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1886 Landrat des Kreises Ober-Barnim. 1890 wurde er von seinem heimatlichen Kreise in den Reichstag ge­wählt, indem er sich der Reichspartei anschloß. Nach kurzer Zeit legte er jedoch das Mandat nieder. Im Jahre 1897 wurde v. Bethmann-Hollweg zum Ober­präsidialrat, im Jahre 1899 zum Regierungpräsidenten im Bromberg und schon im Oktober desselben Jahres nach Achenbachs Tode zum Oberpräsidenten her Provinz Brandenburg ernannt. Mit dem 1. Januar 1905 er­hielt er den Charakter als Wirklicher Geheimer Rat. Am 22. März desselben Jahres wurde er an Stelle des verstorbenen Ministers v. Hammerstein znm preu­ßischen Minister ernannt. Im Juni 1907 wurde er als Nachfolger des Grafen v. Posadowski-Wehner zum Staatssekretär des Reichsamts des Innern ernannt, zugleich auch als Vertreter des Reichskanzlers zum Vize­präsidenten des preußischen Staatsministeriums.

Bei dem Abschiedsdiner im Reichskanzlerpalais, das der Fürst und die Fürstin Bülow den Beamten des Auswärtigen Amtes gaben, schloß Fürst Bülow seine an die Beamten gerichtete Ansprache mit den Worten:Ich sage Ihnen Lebewohl mit dem Wunsche und mit der Zuversicht, daß das Auswärtige Amt, den Blick gerichtet auf die mahnende Gestalt des größten deutschen Mannes, des ersten deutschen Reichskanzlers der ihm seinen Stempel aufgedrückt hat, stets auf den! Posten bleiben wird für Deutschlands Interessen, für Ehre und Wohlfahrt unseres Volkes, für Kaiser und Reich."

Holländische Spezialkommission an Kaiser Wilhelm. Die Königin Wilhelmine der Niederlande wird am 7. August eine Spezialkommission nach Kleve entsenden, um Kaiser Wilhelm zu begrüßen. Die Mission wird be­stehen aus dem Admiral Saveert Seelawybort, sowie dem Ordonnanzoffizier Voorst tot Borst.

Köln. Graf Zeppelin wird voraussichtlich selbst die Fahrt des LuftschiffesZeppelin II" nach Köln am 23. d. Mts. leiten. Die Besuche in Dresden und Berlin sollen mit demZeppelin III", der im August fertiggestellt sein wird, stattfinden. Die Zeppelin-Ge­sellschaft hat wiederum einen ausländischen Auftrag abgelehnt. Die türkische Armee wollte nämlich ein Zeppelinluftschiff bauen lassen. Auch französische Privat­gesellschaften haben versucht, Unterhandlungen anzu- knüpfen.

Der Bundesrat hat in seiner letzten Sitz» deni Gesetzentwurf betreffend die Finanzreform der vom Reichstage beschlossenen Fassung die Justin niung erteilt.

Die Termine für das Inkrafttreten der Steuer­gesetze sind ganz verschieden. Es werden in Kraft treten: das Brausteuergesetz am 1. August d. Js., die Bestimmungen über die Abgabenerhebung voll Bier für Rechnung von Gemeinden, die Aenderungen des Zollvereinigungsvertrages vom 8. Juli 186'« dageger erst am 1. April 1910; das Tabaksteuergesetz am 15. August 1909, bezüglich der Aenderung des Zigaretten- steuergesetzes von 1906 am 1. September 1909, das Branntweinsteuergesetz am 1. Oktober 1909; die Reichs­stempelnovelle am 1. August 1909, die Bestimmungen über den Scheckstempel am 1. Oktober 1909; die Er­höhung des Kaffee- und Teezolles am 1. August 1909, die Zündholz- und Beleuchtungssteuer am 1. Oktober 1909, desgleichen die Schaumweinsteuer.

Ausland.

Der deutsch-venezolanische Handelsvertrag ist, wie aus Caracas gemeldet wird, vom venezolanische! Senat in den erforderlichen drei Lesungen angenommen worden, ebenso in erster Lesung von der Deputierten­kammer; die beiden weiteren Lesungen in der Deputierten­kammer werden voraussichtlich in den nächsten Tagen stattfinden.

Der Schiedsspruch des Präsidenten von Argen­tinien über das striltische Grenzgebiet zwischen Peru und Bolivien ist zugunsten Perus ausgefallen. Aus diesem Anlaß fanden in der Hauptstadt von Bolivien Demonstrationen gegen die argentinische Gesandtschaft statt. Nach einer weiteren Meldung aus La Paz dauern die Unruhen fort. Die Gesandtschaften von Peru und Argentinien wurden von neuem angegriffen. Die Bewegung breitet sich in ganz Bolivien aus. Der Präsident hat dem diplomatischen Korps mitgeteilt, ba: er die Unruhen energisch unterdrücken werde.

Eine neuerliche Meldung über die persischen Wirren besagt, daß zwischen den persischen Kosaken­truppen und den Koswiner Revolutionären ein Artillerie­gefecht in Schahabad stattgefunden hat, bei dem die Truppen aus ihrer Stellung zurückgedrängt wurden. Die Revolutionäre konnten näher an Teheran heran­rücken. Die Stadt Ardebril befindet sich in den Händen der Revolutionäre, welche die Einwohner terrorisieren. Der Gouverneur ist machtlos. In der Umgegend der Stadt hausen Schachsiwenen, welche rauben und morden. Der Frachtverkehr auf den Landstraßen ist eingestellt. Die Bevölkerung ist der Möglichkeit beraubt, die Ernte einzubringen, wodurch dem ganzen Bezirk eine Hungers- not droht. '

Loktürs und Provinzielles.

Schlüchtern, 16 Juli 1909.

* Die Rinderzuchtgenossenschaft Schlüchtern erhielt auf der landwirtschaftlichen Bezirkstierschau in Wolf­hagen 9 Preise.

* Am 17., 18. und 19. Juni feiert der Kreis- Kriegerverband sein diesjähriges Verbandsfest. Festort ist diesmal «Sterbsritz, dessen in den letzten Jahren besonders erstarkter Verein alles aufgeboten hat, die Kameraden würdig zu empfangen. Nach Beendigung des Morgengottesdienstes findet die zweite Abgeordneten- Versammlung dieses Jahres statt, die von allen Ver­einen des Verbandes beschickt werden muß. Der Ver­bandsvorsitzende, Herr Amtsrichter Hengsberger, wird über die Tagungen der größeren Verbände in Kirchhain und Eisenach berichten, der Schriftführer über das Kriegervereinswesen und seine Unterstützungstätigkeit im Kreise. Außerdem werden die Abgeordneten Stellung zu nehmen haben, zu wichtigen Beschlüssen des Landes­verbandes. Herr Landrat Valentiner hat sein Erscheinen zugesagt.

* Aus sicherer Quelle erfahren wir, daß der Kriegerverein Sterbfritz, dessen 25jähriges Stiftungsfest zusammen mit dem Verbandsfest des Kreis-Verbandes am 18. Juli gefeiert wird, durch Verleihung der Fahnen- schleife von Sr. Majestät dem König ausgezeichnet werden wird.

* Das Bundes'Direktorium der Deutschen Krieger- Fechtanstalt zu Berlin, hat den Polizeisergeant Mutp zu Schlüchtern, als Leiter der Krieger-Fecoischule zum Bezirks-Fechtmeister für die Waisen Deutscher Krieger ernannt und ihm das Ehrenkreuz in Gold mit der Inschrift: F. W. & V. St. (Kronprinz und Kron­prinzessin Friedrich Wilhelm und Viktoria-Stiftung) verliehen. Ferner hat der Vorstand der Krieger- Fechtanstalt die Herren Ludwig Leinberger und Heinrich Heloig zu Schlüchtern zu Fechtmeistern ernannt uno ignen das Patent, sowie das Ehrenkreuz verliehen. Wie uns mitgeteilt wird hat die erst seit Januar d. I. errichtete Fechtschule des Kriegervereins Schlüchtern für die Waisen D uffcher Krieger an die Fechtanstalt zu Berlin bis jetzt fi^on den Betrag von HO Mark ab­geliefert. Es wäre zu wünschen, wenn die übrigen Krieger-Vereine des Kreises Schlüchtern sich der Krieger-Fechtschule des Krieger-Vereins Schlüchtern anschließen würden.

* Wir verweisen auf die im amtlichen Teil ab­gedruckte Bekanntmachung des Herrn Regierungs­Präsidenten, wonach alle Anträge auf Gestaltung von Haussammlungen für das Jahr 1910 spätestens bis zum 1. August d. Js. unmittelbar bei dem Herrn Oberpräsidenten in Cassel einzureichen sind.

* Zu unserer Notiz in Nr. 56 d. Bl. betr. Brand bei der Kreisausstellung des Landwirtschaftlichen Kreis­vereins Fulda wird uns vom Arbeitsausschuß geschrieben: Der in Rede stehende Brand berührt selbstverständlich die Ausstellungskasse in keiner Weise, ist vielmehr eine reine Privatangelegenheit des Beptzers des Theaters. Uebrigens war ebenso selbstverständlich das Ausstellungs­unternehmen gegen Haftpflicht, Feuersgeiayr und Dieostahl in weitgehender Weise versichert. Desgleichen waren alle Ausstellungsbesucher g^gen die Folgen etwaiger körperl. Unfälle innerhalb des Ausstellungs« gebietes versichert.

* Zwei-Markstücke mit Fehlgepräge. Soeben ist aus der Kgl. Münze eine größere Anzahl von Zwei- Markstücken gekommen, die bald eine große Seltenheit und ein begebrtes Objekt für Münzensammler bilden werden. Es gilb dies Münzen mit eigenartigem Fehl- gepräge. Die Geldstücke zeigen auf der Vorderseite zwischen Umschrift und Rand einen glatten Streifen, der von der BezeichnungWilhelm Deutscher Kaiser König von Preußen" das Wort Kaiser und König fast ganz verdeckt, sodaß nur noch Wilhelm II. von Preußen dasieht. Die seltenen Münzen zeigen das Münzen- zeichen A und sonderbarerweise die Jahreszahl 1905. Sie haben also schon 4 Jahre gelegen, bevor sie zur Ausgabe gelangt sind.

* Ernannt: die Forstaufseher Falk zu Soden, Oberförsterei Salmünster, und Wagener zu Jossa, Oberförsterei Marjoß, vom 1. Juli d. Js. ab zu Förstern o. R-

* Nach Mitteilung des Statistischen Amtes ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit der letzten Volkszählung poli­zeilich gemeldeten Zu- und Abwanderungen, sowie des entsprechenden Ueberschusses der Geburten über die Sterbefälle am 1. Juli 1909 mit rund 366,203 an« zunehmen.

* An der Goetheschule Offenbach a. M. (militär- berechtigte Privat-Real- und Handelsschule) unterrichteten im Schuljahre 1908/09 22 Lehrer. Die Schülerzahl betrug am Jahresschluß 325. Die Anstalt umfaßt zur Zeit 11 Realschul« und 3 Vorschulklaffen. Die Klaffen 5 U II wurden ichParallelklaffen unterrichtet. Ostern 1909 erlangten 26 Abiturienten das Zeugnis der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig­freiwilligen Militärdienst. (Die drei obersten Klassen erhalten Unterricht im kaufmännischen Rechnen, in der Handelskorrespondenz und Buchführung.) Das mit der Schule verbundene Pensionat zählte im letzten Schuljahre 42 Zöglinge. Die Pensionäre schlafen zu 1, 2, 3, 4 oder 5 in" einem Zimmer und nicht in einem Schlafsaal. Alle Arbeiten werden unter Auf­sicht der Lehrer in den für alle Klassen eingerichteten Arbeitsstunden in der Anstalt selbst angefertigt. Die Versetzung erfolgt zu Ostern.

* Seit dem 1, Januar 1909 fanden in dem Kre­

matorium zu Offenbach 115 Einäscherungen statt, wo«' von 24 auf Offenbach entfallen. Frankfurt ist mit 74 Darmstadt mit 6, Hanau mit 3, Marburg mit 2 und Wiesbaden, Homburg v. d. H., Aschaffenburg, Würz- burg und Braunschweig mit je einer Einäscherung be­teiligt. i

* Die Hundesperre wurde vom Kreisamt Offeubaü über Offenbach, Bürgel, Rumpenheim, Mühlheiip, Dietesheim, Bieber, Lämmerspiel, Hausen, Oberts-^ Hausen, Heusenstamm, Rembrücken, Neu-Dsenburg, Sprendlingen, Buchschlag, Langen, Dreieichenhaw Götzenhain, Philippseich, Dietzenbach, Offenthal und Egelsbach verhängt.

* Ein Schwalmer Volkstrachtenfest ist ant 18. und 19. Juli in Schrccksbach an der Schalm geplant.

* Lauterbach. Der hiesige Gewerbeverein und bit hiesige Webschule haben gemeinfcbaftlid) die Erbauung einer Web- und Handwerkerschule beschlossen. Mit der Ausführung wird in den ersten Tagen begonnen.

* Mit Zustimmung des Kreisauschusses ist für den Kreis Ziegcnhain eine Verordnung erlassen worden, nach der junge Leute vor vollendetem 17. Lebensjahre die Gast- und Schankwirtschaften, sowie andere Ver­kaufsstellen von geistigen Getränken nur in Begleitung der Eltern bezw. deren Stellvertreter besuchen dürfen. : Ausgenommen sind diejenigen jungen Leute in dem angegebenen Alter, welche nur auf der Durchreise sich aufhalten.

* Glück beim Fischen hatte dieser Tage der Fischerei­pächter Schw. von Cassel, der einen Hecht im Gewichte von 14 Pfd. in der Fulda zwischen Dennhausen und Dittershausen fing. Im Eingeweide des Fisches fand man neben einer Anzahl kleiner Fische einen wertvollen goldenen Ring. Das Alter des Fisches wird auf zehr bis zwölf Jayre geschätzt.

Permischtes.

In Münchhausen im Dilltale mußte vor einigen Wochen der Hund des Schäfers wegen Tollwut getötet werden. Jetzt sind auch 4 Kühe, die von dem Hunde gebissen wurden, eingegangen.

Die Stadt Hckvburghausen ist Universalerbin des auf ca. 233003 Mk. geschätzten Vermögens der verstorbenen Eheleute Gadow geworden. Nach Abzug der Steuern und sonstigen Abgaben sollen 80300 Mark zum Bau einer Bürgerschule Verwendung finden und der Rest zu einerGadow-Stiftung" angelegt werden.

Von den beteiligten Kreisen ist endgültig be­stimmt worden, daß die in Gotha zu errichtende Lust- schiffsalle in solchem Maße gebaut werden soll, daß auch Luftschiffe von den Größenverhältnissen des Zeppelin" darin Unterkunft finden können. Mit dieser Entscheidung ist die leidige Streitfrage entgüldig er­ledigt. Die Mittel zum Bau werden durch private Zeichnungen aufgebracht werden. Bisher sind ungefähr 10OCO0 Mk für diesen Zweck gesammelt worden.

Auf dem Mariplatz in Friedrichshafen wird zurzeit ein Zeppelindenkmal aufgestellt, das der Mün­chener Bildhauer Diamant angeferngt hat. Auf einer reich ornamentierten Mittelsäule ruht eine Weltkugel auf welcher ein Knabe steht, der ein vergoldetes Luft schiff trägt.

München. Schneefälle im bayrischen Oberlande sind am Freikag nach dem Wetterstürze in der Schweiz mehrfach eingetreten, so in Garmisch und in Parten« kirchen. Die Temperatur ist überall sehr niedrig, hier beträgt sie nur 5 Grad. Das Wetter ist regnerisch und naßkalt.

Ein Landwirt in Frauensee wurde vor einigen Tagen durch das furchtbare Brüllen eines jungen Ochsen erschreckt. Als er nach dessen Ursache sah, fand er, daß das Tier mit einem Auge in einen ober­halb der Krippe befindlichen großen Nagel gerannt war, an welchem nicht allein das Auge des Tieres, sondern auch ein Stück des Schädelknächens hängen geblieben war.

Petersburg. Seit Donnerstag sind 107 Neu- erkrankungen und 53 Todesfälle an Cholera zu ver­zeichnen. Die Zahl der Erkrankten beträgt jetzt 721.

Mailand. Ein außerordentlich starker Wirbel­sturm, der Mittwoch in Venetien gewütet hat, zerstörte- vielfach auch die telegraphischen Verbindungen, sodaß erst am Freitag die Hiobsnachrichten über den ent« standenen Schaden einlaufen. Viele Häuser wurden zerstört, hundertjährige Bäume ausgerissen und der Feldschaden darf auf mehr als eine Million Lire an« genommen werden. Viele Familien sind obdachlos geworden.

Breslau. Neun Personen vom Blitz getötet. In Berthelsdorf fuhr ein Blitzstrahl zwischen eine Anzahl Kinder, die sich auf einer Wiese befanden. Ein 12jähriger Knabe wurde getötet, die übrigen Kinder wurden betäubt. In den legten fünf Tagen wurden in Schlesien neun Menschen vom Blitz erschlagen.

Professor Pfannenstiel, Direktor der königlichen Frauenklinik in Kiel, ist am Samstag Nacht infolge Blutvergiftung gestorben. Bei einer Operation in der Frauenklinik hatte sich der Professor infiziert.

Lügen haben kurze Beine. Ein Soldat, der mit seiner Liebsten spazieren geht, begegnet seinem Sergeanten und stellt ihm das Mädchen mit den Worten vor:Meine Schwester, Herr Sergeant." Ja, ja, ich weiß," antwortete dieser,sie war auch mal meine".