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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber,
______Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".______________________
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 46.
Amtliches.
J.-N- 3322 K.-A. Die auf den 10. Juli in Sterbfritz anberaumte Bullenkörung findet
Samstag, den 3. Juli vormittags 11 Uhr in St-rbfritz statt.
Schlächtern, den 7. Juni 1909.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Politischer Wochenbericht.
Die Kommissions-Verhandlungen über die Reichs- finanzreform sind zum Abschlüsse gelangt. Leider entspricht das Resultat nicht den Erwartungen, die man in den weitesten Kreisen des deutschen Volkes an diese Verhandlungen geknüpft hat. Insbesondere gilt bic^ für das Gebiet der Besitzsteuern. Gegen die von o. Kommission gefaßten Beschlüsse auf Einführung eine sogenannten Kolierungssteuer sowie einer Reichsumsatzsteuer auf Grundstücke und einer Reichswertzuwachssteuer bestehen so schwere wirtschaftliche Bedenken, daß auf die Zustimmung der Bundesregierungen zu ihnen faum zu rechnen sein dürfte. Vom Standpunkte der Reichsfinanzen läßt sich überdies der schwerwiegende Einwano geltend machen, daß die Ertragsberechnung der Kommissionsvorschläge auf durchaus unsicherer und schwan« kender Grundlage ruht. So könnte das Ergebnis de. Finanzreform, wie dies auch bei früheren Finanzaktionen in unserem deutschen Vaterlande leider schon mehrfach der Fall gewesen ist, leicht wieder in der Bewilligung von Einnahmen bestehen, die wohl auf dem Papier, nid) t-aber in der Wirklichkeit vorhanden sind, und das muß unter allen Umständen verhütet werden. Im Bundesrate herrscht nach wie vor die Ueberzeugung, daß für eine angemessene Heranziehung des allgemeinen Besitzes zu den Reichslasten dre Besteuerung der Erbschaften der passendste Weg sei. Die Erbanfallsteuer, die als Ersatz der Nachlaßsteuer zu dienen bestimmt ist, wird daher Angebracht werden, und wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß diese abgeänderte Form der Erbschaftsbesteuerung alsdann auch den Beifall der Rechten finden wird.
In Rußland hat sich die Duma durch ihren Beschluß, den sogenannten Altgläubigen volle Gewissensfreiheit zu verleihen, ein erhebliches Verdienst um den kulturellen Fortschritt erworben. Nach dreitägiger scharfer Debatte fiel, dank einer glänzenden Rede Gutschkows, die Entscheidung mit 178 gegen 139 Stimmen zugunsten der
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Jer HoLensee.
Roman von Martin Wehrau. 34
Rolfs Stirn furchte sich bedenklich. „Sind Sie gekommen, mir das zn sagen? Wie Sie selbst sehr richtig bemerkten, laufen die Wechsel noch einige Zeit. Was treibt Sie also dazu, mich vor dem festgesetzten Termine mit ihnen zu belästigen?"
„Belästigen?Nichtsvonbelästigen! Meine Gutmütigkeit trieb mich dazu, Sie noch rechtzeitig auf den nahenden Termin aufmerksam zu machen. Nun frage ich: „Werden Sie das Geld bis dahin beschaffen können oder nicht?"
„Ich finde Ihre Frage sehr unverschämt, mein Herr!" entgegnete Rolf,
»Nun, nun, regen Sie sich nicht auf, perehrtester Herr Graf, ich sagte Ihnen ja, meine Gutmütigkeit führt mich hierher. Ich weiß, Sie können keine Deckung schaffen, und weil Sie keine schaffen können, ist es mit Ihnen vorbei, total vorbei!"
Rolf mußte sich mit aller Gewalt zusammennehmen, um den elenden Menschen nicht selbst zur Tür hinauszuwerfen. Sein Gesicht färbte sich dunkelrot und vergebens versuchte er, zu sprechen.
. Dieses Schweigen legte der Agent als günstig für seine Pläne aus, Er trat mit widerwärtiger Freundlichkeit zu ihm -heran und fuhr mit erkünstelter Herzlichkeit fort: „Sehen Sie, Herr Graf, jetzt merken Sie selbst, daß Sie vor einem Abgrund stehen. Doch ich will Ihnen einen Vorschlag .machen, einen Vorschlag, sage ra>, der Ionen nicht nur das Messer von der Kehle fortreißt, sondern Sie auch zum reichen, nein, zum sehr reichen Manne machen wird."
. Neugierig horchte der Graf auf. Er war gespannt, wie weit der Mann da vor ihm gehen würde.
„Er ist mir nicht leicht, derVorschlag, aber was.tut man nicht alles für sein Kind. Ich habe nämlich noch
eine unverheiratete Tochter und diese hat sich merkwürdigerweise in Sie vergafft. Machen Sie dieselbe zur Gräfin von Helmbach und mit Ihrer Not hat es ein Ende."
Schröpfer atmete erleichtert auf, als er mit vieler Mühe sein originelles Anerbieten hervorgebracht hatte.
Rolf wußte nicht, sollte er über die Naivität des Agenten lachen oder zornig werden darüber, weil ihn I jener mit einer so eigenartigen Moral behaftet hielt. Doch schließlich, was konnte der Mann dafür, daß er von sich auf andere schloß. So erwiderte er möglichst ruhig: „Es tut mir leid, auf Ihre Wünsche nicht eingehen zu können."
Der Agent glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen. Was, dieser Graf Habenichts schlug seine schöne Tochter und das viele Geld dazu aus? So etwas schien ihm unfaßbar.
„Das ist doch nicht Ihr Ernst?" fragte er stotternd.
„Mein völliger Ernst. Uebrigens, falls Sie mir nichts anderes mehr zu sagen haben, darf ich wohl die Unterredung als beendet betrachten. Sie sehen, ich habe noch zu arbeiten.''
Dabei öffnete Rolf die Tür, während Schröpfer wie ein Schlafwandler das Zimmer verließ.
Erst als er sich schon auf dem Hof befand und das fragende Gesicht Reichels vor ihm auftauchte, kam es ihm zum Bewußtsein, was ihm eigentlich passiert war, und writend schrie er seinem Kumpan zu: „Was grinsen Sie mich an, Sie Mensch, Sie, als wäre ich ein Wundertier! Weshalb ist denn der Wagen noch nicht vorgefahren?"
Dann blickte er sich um und gewahrte an bem einen Fenster den Verwalter, der ihn, wie ihm dünkte, spöttisch ansah. Er ballte die Faust und keuchte ingrim- nlig: „Es soll mich kennen lernen, das verdammte adlige Pack. Wir sehen uns schon wieder."
Auf die schüchterne Frage seines Begleiters, den die Wut des Agenten ganz kleinlaut gemacht hatte, antwortete Schröpfer: „Wir fahren nach Eistedt, zum Ba-
Mittwoch, den 9. Juni 1909
Gewiffensfreiheit. Die Altgläubigen werden danach also hoffentlich aushören, einen Gegenstand der Ausbeutung für die Organe der Verwaltung im Zarenreiche zu bilden. Im übrigen wird aufs eifrigste an der Abstellung der erschrecklichen Mißstände gearbeitet, die durch die Senatorenrevisionen innerhalb des russischen Beamtentums aufgedeckt worden sind. Es ist aufs dringendste zu wünschen, daß diesen Bemühungen ein voller Erfolg beschieden sein möge.
Auch während der verflossenen Woche haben wieder mancherlei wechselseitige Besuche deutscher und englischer Abordnungen diesseits wie jenseits des Kanals statt- gefunden, und wieder ist eine stattliche Reihe von Trinksprüchen auf gute Beziehungen zwischen Deutschland und England ausgeb.acht worden. Man könnte vielleicht versucht sein, angesichts dieser sich häufende Annäherungs- und Verständigungsaktionen zu glauben, daß darin gegenwärtig des Guten zu viel geschehe eine derartige Annahme aber durfte doch wohl nicht berechtigt sein. Vielmehr meinen wir der „Kölnischen Ztg." zustimmen zu müssen, wenn diese am Schlöffe einer längeren Betrachtung über derartige Besuche schreib»: „Mögen die Festreden noch so oft in feierlichen Selbstverständlichkeiten ausklingen, die Grundwahrheit, bb sie enthalten, daß das englische und das deutsche Vo' in der Vergangenheit niemals entzweit, auch in Zukunf Frieden und Freundschaft halten müssen, kann nicht oft genug wiederholt werden. Es ist schon wesentlich, daß die Austauschversuche überhaupt stattfinden und d: Teilnehmer in ein Land kommen, das die Mehrzahl, wie es noch immer bei diesen Anlässen gewesen ist, noch niemals betreten hatte und ohne den gastlichen 'Anlaß wohl niemals betreten haben würde. Wer sich dann bei dem andern Volke umgesehen hat, wird in der Folge manches, was über es geschrieben wird, verstehen und beurteilen können und in der Erinnerung an das Geschehene eine Anregung finden, seine Kenntnis der Nachbarn durch eigenes Studium zu vertiefen. Das ist, was wir aus dem Verfolg der Austauschbesuche als Erfahrungssatz schon jetzi herauslesen können, und darum sind diese Besuche notwendig und müssen fortgesetzt werden. Erst durch die Masse und die Wiederholung werden sie wirksam."
In der Türkei nimmt der Prozeß der Beruhigung und Festigung der inneren Zustände seinen Fortgang. Nach Verlesung einer längeren programmatischen Erklärung der Regierung hat die Kammer de^Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen. In dem Programm wird nochmals auf die Ereignisse vom 13. April Bezug
60. Jahrgang.
genommen, deren reaktionärer Charakter gebrandmarkt und dann betont, daß das konstitutionelle Regime auf fester Grundlage wieder hergestellt sei- Ferner wird ein Gesetzentwurf über den Militärdienst und eine Reorganisation der Verwaltung angekündigt und schließlich hinsichtlich der äußeren Politik erklärt, daß die Türkei entschlossen sei, ihre Beziehungen zum Auslande auf dem Fuße vollkommener Aufrichtigkeit fortzusetzen.
Die leidige Casablanca-Angelegenheit ist nunmehr durch die im deutschen Auswärtigen Amte von dem Staatssekretär Freiherrn v. Schoen und dem französischen Geschäftsträger Baron v. Berckheim erfolgte Unterzeichnung eines Protokolls, in dem die Rechtslage festgestellt und das gegenseitige Bedauern der beiden Regierungen über die unliebsamen Vorkommnisse ausgesprochen wird, endgültig aus der Welt geschafft worden. Wir möchten aber nicht verfehlen, daran den dringenden Wunsch zu knüpfen, daß auch die Quelle dieser Vorkommnisse, das unselige, mit soviel Fluch und Elend beladene Institut der Fremdenlegion, endlich einmal dauernd beseitigt würde.
Deutsches Reich.
— Berlin, 4. Juni. Heute vormittag 10 Uhr wurde in Gegenwart der Kaiserin das unter ihrem Protektorat stehende Kaiserin Auguste Viktoria-Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche feierlich eingeweiht.
— Der Reichskanzler Fürst v. Bülow hat an den Dompropst König in Breslau das nachstehende Telegramm gerichtet: „Für die mich sehr erfreuende Nachricht von der Besserung im Befinden des Kardinal- Fürstbischofs dank» ich Ihnen aufrichtig. Ich hoffe von Herzen, daß wir uns nun bald der völligen Genesung Seiner Eminenz erfreuen dürfen, dem ich meine innigsten Wünsche zu übermitteln bitte."
— Reichskanzler Fürst V. Bülow wird, wie die „Voss. Ztg." entgegen anderslautenden Mitteilungen in der Tagespresse versichert, auch in diesem Sommer seinen Sommer seinen Urlaub inNorderney zu verbringen.
— Der Kaiser hat Frau Emilie Mosse, der Gemahlin des Verlagsbuchhändlers Rudolf Mosse, in Anerkennung ihrer wohltätigen und gemeinnützigen Wirksamkeit den Wilhelmsorden verliehen, Oberregierungsrat Schmidt vom Kultusministerium hat die Auszeichnung gestern mit einer Ansprache überreicht.
— Ueber die Anstellung verabschiedeter Offiziere im Kommunaldienst bemerkt ein Runderlaß des Ministers des Innern an die Regierungspräsidenten: „Nach
ron-a Wir "werden dieser Gesellschaft den Hochmut gehörig
*
»Wie schmeckt 's Bier, Fritz?" '
„O, das ist heute wirklich gut, Herr Referendar."
„Na, dann mach' mal ein Kompliment vor dem Faß."
Mit diesen Worten betrat der Referendar Hölzer das sogenannte akademische Zimmer des Hotels „Tannapfel '. Der junge Jurist, dessen trockener Humor stets allgemeine Heiterkeit erweckte, war sehr beliebt. Auch setzt wurde er mit Hallo begrüßt.
„Servus, Hölzer!" ,,'n Abend, altes Sumpfhuhn!" „Diener Herr Referendar!" Diese und ähnliche Begrüßungsrufe schwirrten ihm von allen Seiten entgegen. Schließlich sagte der Bauunternehmer Willbert, mel= «her sich ebenso wie der Agent Schröpfer in diesen exklusiven Kreis eingedrängt hatte: „Gut, daß Sie kommen, Herr Referendar. Dann können Sie ja auch die Bauk nehmen. Wir wollen ein wenig duracken."
„Na, lassen Sie man, verehrter Herr," wehrte der Angeredete ironisch ab, „ich will Ihren Verdienst nicht schmälern. Sie sollen bessere, edlere Sachen genießen."
Wie er dies sagte, öffnete sich wiederum die Tür und Willi Eistedt erschien auf der Bildfläche.
. Abend, Hölzer," sagte er, „Sie stehen ja da wie em römischer Orator, der gerade eine Rede vom Stapel lassen will. . 'n Abend, die Herren!"
,,'n Abend Eistedt! Sind Sie auch wieder mal in dem lieben Städtchen?"
„Na ja, man muß doch seine zerschlagenen Knochen wieder etrpas in Ordnung bringen."
Willi befand sich heute in elegantem Zivil: tadellos sitzendem Jackettanzug, in den Beinkleidern die obligate Bügelfalte, blaupunktierter grauer Weste, hohem Umle- gekragen mit türkischer Krawatte, in welcher eine dunkle Perle steckte, und Lackstiefeletten. 160,18