbeamten nicht am Amtssitze der Kasse wohnen.
Schlüchtern, den 24. Juli 1909.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
J.-Nr. 4207/4228 K.-A. Es beabsichtigen:
1. der Landwirt und Metzger Peter Behacker in Oberzell auf seinem in der Gemarkung Oberzell gelegenen Grundstück Kartenblatt H III Parzelle Nr. 179,
2. der Land- und Gastwirt Leo Nau in Herolz auf seinem in der Gemarkung Herolz gelegenen Grundstück Kartenblatte A Parzelle Nr. 417/37 je ein Schlachthaus zu errichten.
Ich bringe diese Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dieselben binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu- bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht
Dienstag, den ^ August d.I.,
vormittags 11 Uhr
vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Ausbleibens der Unternehmer oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung der Unternehmen bezw. der Einwendungen vorgegangen werden.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlagen können während der Dienststunden im Bureau des Kreis-Ausschusses eingesehen werden.
Schlüchtern, den 24. Juli 1909.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.
Der Hotensee.
Roman von Martin Wehrau. 50
„Hier haben Sie jeder einen Fidibus zu Ihrem Glimmstengel!"
„Aber Herr Baron, das sind ja die Wechsel, das sind vierzigtausend Mark!" jammerte Schröpfer.
„Ach, was Sie sagen!" wiederholte von Eistedt. „Uebrigens tut das nichts, sie sind bezahlt."
„Bezahlt?"
„Ja, so daß ich in Zukunft," er lächelte ganz sonderbar, „Ihrer Dienste nicht mehr bedarf. Sie schicken mir wohl Ihre Liquidation ein für Ihre Bemühungen, es erfolgt dann umgehend das Geld.. . Doch ich will Sie nicht länger aufhalten . . adieu!"
Verdutzt schauten sich die Ehrenmänner an.
„Aber Herr Baron ..."
Dieser wandte sich noch einmal von seinem Schreibtisch, vor welchen er sich, in Papieren blätternd, gesetzt hatte, zurück. „Es tut mir leid, daß ich Sie nicht mehr länger anhören kann, aber ich habe dringende Arbeiten vor."
Mit tiefer Verbeugung entfernten sich nunmehr die Agenten, in deren Gesichtern ein unsagbar dummer Ausdruck Platz gegriffen hatte. Eistedt aber erhob sich nach deren Fortgang wie angewidert und riß die Fenster auf. Erst nach einer ganzen Weile schloß er sie wieder.
„So, nun bin ich dieser Verbindung los und ledig, welche, ich sehe es immer mehr ein, das Unglück meines Lebens gewesen ist. Ich danke dem Schöpfer, daß er mich noch an meinem Lebensabend von den Schuften fortriß. Wer weiß, wie es sonst gekommen wäre!"
Er atmete auf wie von einer schweren Last befreit und schaute aus dem Fenster. Lange stand er vor demselben, in tiefes Nachdenken versunken. Dann aber drehte er sich um und wandte sich wieder seiner Arbeit zu, währenddessen von seinem Munde die leisen Worte ka
Das auf den Namen der Margarethe Gläser ledig zur Altengronau, jetzigen Ehefrau des Bahnsteigschaffners Johann Diener zu Frankfurt a. M., lautende Einlagebuch unserer Kasse Nr. 4693 ist angeblich verloren gegangen.
Der etwaige Besitzer dieses Buches wird aufgefordert, seine vermeintlichen Ansprüche binnen 3 Monaten, vom Tage der Einrückung dieser Bekanntmachung ab gerechnet, bei uns geltend zu machen, widrigenfalls nach Ablauf dieser Frist das obige Buch gelöscht wird und die Frau Diener ein neues Einlagebuch erhält.
Schlüchtern, den 20. Juli 1909.
Die Direktion der Kreissparkasse: Pfalzgraf.
Politischer Wochenbericht.
Der deutsche Kanzlerwechsel ist auch vom Auslande mit dem allergrößten Interesse verfolgt worden. In den Ausführungen der fremden Presse spiegelt sich einmal die große Bedeutung wieder, die Deutschland in der Weltpolitik hat, anderseits sind auch deutlich die Sympathien zu erkennen, die das Deutsche Reich bei den einzelnen Völkern genießt. In Worten höchster Anerkennung hat die befreundete österreichische Presse von dem geschiedenen Reichskanzler gesprochen, der es verstanden habe, anders als Bisinarck, aber nicht weniger als dieser, der Mann seiner Zeit zu sein; Fürst Bülow habe sich in der letzten auswärtigen Kampagne als treuer Freund der österreichisch-ungarischen Monarchie bewährt und mit Klugheit und Entschlossenheit gehandelt. Ebenso warm aber ist die Begrüßung, die sie dein neuen Kanzler v. Bethmann-Hollweg widmet, von dem in den österreichischen diplomatischen Kreisen wohl bekannt sei, daß er ein besonders kluger Staatsmann sei, der sich in die auswärtigen Geschäfte leicht hineinfinden und den verschiedenen Parteien ohne Vorurteil gegenüber- stehen werde. Nicht minder freundlich waren die italienischen Preßstimmen über den alten und den neuen Kanzler. Achtungsvoll und anerkennend für die Leistungen des Fürsten Bülow waren im allgemeinen die Artikel der englischen Blätter. Nur die französischen Zeitungen sahen in Bülow den schwarzen Mann, der das arme ehrliche Frankreich immer hinters Licht geführt habe. Daß diese Auffassung falsch ist, weiß jedermann in Deutschland, man wird daher bei uns diese Auffassung nur als einen Beweis dafür nehmen, daß Fürst Bülow stets echte deutsche Politik getrieben hat.
Von den auswärtigen Vorgängen der Woche haben die Ereignisse in Persien am meisten die allgemeine
men: „Mein ist die Rache, spricht der Herr, ich will ver- gelten!" * *
Wiederum befand sich Rolf Helmbach in der alten Bücherei. In dieser Zeit seiner Rekonvaleszenz beschäftigte er sich mit Vorliebe mit den alten Familienpa- pieren, die ihm immer mehr Neues und Interessantes boten. In ihnen schien der alte Glanz des gräflichen Hauses wieder lebendig zu werden und es kam ihm vor, als ob die Geister der Ahnen ihn umschwebten, wenn er die vergilbten Pergamente durchstöberte.
Er hatte die Eichenkassette geöffnet, welche die wichtigsten Familienurkunden enthielt, und entfaltete eine nach der anderen, während er behaglich eine Zigarre rauchte, die ihm der Arzt bereits gestattete.
Plötzlich stieß er auf ein Blatt, in dem ein fürsorglicher Ahne den Umfang des ehemaligen gräflichen Besitztums mit klaren Worten gekennzeichnet hatte. Danach betrug der Flächeninhalt der ganzen Grafschaft mehr als vier Quadratmeilen, eine Größe, wie sie vor Zeiten kaum manches deutsche Fürstentuni besaß.
Rolf seufzte. Er legte die brennende Zigarre weg und gab sich mit Eifer dem Studium der Aufzeichnung hin. Wo war er geblieben, der Ruhm und der Glanz des Hauses Helmbach? In alle Winde zerstreut! Und er hatte nicht zum wenigsten daran gearbeitet, dem ehemals so stolzen gräflichen Aar die an und für sich schon lahmen Fittiche zu beschneiden. Hätte er das nur früher geahnt, was er heute wußte, niemals würde es soweit gekommen sein. Wenn es auch jetzt verhältnismäßig gut mit ihm stand, so daß er die Augen noch nicht niederzuschlagen brauchte, falls ihn der alte Eistedt nach seinem Vermögen fragte, so bedeutete doch das, was er heute sein eigen nannte, eine verschwindend kleine Bagatelle im Vergleich zu dem damaligen enormen Reichtum seiner Vorfahren. .
Rolf mußte unwillkürlich wieder an den verschwundenen Schatz denken, an dessen Existenz er nach und
Aufmersamkeit in Anspruch genommen. Die mehr« tägigen Kämpfe der Partei der Nationalisten gegen den Schah und seine Truppen in der Hauptstadt Teheran haben zu einer folgenschweren Umwälzung geführt. Der Schah Mohammed Ali hat abgedankt und sich unter den Schutz Rußlands und Englands gestellt. Welches Schicksal dem gestürzten Herrscher zuteil werden wird, läßt sich noch nicht übersehen. Rußland hat ihn offenbar fallen lassen, und England war stets auf der Seite der Verfaffungskämpfer in Persien zu finden, es hat also noch weniger Interesse daran, ihn zu schützen, als die Petersburger Regierung. An seiner Stelle hat ein Kind den persischen Thron bestiegen, Achmed Mirza, der älteste dreizehnjährige Sohn des entthronten Herrschers, und wird nunmehr nicht mehr den Titel „Schah", sondern „Sultan" führen. An seiner Statt führt bis zu seiner Volljährigkeit Azad ül Mulk die Regentschaft, dem in der Person des Führers der Nationalisten Siparhdar ein energischer und kluger Kriegsminister und Gouverneur von Teheran als Stütze und vielleicht auch als Aufseher untergeordnet worden ist. Das ganze Vorgehen und Verhalten der Nationalisten erinnert lebhaft an die Haltung der Jungtürken bei der jüngsten politischen Umwälzung in Konstantinopel. An den einzelnen Zügen erkennt man deutlich, wer die Lehrmeister der Nationalisten waren. Die Frage ist jetzt, ob sie auch in Zukunft die gleiche Mäßigung und Klugheit und vor allem die gleiche Kraft beweisen werden, mit der die Jungtürken das neue Regime stützten und befestigen.
In Frankreich hat die Deputiertenkammer noch kurz vor ihrem Eintritt in die Ferien den Sturz des Kabinetts Clemenceau herbeigeführt; den alten Minister« stürzer hat nun selbst das Schicksal ereilt. In der gesamten Pariser Presse spiegelt sich die Ueberraschung wider, die der Sturz Clemenceau hervorgerufen hat, dessen Stellung gerade infolge der jüngsten Kammer« abstimmuug, insbesondere nach der Debatte über die allgemeine Politik, von neuem als sehr fest angesehen worden war. Vielfach wird erklärt, daß Clemenceau durch seine Bemerkung über die Demütigung von Al- geciras, mit der er die Angriffe seines alten Gegners Delcaffö zurückzuweisen versuchte, das patriotische Gefühl der Kammer verletzt und dadurch seinen Sturz selbst herbeigeführt habe. Fast drei Jahre hat das Kabinett Clemenceau die Geschicke Frankreichs gelenkt, und zweifellos hat unter ihm das Prestige Frankreichs gewonnen. Es hat den Kampf um Marokko auf einen
nach zu zweifeln anfing. Trotzdem er das bewußte Papier mit der noch schwach erkennbaren Aufschrift „Schlüssel" unzählige Mal in der Hand gehabt und nach einem Weg gesucht hatte, den Schlüssel zur Anwendung bringen zu können, war es ihm bisher ein Geheimnis geblieben.
Bei diesem Nachdenken achtete Rolf gar nicht darauf, daß er seine Zigarre in die Nähe von Papieren gelegt hatte. Dieselben waren ins Glimmen geraten und eine" kleine Rauchwolke stieg bereits aus dem leicht brennbaren Stoff. Schnell unterdrückte er die entstehende Flamme.
Mit einem Mal röteten sich seine noch immer infolge der überstandenen Krankheit etwas bleichen Gesichtszüge, und wie ungläubig schaute er auf den kleinen Papierfetzen, mit dem er sich eben in Gedanken beschäftigt hatte. Durch den Brand war der Zettel allerdings zur Hälfte vernichtet worden, der andere Teil aber wies bräunliche, deutlich erkennbare Buchstaben auf. MitbebendenHänden griff er danach, während er aufgeregt murmelte: „Der Schlüssel!.. Derselbe war also mit geheimer Tinte geschrieben!.. Wer hätte das gedacht'!"
Der Zettel enthielt die Worte:
den Mau- o im Nord- sogenannte chlein einund gehe genau
sei / ' wanzig Schritte
chten Wasser A Süden zu. Dort nem großen Stein an alles finden.
In höchster Erregung sprang Rolf auf.
„Gefunden! Gefunden!" rief er laut, von einer gewaltigen Freude erfüllt. 160,18