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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
___________________ Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".__
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Mittwoch, den 30. Juni 1909
60. Jahrgang.
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Die im 60. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlächtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
" ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich Donner Post geliefl
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Komischer Wochenbericht.
Düsteres Gewölk umhüllt den interpolitischen Horizont. Die ersten parlamentarischen Entscheidungen in Sachen der Reichsfinanzreform sind gefallen, und sie sind sicherlich nicht so gefallen, daß ein aufrichtiger Patriot daran seine Freude haben könnte. Im Plenum des Reichstages ist die Kotierungssteuer, die für die verbündeten Regierungen nach den Erklärungen ihrer Vertreter als unannehmbar gilt, mit der verhältnismäßig großen Mehrheit von 203 gegen 155 Stimmen angenommen worden. Das entgegengesetzte Schicksal aber ward der Erbanfallsteuer, die unser Reichskanzler als die unerläßliche Voraussetzung für das Zustande- , kommen der Finanzreform bezeichnet hat, in der Kommission zuteil: sie wurde mit 14 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Wer als lachender Erbe die Früchte dieses unverständlichen Treibens einzuheimsen sich anschickt, das können unsere Volksvertreter aus dem Triumphgeschrei des „Vorwärts" entnehmen: die Sozialdemo- kratie und kein anderer wird ernten, was der Unverstand der bürgerlichen Parteien gesäet hat. Als getreuer Eckart des deutschen Volkes hat unser Kaiser noch in letzter Stunde zu der alle Herzen bewegenden Frage das Wort genommen und hoch oben an der Wasserkant im Angesichts des erdumspannenden Ozeans, der wie kein zweites Ding auf Erden geschaffen ist, den Blick auf das Große zu lenken und Abscheu vor allem Engen und Kleinlichem zu predigen, die Hoffnung ausgesprochen, daß in der deutschen Volksvertretung doch noch der Gemeinsinn über den Parteisinn siegen und sich am letzten Ende daselbst niemand finden werde, der die Verantwortung für das Scheitern der die Zukunft unseres Vaterlandes an erster Stelle mit bestimmenden Finanzreform auf sich nimmt. Wollte Gott, daß diese Hoffnung nicht trügen möge!
Die Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren hat in ihrem Verlaufe den Erwartungen vollauf entsprochen, die in den maßgebenden Kreisen Deutsch
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Der Totensee.
Roman von Martin Wehrau. 41
„Nehmen Sie nur Platz, HerrvonEistedt," sagte er, „es freut mich wirklich, Sie kennen zu lernen."
Die beiden fanden Gefallen aneinander und sprachen bald über alles mögliche wie zwei alte Freunde. Rolf wunderte sich immer mehr, wie sich Willi eine derartig anrüchige Persönlichkeit wie den Bauunternehmer Willbert als Freund ausgesucht haben sollte. Als nun die Rede auf den Bahnbau kam, konnte er sich doch nicht enthalten, vorsichtig zu sondieren.
„Herr Willbert ist Ihnen wohl näher bekannt, Herr von Eistedt?"
Eine hohe Röte zog bei dieser Frage über die Wangen des jungen Offiziers, um sofort wieder zu verschwinden. Rolf glaubte eine leichte Erregung bei der Antwort herauszuhören.
„Willbert? Leider Gottes habe ich den Menschen einmal Freund genannt und ich verwünsche heute noch die Stunde, in welcher ich mit ihm das erste Mal zu- fammentraf. Er ist mein böser Dämon gewesen."
Willi wußte selbst nicht, wie es kam, oaß er einem, der ihm persönlich vor einer Stunde noch unbekannt war, solche intime Angelegenheiten anvertraute, doch es zog ihn seltsam zu Helmbach hin.
„Ich kam danals gerade von der Penne," fuhr er fort, „und wurde als Avantageur eingestellt, wie ich ihm in Gesellschaft mehrerer anderer Militärs begegnete.
Ich war eben noch jung und lebenslustig, hatte Geld wie Heu und so kam es, daß er mich bald am Gängelbande hielt, um so mehr, da er sich als Kameraden von der Garde vorstellte und einen unmäßigen Mammon zu besitzen schien. Er hat mich zu dem gemacht, als was ich heute allgemein gelte. Doch das wird anders werden, jetzt, da ich ihm ein wenig hinter
lands und Rußlands an sie geknüpft wurden. Es ist hierdurch vor aller Welt dargetan worden, daß die freundschaftlichen Beziehungen, die von altersher zwischen beiden Kaisern bestehen, durch die Ereignisse der letzten Jahre nicht nur erschüttert, sondern vielmehr gefestigt worden sind. Die Festigung deutsch-russischer Freundschaft aber bedeutet zugleich eine energische Bekräftigung des allgemeinen Friedens. Kaiser Wilhelm selber hat in seiner Hamburger Rede als den politischen Wesenskern der Zusammenkunft in den Schären ihre den Weltfrieden fördernde Tendenz und Wirkung bezeichnet. So wird das Ergebnis dieser Zusammenkunft weit über die Grenzen des deutschen Reiches hieraus mit Freude ausgenommen werden und sallsnthalbeu ein Gefühl der Befriedigung und Genugtuung auslösen.
Die dritte russische Duma hat ihre zweite Session zum Abschlüsse gebracht und ist in die Ferien gegangen, Wenn auch in der gegenwärtigen russischen Volksvertretung noch viel unnützer Radikalismus zutage tritt, so hat sie doch den Geist absoluter Unfruchtbarkeit, der ihre beiden Vorgängerinnen, die erste und zweite Duma, beherrschte, zu bannen gewußt und ein gut Teil positiver Arbeit geleistet. So wurde während der verflossenen Session das Budget erledigt, das große Gesetz über die Gemeindeordnung angenommen, die Vor« läge über das Autorrecht sowie eine große Anzahl kleinerer Gesetzentwürfe unter Dach und Fach gebracht und endlich das Werk dieser parlamentarischen Arbeits- reriode durch die Annahme zweier Toleranzvorlagen gekrönt. Im Interesse einer ruhigen und gedeihlichen Entwicklung Rußlands ist zu wünschen, daß die Duma in immer steigendem Maße den hohen Beruf einer wahren und echten Volksvertretung auszufüllen und die schwierigen Aufgaben, die ihr gestellt sind, zu bewältigen lernen möge.
Das neue Regiment in der Türkei sieht sich noch immer erheblichen Schwierigkeiten gegenübergestellt. Neuerdings beginnt neben der kretischen ganz besonders auch die mazedonische Frage wied c aktuell zu werden.
die Kulissen geguckt habe. Ich habe es mir vorgenommen, schon seit einigen Tagen, und ich werde es auch halten, bestimmt. Energisch stampfte er mit dem Fuß auf.
Rolf hatte gespannt zugehört und versicherte: „Ihre Gesinnung-cehrt Sie, und es freut mich immer nehr, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben. Ich kann es Ihnen ja sagen: Auch ich hörte verschiedentlich von Ihnen, doch vermochte ich nie zu glauben, daß Sie das wären, als welcher Sie geschildert wurden, um so mehr, als ich Ihr Fräulein Schwester kenne, von welcher man allgemein nur mit der größten Hochachtung spricht. Es nahm mich sehr wunder, daß sich zwei Geschwister so wenig gleichen sollten."
„Was, Sie kennen Charlotte?" fragte der Kürassier überrascht. „Sie hat doch nie etwas davon verlauten lassen, obwohl mehrere Male von Ihnen die Rede war. . ein wunderbares Mädchen!"
Rolf gab keine Antwort. Er erinnerte sich des seltsamen Werdeganges seiner Liebe und mochte demselben niemand offenbaren, selbst dem Bruder nicht.
Jener verlangte anscheinend auch keine Erwiderung. Seine Gedanken beschäftigten sich hauptsächlich mit den Worten Helmbachs, welche ihm ungemein Wohltaten. Sie befestigten in ihm den Entschluß, von jetzt ab ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden. Falls ihn ja wieder einmal die sündige Lust auf Abwege locken sollte, so brauchte er nur an die wohlwollenden Worte zu denken, welche der vorihm Stehende ihm heute gewidmet, und er würde den rechten Weg schon finden. In seine Brust aber zog ein Gefühl ein, das er bisher nicht gekannt hatte, das Gefühl der mit Hochachtung und Dankbarkeit gepaarten Freundschaft für den Majoratsherrn von Ilmenau.
Der Kellner kam, welcher den Grafen auf einen Augenblick in ein Nebenzimmer bat, Herr David Ganzer wünsche ihn zu sprechen. „
Dort zählte ihm der Kaufmann die gewünschten
Der alte Gegensatz zwischen Griechen und Bulgaren, Exarchisten und Anhängern des Patriarchs lodert aufs neue in Hellen Flammen empor und findet wie früher in Morden und Ueberfällen seinen Ausdruck. Die Bulgaren verlangen in drohendem Tone Genugtuung für die von Griechen ihnen gegenüber begangenen Uebeltaten und fordern zugleich von der Türkei die Durchführung der versprochenen Reformen, Bau von bulgarischen Kirchen und Schulen usw. Es darf mit Sicherheit erwartet werden, daß die neue türkische Regierung ihre Versprechungen einlösen wird, man wird ihr aber hierzu in Anbetracht der fast zahllosen Aufgaben und Probleme, die gegenwärtig von allen Seiten auf sie einstürmen, billiger- und verständigerweise die nötige Zeit einräumen müssen.
Endlich beginnt auch die marokkanische Frage wieder ihr Haupt zu erheben. Anlaß hierzu scheint in erster Linie das Vorgehen der Spanier gegeben zu haben, die Gebiete in Anspruch nahmen, die ihnen der Präsident Bu Hamara, der dazu kein Recht hatte, überlassen hat. Mulay Hasid, der sich ganz auf den Boden der Vereinbarungen von Algeciras gestellt, will naturgemäß diese Ansprüche Spaniens nicht anerkennen und verlangt gleichzeitig die Räumung der noch von fremden Truppen besetzten Gebiete. So ballen sich hier mancherlei dunkle Wolken zusammen, und wir wollen nur won Herzen wünschen, daß sie sich noch bei Zeiten wieder verziehen.
Deutsches Reich.
— Die Kaiserin ist Sonntag morgen um 8 Uhr in Kiel eingetroffen. Zum Empfang auf dem Bahnhof waren erschienen: der Kaiser, der Kronprinz, Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, Prinz und Prinzesiin Heinrich von Preußen, Prinz Adalbert und die übrigen in Kiel anwesenden Fürstlichkeiten. Die Majestäten begaben sich in einer Salonpinasse auf die „Hohenzollern."
— Der Manöverbesuch Kaiser Wilhelms in Oesterreich. Der Kaiser wird, wie nunmehr feststeht, den
dreiundzwanzigtausend Mark in Tausendmarkscheinen auf und nahm dann mit dem Schuldschein noch die Grüße und aufrichtig gemeinten Dankesworte Rolfs für den Vater mit auf den Heimweg.
Helmbach und Eistedt blieben hierauf noch eine Zeitlang in regem Gespräch zusammen, dann aber erhob sich der Graf, es drängteihn, die hohe Summe, die er bei sich trug, in Sicherheit zu bringen.
Beim Abschied sagte Willi bittend: „Sie werden mir doch jetzt, nachdem wir uns persönlich kennen gelernt haben, ab und zu die Ehre Ihres Besuches schenken?"
Rolf zögerte. Sein neuer Freund hatte anscheinend keine Ahnung von dem gespannten Verhältnis, in dem er zu dem alten Eistedt stand. Schließlich gab er eine ausweichende Antwort.
„Ich werde sehen, ob es sich machen läßt. Durch meine lange Abwesenheit von Hause ist Ilmenau etwas zurückgekommen, und ich muß meine Kräfte anspannen, um mich wieder emporzuarbeiten. Dagegen Sie sind ja nicht in der gleichen Lage und können mir öfters einen Besuch machen. Sie werden mir jedenfalls stets sehr willkommen sein."
„Natürlich komme ich so oft wie möglich," versicherte Willi, „es wird mir ein Genuß sein, mit Ihnen in näheren Verkehr zu treten."
„Dann also: Auf Wiedersehen!"
„Auf Wiedersehen!"
Lange blickte der Kürassier dem enteilenden Wagen nach und gab dann ebenfalls den Befehl zum Anspannen. Er hatte versprochen, zum Abendbrot zurück zu sein.
Als er in Eistedt auf seinZimmer ging, begegnete ihm seine Schwester. Erhielt sie an und fragte: „Du, sag' 'mal, woher kennst Du denn den Jlmenauer? Ich traf ihn heute im Verein zu Burghof und da kam es im Gespräch heraus. Uebrigens ein reizender Kerl.. ich habe Freundschaft mit ihm geschlossen und ihn zu mir eingeladen." 160,18