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Mitteilung des Statistischen Landesamtes ist in Baden nahezu ein Viertel der Gesamtbevölkerung der reichs. gesetzlichen Invalidenversicherung unterstellt. Der Pro­zentsatz betrug für das männliche Geschlecht 30, beim weiblichen 14,7. Beinahe Dreiviertel aller zur Inva­lidenversicherung beitragenden Personen entfielen auf die Berufsgruppen Industrie und Gewerbe, Handel und Verkehr, 7 v. H. aus die Dienstboten, 15,8 v. H. auf Land- und Forstwirtschaft; 56 v. H. aller Versicherten waren ledig, 40 v. H. verheiratet, die übrigen waren verwitwet und geschieden. Etwa 8 v. H. aller Ver­sicherten waren selbständige Personen.

Das Dessauer sozialdemokratische Gewerkschafts­kartell hat bei den Gewerbegerichtswahlen mit den Hirsch-Dunckerschen und christlichnationalen Arbeitern eine gemeinsame Liste aufgestellt. Darob großes Ent­setzen in der sozialdemokratischen Presse. DerVor­wärts" schreibt unter der Ueberschrift: Ein Schildbürger­stückchen des Dessauer Gewerkschaftskartells u. a.:Aus Anhalt, speziell aus Dessau, ist die Partei schon so oft mit sonderbaren Ideen und Vorschlägen bedacht worden, daß man sich eigentlich gar nicht mehr darüber Wundern sollte, wenn wir dort mit neuen Leistungenbeglückt" werden. Indessen ist die neue Leistung so einzig dastehend, daß wir nicht gut daran vorübergehen können." Der Vorwärts"geht denn auch nicht daran vorüber". Er kanzeli die DessauerGenossen" kräftig ab. Ob das aber etwas helfen wird, ist eine andere Frage. In Dessau residiert Pöus, und der versteht nurEspe- ranto."

Ueber das Vordringen des Polentums in Schlesien, namentlich in den Kreisen Glogau, Freystadt, Groß- Wartenberg, Guhrau und Wohlau berichtete Pastor Müller in der Mitgliederversammlung des Schlesischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes zu Walden- burg i. Schl. Danach sind im Laufe der letzten 56 Jahre 70 mittlere Besitzungen und mehrere größere Güter in polnische Hände übergegangen, was auch von verschiedenen anderen Seiten bestätigt wurde. Auch der Ephoralbericht der Glogauer Kreissynode beschäftigt sich mit der Ausbreitung des Polentums, speziell im Kreise Glogau. In Schlawa bringt das stetige Vordringen des Polentums für die katholischen Gemeinden manche Beschwerden mit sich. Die Schularbeit und der Beicht- unterricht werden infolge der wachsenden Zahl polnischer Kinder immer schwieriger.

Die Teilnahme am Schöffengericht war bisher u. a. den Volkschullehrern und auch verschiedenen Be­amtenkategorien, so zum Beispiel den Landräten, wegen des öffentlichen Charakters ihres Amtes versagt. In dem neuen Entwurf zum Gerichtsverfassungsgesetz ist mit diesem Grundsätze gebrochen worden. Man ist von der Aussicht ausgegangen, mit Rücksicht auf die neue Einrichtung der Jugendgerichtshöfe, die von den Landes- justizverwaltungen bei einzelnen Amtsgerichten zur Ab­urteilung von noch nicht achtzehn Jahren alten Personen errichtet .werden können, die Lehrer als Kenner der jugendlichen Psyche als Schöffen an diesen Jugendge­richtshöfen zulassen zu müssen. Bekanntlich war in dem ersten Entwurf zum Gerichtsverfassungsgesetz die Aus­nahmebestimmung gegen die Lehrer noch nicht aufge hoben, da damals die preußische Regierung noch nicht ihre Einwilligung gegeben hatte. Inzwischen ist der Widerstand beseitigt und die Zulassung der Volksschul- lehrer zum Schöffenamt, allerdings mit der Beschränkung auf die Jugendgerichtshöfe, erreicht worden.

Ausland.

Der Eisenbahnbau in den deutschen Kolonien hat im vergangenen Jahre bei schwierigen Verhältnissen ansehnliche Fortschritte gemacht. Es befanden sich im Bau in Kamerun Anfang 1908 160 km, Ende 1908 520 km; in Togo Anfang 1908 nichts, Ende 1908 175 km; in Südwestafrika 78 kwbezw. 113 km und in Ostafrika 19 km bezw. 744 km. Zu den ange­gebenen Zeiten befanden sich im Betriebe in Kamerun noch keine Eisenbahn, in Togo 164 km; in Südwest­afrika 1250 km zu Anfang und 1486 km zu Ende des Jahres, in Ostafrika 338 km. An neuen Bauten sind in Angriff genommen worden in Kamerun die Linie Duala-Niong; in Togo die Linie Lome-Atakpame; in Südwestafrika die Linie Seeheim-Kalkfontein; in Ost­afrika die Forsetzung der Usambarabahn von Mkumbara bis Buiko sowie die Wetterführung der Zentralbahn von Morogoro bis Tabora. Um Verwechselungen vor- zubeugen, werden die für Samerun bewilligten und zum Teil im Bau befindlichen Bahnen Duala-Manenguba mitNordbahn", Duala-Widimenge bezw. Duala-Niong mitDiittellandbahn" und geplante Linie Kribi-Ebolova mitSüdbahn" bezeichnet.

Vom Streik der französischen Seeleute liegen folgende Nachrichten vor: Tie eingeschriebenen Seeleute hatten der Campagnie Transatlantique angeboten, vier Schiffe zu bemannen, um Passagiere zu befördern. Da aber die Compagnie auch Post, Postkolli und Waren

befördern wollte, zogen die Seeleute ihr Angebot zurück und beschlossen die Fortsetzung des Streiks. Der fran» zösische Ministerr t beschloß, zur Sicherstellung des Post- und Passagicrverkehrs zwischen Frankreich, Algier, Korsika und Tunis den Rhedern für die Bemannung einer bestimmten Anzahl von Dampfern bis auf weiteres aktive Marinesoldaten zur Verfügung zu stellen.

Die russische Reichsduma hat in erster Lesung

nach stürmischen Debatten, die drei Tage dauerten, den diesjährige Generalversammlung des Vaterländischen

Gesetzentwurf, heueffenb bte Regelung einigers bis Frauenvecems (Zwergverein Schlüchtern) statt. Nach- Glaubensfreiheit berührenden Fragen angenommen. Das den, die Vorsitzende, Frau Landrat Valentiner, die Recht der Altgläubigen, Gemeinden bloß auf Grund Teilnehmer, Damen und Herrn in stattlicher Zahl aus " " " -v ^- - - ^.,-. -.! .^ verschiedenen Orten des Kreises, begrüßt hatte, erstattete

her Meldepflicht zu bilden, und bn§ der altgläubigen Priester, sich Geistliche zu nennen, wurde angenommen, ebenso das Recht der Propagandafreiheit mit 178 gegen 139 Stimmen. Mit einer Mehrheit von 15 Stimmen wurde die Bestimmung angenommen, daß nur ein die bürgerlichen Rechte beschränkendes Gerichtsurteil und nicht die bloße Zitation vor Gericht ein Hindernis bilden solle, Priesterpflichten bei Altgläubigen zu über­nehmen. Für die Vorlage in der von den Altgläubigen der Commission vorgeschlagenen Form stimmten die Mehrheit des Zentrums, die gesamte Opposition und alle Altgläubigen, dagegen die Rechte, die extreme Rechte, die Nationalisten und ein Teil des Zentrums.

Die Aernfahrt des Zeppelin II.

Berlin, 31. Mai. Die Nachricht, daß Graf Zeppelin mit seinem neuesten Luftkreuzer eine Fernfahrt am Sonnabend Abend angetreten habe, die ihn in der Richtung nach Berlin führte, ließ, unterstützt durch Extrablätter, in der Reichshauptstadt das Gerücht auf- treten, daß Graf Zeppelin in Berlin auf dem Tempel» Hofer Felde landen würde. Mit Windeseile verbreitete sich die Nachricht, Zehntausende strömten nach dem Tempelhofer Felde, viele Ausflügler kehrten vorzeitig zurück, um dem seltenen Ereignisse beizuwohnen. Auch der Kaiser hatte Kunde erhalten, er traf mittels Auto­mobil gegen 5 Uhr in dem am Rande des Tempelhofer Feldes belegenen Offizierskasino des Augusta-Regimenls ein, um dort die Ankunft des Luftschiffes zu erwarten. Indessen Stunde aus Stunde verrann, immer größer wurde der Andrang in der Umgebung des durch Schutz leute und Militär abgesperrten Feldes, vergeblich harrten die zur Hilfeleistung kommandierten Mann­schaften des Gardepionierbataillons, aber kein Zeppelin kam. Erst in der elften Stunde traf die Nachricht ein, daß Graf Zeppelin bei Bitterfeld den Rückzug angetreten habe, der Kaiser fuhr nach Potsdam zurück, aber nur langsam zerstreute sich die Riesenmenge, die im Stillen immer noch hoffte, daß das Luftschiff, viel­leicht doch noch eintreffen würde. Die von günstigem Wetter begleitete Hinfahrt nahm die Route über Nürn­berg, Erlangen, Bayreuth, Hof, wo der Ballon 12 Uhr mittags passierte, dann ging die Fahrt weit über Plauen, Reichenbach, Zwickau, und allenthalben rief das unerwartete Erscheinen des Luftschiffes ungeheure Sensation hervor. In Leipzig, wo eine Zwischen­landung geplant war, erwartete man das Eintreffen des Luftschiffes gegen 2 Uhr nachmittags, Tausende von Menschen eilten nach dem Meßplatze, wo die Landung erfolgen sollte. Auch der Neffe Zeppelins erwartete dort die Ankunft, auch die Spitzen der Be­hörden trafen zum Empfange dort ein. Aber erst 5 7« Uhr traf der Graf über Leipzig ein. Wider Erwarten nahm er jedoch keine Landung vor, sondern fuhr nach einigen Wendungen in der Richtung nach Berlin weiter. In der Nähe von Leipzig warf der Graf ein Telegramm an das Luftschifferbataillon in Berlin aus, in welchem er darum ersuchte, daß Mannschaften zur Landung auf dem Tempelhofer Felde zur Verfügung gestellt würden. Gegen 7 Uhr erschien der Ballon bei Bitterfeld, wo eine Depesche herunlergeworfen wurde, wonach die Umkehr beschlossen worden sei; alles sei in bester Verfassung. Der Ballon nahm alsdann seinen Weg über Halle, welches 774 Uhr erreicht wurde, dann weiter über Eisleben, Würzburg, Heilbronn, Stuttgart, welches nach glücklicher Nacht­fahrt heute morgen um 9 Uhr 20 Min. erreicht wurde.

Zu dieser ausgedehnten Fahrt wird von der Zeppelin Luftschiffahrtsgesellschaft noch folgendes erklärt: Die Fahrt war als eine Zeitfahrt gedacht; sie sollte solange wie möglich ausgedehnt werden. Ein be­stimmtes Ziel für die Fahrt war zunächst nicht in Aussicht genommen. In Leipzig faßte der Graf den Entschluß, nach Berlin zu fahren, weshalb er das erwähnte Telegramm aufgab. Ungünstige Windver­hältnisse nötigten jedoch den Grafen, die Richtung zu ändern. Von Stuttgart schlug der Ballon heute vormittag die Richtung nach Friedrichshafen ein Er nahm die Route über Göppingen, wo er gegen 10 74 Uhr anlangte. Das Eintreffen des Luftschiffes in Friedrichshafen wurde zwischen 1 und 2 Uhr mittags erwartet. Damit dürfte sich die ununterbrochene Dauer­fahrt des Zeppelin II auf ca 40 Stunden erstrecken, was einen Weltrecord für Lenkballons darstellt.

Göppingen, 31. Mai. Das Stadtpolizeiamt teilt mit, daß das LuftschiffZ II" in unmittelbarer Nähe der Stadt Göppingen um 11.20 Uhr vormittags auf einer Höhe gegen einen Baum stieß, wodurch dem Luftschiffe die Spitze eingedrückt wurde.

Friedrichshafen, 31. Mai. Die Luftschiffbauge­sellschaft Zeppelin bestätigt, daß das LuftschiffZ II" um 11.20 Uhr vormittags in der Nähe von Göppingen gegen einen Baum stieß, wodurch ihm Oie Spitze leicht eingedrückt und Graf Zeppelin zu einer Landung bei Jebenhausen genötigt wurde. Schlosser von Friedrichshafen sind unterwegs.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 4, Juni 1909.

* Am 2. d. Mts. fand in Schlüchtern, die

der Schriftführer den Jahresbericht. Aus diesem war besonders zu entnehmen, daß mit Hülfe des Vereins gegenwärtig wieder 2 neue Gemeindepflege-Slationen im Kreise begründet werden, und zwar in den Orten Hütten und Heubach; an beiden Orten werden auch gleichzeitig Kleinkinderschulen ins Leben treten. Auch in Schwarzenfels hofft man in einiger Zeit eine Ge­meindepflege stationieren zu können. Aus dem Jahres­bericht ging auch hervor, daß seitens des Vorstandes 50 Mark zum Bau eines geeigneten Lokales für die Kinderbewahranstalt in Eckardtroth bewilligt worden sind. Nachdem sodann der Schatzmeister den Kassen­bericht erstattet hatte, aus dem zu entnehmen war, daß die Rechnung des vergangenen Vereinsjahres mit einem Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben abgeschlossen hat, berichte e die Frau Vorsitzende über Einrichtung, Betrieb und Leistungen der neu begründeten Wanderhaushaltuagsfchule, weiche zu Anfang August d. Js. ihren 4. Kursus in Sleiuau eröffnen wird. Sämtliche Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Ver­sammlung wurden eingeladen, nach Schluß der Sitzung unter Führung der Frau Laudcat die Haushaltungs­schule zu besichtigen, welcher Einladung auch seitens aller Anwesenden Folge gegeben worden ist. Hiermit war der geschäftliche Teil der Tagesordnung erledigt, und Herr Bürgermeister a. D. Berta aus Soden ergriff nun das Wort zu seinem freundlichst zugesagten Vortrage über dieEntstehungs- und Entwickelungs­geschichte des Roten Kreuzes, seine Tätigkeit im Feld­zuge 1870/71, seine zukünftige Friedens- und Kriegs­aufgabe". Der Herr Vortragende schilderte in fesselnder und packender Rede die Entstehung und Entwickelung derjenigen Gedanken, welche zu den nationalen Or­ganisationen des internationalenRoten Kreuzes" geführt haben; er betonte die Notwendigkeit der vor­bereitenden Arbeit im F irden zwecks erfolgreicher Betätigung im Kriege und hob hervor, daß das Pro­gramm des Roten Kreuzes auch das der Vaterländischen Frauenvereine sei. Die Ausführungen des Redners gipfelten in dem Satze, welcher von der Versammlung mit lebhaftestem Beifall ausgenommen wurde:Es ist nötig, die Sache des Roten Kreuzes schon in Friedens­zeiten populär zu machen". In Kriegszeiten Fürsorge für die im Felde Verwundeten und Erkrankten, in Friedenszeiten Beseitigung und Verhütung außerordent­licher Notstände in allen Teilen des Vaterlandes: diese Bestrebungen verdienen gewiß Anerkennung und Förderung seitens aller nationalgesinnten Männer und Frauen. Schließlich lud die Frau Vorsitzende alle Mitglieder des Vereins zu einem Ausfluge nach Bad Soden-Slolzenberg zwecks Besichtigung der dortigen Kinderheilanstalt ein. Dieser Ausflug soll am Sonntag, den 13. d. Mis, nachmittags mit dem Zuge 4 Uhr 13 Min. ab Bahnhof Schlüchtern stattfinden.

* Auszeichnung. Aus Anlaß der Glockenweihe in Gelnhausen wurde Herrn Organisten Lehrer Jckes I der Königl. Kronenorden 4. Kl. verliehen.

* Personalien. Herr Ober-Reg.-Rat Fliedner, Dezernent der Abteilung für Kirchen- und Schulwesen bei der Königlichen Regierung in Cassel hat einen achtwöchigen Erholungsurlaub angetreten, nach dessen Ablauf er in den Ruhestand tritt.

* Mit dem Aufschlagen der Stände, Bude rc. für die am Sonntag, den 6. Juni beginnende Frühjahrs­messe in Hanau wurde am Dienstag begonnen.

* Die nächste Schwurgerichtspcriode in Hanau wird voraussichtlich am 21. Juni ihren Anfang nehmen.

* Haders. Ein Kindermädchen, welches auf einem Spiritusapparat Milch erwärmen wollte, goß in die fast erlöschende Flamme Spiritus aus einer Flasche nach, infolgedessen die ganze Kochmaschine explodierte und die Flamme das Mädchen im Gesichte und am Oberkörper schrecklich verbrannte. Nachdem Herr Dr. Kiggen von hier die erste Hilfe sofort geleistet hatte, wurde die Verunglückte noch mit dem Abendzuge dem Krankenhause Fulda überführt. Wieder ein Fall, der zur Vorsicht mahnt!

Verleihanstalt ^wasserdichter

Zeltdecken zu Festlichkeiten °

Vertreter 5. ^sumenbach Sohn, Gelnhausen.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern. Evangelische Gemeinde: Sonntag den 6. Juni 1909.

Vormittags 9'/? Uhr: Herr Pfarrer Rollmann. Nachmittags 1 7^ Uhr: Herr Superintendent Orth.

Wochendienst: Herr Pfarrer Rollmann

Katholische Gemeinde

Vorm.: 7i 10 Uhr: Herr Kaplan Roßbach-Sannerz.