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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
__Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat"._________
Erscheint Mittwoch und Samstags — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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werden Bestellungen aus die SchUrchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriesträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
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Amtliches.
J.-Nr. 4029 K.-A. Dem bei der Freiherrlich von Stumm'schen Verwaltung in Dienst stehenden Portier Karl Roth in Ramholz ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden. Schlüchtern, den 8. Juli 1909.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:
Valentiner.
J.-Nr. 4020 K.«A. Dem bei dem Landwirt Johannes Kolb in Dienst stehenden Dienstknecht Johannes Heil in Hohenzell ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlächtern, den 8. Juli 1909.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
Valentiner.
J.-Nr. 2430. Wie dortseits bekannt sein dürfte, haben wir Anfangs d. Js. ein Jnvalidenheim in Hofgeismar eröffnet.
Das Jnvalidenheim ist für die Ausnahme von etwa 20 Rentenempfängern eingerichtet, die vorzugsweise mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt werden.
Da z. Zt. noch einige Plätze in dem Jnvalidenheim frei sind, wäre es uns sehr erwünscht, wenn dortseits in geeichneter Weise — vielleicht durch die Gemeindebehörden, Krankenkassen, Auskunftsstellen, oder durch die Kreisblätter u. A. jedoch ohne daß uns Kosten erwachsen — den Invaliden und Altersrenten — Empfängern hiervon Kenntnis gegeben würde mit der Aufforderung, daß diejenigen Rentenempfänger, welche in das neue Heim ausgenommen zu werden wünschen, ihre Aufnahme alsbald beantragen.
Mittwoch, den 14. Juli 1909
60. Jahrgang.
Zugleich sei bemerkt, daß die Aufnahme eines Rentenempfängers in ein Jnvalidenheim von dem Verzicht auf die Invaliden- oder Altersrente abhängig ist, und daß in dem Jnvalidenheim in Hofgeismar nur solche Rentenempfänger aufgenommen werden können, welche verträglich und arbeitswillig und imstande sind, leichtere Arbeiten, insbesondere Garten und Feldarbeiten zu verrichten und welche nicht an tuberkulösen, Krebsoder schweren Herzkrankheiten leiden. Für die Aufnahme von Rentenempfängern, welche an tuberkulösen oder Krebskrankheiten leiden, ist das Philippstift zu Jmmenhausen, Kreis Hofgeismar eingerichtet, welches derartige Kranke gleichfalls noch aufnimmt.
Wir würden dankbar sein, wenn dortseits unserem Wunsche recht bald entsprochen würde und die etwa dort eingehenden Aufnahme-Anträge uns eingesandt würden.
Cassel, den 3. Juli 1909.
Der Vorstand der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau
I. A. Glaß.
J.-Nr. 432. Vorstehendes wird den Herren Bürgermeistern mit dem Ersuchen mitgeteilt, etwa in Betracht kommende Rentenempfänger auf die Einrichtungen aufmerksam zu machen und etwaige Aufnahme-Anträge recht bald hierher vorzulegen.
Schlüchtern, den 10. Juli 1909.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Politischer Wochenbericht.
Das große Werk der Reichsfinanzreform scheint nun doch in Bälde zu einem gedeihlichen und befriedigenden Ende zu kommen. Nach den jetzt abgeschlossenen Kompromißverhandlungen darf man annehmen, daß die verbündeten Regierungen und die Mehrheit des Reichstages sich auf der Basis einigen werden, das an Besitzsteuern, und zwar aus Grundbesitz-, Umsatz- bezw. Wertzuwachssteuer, aus Quittungen über Scheck- und Reichsbankguthaben, aus Kuxen- und Effektenerhöhung und aus der Erhöhung der Matrikularbeiträge insgesamt 135 Millionen und an neuen indirekten Steuern die ja zum größten Teile bereits so gut wie endgültig bewilligt sind, insgesamt 310 Millionen aufgebracht werden. Hierzu kommen die bereits bestehende Fahrkarten- und Zuckersteuer, deren Forterhaltung geplant ist, mit 55 Millionen, so daß die von der Regierung nach genauer Bedarfsberechnung geforderten 500 Millionen demnach aufgebracht werden. Die Mehrheit des
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Reichstages verzichtet auf die Kotierungssteuer, den Kohlenausfuhrzoll und die Mühlenumsatzsteuer. An Stelle der Kotierungssteuer soll eine Besteuerung auf Gewinnanteile und Zinsbogen treten, der die verbündeten Regierungen ihre Zustimmung gegeben haben. Daß es dem Reichstage gelingen möge, das große Reformwerk in Regierung und Volk befriedigender Weise zustande zu bringen, ist sicher der Wunsch eines jeden, der es mit seinem deutschen Vaterlande gut meint.
Recht betrübend sind die Nachrichten von Lärm und Zank, der in der vergangenen Woche unter denen, die daß Reich vertreten sollen und über seine Geschicke zu beschließen haben, wahre Orgien feierte. Das deutsche Parlament, einst das ersehnte Ziel aller deutschen Patrioten, untergräbt so selbst seine Autorität, und die Folge ist eine weitgehende Interesselosigkeit im Volke, gerade auch im gebildeten, das von dem vielen Reden nichts mehr hören will. Hüben und drüben erkennt man wohl in den Parteien das Unwürdige dieses Zustandes, und bei den Lärmszenen der vergangenen Woche ertönten herüber und hinüber Zwischenrufe wie „Kinderstube". Der Reichstagspräsident hat, faßt außerstande, den „der Würde des Hauses nicht entsprechenden Lärm" zu dämpfen, im Aerger die den Dienst versagende Glocke unter den Tisch geworfen, und ähnlicher wegwerfender Aerger faßt manchen im Volke über solch unwürdiges Treiben im deutschen Reichtage.
Werfen wir einen Blick auf das Ausland, so ist eine nicht unbedenkliche Zuspitzung der türkisch-griechischen Beziehungen zu bemerken. Die scharfe Note, welche die Türkei infolge giechischer Rüstungen nach Athen gerichtet hat, hat die Besorgnis von neuem rege werden lassen, daß die Kretafrage, dieses heikle Problem der neuesten Orientgeschichte, doch noch zu einem Waffen- gange zwischen dem sich seit Jahrhunderten feindselig gegenüberstehenden Helenen- und Osmanentum führen könne. Gerüstet wird jedenfalls auf beiden Seiten. Freilich kann ein Zusammenstoß den Griechen keinen Gewinn bringen, die Türkei aber hat vollauf zu tun, um innerhalb ihrer Grenzen die neue Ordnung zu tat« sächlicher Anerkennung zu bringen. Wir denken dabei zumeist an die arabischen Angelegenheiten, die infolge der von auswärts geschirrten Aufstände der Nomadenstämme ein immer bedenklicheres Aussehen gewinnen. Auch in Aegypten gärt es, wenngleich an einen Aufstand nicht zn denken ist, wohl aber macht sich dort immer leidenschaftlicher das Verlangen nach einer Selbstverwaltung geltend, die England heute weniger als je gewähren will und im Hinblick auf die Verlegenheiten,
Der Hotensee.
Roman von Martin Wehrau. 46
Rolf empfing zum Abschied von der Geliebten neben einem innigen Händedruck auch einen strahlenden Blick, der mehr sprach als viele Worte. Jetzt suchte er in der Garderobe nach seinen Sachen. Man konnte sie nur schwer finden, König Alkohol hatte zu sehr unter ? den Teilnehmern gewütet. Endlich nach längerem Suchen entdeckte er dieselben, sie waren in alle vier Ecken verstreut.
Bon den vielen originellen Szenen, die sich in dem Raume abspielten, blieb besonders eine in ihm haften. Ein Herr, der stark geladen hatte, stampfte mit dem rechten Fuß auf einer Pelzmütze herum, wobei er wütend rief: „Es, ist einfach toll, daß ich meinen Gum- I mischuh nicht auf die Füße bekomme. Sonst ging er doch so leicht an!"
Wie Helmbach die breite Schloßtreppe Hinunterschritt, glitt ein neben ihm gehender dicker Herr aus. Er setzte sich dabei auf die Stufen und rutschte mit unglaublicher Schnelligkeit die glatten Steinfliesen hinunter. Unten erhob er sich mit einem wehleidigen Gesicht und wankte bekümmert seinen Penaten zu.
Rolfs Wagen wartete bereits. Er bestieg ihn in einer Gemütsstimmung, die alles in letzter Zeit erfahrene Leid tausendfach überwiegen ließ und der er einmal in den leise geflüsterten Worten Ausdruck verlieh: „Mein süßer, süßer Liebling. Wie liebe ich Dich, Du meine Sonne!"
* *
„Gehst Du auf Anstand?" fragte der alte Eistedt seinen Sohn, welcher eines Nachmittags wenige Tage nach dem Basar im Jagdkostüm aus dem Hause trat. „Ja, Papa, in dem Totenforst soll ein pyramidaler Bock wechseln. Ich' will sehen, ob ich ihn nicht bekommen kann."
„Weidmannsheil, dann!"
„Weidmannsheil!"
Rüstig schritt Willi aus, dem Walde zu. Weißes, leuchtendes Gewölk zog einher und bewegte sich über die schimmernden, mit Laubholz bestandenen Höhen. Bald befand er sich unter den hohen Bäumen, deren Blätter ihm einen Willkommengruß zuzurauschenschienen.
Die Grenze zwischen dem Jlmenauschen und dem Eistedter Besitz bildete ein schmaler Fußweg, der sich zu dem Totensee hinzog. Zwischen dem See und dem Forst befand sich ein schmaler Ackerstrich, aus dem frisch gesäter Roggen schon die grünen, zarten Hälmchen her- vorstreckte. Eingefaßt war das Stück von kleinen dichten Büschen. Ackerstück wie Büsche hatte der Eistedter, selber ein leidenschaftlicher Jäger, wenn er den Sport infolge seines hohen Alters auch seit Jahren nicht mehr ausübte, eigens zur Jagd anlegen lassen. In den Sträu- chernbefanden sich Sitzbänke, so daß der Jägerdas harmlos austretende und auf dem Felde weidende Wild mit größter Gemütsruhe aufs Korn nehmen und abschießen konnte.
Hier sollte auch der bewußte Bock wechseln. Willi lenkte also seine Schritte nach dem Platze hin und ließ sich in einem der Bosketts mit gespanntem Gewehr nieder.
Längere Zeit wartete er, ohne daß etwas erschien. Nur ein armseliger Junghase hüpfte aus den Bäumen hervor auf das Feld, machte Männchen und begann sich dann, nachdem er angenommen, die Luft sei rein, an der leckeren jungen Saat zu delektieren.
Eistedt beobachtete den „Krummen", wie der Botaniker Lampe in der Jägersprache heißt, und ergötzte sich an dessen possierlichen Sprüngen. Abschießen mochte er ihn nicht, er hätte sich damit eventuell den Bock verscheuchen können.
Nach und nach wurde es dunkler, die Nacht kam heran und senkte langsam ihren dunklen Schleier über Wald und Flur. Willi wollte sich schon erheben und nach
Hause zurückgehrn, der Bock schien heute nicht mehr zu kommen.
Mit einem Male vernahm er etwa fünfzig Schritte seitwärts vorsichtiges Klopfen und das ersehnte Tier drängte sich durch das Gesträuch. An der Lichtung blieb es stehen und sicherte. Da es nichts Verdächtiges bemerkte, setzte es sich nach der Saat zu in Bewegung.
Eistedt saß still da, obwohl er voll Erwartung am ganzen Leibe zitterte .. die Jagdleidenschaft hatte ihn gepackt.
Jetzt war das Reh nur noch dreißig Schritte entfernt. Dergespannt Wartende setzte langsam seine Büchse an die Wange. Das Tier stand ihm brillant, so konnte er gar nicht fehlen.
Plötzlich sah er einen roten Feuerstrahl, dem ein kurzer, scharfer Knall folgte, welcher sich mehrmals wiederholend über den See fortpflanzte,undder Bock über- schlug sich mit einem gewaltigen Luftsprung.
„Hölle und Teufel, was ist das?"
Willi fuhr kerzengerade empor, das Jägerblut wallte siedendheiß auf in ihm. Dann strengte er Augen und Ohren an und lauschte atemlos.
Aus einem Waldeinschnitt, den er von seinem Watteplatz aus nicht sehen konnte, trat, das Gewehr schußbereit vor sich hinhaltend, ein Mann, dessen riesenhafte Körperformen sich nur schwach in der Abenddämmerung abhoben. Der junge Offizier erkannte ihn sofort. Es war ein schon seit langer Zeit im Verdacht des Wilderns stehender angesehener Besitzer aus einem benachbarten Dorfe.
„Wart' nur, mein Jungchen. Dir werde ich das Wilddieben schon anstreichen."
Mit diesen leise gemurmelten Worten schlich sich Eistedt vorsichtig die Lisiere entlang in die Nähe des Tatortes, wo der Wildschütze, in der Hand einen starken Taschennicker, über dem von ihm erlegten Rehbock gebeugt auf den Knien lag und im Begriff stand, denselben auszuweiden. .„ 160,18