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Münzen des Eisenbahngesetzes von 1838 die Bestim­mungen des Enteignungsgesetzes von 1874 treten. Der Antrag wurde einer besonderen Kommission überwiesen.

Der jüngst unternommene heftige Vorstoß des Zentrums gegen den Reichskanzler waren offensichtlich von der Absicht eingegeben, den Fürsten Bülow bei dem Kaiser in Mißkredit zu bringen. Wie wenig das gelungen ist, beweist schon rein äußerlich die Tatsache, daß der Kaiser seit einiger Zeit fast täglich bei dem Kanzler vorspricht, und daß das offiziöse Wolffsche Te­legraphenbureau darüber jedesmal berichtet.

In dem Berliner Landfriedensbruchprozeß gegen die vier Leute die bei der Arbeitslosendemonstration am Tage des Einzugs des Königs von England in Berlin Fahnen von den Omnibussen gerissen und anderen Un­fug begangen hatten, sprach das Gericht den Ange­klagten Schirow frei und verurteilte Tiedemann zu 9 Monaten Gefängnis, Böcker und Schelle zu je vier Wochen Haft.

Die deutsche überseeische Auswanderung ist im Jahre 1908 gegen das Vorjahr, wo sie noch 31 696 Personen betrug, um 11 813 zurückgegangen und er­reichte hiermit von allen seit 1871 vorliegenden Ziffern den geringsten Stand. An der Gesamtzahl der deut­schen Auswanderer im Jahre 1908 (19 883) sind als Auswanderungsgebiete beteiligt: Brandenburg mit Berlin Mit 2159 Personen, Posen, Hannover, Rheinland, Kö­nigreich Bayern, Königreich Sachsen mit je über 1000, Westfalen und Königreich Württemburg mit über 900 Personen.

Ausland.

Die Pariser Post- und Telegraphenbeamten be- schloffen am Mittwoch Vormittag die Wiederaufnahme der Arbeit.

Einer Londoner Meldung zufolge soll die Ex­pedition des englischen Leutnants Shackleton den Süd­pol erreicht haben.

Serbien. Am Montag hatte der König Peter mit dem Kronprinzen eine mehr als zweistündige Un« terredung, in der er dem Thronerben wegen seines herausfordernden Auftretens scharfe Vorstellungen machte. Teldgraphisch wird hierüber gemeldet: Der König sagte dem Kronprinzen, der französische und der russische Gesandte hätten in ihren jüngsten Audienzen die dringende Bitte an ihn gerichtet, daß der Kron­prinz seine agitatorische Tätigkeit für den Krieg ein« stellen möge. Die Unterredung zwischen dem König und dem Kronprinzen endete mit einem scharfen Kon­flikt. Der Kronprinz erklärte:Ich teile die Ansichten des gesamten serbischen Volkes und trete für dasselbe ein, weil ich sein zukünftiger König bin. Die Mei­nungen eines unaufrichtigen Ministers wie Mielowano- witsch kann ich nur auf das tiefste verachten." Hierauf begab sich der Kronprinz ins Kriegsministerium, wo er mit dem Kiegsminister eine längere Unterredung hatte. Immer deutlicher stellt sich heraus, daß der Kriegs« minister Zivkowitsch als Intimus des Kronprinzen die treibende Feder der Kriegsparteiist. Die Verhandl. den Mächten dauern nach einer offiziösen Verlautbarung derK. Z." fort und zwar scheint England sich, nach­dem die deutsche wie die italienische Aktion nichts er­geben zu haben scheint, besonders mit der Aufgabe zu beschäftigen, eine Formel zu finden, die, nachdem sie die russische Zustimmung erhalten hat, Serbien aufer« legt werden kann, die aber auch so beschaffen sein soll, daß sie den österreichischen Bedingungen entspricht. Bis­her ist das noch nicht gelungen, man wird nicht fehl­gehen, anzunehmen, daß die Schwierigkeit bei Rußland liegt. Der Vorabend des Krieges. Auch die letzten Vermittelungsversuche der Mächte scheinen schon wieder gescheitert; selbst England, das wohl vor allem Ruß­land vor neuen Schlägen bewahren möchte, ist mit seiner Anregung undFormel" nicht glücklicher gewesen als seine Vorgänger; es war, wie heute im Konzert der Diplomatie meist, viel Geschrei und wenig Wolle, viel Jntrige und Schreiberei, aber keine wirksame Hand­lung und befreiende Tat. Dadurch hat Oesterreich wieder die Freiheit des eigenen Entschlusses zurücker­langt, und das ist vielleicht wohl das Beste daran. Graf Forgach überreichte spätestens, wie aus Pest ge­meldet wird, am Freitag dem Belgrader Kabinett eine Note, in der energisch die Zurücknahme der bekannten Skupschtina-Resolution und die Abrüstung gefordert und zur Erfüllung oder Ablehnung dieser Forderungen eine dreitägige Frist gegeben wird. Im übrigen wird aus Wien gemeldet, daß die akute Verschlimmerung der Lage ununterbrochen anhält. Auf österreichischer wie auf serbischer Seite dauern die Rüstungen ununter­brochen fort. Wenn sich also auf der bisherigen Linie die Entwickelung weiter vollzieht, so können in nächster Woche unter Umständen an der Donau schon die Ka­nonen donnern. Denn bis Ende dieses Monats muß die Krise für Oesterreich eine klare Entscheidung erhal­ten haben, sonst bleibt eben nur die ultima ratio Nach einer Angade derN. F. Pr." erfolgt cnventuell ohne jedes Ultimatum, bloß unter gleichzeitigem Ausdruck des Bedauerns an die Mächte darüber, daß die diplomatt- schen Mittel Europas erschöpft seien, der Einmarsch in Serbien unter stillschweigender Zustimmung Europas. Aehrenthal hat sich längst vergewissert, daß Deutsch- Manbs Bundestreue und Italiens korrekte Neutralität

von keiner Seite auf die Probe gestellt werden und Rußland vorläufig nicht die geringste Neigung zum Kriege hegt. ,

Aus Newyork wird unterm 23. März gemeldet: Die Fahrt des früheren Präsidenten Roosevelt von Oysterbay uach Hoboken, von wo Roosevelt seine Af­rikareise antrat, glich einem Triumphzuge. Ueberall jubelten Tausende dem früheren Präsidenten zu. Die Piers der Hamburg-Amerika-Linie waren beflaggt. In Hoboken wurde Roosevelt von Beamten der Hamburg- Amerika-Linie und von zahlreichen offiziellen Persön­lichkeiten empfangen. Die Kapellen spielten dieWacht am Rhein" undDie Sternenbannerhymne". Roose« velt bewohnt auf derHamburg" die Kaiserkabinen, die die Bildnisse des Kaisers, der Kaiserin und des Präsidenten Taft schmücken.

Males und Provinzielles.

Schlüchtern, 26. März 1909.

-* Die am 1. April 1909 fällige 2 Rate Kirchen-Steuer der evangelischen Kirchen-Gemeinde Schlüchtern wird in der Zeit vom 1. bis 15. April erhoben werden.

* Am Sonntag, den 21. d. Mts. hielt der hiesige Zweigverein des Evangelischen Bundes in der Turnhalle einen Familienabend ab. Die beiden Vor- träge des Abends behandelten nicht, wie sonst, geschicht­liche Themata, sondern Gegenstände, welche das volks­wirtschaftliche Gebiet berühren. Der fesfelnde Bortrag des Herrn Pfarrers Lambert-Hanau handelte von der Wechselwirkung zwischen Religion und wirtschaftlicher bezw. kultureller Entwicklung und führte zahlreiche interessante Tatsachen dafür an, daß es für den wirt­schaftlichen und kulturellen Fortschritt eines Volkes auch darauf ankomme, auf welcher religiösen und sitt­lichen Stufe die Majorität des Volksganzen steht. Der gediegene und lehrreiche Vortrag des Herrn Se­minarlehrers Rühmann behandelte sodann den Einfluß des Alkohols auf unser Volksleben und brächte eine Fülle von Beispielen wie auch reiches statistisches Material über die Folgen des Alkoholmißbrauchs. Die Beispiele und statistischen Angaben wurden durch An- schauungs-Tafeln dem Zuhörer auch noch gewisser­maßen im Bilde vor Augen geführt. Der aufmerksame Hörer konnte aus beiden Vorträgen reiche Anregung mit hinwegnehmen. Die Vorträge wurden umrahmt durch Gesänge des Kirchenchors und Seminarchors.

* Der Heimatbund versammelt am Mittwoch nach Ostern alle seine Helfer oder Pfleger in Schlüchtern zu einer gemeinsamen Sitzung, in der der Plan für die Sommerarbeit festgestellt werden soll. Am 25. April wird das Rhein-Mainische VerbandstheaterDer Widerspenstigen Zähmung" von Shakespeare hier zur Aufführung bringen.

* Die hiesigen Metzgermeister haben die Haus­haltungsvorstände durch eine nahmhafte Herabsetzung der Fleischpreise erfryit, die namentlich vor den Fest­tagen doppelt willkommen ist.

* Am 1. April 1909 wird für den Regierungs- Cassel eine neue Gewerbe-Jnspektion mit dem Amtssitz in Hanan errichtet. Gleichzeitig werden die Bezirke der Gewerbeinspeklionen des Regierungsbezirks Eassel wie folgt abgegrenzt: 1. Gewerbeinspektion in Casfel, umfassend den Stadt- und den Landkreis Cassel und die Kreise Frankenberg, Fritzlar, Wolfhagen, Hofgeis- mar und Grafschaft Schaumburg. 2. Gewerbeinspektion in Fulda, umfassend die Kreise Schlüchtern, Gersfeld, Fulda, Hünfeld, Hersfeld, Ziegenhain und Herrschaft Schmalkalden. 3. Gewerbeinspektion in Eschwege um­fassend die Kreise Homberg, Melsungen, Witzenhausen, Eschwege und Rotenburg. 4. Gewerbeinspektion in Hanau, umfassend den Stadt- und Landkreis Hanau und die Kreise Gelnhausen, Marburg und Kirchhain.

* Eine neue unglaubliche Submissionsblüte ergab sich bei der Vergebung der Schlosserarbeiten an der Kaserne des Eisenbahnregiments zu Hanau. Die höchste Forderung war 3497 Mk., die niedrigste 1979 Mk. Am 23. d. Mts. ist der Hausbursche Georg Lang von hier, welcher in einem hiesigen Bijouterie- geschäft beschäftigt war, mit 800 Mark flüchtig ge­gangen. Lang war beauftragt, das Geld von der Bank zu holen, statt dasselbe abzugeben, suchte er das Weste.

* Eintrittspreise beim Kaiser-Wettsingen in Frank­furt. Für den Besuch des Gesangwettstreits sind die Preise der Plätze folgendermaßen festgesetzt worden: Dauerkarten: 1. Parterre 25 Mk , 2. Parterre 20 Mk., 1. Rang 1. und 2. Reihe 30 Mk., 3. und 4. Reihe 25 Mk., die übrigen Reihen 20 Mk. Einzel­karten : Parterre Begrüßungskonzerte 5 Mk., jeder Wettgesang 3 Mk., Preissingen mit Preisverteilung 6 Mk.; 1. Rang Begrüßungskonzert 10 Mk, jeder Wettgesang 4 Mk., Preissingen mit Preisverteilung 10 Mk. Der Verkauf der Plätze wird im letzten Drittel dieses Monats beginnen, und zwar zunächst nur für die Dauerkarten, Einzelkarten können erst nach Schluß des Dauerkartenverkaufs und selbstverständlich nur soweit zum Verkauf gestellt werden, als abge« sehen von einer beschränkten Zahl von Plätzen solche von dem Dauerkartenverkauf übrig bleiben.

* Am 3., 4. und 5. Juli d. Js. findet in Witzen­hausen das 1. Kurhessische Sängerbundesfest statt. Der Kurhessische Sängerbund umfaßt die meisten Männer-

gesangvereme im Gebiet des ehemaligen Kurfürstentums Hessen und hat augenblicklich etwa 2000 Mitglieder. .Das Fest scheint nach den Vorbereitungen zu schließen, die bereits jetzt getroffen werden, ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes zu werden, auch dürfte die Beteiligung aus unserem Hessenlande eine sehr reiche sein. Als Festplatz ist dieBischhäuser Aue" in Aussicht genommen. Verbunden mit diesem Sänger« bundesfest ist die 75jährige Jubelfeier des hiesigen Gesangvereins Liedertafel.

vermischtes.

Die Opfer der Automobile. Wie dieFranks. Ztg." mitteilt, traten in der Zeit vom 1. Oktober 1907 bis 30. September 1908 beim Verkehr mit Kraftfahr­zeugen 5069 schädigende Ereignisse ein, an welchen 5312 Kraftfahrzeuge beteiligt waren. Verletzt wurden 2630n Personen, uud zwar 188 Führer, 431 Wagen- insassen und 2011 andere Personen. Getötet wurden 141 Personen und zwar zwölf Führer, 22 Insassen, und 107 andere Personen. Der angerichtete Schaden beträgt 811 663 Mark.

Von den Schwurgerichten der Landgerichte 1 und 3 in Berlin begannen die Prozesse wegen der Er- morderung des Wiener Juweliers Frankfurter durch den Kaufmann Henkel und der Erschießung des Stein- setzmeisters Marschner durch den Referendar v. Igel, v. Igel wurde zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt.

Vor der Strafkammer in Brandenburg wurde der Amtsschreiber Schultze wegen Tötung seiner Mutter und Großmutter zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Pyrmont. Ein Kind mit zwei Köpfen kam vor einigen Tagen in einer Nachbargemeinde zur Welt. Die Köpfe waren bis zum Kinn zusammen­gewachsen.

Dem Heimatmuseum

wurden weiter folgende Jnventarstücke zugeführt:

33. Ein weiß und blau gemaltes Kaffeekännchen aus Steingut (18. Jahrhdt.) (Geschenk des Herrn Landrats Valentiner).

34. Eine Kaffeekanne und 1 Milchkanne aus braun- glasiertem Steingut, von Bellings stammend. (1. Hälfte des 19. Jahrhdt.)

35. Ein interessanter Leuchter aus Blech mit verstell­barem Schirmhalter und mit französischer Inschrift, vermutlich aus dem Jahre 1810.

36. Ein bemalter Meißener Porzellanteller, etwa v. 1830.

37. Eine Kanne aus Steingut, dunkelbraun und orange- rot abgesetzt und mit stilisierten bunten Blumen in erhabener Arbeit dekoriert; aus Niederzell, etwa Von 1800. (Geschenk des Herrn Landrats Valentiner)^,

38. Eine Kanne aus Steingut, dunkelbraun mit einem Herzen und farbigen Blumen sowie weißen Perlen dekoriert. Aus Niederzell; etwa von 1750. (Geschenk des Herrn Landrat.)

39. Kauf- und Erbbrief für Adam Herbert zu Weiperz aus dem Jahre 1739, gewidmet von Herrn Bür- germeister Müller-Weiperz. (Eigentumsrecht Vor­behalten.)

40. Ein sehr altes, eigenartig konstruiertes Wälgerholz. (Geschenk des Herrn Schneidern!. Philipp Baist I.)

41. Ein Hypothekenbrief mit französischem Visum aus 1807. (Von demselben.)

42. Ein gedruckter Pachtvertrag von 1842. (Von dems.)

43. Landesherrliche Verkündigung der Kurfürsten vom

28. Juni 1850. (Geschenk des Herrn Schreiner­meisters H. Heinbuch.)

44. Ein Flachshechel. (Geschenk des Herr Kaspar Lang in Niederzell.)

45. Ein Lichtspanhobel.) (Von demselben.)

46. Bittgesuch desSchutzjuden" Kaufmann um Hei­ratserlaubnis rc. aus dem Jahre 1804. (Geschenk des Herrn Weichet.)

47. Kontrakte betr. Militärdienst-Stellvertretung v. 1848

48. Heirats-Consens u. Militärpapiere v. 1853 u. 1859. (Geschenke des Herrn Karl Reuter.)

4g. 3 Telegramme der Kaiserl. Silherkammer an einen hiesigen Bürger.

50. 1 Testament von 1793 und 1 interessante Schlosser­rechnung von 1828. (Geschenke d. Herrn Hasenstein).

Pfeildreieck-Seifen

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern. Sonntag den 28. März 1909.

Evangelische Gemeinde: Vormittags 10 Uhr: Herr Pfarrer Rollmann.

Nachm. 17a Uhr: Prüfung der in diesem Jahre zu

konfirmierenden Mädchen: Herr Superintendent Orth. Wochendienst: Herr Pfarrer Rollmann.

Ab ends 7 Uhr Passionsgottesd. Herr Pfarrer Rollmann

Katholische Gemeinde

Vorm.: 10 Uhr: Herr Kaplan Roßbach-Sannerz.

W^ Hierzu eine Beilage. -HW