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mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

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SchMchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

Incanato finden in der Schlüchterner Ill3v! Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Zur Lage.

Nach der großen Bewegung, die für eine baldige und gründliche Reform der Reichsfinanzen durch das deutsche Volk ging, hätte man erwarten sollen, daß nun­mehr nach der Bewilligung von 500 Millionen Mark neuer Steuern durch den Reichstag ein allgemeines Ge­fühl der Genugtuung und Freude herrschen würde. Da ist nun leider nirgends der Fall mit Ausnahme viel­leicht der Kreise, die zur Zentrumspartei halten. Mann darf sogar behaupten, daß sich in den Volkskreisen, die von Anfang an am lebhaftesten für ganze Arbeit im nationalenJnteresse eingetreten waren, ein gewisses Miß­behagen zeigt.

Die Gründe hierfür liegen zum Teil an dem Werke selbst, so wie es zustande gekommen ist, zum andern Teil von der neuen politischen Konstellation, die sich im Ver­laufe der Verhandlungen herausgebildet hat. Die Reform ist nur quan Italic genügend, nach ihrer Beschaffenheit aber mangelhaft ausgefallen. Jnbesondere ist die dringend erwünschte feste Abgrenzung der Finanzen des Reichs und der Einzelstaaten nicht erreicht worden, das Uebel der Matrikularbeiträge, des Rückgriffs auf br Leistungen der Bundesregierungen zur Bilanzierung des Reichshaushaltes, besteht fors Noch mehr Verdruß bereitet aber die Tatsach', daß das Zentrum mit seinem politischen Anhang wieder in eine maßgebende Stellung im Reichstag eingerückt ist Dazu kommt, daß die Art und Weise, wie die Reichsfinanzreform gelöst wurde, zum Rücktritt des Reichskanzlers geführt hat. Gerade die Landwirtschaft hat alle Ursache, die Tatsache zu bedauern; denn darüber, daß Fürst Bülow mehr für die Land­wirtschaft getan hat als irgend ein Kanzler vor ihm und nach menschlichem Ermessen wohl auch mehr, als irgend ein Kanzler nach ihm für die Landwirtschaft tun

Der Hotensee.

Roman von Martin Wehran.

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Wie der Blitz fuhr der Mann herum und faßte nach seinem Gewehr, wie er die in spöttischem Tone hervorge­stoßenen Worte hörte:Sie brauchen wohl einen Braten zum nächsten Sonntag, mein Lieber. Es tut mir leid, daß ich Ihnen den Bock nehmen muß, denn ich habe mich selber auf ihn verspitzt. Gewehr ab, sage ich, oder ich schieße."

Der Wilderer sah die auf sich gerichtete Büchse und erhob sich zähneknirschend. Das Gewehr ließ er liegen. Gesenkten Hauptes stand er vor Willi, welcher die Waffe hatte sinken lassen, als er bemerkte, wie jener wie ver­zweifelt vor sich hinstarrte. Der war jetzt kaum mehr zu fürchten.

Plötzlich nahm der Ertappte einen mächtigen Satz und stürzte sich auf den völlig überraschten Jagdherrn, dem es nicht mehr gelang, die Flinte an die Backe zu reißen. Die Schüsse lösten sich, ohne irgend einen , Schaden zu verursachen, aus den Läufen.

So, jetzt bist Du mein," frohlockte der Wilderer, jetzt wird Dich niemand mehr retten, mein Bürsch- chen."

Damit faßte er Willi am Hals und schnürte ihm die Kehle zu, während er mit dem aufgeklappten Jagd­messer zum Stoß ausholte. Der Angegriffene sah den Tod vor Augen. Zwar versuchte er zu schreien, doch entrang sich nur ein röchelndes Stöhnen seinem Munde.

Ehe der Wilderer noch zustoßen konnte, erhielt er plötzlich einen heftigen Kolbenhieb über den Hinterkopf, der ihn aber nur für einen Augenblick betäubte. Schnell wendete er sodann den Kopf und gewahrte einen zwei­ten Jäger, der eben das Gewehr zum neuen Schlage ausholte. t ., .

Ihr sollt mich nicht bekommen, Ihr Hunde, sehne er, machte einen Seitensprung, um nicht von dem näch­

Samstag, den 17. Juli 1909

60. Jahrgang.

wird, kann kein Zweifel bestehen. Die zahlreichen und beredten Kundgebungen aus landwirtschaftlichen Kreisen beweisen, daß die Tatsache auch anerkannt und empfunden wird.

Wenn auch nach alledem das Mißbehagen, das weite Kreise des deutschen Volkes trotz der schließlichen Er­ledigung der Reichsfinanzreform ergriffen hat, sehr ver­ständlich ist, so hat es doch keinen Zweck, nun übler Laune zu sein und den Kopf hängen zu lassen. Im Gegen­teil : es muß weitergearbeitet werden, um die Ursachen, des gegenwärtigen Mißbehagens, soweit dies möglich ist, zu entfernen. Es muß auf der einen Seite dahin gearbeitet werden, daß die Regelung der Reichsfinanz­reform qualitativ noch verbesfert wird, das insbesondere das finanzielle Verhältnis des Reiches zu den Einzel­staaten endgültig festgelegt wird, und auf der anderen Seite, daß durch die Möglichkeit wechselnder Mehr- Heitsbildungen im Reichstage der Gefahr einer aber­maligen Vorherrschaft des Zentrums vorgebeugt werde.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie Prinz Joachim von Preußen und Prinzessin Viktoria Luise sind Mittwoch früh 8 Uhr in Berlin eingetroffen.

Berlin. Der Kaiser empfing am Mittwoch morgen im königlichen Schloß den Chef des Zivilkabinetts v. Valentini.

Berlin. Der Kaiser empfing am Mittwoch vor- i ittag 10/a Uhr den Fürsten Bülow, darauf den zum Reichskanzler ernannten Schatzsekretär von Bethmann- ^ollweg. Darauf empfing der Kaiser die Gesandten wn Bayern, Sachsen und Württemberg und sodann oen neuernannten Staatssekretär des Innern Delbrück, uen Staatssekretär oes Reichsschatzamts Wermuth, den Kultusminister Trott zu Solz und den Handelsminister Sydow.

Prinz Oskar von Preußen wird nachdem er Ende dieses Monats seine Studien in Bonn beendigt hat, dem­nächst zum prakttschen Dienst in das Erste Garde-Regi­ment z. F. eintreten, wie es auch seine Brüder, der Kronprinz und Prinz Eiiel-Friedrich, getan haben; nur Prinz August Wilhelm hat bekanntlich nach beendetem Studium in Straßburg i. E. sich weiter den juristischen Wissenschaften gewidmet, um in Bälde seine Referendar­prüfung abzulegen.

Der Reichstag erledigte am Sonnabend die dritte Lesung der Reichsfinanzreform, die damit nach den Be­schlüssen der neuen Mehrheit zustande gekommen ist. Namens der verbündeten Regierungen erklärte gleich

sten Kolbenhieb getroffen zu werden, und sprang dann wie ein Tiger auf den Angreifer zu, dem er mit furcht­barer Gewalt die lange Klinge in die Brust jagte. Dann sprang er davon, wie von Furien gejagt. Der Ge­troffene aber sank mit einem kurzen Wehlaut zusammen.

Willi hatte mit vor Aufregung zitternden Händen eine neue Patrone in einen Lauf geschoben und schoß dieselbe hinter dem Fliehenden ab. Er konnte nicht sehen, ob er ihn verletzte, denn dieser setzte ununterbrochen seine Flucht fort.

'Hierauf trat der einem fast sicheren Tode Entrissene zu seinem Retter, der schweratmend am Boden lag. Sein Blut erstarrte zu Eis, wie er in demselben den Grafen Helmbach erkannte.

Mein Gott, mein Gott.." brächte er nur hervor.

Rolf war ebenfalls auf dem Anstand gewesen, ohne jedoch etwas zu schießen, und befand sich gerade auf dem Heimweg, wie er die Schüsse und lauten Wort­wechsel vernahm. Nichts Gutes ahnend, blickte er durch das Glas nach der Stelle hin und gewahrte sofort die Situation, in welcher sich Willi befand, weshalb er so schnell, wie ihn seine Beine trugen, zur Hilfe herbei- eilte. Zwar gelang es ihm, die Gefahr von dem Haupte des Bruders der Geliebten abzuwenden, doch war er ihr selber unterlegen.

Eine kurze Zeit stand Willi ratlos am Körper des Verletzten, dann beugte er sich zu ihm nieder und ver­suchte die Kleider zu öffnen,umzuderWunde zu gelangen. Dieselben erwiesen sich als völlig mit Blut durchtränkt. Er sah ein, falls man ihm nicht schleunigst Hilfe brächte, verschied ihm der Freund unter den Händen. Schnell nahm er sein Taschentuch und preßte es auf die Stich­stelle, vielleicht half es fürs erste.

Wenn pur jemand vorbeikäme, den ich nach einer Trage schicken könnte," dachte er.

Schließlich entschloß er sich, selbst zu gehen. Jede ver­säumte Minute brächte die Gefahr einer Verblutung nur näher. Flüchtigen Fußes drängte er durch das Ge­

zu Anfang der Sitzung Staatssekretär von Bethmann- Hollweg, daß die verbündeten Regierungen die Steuer­vorlagen des Reichstages annehmen werden. Der Reichs­finanznot müsse ein Ende bereitet werden. Diese For­derung wiege schwerer als die Mängel, der von der Reichstagsmehrheit gebotenen Finanzreform anhafteten. Die darauf folgende Debatte brächte nichts Neues mehr, und es wurden schließlich sämtliche Steuervor­lagen nach dem Anträge der Mehrheitsparteien ange­nommen. Am Montag wurde die zweite Lesung des Beamtenbesoldungsgesetzes erledigt. Im Namen der verbündeten Regierungen wiesen Reichsschatzsekretär Dr. Sydow und der preußische Finanzminister Frhr. von Rheinbaben in wiederholten Reden darauf hin, daß man regierungsseitig bis zu den äußersten Grenzen des Ent­gegenkommens gegangen sei. Die weitergehenden For­derungen aus den Kreisen der Abgeordneten seien unausführbar, weil die Rücksichtnahme auf die schlechten Finanzen der Einzelstaaten und oer Kommunen und auf die wirtschaftliche Depression jede weitere Ausgabe für Beamtenbesoldungen verbiete. Sollte das Haus trotzdem weitergehende Beschlüsse fassen, so wäre die ganze Vorlage für die verbündeten Regierungen unan­nehmbar. Trotzdem wurden einige Gehaltssätze über die Kompromißbeschlüffe der Kommission hinaus er­höht. Zum Schluß wurde die zweite Beratung des Gesetzentwurfes wegen Aenderung des Schankgefäßgesetzes beendet.

. Eine Extraausgabe des Reichsanzeigers gibt be kannt: die nachgesuchte Entlassung des Fürsten Bülow unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens mit Bril­lanten, die Ernennung des bisherigen Staatsekretärs des Innern v. Bethmann-Hollweg zum Reichskanzler, Präsidenten des Staatsministeriums und Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, ferner die Ernennung des Staatsministers Delbrück zum Staatssekretär des Innern, ferner des Staatssekretärs Sydow zum Handelsminister, des Unterstaatssekretärs Wermuth zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes; ferner die nachgesuchte Ent­lassung des Kultusministers Holle und Ernennung des Oberpräsidenten von Brandenburg, von Trott zu Solz, zum Kultusminister, und schließlich die Ernennung des Unterstaatssekretärs in der Reichskanzlei v. Löbel zum Oberpräsidenten von Brandenburg.

Der neue Reichskanzler Theobald v. Bethmann- Hollweg ist am 29. November 1856 in Hohen-Finow im Kreise Ober-Barnim geboren. Von 1875 bis 1879 studierte er in Straßburg, Leipzig und Berlin die Rechte, 1885 wurde er Assessor bei der Regierung in Potsdam,

büsch und achtete garnicht auf die elastischen Zweige- welche ihm das Gesicht peitschten.

Kurz vor dem Walde hatte ein Eigenkätner sein ein­ziges, armseliges Pferd angebunden. Wie ein Hoffnungs­strahl durchzuckte es Willi bei dessen Anblick. Mit lan­gen Sätzen strebte er darauf hin und durchtrennte mit einem Schnitt die Leine. Er knotete sich einen notdürf­tigen Zaum zusammen und schwang sich dann auf die ob dieser B< Handlung ganz verdutzte Mähre, während er ihr die Stiefel heftig in die Weichen stieß, um sie zur allergrößten Schnelligkeit anzuspornen.

Mag der Gaul kaput gehen," knirschte er,wenn nur Rolf rechtzeitig Hilfe erhält."

Er kam wie ein Wahnsinniger, ohne Kopfbedeckung, die er unterwegs verloren, und mit fliegenden Haaren auf den Hof galoppiert, wo er wie eine Bombe unter, die entsetztenAnwesendenplatzte.

Schleunigst einen Leiterwagen anspannen und mit Stroh belegen!" rief er einem Knecht zu, der ihn mit aufgesperrtem Mund ansah. Er glaubte, wie überhaupt jeder andere, sein junger Herr habe den Verstand verlo­ren.

Letzterer war inzwischen von seinem Gaul, der nur noch taumelte,' abgesprungen.

Was stehst Du noch da, Lümmel," schrie er in angst­voller Verzweiflung,anspannen, zum T ..., es gilt einen Schwerverwundeten zu retten .. Du," wandte er sich zu einem anderen,reitest zu Doktor Kanth nach Vronau und bittest ihn sofort herzukommen. Es be­deutet ein Menschenleben. Laß meinetwegen den Gaul draufgehen, dasmachtnichts aus."

Er eilte selber in den Stall und half die Pferde an­schirren. Schnellstens ivurde angespannt und mehrere Personen nahmen auf dem Wagen Platz.

Wo soll ich hinfahren, Herr Leutnant?" fragte der Kutscher.

Setz' Dich zu den anderen, ich fahre selbst." 160,18.