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mit amtlichem Areisblatt.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 59.

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finden in der Schlüchterner «1Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auslage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Industrie und Landwirtschaft.

Mit seltener Deutlichkeit haben die Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten in Preußen für das Jahr 1908 den Beweis erbracht, daß eine starke, gut ge­deihende Landwirtschaft auch für die Industrie nach den verschiedensten Richtungen hin von großer Be­deutung ist.

Das Jahr 1908 brächte unserer Industrie einen Niedergang, der sich offenbar genug in der Verminderung der Gesamtzahl der industriellen Arbeiter um mehr als 50000 ausdrückt, und der für eine ganze Reihe von Industriezweigen geradezu gefahrdrohend wurde. Aus den Berichten der Gewerbeinspektoren läßt sich nun erkennen, daß die Ungunst der Geschäftslage in den eigentlichen Industriezentren am unheilvollsten gewirkt hat, während sie sich in jenen Bezirken, die neben der Industrie noch eine ausgedehntere Landwirtschaft auf­weisen, weit weniger bemerkbar gemacht hat.

Neben dieser allgemeinen Wahrnehmung bieten die Berichte der Gewerbeaufsichtsbeamten für das ver­gangene Jahr aber auch direkte Belege für die der Industrie aus dem Gedeihen der Landwirtschaft er­wachsenden Vorteile. Fast der einzige Industriezweig, der auch im letzten Jahre einen guten Geschäftsgang zu verzeichnen hatte, war die Maschinenfabrikation Während in fast allen andern Branchen eine Ein­schränkung der Produktion infolge Fehlens von Auf­trägen Platz greifen mußte, die vielfach zu Verkürzungen der Arbeitszeit oder gar zu Arbeiterentlassungen führte, war die Maschinenindustrie nicht nur vollauf beschäftigt, sondern mußte in verschiedenen Aufsichtsbezirken, so in Bromberg, Liegnitz und anderswo über Mangel an Arbeitern klagen. Daß bei dieser im Vergleich zu andern Industriezweigen guten Geschäftslage der Maschinen­

Der Totensee.

Roman von Martin Wehrau. 49

Er selbst gab den Befehl, Rolf in das Gastzimmer zu schaffen und es ihm an nichts fehlen zu lassen. Dann ging er in sein Arbeitszimmer und schloß sich ein.

Einem Fache des Schreibtisches entnahm er ein kleines Oelgemälde, das Bildnis eines Mannes in den besten Jahren, mit dem er eine gewisse Aehnlichkeit be­saß und das seinen längst verstorbenen Vater darstellte. Sinnend betrachtete er ihn eine ganze Weile.

Du weißt," flüsterte er,ich habe Deinen Befehl, Rache zu nehmen an den Helmbachs wegen der uns widerfahrenen schmachvollen Behandlung und sie mög­lichst zu vernichten bis ins letzte Glied, zäh und eifrig befolgt. Nur noch wenige Wochen vielleicht, und ich hätte mein Ziel erreicht. Nun ist es zu Ende, ein Hö­herer hat mir die Waffe aus der Hand gewunden. Ich kann unmöglich mehr einen Feind in dem sehen, der sein eigenes Leben für meinen Sohn eingesetzt hat und dem mein Töchterchen in solcher Liebe ergeben ist."

Düster starrte er vor sich hin. Diese Stunde, an wel­cher er die Vergangenheit an sich vorüberziehen ließ, wurde zu der bittersten seines ganzen Lebens. Er er­kannte jetzt den Charakter seines blinden Hasses, dessen Schale er über einen völlig Unschuldigen ausgegossen hatte. Wie hatte er ihn nicht gehegt und gepflegt gleich einem Ideal. Ihm gegenüber traten alle Bestrebungen und Neigungen völlig in den Hintergrund. Und jetzt sah er ein, dieses häßliche Gefühl war ein Verbrechen ge­wesen.

Wieder blickte er auf das Bild und seine Augen nah­men einen feuchten Glanz an.

Auch Du würdest gewiß an meiner Stelle das Gleiche tun und die Vergangenheit ruhen lassen. Der dort oben bat es anders gefügt, als wir es in unserm armseligen Menschenverstände planten. Und es ist gut so; was wir

Samstag, den 24. Juli 1909

60. Jahrgang.

S

industrie unsere Landwirtschaft als Abnehmerin eine wesentliche Rolle spielt, braucht nicht erst besonders be­tont zu werden. Der Bericht des Gewerberats für den Regierungsbezirk Erfurt bemerkt ausdrücklich, daß für Handel und Industrie der Umstand von Bedeutung gewesen sei, daß die Kaufkraft der landwirtschaftlichen Bevölkerung unverändert hoch blieb. Der Bericht für den Regierungsbezirk Danzig betont, daßinfolge der durchweg guten Ernte" einige Gewerbezweige trotz der im allgemeinen recht ungünstigen Geschäftslage ziemlich gut beschäftigt gewesen seien. Ohne Zweifel ist es interessant, und lehrreich, diesem Zusammenhänge zwischen Industrie und Landwirtschaft nachzugehen.

Auch nach einer andern Richtung hin hat sich im vergangenen Jahre die verhältnismäßig günstige Lage unserer Landwirtschaft als von wohltätigem Einflüsse für die notleidende Industrie erwiesen. Die Landwirt­schaft war imstande, wenigstens einen Teil der Industrie­arbeiter, für die es keine Beschäftigung in ihrem Berufe gab, aufzunehmen. Es wird das von dem Bericht für den Regierungsbezirk Erfurt besonders hervorgehoben. In manchem anderen Bezirk hat zweifellos die gleiche Lage obgewaltet. So darf nach dem Zeugnis der Gewerbeinspektoren die Landwirtschaft als starker Rückhalt für die Industrie betrachtet werden, eine Tatsache, die von den Vertretern unserer Land­wirtschaft den Angriffen von industriell-freihändlerischer Seite auf die letztere längst entgegengehalten worden ist unter entschiedener Betonung der Wichtigkeit des Jnlandmarktes gerade in Zeiten stockenden Absatzes im Auslande.

Deutsches Reich.

Kiel. DieHohenzollern" mit Kaiser Wilhelm am Bord, hat am vergangenen Sonntag früh 4 Uhr die Nordlandsreise angetreten. Der KreuzerHamburg" und das DepeschenbootSleipner" begleiteten die Hohenzollern".

Bergen. König Haakon startete am Dienstag morgen dem Deutschen Kaiser an Bord derHohenzollern" einen Besuch ab, den der Kaiser bald darauf erwiderte. Um 1 Uhr ' gingen die Majestäten an Land. Um 2 Uhr gab der König zu Ehren des Kaisers auf Floien bei Bergen ein Frühstück. Bei der heutigen Früh­stückstafel auf Floeien wünschte König Haakon in einer kurzen Ansprache Kaiser Wilhelm einen ange­nehmen Aufenthalt in Norwegen und trank auf das Wohl seines Gastes und der kaiserlichen Familie. Der

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niedrigen Staubgeborenen auch sinnen und trachten, einer ist über uns, der alles fügt nach seinem Willen. Deshalb noch einmal: jener Tag der Schande soll aus­getilgt sein aus meinem Gedächtnis, denn der Enkel hat die großväterliche Schuld mit seinem Blute ab­gewaschen .. wir sind quitt.

Eistedt erhob sich und begab sich nach dem Kranken­zimmer. Seine Züge verloren ihre bisherigeHerbheit und Strenge und ein liebes, wohlwollendes Lächeln nahm daraus Platz.

Von Doktor Kanth, der sich bereits mit dem Ver­letzten beschäftigte, erfuhr er, daß die Wunde zwar eine längere Behandlung nötig machen würde, daß aber wei­tere Gefahr nicht vorhanden sei, weil glücklicherweise edle^Teile nicht verletzt wären.Das Messer war an einer Rippe seitwärts abgeglitten und hatte nur einen großen Fleischschnitt verursacht.

Rolf öffnete die Augen, wie Eistedt zu ihm hintrat und betrachtete ängstlich den Mann, welcher ihn und seine Ahnen die vielen Jahre mit solch unerbittlicher Rachsucht verfolgt hatte.

Zu seinem freudigen Erstaunen aber ergriff jener seine Hand und drückte sie herzlich. Dann sprach er mit leicht vibrierender Stimme:Ich habe Ihnen man­ches abzubitten, Herr Graf. Doch das lassen wir wohl bis später. Heute möchte ich Ihnen nur meinen tief­empfundenen Dank für die Rettung meines Sohnes aus­sprechen. Sie haben Ihr Leben für ihn eingesetzt und das vergesse ich Ihnen nicht. Sie werden das wohl später merken. Vorerst," sagte er lächelnd,lassen Sie sich von Charlotte gesund pflegen. Ich hoffe, ihre An­wesenheit wird von gutem Einfluß auf Ihre Genesung sein. Sie ist eine vorzügliche Krankenwärterin, das gute Mädchen."

Mit freundlichem Kopfnicken verschwand er und ließ ein sich wie verzückt anstarrendes Paar zurück, das im ersten Augenblick gar nicht an sein Glück zu glauben wagte.

SA

Kaiser dankte für den gastfreien Empfang und sprach die besten Wünsche für Norwegen und das Königshaus aus. Heute abend fand an Bord derHohen­zollern" ein Diner statt, zu dem außer dem König Haakon und seiner näheren Umgebung auch Staats­minister Michelsen und Konsul Mohr geladen waren.

Fürst und Fürstin Bülow sind Mittwoch mittag, von den Badegästen lebhaft begrüßt, in Norderney eingetroffen.

Jetzt, wo die Besteuerung der Dividenden und Couponbogen unabwendbar geworden ist, rüstet man sich auf allen Seiten zur Abwehr. Bekanntlich soll die Besteuerung der Talons nach den jetzigen Vorschlägen am 1. August 1909 einsetzen. Diejenigen Bogen, welche vor dem 1. August umgetauscht worden sind, bleiben frei für die nächsten zehn Jahre. Von allen anderen Effektenbesitzern aber, die erst nach dem 1. August den Umtausch vornehmen, wird die Steuer mit 1 % für den zehnjährigen Zeitraum erhoben.

Wie nicht allgemein bekannt sein wird, liegt für die Kaiserliche Marine laufend ein großer Bedarf an Maschinenpersonal vor, weshalb z. B. die I. Werft­division im Oktober dieses und im Januar nächsten Jahres Freiwillige für die Maschinistenlaufbahn ein- stellt. Die Bewerber müssen Mindens 18 Jahre alt sein und Zeugnisse über eine dreijährige Lehrzeit als Elektriker, Kesselschmied, Dreher, Kupferschmied, Klemp­ner oder Schlosser aufweisen können. Für geeignete Kapitulanten sind die Beförderungs- und sonstigen Verhältnisse besonders günstig. Mit dem die Laufbahn abschließenden Dienstgrad des Deck- bezw. Oberdeck­offiziers wird Pensionsberechtigung erlangt. Einstellungs­gesuche sind unter Beifügung der Lehrzeugnisse und eines vom Zivilvörsitzenden der Ersatzkommission aus­gestellten Meldescheins an die 2. Abteilung der I. Werft­division in Kiel zu richten.

Zum 1. Oktober dieses Jahres wird der Reichs­invalidenfonds völlig aufgelöst werden. Die bisher von der Verwaltung des Reichsinvalidenfonds in An­spruch genommenen Räumlichkeiten gehen in die Be­nutzung des Reichsjustizamtes über. Der Präsident des Reichsinvalidenfonds Geheimrat Plath tritt in den Ruhestand. Die verbleibenden Beamten werden vom Reichsschatzamte übernommen, in dessen Verwaltung der Rest des Reichsinvalidenfonds übergeht.

Aus Oberschlejim wird derSchlesischen Zeitung" über die Wirkungen des Vereinsgesetzes geschrieben; Die Voraussagen, daß das Reichsvereinsgesetz zur

Nach einigen Tagen schon konnte Rolf nach Ilme­nau transportiert werden. Zwar schien er noch immer schwach und hinfällig, er konnte jedoch, im Armstuhl sitzend, wenigstens seine Anordnungen treffen. Der alte Iahn war glücklich darüber, so vermochte ihn wenig­stensder alte Giftmischer", wie er sich ausdrückte, nicht doch noch vom Leben zum Tode zu befördern.

Rolf verbot ihm dieses Reden, doch gelang es ihm nicht, ein Lächeln zu unterdrücken, wie er daran dachte, daß ihm Eistedt bereits die Hand Charlottes zugesagt.

Reden Sie nicht solche Dummheiten, Iahn. Der alte Familienstreit ist begraben. Ich danke jenem Men­schen eigentlich für den Messerstich, Er war ja die Ur­sache zu dem geschehenen Guten. Jedenfalls sind Herr von Eistedt und ich jetzt die allerbesten Freunde."

Iahn schnitt ein Gesicht, als habe er Essig getrun­ken, jedoch enthielt er sich aus Respekt jeder Aeußerung. Nur beim Hinausgehen murmelte ergrämlich:Freunde? Ich danke für solche Freundschaft! Wie kann der Kater der Freund einer Taube sein!"

Sofort nach der erfolgten stillschweigenden Aussöh­nung schrieb Eistedt an Schröpfer und Reichel, welche er um das persönliche Ueberbringen der bewußten zwei Wechsel ersuchte.

Am nächsten Tage erschienen sie denn auch verwun­dert.

Haben Sie die Papiere mitgebracht?" forschte Ei­stedt.

Jawohl, Herr Baron," erklang es doppelstimmig. Der zu fünfzehntausend ist aber erst morgen fällig/' glaubte Schröpfer erinnern zu müssen.

Ach, was Sie sagen!" kam es spöttisch aus dem Munde des Alten.Sie stecken sich doch eine Zigarre an?" meinte er anscheinend ganz unvermittelt.

Beide bejahten. Zu dieser Ehre kamen sie nur selten. Der Gutsherr zündete nun ein Licht an, ergriff zum Entsetzen der Wucherer die ihm überreichten Wechsel und setzte sie in Brand. 160,18