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MiWnWMNg mit amtlichem Kreisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,

________________________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".________________________

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 54.

Mittwoch, den 7. Juli 1909

60. Jahrgang

Fortwährend

werden Bestellungen auf die

Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt

von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

finden in der Schlüchterner 111301 <1 Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Austage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.

Amtliches.

J.'Nr. 7097 L. A.

Termine zur Vornahme von Stutenschauen mit Prämienverteilung, sowie Eintragung

in das Stutbuch.

Es werden in diesem Jahre in nachstesend bezeich­neten Orten und Tagen Stutenschauen mit Prämien­verteilung sowie Eintragung in das Stutbuch abgehalten.

1. Montag, den 5. Juli, vormittags 10 Uhr in Witzenhausen.

2. Montag, den 5. Juli, nachmittags 3'/a Uhr in Eschwege.

3. Dienstag, den 6. Juli, vormittags 10 Uhr in Melsungen.

4. Dienstag, den 6. Juli, nachmittags l'/a Uhr in Rotenburg.

5. Mittwoch, den 7. Juli, vormittags 10 Uhr in Hersfeld.

6. Mittwoch, den 7. Juli, nachmittags 3 U^r in Hünfeld.

7. Donnerstag, den 8. Juli, vormittags 9 Uhr in Hanau.

8. Donnerstag, den 8. Juli, nachmittags 3'/^ Uhr in Gelnhausen.

9. Freitag, den 9. Juli, vormittags 9 Uhr in Schlächtern.

10. Freitag, den 9. Juli, nachmittags 5'4 Uhr in Tann.

11. Sonnabend, den 10. Juli, vormittags 10 Uhr in Fulda.

Es werden nur bedeckte Stuten prämiiert. Die Prämien bestehen darin, daß den Besitzern der ausge­wählten Stuten das in diesem Jahre von ihnen für die Bedeckung dieser Stuten gezahlie Deckgeld zurück-

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Ier Hotensee.

Roman von Martin Wehrau. 44

Beim Beginn der Pause überließ er sich der Flut­richtung des "Menschenstromes und wurde von diesem in die Nähe des Ausganges geführt. Ein paar schnelle Schritte brachten ihn hinaus auf den nur wenig be­lebten Kreuzgang der Burg wo er unruhig auf und ab wanderte.

Was ist da nur vorgekommen?" fragte er sich immer und immer wieder, ohne daß er imstande ge­wesen wäre, sich eine Antwort darauf zu geben.

Plötzlich vernahm er, wie er an einer dunklen Eck- nifche vorbeischritt, unterdrücktes, krampfartiges Schluch­zen, und nähertretend gewahrte er eine auf einer klei­nen Steinbank sitzende, gebeugte Gestalt, welche ihr Ge­sicht in den Händen vergraben hielt.

Charlotte!"

Die Weinende hob ihr tränenüberströmtes Antlitz .. es war in der Tat das junge Mädchen. Als sie den Grafen erkannte, wollte sie sich erheben, sank aber wieder zurück auf den Stein und schluchzte wie eine Verzweifelte.

Rolf vergaß alles um stck und kniete, die Geliebte umfassend, vor ihr nieder. Ihr Köpfchen sank an seine Brust und er bedeckte das seidene, braune Haar mit bebenden Küssen, ohnedaß sie ihm wehrte; ihre Tränen flossen nur noch heftiger.

Mein Liebling, mein alles, Du siehst ja, wie ich Dich liebe, sage mir um Gottes willen, was ist gesche­hen ?"

Stockend kam es heraus, so nach und nach. Sie er­zählte ihm, was sie für ihn empfunden, wie sie die vielen Jahre nur für ihn gelebt und gewirkt hatte, ohne daß sie sich vorher dessen bewußt gewesen war. und schilderte das Glück, das sie erfüllte, als sie ver­nahm, daß auch er ihr seine Zuneigung zu schenken an- finy. Und dann teilte sie ihm die schreckliche Szene je­

erstattet wird, und daß für die von diesen Stuten 1909 event! geborenen Füllen ein Füllengeld nicht zu entrichten ist.

Der Nachweis für die Bedeckung der ausgewähltxn Stuten ist durch Vorzeigen des Deckscheines zu führen. Wer den letzteren nicht vorzeigen kann, ist von der Prämiierung ausgeschlossen. Die Deckscheine der prämiierten Stuten werden abgenommen und den Be­sitzern nach einigen Tagen wieder zugestellt.

Nur Stuten, welche in das Stutbuch eingetragen sind, werden prämiiert; diejenigen werden bevorzugt, deren unter Vorweis des Füllenscheines vorzu- führende Nachzucht ihren Zuchtwert bestätigt. Stuten, welche 2 Jahre lang nicht trächtig geworden find und solche, welche nachweislich schlechte Fohlen gebracht haben, erhalten keine Freideckscheine. Die Zahl der an den einzelnen Schauorten zu prämiierenden Stuten be­stimmt die Schaukommission.

Für jede Stute, welche neu in das Stutbuch aus­genommen wird, erhält der Besitzer 5 Mark

Außerdem müssen die seit der letzten Stutenschau mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer gekauften Stutsohlen vorgeführt werden.

Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel.

H. E. von Stockhausen.

Deutsches Reich.

Eine Ehrung des Kaisers. Die städtischen Kol­legien von München haben in geheimer Sitzung be­schlossen, gelegentlich der Einweihung der neuen Schack- galerie dem deutschen Kaiser die goldene Bürgermedaille zu verleihen. Wie die Münchener Zeitung schreibt, ist der Beschluß veranlaßt worden durch die Tatsache, daß der Kaiser für die ihm gehörige Schackgalerie in der Prinzregentenstraße ein neues prächtiges Heim geschaffen hat, das sich als Zierade und Sehenswürdigkeit der Stadt repräsentiert.

Unter Leitung von Graf Zeppelin und Geheim­rat Hergesell ist ein deutsches wissenschaftliches Unter­nehmen zur Erforschung der Polarregionen mit dem Zeppelinschen Luftschiff begründet worden. Der Kaiser hat das Protektorat übernommen.

StockholmerAftonbladet" berichtet, daß Graf Zeppelin sich bereit erklärt habe, für die schwedische Regierung zwei Luftschiffe seines Systems zu bauen.

Der Reichstag verhandelte am Mittwoch über die sozialdemokratische Interpellation, in der eine Herab-

nes Abends mit, der ihre seligen Hoffnungen auf im­mer begrub.Was soll ich tun? O mein Gott!" kam es in herzzerreißender Klage immer wieder über ihre Lip­pen,was soll ich tun?!"

Warten, mein Liebling, warten," erwiderte Rolf in dankbarer Rührung über soviel ihm entgegenbrachte Liebe seitens dieser herrlichen, jungen Mädchenknospe. Jetzt, da ich weiß, daß Du mein bist, ist es an mir, den Kampf aufzunehmen. Ohne Deinen Vater auch nur im geringsten zu kränken, werde ich ihn zu überzeugen suchen, daß das Glück seiner Tochter, die er doch über alles lieben muß, bei mir am sichersten aufgehoben ist. Uebrigens, meine Charlotte, wird uns gewiß auch Dein Bruder Willi ein vortrefflicher Beistand in diesem Kampfe sein."

So tröstete er die gänzlich Deprimierte, und wirklich gelang es seinen ruhigen, wie Balsam auf ihr zerrisse­nes Herz wirkenden Worten, sie etwas zu beruhigen.

Währenddessen hatten beide völlig ihre Umgebung vergessen.

Erschreckt fuhren sie deshalb auseinander, als eine Stimme sprach.Es ist selbstverständlich, daß ich Euch meinen Beistand nicht vorenthalten werde. Aber das muß ich sagen, mir bleibt vor Erstaunen der Mund offen stehen anläßlich der Entdeckung. Hoffentlich bin ich der einzige, der Euch gesehen hat."

Vorsichtig seid Ihr gerade nicht gewesen. Glücklicher­weise ist es hier so dunkel, daß man über seine eigenen Füße fällt. Wahrscheinlich ist das Plätzchen extra für Lie­bespärchen eingerichtet. Wunderbar, daß man hier kein Extra-Eintrittsgeld erhebt. Ich muß doch die Sache gleich in Vorschlag bringen. Auf jeden Fall aber wäre ich neugierig, zu wissen, wie das alles gekommen ist. Ich bin in der Tat ganz konsterniert, Charlotte, Dich hier zu finden, während man Dich zum Theaterspielen braucht. Man hat mich eigens zu Deiner Suche abkom­mandiert."

Willi war es, der sich breitbeinig und die Hände in

setzung der Getreidezölle gefordert wird. Die vom Abg. Molkenbuhr (Soz) begründete Interpellation wurde vom Staatssekretär des Innern v. Bethmann-Hollweg sofort beantwortet. Er betonte, daß die verbündeten Regierungen von den Grundlagen ihrer wiederholt und nachdrücklich gebilligten Wirtschaftspolitik nicht abweichen würden. Deutschland sei weder ein Agrarstaat noch ein Industriestaat, und die glückliche Mischung, die wir gegenwärtig hätten, werde uns hoffentlich noch recht lange erhalten bleiben In der Besprechung stellte sich die Mehrheit auf den Standpunkt der bisherigen Zollpolitik. Der Reichstag setzte am Donnerstag die zweite Lesung der Finanzreform fort. Zur Verhandlung standen die Verbrauchssteuern und von diesen zunächst die Biersteuer. Das Bemerkenswerteste in der Sitzung war eine vom Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg im Namen des Reichskanzlers und des Bundesrats abge­gebenen Erklärung, daß der Bundesrat mit der Haltung und dem Vorgehen des Reichskanzlers in der Finanz­reform durchaus einverstanden sei. Eine ähnliche Er­klärung gab auch der bayerische Bundesratsbevollmächtigte Graf Lerchenfeld ab. Bei der Abstimmung wurde die Brausteuer mit der von bem Abg. Zehnter (Z.) vor­geschlagenen Staffelung angenommen. Die übrige De- hatte zu den weniger wichtigen Paragraphen bot keine bemerkenswerten Momente mehr. Am Freitag wurde die Tabaksteuer beraten. Die Kommission hat an Stelle der Banderole der Regierungsvorlage einen vollkom­men neuen Entwurf beschlossen, der einen Wertzollzu­schlag Vorsicht. Der Zuschlag soll 40 v. H. des Wertes betragen. Den Standpunkt der verbündeten Regierungen präzisierte Reichsschatzsekretär Sydow dahin, daß sie nach Ablehnung der Banderolensteuer den Wertzollzu­schlag als kleineres Uebel akzeptieren. Die verbündeten Regierungen seien auch mit einer Erhöhung des Zolls für Zigaretten einverstanden, doch hätten sie Bedenken gegen einen Zoll, dessen Höhe geradezu prohibitiv wirken würde. Der Tabaksteuerentwurf wurde schließlich nach längerer Debatte nach den Kommissionsbeschlüssen gegen die Stimmen der Liberalen und Sozialdemokraten angenommen.

Travemünde. DerMeteor" der das Rennen aufgegeben hat, ist mit dem Kaiser und dem Kron­prinzen an Bord heute früh halb 3 Uhr im Schlepptau hier eingetroffen. Der Kaiser begab sich an Bord der Hohenzollern". Die Regatta ist zurzeit noch nicht beendet. Der Vertreter des Chefs des Militärkabinetts General v. Oertzen ist hier eingetroffen.

den Hosentaschen vor den sehr verlegenen Menschenkin­dern aufgestellt hatte, während sein Gesicht ein einzi­ges Fragezeichen bildete.

Charlotte, welche, wie man jetzt erst wahrnehmen konnte, ein vollständiges Zigeunerkostüm trug, erhob sich und umschlang den Hals ihres Bruders.

O, Willi, ich bin so glücklich, und doch .. und doch ..."

Das glaub' ich., warum aber heulst Du denn so, Kind. Es ist doch wunderbar, daß die Frauen bei je­der Gelegenheit ihre Tränendrüsen in Tätigkeit setzen müssen. Aber was schwatze ich da. Wir haben keine Zeit zu verlieren, man wartet auf Dich, Charlotte. Wasche Dir schleunigst in der Garderobe die Tränenspuren ab, das übrige wird sich schon finden.

Ich will mich inzwischen mit dem Herrn da ein wenig unterhalten. Beruhige Dich," meinte Willi mit einer Grimasse, wie er bemerkte, daß ihn Charlotte ängst­lich ansah,ich werde ihn nicht auffressen, bin im Ge­genteil von jetzt ab Euer treuester Verbündeter. Doch nun verabschiedet Euch, aber nicht zu lange, ich drehe mich dazu um."

Ein langer, langer Kuß, bei dem ihre Seelen in­einander überzugehenschienen, undCharlotte eilte flüch­tig davon.

Rolf trat näher.Sie werden mir gewiß glauben, Herr von Eistedt, daß die Begegnung mitJhrem Fräu­lein Schwester, welche ja Gott sei Dank solch glückliche Resultate zeitigte, ganz ohne unser Zutun zustande ge­kommen ist, daß im Gegenteil unser Zusammentreffen ein ganz zufälliges war."

Selbstverständlich habe ich das von vornherein an­genommen, weiß ich doch, daß Sie ein Ehrenmann vom reinsten Wasser sind. Aber verzeihen Sie, wenn ich da­rauf Hinweise . . doch wird die Frage nicht zu umgehen sein .. was nun?"

Das erste wäre wohl, wenn ich versuchte, die Zu­stimmung Ihres Herrn Vaters zu erlangen." 160,18