Orerteljährüche Verlage: „Unsere Heimat.
Erscheint Mittwoch und Samstag.. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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M 32.
Mittwoch, den 21. April 1909
60. Jahrgang.
werden Bestellungen auf die Kchlüchterner Dritnag
mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.
Incawai'ct finden in der Schlüchterner
<1 Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Amtliches.
Bekanntmachung.
I -Nr. 2112 K.-A. Der Metzger Heinrich Pauli in Elm beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Elm gelegenen Grundstück Kartenblatt G. Parzelle M ein Schlachthaus zu errichten.
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntnis mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr angebracht werden.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht
Freitag, den 7. Mai d. 3s
7
vormittags 11 Uhr
vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Aus- hleihens des Unternehmers oder der Widersprechenden, wird gleichwohl mit Erörterung des Unternehmens bezw. der Einwendungen vorgegangen werden.
Zeichnungen und Beschreibungen der Anlage können
während der Dienststunden im Bureau des Kreis-Ausschusses eingesehen werden.
Schlüchtern, den 19. April 1909.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.
KeichsfinanMorm und Erbschaftsbesteuerung.
IV. Die Fürsorge für die landwirtschaftlichen
Verhältnisse in der Erbschaftssteuergesetzgebung.
Die allgemeinen Gründe gegen die Erbschaftssteuer sind nicht stichhaltig. Es ist aber anderseits durchaus gerechtfertigt, dafür Vorsorge zu verlangen, daß die Erwerbsstände, vor allem die Landwirtschaft, nicht durch
die Nachlaßsteuer unerträglich belastet und belästigt werden. Zweifellos besteht für sie, speziell für die Landwirtschaft, eine gewisse Gefahr. Der einzelne Bauer kann nicht ein Stück von seinem Lande so ab- sch.ieiden und als Steuer hingeben, wie es der Besitzer von beweglichem Kapital kann. Wenn die Nachlaßsteuer in der Tat dazu führen könnte, den Bauernstand zu vernichten, so müßte sie allerdings abgelehnt werden. Das ist aber keineswegs der Fall.
Zunächst bleibt ein erheblicher und gerade der schonungsbedürftigste Teil der Bauernschaft von der Steuer ganz frei. Die überwiegende Zahl der Landwirte wird von der Erbschaftssteuer gar nicht erfaßt. Man hat berechnet, daß in Schlesien 5/« aller landwirtschaftlichen Besitzer frei bleiben. Für andere Teile von Preußen, für Bayern und Württemberg sind ähnliche Berechnungen angestellt. In ganz Deutschland werden vielleicht mehr als 2/3 der Landwirte von der Erbschaftssteuer gar nicht erfaßt. Es ist zu betonen, daß die 20 000 M. bei denen die Nachlaßsteuer erst beginnt, aus dem zwanzigfachen Ertragswert unter Abzug sämtlicher Schulden errechnet werden. Ein Gut mit einem Grundsteuerreinertrag von 2000 M. bleibt also, wenn es bis zur Halste verschuldet ist, immer noch steuerfrei. Die Zugrundelegung des Ertragsstatt des Verkehrswerles, wie sie vorgeschrieben werden soll, bedeutet eine ganz wesentliche Erleichterung für den landwirtschaftlichen Besitzer; denn es ist eine allbe- kannte Tatsache, daß sehr oft ein Gut viel teurer verkauft wird, als es nach seinen Erträgen bewertet werden dürfte. Bisher wurde in Preußen bei der Bemessung der Vermögens- und Ergänzungssteuer jener Verkehrswert zugrunde gelegt. Der Vorzug der Erbschaftssteuergesetzgebung besteht darin, daß sie nicht diesen, sondern den viel niedrigeren Ertragswert als Grundlage der Besteuerung nimmt, und sodann auch nicht, wie bisher üblich, den 25fachen, sondern den 20fachen Ertragswert ansetzen will. Wie gering die Steuer für den kleineren bäuerlichen Besitz ist, darüber geben die Beispiele Aufschluß, die der preußische Finanzminister Freiherr von Rheinbaben in der Finanzkom- iniffion des Reichstages gegeben, und die bereits mehrfach veröffentlicht sind. Eine genaue Uebersicht über den Steuersatz oder die Rente auf verschiedenen Stufen gibt die nachstehende Tabelle. Dabei sind zwei Arten von Erbfällen angenommen, einmal solche, bei denen der Besitz schuldenfrei, sodann solche, bei denen er mit 50 v. H. verschuldet ist.
Belastung landwirtschaftlicher Güter durch die Nachlaßsteuer in der Annahme, daß das Gut zur Hälfte des _________________Wertes verschuldet ist.________________
Reinertrag
oder mindestens Wert
^
Schulden gleich r/s des Wertes
Steuersatz v. H.
Stener
oder Rente
2400
600U0
30000
—
—
—.
3200
80000
40000
0,5
120
8,83
4800
120000
60000
0,6
216
15,89
6400
160000
80000
0,7
336
24,72
8000
200000
100000
0,8
480
35,32
12000
300000
150000
1,2
1080
79,47
20000
500000
250000
1,7
2550
187,63
32000
800000
400000
2,3
5520
406,17
64000
1600000
800000
2,6
12480
918,30
160000
4000000
2000000
3,0
36000
2648,94
Die Berechnung erfolgt so, daß der Reinertrag mit 20 multipliziert und davon die gesamten Schulden abgezogen werden.
Belastung schuldenfreier landwirtschaftlicher Güter durch die Nachlaßsteuer.
Reinertrag
oder mindestens Wert
^
Steuersatz v. H.
Steuer
oder Rente
1200
30 000
0,5
120
8,83
16u0
40 000
0,6
192
14,13
3200
80 000
1,0
640
47,09
6000
150 000
1,4
1680
123,61
12 000
300 000
2,3
5 520
406,17
20 000
500 000
2,6
10 400
765,25
32 000
800 000
2,8
17 920
1318,58
60 000
1500 000
3,0
36 000
2648,94
80000
2000 000
3,0
48 000
3531,92
Die Steuer wird von dem mit 20 multiplizierten Reinertrag erhoben.
Es erhellt hieraus, daß die kleineren Landwirte, der mittlere bäuerliche Besitz nur mit sehr geringen Sätzen herangezogen wird, der Großgrundbesitz allerdings mit nicht ganz unbeträchtlichen, aber keineswegs wirklich empfindlichen Beträgen. Aber es würde ja auch allen Grundsätzen steuerlicher Gerechtigkeit widersprechen, wenn man die wirklich leistungsfähigen Schultern nicht auch entsprechend belastete.
Eine weitere Erleichterung ist die Möglichkeit der Zahlung einer zwanzigjährigen Rente statt einmaliger
Der Hotensee.
Roman von Martin Wehrau. 20
„Abex ein braver, ich kenne ihn genau. Jedenfalls wird ex'Ihnen die Summe vorschießen, wenn er sich überzeugt hat, daß dies an einen würdigen Schuldner geschieht. Schließlich ist ja ein Versuch kein Beinausreißen."
„Na ja, probieren kann man's. Wie gesagt, nur fürchte ich, es wird nichts helfen. Ich werde sofort mit dem Herrn Grafen auch darüber reden."
„Gut! Lassen Sie aber auf jeden Fall bei dieserllnter- rebung mich aus dem Spiel, sonst habe ich das letzte Mal mit Ihnen gesprochen," drohte sie.
„Um Gottes willen, gnädiges Fräulein, nur das nicht!" stammelte der erschrockene Verwalter, „ich will schweigen wie das Grab."
„Hoffen wir!"
Die junge Dame erhob sich nunmehr und band ihr Pferd los, worauf sie sich unter Zuhilfenahme desBaum- stammes in den Sattel schwang. Iahn die Hand zum Abschied reichend, die dieser kräftig schüttelte, sagte sie: „Falls Sie gute Nachrichten erhalten, schreiben Sie mir sofprt, aber im Kuvert, verstehen Sie!?"
„Selbstverständlich!!'
„Dann also adieu!" Sie neigte noch einmal das Haupt und nmr bann hflld zwischen Bäumen entschwunden, während der alte Herr etwas erleichterten Herzens sich unschickte, den Grafen gufzusuchen.
Charlotte ritt in kurzem Galopp den Weg zurück, welchen sie gekommen war und ließ den Fuchs erst eine Weile hinter dem Wäldchen im Schritt gehen. Ihr Gesicht zeigte einen merkwürdig freudigen Ausdruck. Man konnte es fast als Schadenfreude bezeichnen.
„Die Gauner werden schöne Augen machen, wenn ihnen das Geld blank auf den Tisch gezählt wird,"
dachte sie, vergnügt lachend. „Dafür, daß Ganzer die Summe hergibt, werde ich schon sorgen. Der eine der Jungen kommt' ja heute oder morgen auf unsern Hof wegen des Roggens, da will ich ihn bearbeiten, ohne daß er es merkt. Trotz ihres Judentums sind sie ja so gutmütige Menschenkinder, die dicken Ganzers!"
Von weitem erblickte sie den Damm der an Eistedt vorbeiführenden neuen Bahn, an dessen Fertigstellung Hunderte von Arbeitern und Arbeiterinnen, meistens Polen, im Schweiße ihres Angesichtes arbeiteten. Charlotte interessierte das bewegliche Schaffen sehr und sie beschloß sich auch heute von dem Fortgange der Arbeiten zu überzeugen.
Mit einem leichten Zügelruck brächte sie das Pferd in die gewünschte Richtung.
Man begann gerade einen Hügel abzugraben, um das zur Ebnung der durch dasnebenanliegende Tal führenden Strecke notwendige Erdmaterial zu beschaffen. Die Arbeiter trugen infolge der sengenden Hitze nur Hose und Hemd und auch der Anzug der mitarbeitenden, gegen die Sonne durch ein weißes oder farbiges Leinwandkopftuch geschützten Frauen war so leicht wie nur möglich. Von den dunkelbraun gebrannten Gesichtern strömte der Schweiß und selbst die sehr leichte Kleidung zeigte sich über und über mit dieser Hautausscheidung durchsetzt. Kräftig stieß man den Spaten mit dem Fuß in die Erde, von welcher man vorher die hindernde Rasenschicht abgelöst, und warf dann das abgelöste Erbstück in die nebenan auf Schienen laufenden Kipplo- ris, die, nach kurzer Zeit gefüllt, hierauf von einer kleinen Lokomotive nach der Ausladestelle geschafft wurden. Daneben standen die Vorarbeiter, welche entweder schimpfend oder mit ermunternden Worten die ihnen Untergebenen zu immer größerer Tätigkeit anspornten.
Das Resultat dieser gewaltigen Arbeitsleistung gestaltete sich denn auch sichtbar günstig, der Bahndamm wuchs förmlich vor den Augen der Beobachter.
Nachdem Charlotte einen Augenblick zugeschaut Ijatte, schrillte plötzlich eine Pfeife, als Zeichen, daß die Vesperpause herangekommen war und die Arbeiter ihre ermüdeten Glieder während einer halben Stunde ausruhen, sowie den mittlerweile recht lautbar gewordenen Hunger mit den vorhandenen Eßwaren stillen konnten.
Charlotte durchritt langsam das Bauterrain und übersah prüfend die geleistete Arbeit, die seit ihrem letzten Hiersein mächtig gefördert worden war. Sieachtete dabei gar nicht auf die nächste Umgebung, so daß sie fast zusammenfuhr, als sie plötzlich hinter" sich eine tiefe Stimme die Worte sprechen hörte: „Ihr gehorsamer Drener, meine Gnädigste, so habe ich denn endlich wieder das Vergnügen, Sie auf meinem Arbeitsfelde begrüßen zu können." 160,18
Charlotte hatte die ihr im höchsten Grade unsympathische Stimme sofort erkannt. Sie gehörte dem Ban- unternehmer Willbert an, der die prächtige Gestalt der jungen Dame mit leidenschaftlichen Blicken musterte. Als sie mit sehr reserviertem Gesicht den Kopf wandte und mit kurzem Nicken den Gruß erwiderte, fiel ihr angesichts des brandroten Haarwustes des vor ihr Stehenden der Volksspruch ein, welchen der alte Iahn einmal gebraucht hatte, wie die Rede auf Willbert gekommen war: „Rotes Haar und Erlenholz wachsen auf keinem guten Grund". In der Tat, wie widerlich der Mensch aussah? Und das sollte der Freund ihres Bm- ders sein? Sie verstand Willi absolut nicht. Er war zwar immer ein bißchen leichtsinnig gewesen. Daß er sich aber mit diesem protzenhaft aufgeblasenen Manne so eng befreunden konnte, das ging ihr doch über alle Begriffe. Nun, mochte der immerhin machen, was er wollte, sie hatte ihm ja erst heute in ihrem an ihn abgesandten Brief gründlich ihre Meinung gesagt^ sie jedoch sollte diese sogenannte Freundschaft nicht abhalten, dem Manne möglichst deutlich ihre Verachtung zu zeigen. Sie warf ihm deshalb statt jeder Antwort nur einen beleidigenden Seitenblick zu und ritt weiter.