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mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 19.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf am 2. März morgens 8 Uhr in Oldenburg ein und wurde am Bahnhof vom Groß- Herzog und der Großherzogin empfangen. Der Kaiser fuhr mit dem Großherzog nach dem Palais, wo das Frühstück eingenommen wurde. Nach dem Frühstück fuhr der Kaiser im Sonderzug nach Wilhelmshaven weiter, wo er um 12 Uhr eintraf. Am Bahnhof Ware i zur Begrüßung Prinz Heinrich, der Stationschef Ad­miral von Fischel und der Inspekteur der zweiten Ma- rineinspektivn, Kontreadmiral Schröder anwesend. Nach der Begrüßung der Admirale bestieg der Kaiser das Automobil und fuhr nach dem Exerzierhaus zur Re­krutenvereidigung.

Der König von Sachsen hat von Antwerpen die Seereise nach Italien angetreten.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die Bera­tung des Kolonialetats fort. Abg. Erzberger (Z.), der seine Anerkennung für Staatssekretär Dernburg aus- sprach, trug allerlei Wünsche und Beschwerden vor. Abg. Dr. Arning (natl) besprach eingehend die Be° siedelungspolitik. Am Montag kam Staatssekretär Dernberg auf eine Reihe von Anfragen und Beschwer­den zurück, die im Laufe der Debatte vorgebracht worden waren. Insbesondere charakterisierte er die negative Politik der Sozialdemokratie sehr scharf und treffend und versprach eine Reform des Gouverne­mentsrates nach der Richtung, daß die Nichtbeamten stärker herangezogen werden sollen. Er betonte die Einigkeit der bürgerlichen Parteien in Kolonialfragen im allgemeinen und versprach das nationale, kulturelle und kommerzielle Programm nach Kräften zu fördern. Schließlich wurde das Gehalt des Staatssekretärs be­willigt und dann noch nach unwesentlicher Debatte die einzelneu Kapitel des Etats für Ostafrika.

Das preußische Abgeordnetenhaus begann am Sonnabend die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern. Von konservativen und nationalliberalen Rednern wurde über die Verschärfung der dänischen Agitation in Nordschleswig geklagt. Minister des Innern v. Moltke erklärte, daß auch nach seiner An­sicht sich die dänisch sprechende Bevölkerung von den Deutschen immer mehr absondere und deshalb eine Unterstützung der deutschen Elemente in Nordschleswig erforderlich sei. Die Regierung wolle vor allen Dingen dafür sorgen, daß die Heranwachsende Jugend dem Deutschtum erhalten werden. Es sollen Maßnahmen getroffen werden, um dem Uebergang deutschen Grund-

Der Hotenfee.

Roman von Martin Wehrau. 3

Ihm fiel die Szene ein, welche sich anläßlich seines letzten Zusammentreffens mit ihr,abspielte und wo sie ihm als Andenken ihr Bild mit eigenhändiger Unter­schrift überreichte.

Auch Sie gehen von hier," klagte sie,auf den ich bauen konnte zu jeder Zeit der Not. Ja, es wird einsam um inich."

Ich gehe zwar," erwiderte er voll Eifer,doch ge­wiß, ich kehre wieder."

Da hatte sie ihm frendig lächelnd die Hand gereicht, die er mit tiefer Inbrunst küßte.

Jetzt, in diesem Augenblick aber wußte er, er würde niemals zurückkehren. Der schöne Traum war ausge­träumt, der ihn alles hatte vergessen lassen, selbst die Hei­mat.

Mit finsterem Trotz hob er das Gesicht. Mochte kom­men, was da wollte, er würde leben und sterben als ein Grandseigneur, auf dessen Ruf auch nicht der ge­ringste Makel lastete. Nach seinem Tode mochte die an­geerbte Scholle erwerben, wer da wollte, bei seinen Leb­zeiten jedoch sollte niemand darauf der Herr sein, als er allein.

Vorerst aber wollte er den verlorengegangenen Ka­pitalien nachspüren. Irgend etwas über die selben mußte sich doch in den alten Familienpapieren ermitteln lassen, welche er bei des Vaters Tode nach kurzer oberfläch­licher Durchsicht in einem alten eisernen Wandschrank einschloß, ohne sich noch genauer über die Vergangen­heit zu informieren. Ihn beschäftigten damals ganz andere Dinge. Ja, das wollte er tun, und zwar sogleich.

Beim Erheben fiel sein Blick auf das Boot, das von dem jungen Mädchen gelenkt wurde und das sich nun­mehr in der Nähe des diesseitigen Ufers befand. Die Insassin, welche ihre Ruder kräftig gebrauchte, wandte

Samstag, den 6. März 190S

besitzes in dänische Hände Einhalt zu tun. Abg. Dr. v. Heydebrand und der Lasa (kons.) berührte den Fall Schücking, worauf Minister v. Moltke erklärte, daß er sich mit Rücksicht auf das gegen Schücking gerichtete Disziplinarverfahren die größte Zurückhaltung aufer­legen müsse. Er habe eine rein objektive Stellung in dem Verfahren eingenommen. Am Montag hielt Minister v. Moltke eine Rede gegen die Sozialdemo­kratie, die angeblich, wie der Abg. Hirsch am Sonn­abend ausgeführt habe, nur mitgeistigen" Mitteln kämpse. Die Straßendemonstrationen könne er aber nicht gerade als einen Kampf mitgeistigen" Waffen bezeichnen. Dann nagelte er die Sozialdemokraten auf die bekannten Bebelschen Ausführungen Vorn Nürn­berger Parteitag fest, der den süddeutschen Genossen gegenüber von einem Kampf umKopf und Kragen" in Preußen gesprochen hatte, und wies an der Hand anderer Aueßerungen die Notwendigkeit des polizeilichen Eingreifens nach. Den Vorwurf, daß Geheimpolizisten als Spitzel in den Reihen der Sozialdemokraten pro­vokatorisch tätig seien, widerlegte er, indem er gleich­zeitig sein sofortiges Eingreifen zusagte, wenn sich tat­sächlich ein solcher Fall ereignen sollte. Aber wie not­wendig eine Uebeovachung durch die Geheimpolizei sei, das hätten gerade die bedauerlichen Vorfälle am Ein­zugstage des englischen Königs gezeigt.Erst ver­hetzen und dann über Gewalt schreien, das ist Ihr Prinzip!" so schloß der Minister unter lautem Beifall.

- Der Hafenarbeilerstreik in Kiel dauert an. Das ArbeitswilligenschiffVirgo" ist mitten im Handels­hafen verankert, so daß es nur mit einem Fahrzeug erreicht werden kann. Es wird dadurch verhindert, daß die in großer Zahl am Hafen sich aushaltenden Ausständilchen und sonstige Arbeitslose das Schiff be- ircten. Ein Kieler Dampfer bringt die Arbeitswilligen vom Schiff nach den Arbeitsplätzen, wo die Schutz- mannschaften den Kai absperren. Die Löschung der Kohlendampfer geht glatt von statten. Dank den ge­troffenen Vorsichtsmassregeln ist es an den ersten Tagen nicht zu Zusammenstößen zwischen Arbeitswilligen und Feiernden gekommen.

Zur Wahlrechtsreform in Hessen hat die erste hessische Kammer einstimmig einen Ausschußantrag an­genommen, dem Anträge der Zweiten Kammer zuzu- stimmeu, welcher dahin geht, daß die Regierung bal­digst eine neue Wahlrechtsvorlage auf der Grundlage des direkten Wahlrechts vorlege, die Verbindung mit Gesetzentwürfen über Abänderung der Verfassung und der Wahlrechtseinteilung.

ihm den Rücken zu und so vermochte er nicht zu erken­nen, wen er vor sich hatte. Die Dame, eine solche war es auf jeden Fall, besaß eine hohe, ebenmäßig gebaute Gestalt und, was besonders auffiel, eine außerordent­liche Fülle bräunlichen Haares, welches in vielen Rin­geln unter einem weißen, breitrandigen Strohhut her- vorquoll. Sie beschäftigte sich dermaßen mit der Ru­derarbeit, daß sie gar nicht die Gefahr bemerkte, auf welche sie direkt lossteuerte.

Ein großer Baumstamm, vor einigen Tagen von Holzhauern gefällt, war nämlich durch irgendwelche Ur­sachen dem Abhang hinab in das Wasser gerollt, wo ihn die Wellen als willkommenes Spielobjekt ergriffen und mit sich fortführten. Er trieb gerade auf das Bot .zu, die scharfe Spitze auf dieses gerichtet. Ein Zusammen­stoß mußte zu einem Unfall schwerster Art führen..

Kaum gewahrte der Gras die gefahrdrohende Situation, als er unter fortwährendem Rufen nach dem Ufer eilte. Das Mädchen hörte ihn und wandte erschreckt den Kopf, wobei ein liebreizendes, edelgeschnittenes Gesicht zum Vorschein kam. Jetzt gewahrte sie auch den Baumstamm, der nur wenige Meter von dem Boote entfernt schwamm. Energisch setzte sie die Ruder ein und versuchte mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft auszuweichen. Zu spät! Bei der Schnelligkeit des Fahrzeuges wirkte der Stamm wie ein Mauerbrecher; ein Stoß .. und gleich einem Zigarrenbrettchen zersplitterten die starken Eichenbohlen, worauf das Wasser mit rasender Gewalt in das kleine Schifflein drang. Nur noch Sekunden, dann würde es gesunken sein.

Graf Rolf konnte nicht anders, er mußte die Ver­unglückte bewundern. Ihre Geistesgegenwart verließ sie nicht eine Minute. Als sie sah, daß das Unglück unver­meidlich wurde, entledigte sie sich blitzschnell der Schuhe und des Oberrockes, welche Gegenstände sie beim Schwim­men, worin sie jetzt ihre Rettung suchen mußte, nur hinderten, und sprang dann, trotzdem das Boot noch nicht ganz im Wasser verschwunden war, über Bord.

60. Jahrgang.

Hinrichtungen in Preußen. In den 6 Jahren von 1902 bis 1907 sind in Preußen 88 Hinrichtungen erfolgt, die an 88 Männern und 8 Frauen vollzogen wurden. In den einzelnen Jahren schwankt die Zahl der Hinrichtungen zwischen 4 und 21. Im Jahre 1907 betrug sie 15, kam also dem Durchschnitt 14,7 gleich. Von den Provinzen hatte in dem sechsjährigen Zeitraum die meisten Hinrichtungen Schlesien mit 18; dann folgen Brandenburg, Posen und Rheinland mit je 11, Sachsen mit 9, Hannover mit 8, Ostpreußen mit 7, Pommern, Westfalen, Schleswig-Holstein und Hesfen-Nasfau mit je 3 und Westpreußen mit 1.

Die Fürstin Maria Theresia von Hohenzollern ist in Cannes gestorben.

- - Herr Krupp von Bohlen und Halbach in Essen stiftete jährlich 10000 M. für luftelektrische Forschungen an der Universität Göttin gen.

Ausland.

Aus Innsbruck wird vom 2. März gemeldet: Gestern begab sich ein Kaiserschützenabteilung von 25 Mann und 6 Offizieren, darunter 2 Obersten, von Trient durch das Val-Sugana nach Lavarone. Heute nacht ist nun in Trient die Nachricht eingegangen, daß die ganze Abteilung von einer Lawine verschüttet worden sei. Einzelheiten fehlen noch. Ein Hülfszug ist abgegangen. Die Höhe des neu gefallenen Schnees in dieser Gegend beträgt 1,40 Meter.

Das Protokoll über das österreichisch-türkische Abkommen welches alle Streitfragen zwischen Oester­reich-Ungarn und der Türkei regelt und die Annexion Bosniens und der Herzegowina anerkannt, ist in Kon- stantinopel unterzeichnet worden. Gleichzeitig ist der BovkPt österreichisch-uugarischer Waren offiziell für beenden erklärt worden.

In der Antwort Rußlands auf die serbische Note wird bezüglich der serbischen Ansprüche auf terri- torriale Kompensationen gesagt, daß Rußland und die anderen Mächte mit den serbischen Ansprüchen nicht sympathisierten und sie nicht unterstützten. Die Ent» scheidung möge den Mächten überlassen bleiben. Da­rüber sind nun dieedlen" Serben auf höchste auf­gebracht. In Belgrad wird vom russischen Verrate geredet und Rußland jeden Einflnß auf die Weltpolitik abgesprochen.Rußland hat uns diesmal auch im Stiche gelassen", wird gesagtund hat uns verraten. Der Empfang des Thronfolgers und des Ministers Paschitsch in Petersburg war nur eine Spiegelfechterei eine Einschläferung." Die Belgrader Blätter führen.

Mit kräftigen, gleichmäßigen Stößen schwamm sie dann dem noch ziemlich weit entfernten Strande zu, wo Rolf sich eben trotz langer Stiefel und Jagdrock anschickte, ins Wasser zu gehen.

Nicht nötig!" rief sie ihm zu.Ich komme schon allein ans Ufer."

In seiner Aufregung überhörte er völlig diese Worte und schritt weiter durch den morastigen Grund, bis er den Boden unter den Füßen verlor. Er war nie ein be­sonders guter Schwimmer gewesen, und da ihn auch noch die schweren Stiefel hinderten, machte er nur mühe­voll die einzelnen Schwimmbewegungen. Schließlich er­lahmten seine Kräfte und er wußte gar nicht mehr, wes­halb er eigentlich in den See gegangen war, er sah nur, daß es um sein eigenes Leben ging. Seine Sinne ver­schleierten sich bei der ungeheuren Anstrengung sich über Wasser zu halten.

DerTodeskampfjedoch ließ ihn nurnoch einige krampf­hafte Stöße machen, die allgemach schwächer wurden. Dann stellte er auch diese ein und der Körper verschwand von der Oberfläche, nur kreisförmige Ringe deuteten die Stelle an, wo er untergegangen war.

Inzwischen schwamm die junge Dame dem Ufer zu, ohne sich weiter um den sie retten Wollenden zu beküm­mern. Sie stand in kurzem auf festem Boden und schüt­telte sich das Wasser aus den Kleidern.

Da vernahm sie ein klägliches Geheul und Hinschau- end, gewahrte sie, wie sich ein brauner Hühnerhund im Wasser bemühte, einen anscheinend leblosen Körper ans Land zu dirigieren. Sie blickte sich nach dem jungen Manne um, doch dieser war verschwunden.

Mein Gott, sollte er ..."

Sie vollendete nicht, sondern ging sofort wieder ins Wasser zurück. Nur mit großer Mühe vermochte sie mit Hilfe des Hundes den Verunglückten ans Ufer zu schaffen, wo sie sofort Wiederbelebungsversuche an- stellte. Dieselben gelangen nach kürzer Zeit. 160,18