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SchlüchtemerAAng

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

__________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".__

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 15.

Amtliches.

J.-Nr. 476 K.-A. Die Herren Landwirte des Kreises, welche Bullen züchten, ersuche ich, mir künftig 14 Tage vor jedem Körungstermin durch Karte mit zuteilen, ob und mit wieviel Tieren sie die Körung zu beschicken beabsichtigen. Dabei bitte ich die Ohrmarke des Bullen und der Mutter desselben anzugeben.

Schlächtern, den 10. Februar 1909.

Der Kgl. Landrat: Valentin er.

34, Kommunallandtag.

Am Montag mittag wurde in Cassel im Sitz­ungssaal des Ständehauses der 34. Kommunallandtag eröffnet. Das Haus war fast vollzählig besetzt. Die Zuschauertribünen waren voll besetzt. Punkt 5 Uhr erschien Präsident Hengstenberg und eröffnete die Tagung des Landtages mit folgender Rede:

Geehrte Herren!

Namens der Königlichen Staatsregierung heiße ich Sie auch bei Ihrem diesmaligen Zusammentreten willkommen. Wir alle stehen noch unter dem frischen Eindrücke der Naturereignisse, die vor kaum mehr als einer Woche auch unser Land betroffen haben. Wenn­gleich hier nicht Verheerungen, so will ich doch auch an dieser Stelle der menschlichen Teilnahme Ausdruck geben, die uns alle bei dem Gedanken an das be­schädigte Hab und Gut unserer Mitbürger erfüllt.

Ihre Beratungen beginnen diesmal früher als in den beiden letzten Jahren. Der Grund hierfür liegt in der Dringlichkeit, die Ihre Verwaltung denjenigen Vorlagen beimißt, die die Beamten des Bezirksverbandes be­treffen. Die Vorlagen über die Regelung der Dienff- und Besoldungsverhältnisse dieser Beamten wollen den Vorgängen im preußischen Staate folgen, zugleich aber den besonderen Verhältnissen des Bezirksverbandes in einer nach Ansicht Ihrer Verwaltung angemessenen Weise Rechnung tragen.

Wenn es trotz der hierdurch entstehenden erheblichen Mehrbelastung gelungen ist, von einer Erhöhung der Bezirksabgaben abzusehen, so darf dies abgesehen von dem voraussichtlich demnächst zur Verabschiedung gelangenden Gesetz über die Abänderung des Landes- kreditkassen-Gesetzes in erster Linie der sparsamen und vorsorglichen Aufstellung des Haushaltsanschlages für 1909 verdankt werden.

Neben diesen Gegenständen wird Sie der Ihnen vorgelegte Entwurf einer Wanderarbeitsstätten-Ordnung beschäftigen. Er ist aus längeren und schwierigen

Samstag, den 20 Februar

Beratungen hervorgegangen, aber wie ich boffe,. geeignet, als Grundlage für die Ausführungen Ihres sozial so bedeutsamen vorjährigen Beschlusses zu dienen. Die Königliche Staatsregierung hat Ihnen Vorlagen nicht zu machen. In ihrem Namen begrüße ich Sie mit dem Ausdruck der Hoffnung und des Wunsches, daß Ihre Beratungen dem Bezirksverbande zum Segen gereichen mögen und erkläre im Allerhöchsten Auftrage den 34. Kommunallandtag des Regierungsbezirks Cassel für eröffnet."

Es wird hierauf in die Verhandlung eingetreten. Von den 59 gewählten sind 55 Abgeordnete persönlich anwesend.

Hierauf wird die Wahl des Präsidiums vorge- nommen. Oberbürgermeister Dr. Antoni-Fulda schlägt namens des hohen Hauses vor, durch Akklamation den bisherigen Präsidenten Rittergutsbesitzer Kammerherr Rabe von Pappenheim auf Liebenau zu wählen. Das Haus beschließt demgemäß. Auf gleiche Weise wird zum Vize-Präsidenten Oberbürgermeister Dr. Gebescbus- Hanau gewählt. Beide Herren nehmen die Wahl mit Dank an. Darauf werden die Ausschüsse gewählt. Um diesen Zeit zur Vorberatung der Vorlagen und Eingänge zu geben, wird beschlossen, die nächste öffent­liche Sitzung auf Donnerstag, den 18, Febr., vor­mittags um 10 Uhr anzuberaumen.

Deutsches Reich.

Aus Anlaß der 37. Plenarversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates hat der Kaiser mehrere Auszeichnungen verliehen.

Der Kaiser wohnte im Herrenhause einer Sitz­ung des Deutschen Landwirtschaftsrates bei.

Der Reichstag genehmigte am Sonnabend nach kurzer Besprechung zunächst den Nachtragsetat in dritter Lesung und beendete sodann die zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern. In der völlig belanglosen Debatte, die sich bis in die späten, Abend­stunden hinzog, wurde über alles Mögliche, Reichsge­sundheitsamt, Aerztestreik, Verkehr mit Arzneimitteln, Patentamt, Reichsversicherungsamt usw., vor fast leerein Hause gesprochen. Am Montag wurde von dem ebenfalls sehr schwach befehlen Hause die Dampfer­subvention an den Norddeutschen Lloyd nach längerer Debatte in zweiter Lesung angenommen. Dann wurde der Etat des Reichstags erledigt. In der Debatte wurden Wünsche laut nach einer objektiven Bericht­erstattung und namentlich Geheimhaltung der Vorgänge in den Kommissionen. Schließlich folgte der Etat des

9. 60. Jahrgang.

Reichseifenbahnamts, bei dem die Abgg. Graf Oriola (natl.) und Erzberger (Z.) für Vereinfachung des Verwaltungsapparates eintraten.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Sonnabend die beiden,Pfarrerbesoldungsgesetze in zweiter Lesung nach den Vorschlägen der Kommission. Bei der Beratung versuchte der Abg. Hoffmann (Soz.) wieder heftige Szenen, er erging sich in den heftigsten Ausdrücken wie Brutalität, Feigheit, Gemeinheit, infam und ähnlichen, wie sie in dem sozialdemokratischen Schimpfwörterlexikon verzeichnet stehen, was ihm drei Ordnungsrufe einbrachte. Ein Versuch des Zentrums und der Polen, die Ostmarkeyzulage für deutsch gesinnte Geistliche zu beseitigen, mißglückte. Am Montag wurde nach unerheblicher Debatte das Lehrerbesoldungs­gesetz in dritter Lesung einstimmig angenommen. Ministerialdirektor D. Schwartzkopff betonte in der Debatte den Wunsch der Regierung, die kleinen Städte bis zu 25 Schulstellen möglichst zu berücksichtigen und mit Zuschüssen zu bedenken. Mit der Aufbesserung der Lehrergehälter sei stets eine Erhöhung des Fonds für die emeritierten Lehrer verbunden, und diese Hal­tung werde die Regierung auch diesmal einnehmen. Ferner gelangte eine Resolution der Rechten zur An- nahme, in der ein Erlaß über die Beschaffenheit der Dienstwohnungen bei Neubauten gefordert wftd. Eine Resolution Eickhoff (fr. Vp.) auf Erhöhung des Unter­stützungsfonds für Lehrerwitwen und -Waisen sowie eine Resolution Jderhoff (frtonf.) auf Erhöhung des Unterstützungsfonds für die ausgeschiedenen Lehrer und Lehrerinnen wurden an die Budgetkommission ver­wiesen.

- D^s erste Heft der Keplerbund-Monatsschrift Unsere Welt" ist erschienen und erfreut überall durch seinen reichen Inhalt. Die Zahl ihrer bedeutenden naturwissenschaftlichen Mitarbeiter gibt eine Garantie auch für die künftigen Hefte. Sie verspricht durch die leichtfaßliche Sprache und die Vielseitigkeit, ein viel- begehrtes Familienblatt zu werden. Da spricht Professor Zacharias über die Wunderwelt desPlanktons", Professor Lassar- Cohn über dieStahlzeit", da hören wir von der Solfatara von Pozzuoli, von angeblich unzweckmäßigen Organen des Menschen, von Land­wirtschaft und Volksernährung, vom Urmenschen und von der Unendlichkeit oder Endlichkeit der Welt usw. Jedes Heft bringtStreifzüge in die freie Natur" undhäusliche Studien" und noch manches andere. Ein schönes buntes Kunstblatt (Winteridyll) schmückt das erste Heft. Alle Darbietungen atmen eine wohl-

Künstlerölut.

Roman von Vera v. Baratowski. 65

Er flüchtete damals mitdem Erlös nach Amerika... Ich liebte Klothilde schon, als sie noch ein junges Mäd­chen war, konnte ihr aber als armer Edelmann nichts bieten. Derreiche, glänzende Wladimir gewann ihre Liebe. .. Ich haßte ihn seitdem und jubelte bei der Kunde von seinem Tode... Die Geburt eines männlichen Erben ver­nichtete meine Hoffnungen aufs neue. So lange ihr Sohn lebte, blieb Klothilde die Herrin der Besitzung, welchefast fürstliche Einkünfte ergab."

Das Kind ertrank im Bache, der den Park des Gu­tes durchschnitt?"

Trugen Sie keine Schuld an diesem Unglück?" forschte der Kriminalkommissär weiter.

Doch! Klothilde und Liska waren in der Kirche. Die Wärterin des Kleinen benutzte diese Gelegenheit, um mit ihrem Geliebten, einem Forstgehilfen, zu schwatzen. Da lief Nikolaus, unbeaufsichtigt gelassen, vor mir her, jauch­zend und den Schmetterlingen nachjagend. Als ich ihn so sah, da kam mir der Gedanke:Du stehst zwischen mir und Deiner Mutter, bist das Hindernis, über welches ich nicht hinweg kann." Und da .. ein Teufel mußte mir die Worte soufflieren .. sagte ich plötzlich:Am Bach stehen mel schönere Blumen, dort flattern viel buntere Schmet- terunge hin und her." Er blickte mich an mit seinen gro­ßen unschuldigen Augen und jauchzte:Am Bach?" Dann streckte er mir sein Händchen hin und bat:Komm On­kel!" .. Ich nahm die kleine Hand. So weich uud warm wre ein junges Vögelchen lag sie in der meinigen .. und em welches, zärtliches Gefühl wollte sich mir in der Brust regen... Am Ufer des Baches wuchsen Vergißmeinnicht in reichster Fülle. Der Kleine jubelte und riß sich los. Seine Fmgerchen pflückten, was sie nur fassen konnten. »Für Mama, für Mama!" sagte er, mich vergnügt an­

lachend, neigte sich dannplötzlich über denUferrand, griff nach etwas und hielt triumphierend einen zappelnden Schmetterling an den Flügeln.Da, Onkel! Den schenke ich Dir!" Er lief auf mich zu und gab mir das zerdrückte Tier, rannte aber dann davon mit den Worten:Noch einen für Mama!" .. Ja, daß er mich an die erinnerte, war sein Verderben. .. Ich trat dicht hinter ihn und stieß den armen Kleinen hinab in den tiefen Bach...

Er sank unter, tauchte wieder empor und streckte die Aermchen hilfesuchend aus. Mit einem Griff konnte ich ihn retten, aber meine Glieder waren wie gelähmt... Endlich versank das blonde Köpfchen... Als Klothilde heimkehrte, suchte man lange vergebens nach dem Kna­ben .. natürlich war ich es, der ihn endlich fand und den kleinen leblosen Körper der Mutter in den Schoß legte. . . Das war eine Stunde, gegen welche alle Qualen der Hölle nichts sind. . . Und damals sagte ich mir:Nach­dem Du das Opfer Deiner Gewissensruhe, Deiner Ehre brachtest, muß Dir auch der Preis zu teil werden! Du mußt Klothilde besitzen!" Aber selbst ihr ausgesproche­ner Hang zum Luxus förderten meine Absichten nicht. Ich war ihr ja zu verhaßt, und mit feinem Instinkt ahnte sie in mir stets den Mörder ihres Kindes."

Kommen Sie zur wichtigsten Erklärung," ermähnte ihn Haase,zu dem letzten Kapitel des Dramas."

Lassen Siemich derReihe nach erzählen! Meine Ge­danken verwirren sich sonst," stammelte Sudowsky.Also wo war ich stehen geblieben?"

Bei dem Tode Nikolaus'."

Ja., ganz recht! Ich bot Klothilde meine Hand, die sie ausschlug. Ich wußte, daß nur die beiden Gräber sie noch auf dem alten Erbguts zurückhielten, dqß aber ihr lebhafter Geist nach Anregung verlangte. Deshalb lud ich Hugo Meißner zum Besuche ein. Das war eine Tor­heit, die sich furchtbar rächte. Er wußte das Weib zu um­garnen und in seine Arme zu reißen. Sie verschmähte mich und alles, was ich ihr nun zu bieten hatte, und wandte

sich dem erstgewählten Berufe wieder zu. Ich folgte ihr nach Warschau, und es gelang mir, mit großen Geld- opfern ihre Kammerjungfer Louise zu gewinnen.

Diese übergab mir einen Brief Meißners an Klo­thilde, in welchem er ihr gestand, daß er zwar das ver­pfändete Wort halten müßte, aber in ihr allein das Weib seiner Wiinsche und Träume sehe. Ich unterschlug dieses Schreiben und sandte es an Flora vonHenck.in der Hoff­nung, sie würde nun zwischen den Verblendeten und die Rivalin treten. Da hatte ich mich leider verrechnet. Das keusche, deutsche Mädchengab den Geliebten freiund löste selbst jede Fessel, die ihn band. Er warb nun um Klo­thilde und wurde ihr Gatte, wandte sich aber nach we­nig Jahren von ihr, um zu seiner ersten Liebe zurück- zukehren... Da meinte ich, nun sei für mich die Zeit ge­kommen, mir das angebetete Weib doch noch zu errin­gen. Wahn, leerer Wahn! Auch jetzt, vernachlässigt, ge­kränkt, täglich und stündlich verletzt, stieß mich Klothilde zurück. Da war's mir, als risse etwas in meinem Gehirn und als überflute mich ein glühendheißer Blutstrom, in welchem ich untergehen und zur Tiefe sinken müsse. Das Leben hatte mir nichts mehr zu bieten. Sollte ich es aber aufgeben, ohne wenigstens die Wonne der Rache genos­sen zu haben? .. Ohne festen Entschluß, ohne mir selbst klar über mein Denken und Trachten zu werden, griff ich nach dem erkauften Gift und füllte es in das kleine Flacon.Warum gerade in dieses?" werden Sie fragen. .. Nun, weil es dem so ähnlich sah, das meine Cousine beständig bei sich trug, und weil ich alles, was eine, wenn auch noch so schwache Verbindung zwischen uns reprä­sentierte, Mit Gier ergriff... Noch dachte ich an nichts weiter als daran, meinem eigenen Leben vor ihren Au­gen ein Ende zu machen... Aber dann .. sehen Sie .. da flüsterte mir der Dämon wilder Eifersucht wieder zu: Willst Du gehen und sie Deinem Nebenbuhler lassen?" .. Ich wand mich wie ein Wurm und blieb die Antwort auf diese Frage schuldig. Ich wollte .. wollte .. wollte nicht hören." 155,18