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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

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Amtliches.

J.-Nr. 476 K.-A. Die Herren Landwirte des Kreises, welche Bullen züchten, ersuche ich, mir künftig 14 Tage vor jedem Körungstermin durch Karte mit Meilen, ob und mit wieviel Tieren sie die Körung zu beschicken beabsichten. Dabei bitte ich die Ohrmarke des Bullen und der Mutter desselben anzugeben.

Schlüchtern, den 10. Februar 1909.

Der Kgl. Landrat: V a l e n t i n e r.

Der englische Königsbesnch

ist zur allseitigen Zufriedenheit verlaufen. Es war von vornherein kein Ueberschwang, keine Uebertreibung dabei, aber viel guter Wille auf beiden Seiten. Die Berliner Bevölkerung nahm die Gaste mit Ehrerbietung auf und erwärmte sich mehr und mehr, als sie be­merkte, wie einfach sich der König gab und wie ihm daran zu liegen schien, Sympathie zu erwerben. Während der intime Familienverkehr von großer Herz­lichkeit war, trat in den öffentlichen Kundgebungen klar die Absicht hervor, die politischen Beziehungen beider Länder freundlicher zu gestalten. König Eduard drückte sowohl in seinem Trinkspruch im Schloß als auch bei seinem Besuch im Rathaus den Wunsch und die Absicht aus, einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen beiden Reichen zu dienen.

Auch in den politischen Unterredungen, die der Reichskanzler Fürst Bülow und der Staatssekretär von ^Echoen mit dem englischen Unterstaatssekretär Hardinge und dem Kolonialsekretär Earl of Croir-e hatten, stellte sich ein vollständiges Einvernehme inbezug auf die gegenwärtig wichtigste europäische Angelegenheit, die Behandlung der Orientkrisis, her­aus. Die englischen Staatsmänner ließen durch Reuters Bureau verkünden, daß sie das politische Ergebnis der Reise als außerordentlich befriedigend ansähen und sich davon eine ausgezeichnete Wirkung auf die deutsch­englischen Beziehungen versprächen. Namentlich wird auch anerkannt, daß mit dem deutsch-französischen Marokkoabkommen ein schweres Hindernis für freund­schaftliche Geschäfte zwischen Deutschland und England hinweggeräumt ist- Solange der deutsch-französische Gegensatz wegen Marokko fortdauerte, bestand auch die Gefahr einer Störung unseres friedlichen Verhältnisses zu England, da dieses verpflichtet ist, sich bei jedem marokkanischen Zwischenfall und jeder neuen Reibung zwischen Deutschland und Frankreich auf die französische

Mittwoch, den 17. Februar 1909.

60. Jahrgang.

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Seite zu stellen. Es besteht kein Zweifel, daß das englische Kabinett diesen Zustand schon lange als unbequem empfunden hat, und daß daher die englische Befriedigung über die Beseitigung dieses Hindernisses für gute englisch-deutsche Beziehungen aufrichtig ist.

Man braucht nun nicht zu erwarten, daß sich der günstige Eindruck der Reise des englischen Körfigs- paares an dem deutschen Kaiserhofe sofort in konkrete Abmachungen umsetzen werde. Es fehlte ja auch bis­her an bestimmten Streitobjekten, für die ein Ausgleich erforderlich wäre. Was die beiden Länder lange Zeit entfremdete, lag viel mehr in den Stimmungen der Völker als in gegensätzlichen Ansprüchen: drüben Miß­trauen gegen die deutsche Flotte, Jnvasionsfurchk, hüben Sorge vor der Einkreisungspolitik. Die Dauer des erfreulichen Ergebnisses des Königsbesuches wird daher vor allem von dem Verhalten der öffentlichen Mein­ung aus beiden Seiten abhängen. Die Herrscher und die Regierungen haben ein gutes Stück Aufklärungs­arbeit verrichtet, Parlamente und Presse mögen des­gleichen tun.

Deutsches Reich

Der Kaiser beabsichtigt, zur Vereidigung der im Januar eingetretenen Rekruten bei der 2. Marine- Inspektion Mitte März nach Wilhelmshaven zu kommen. Die Teilnahme des Kaisers an der letzten Marine- rekruten-Vereidigung in Kiel wurde bekanntlich wegen der Novembervorgänge abgesagt.

Das englische Königspaar hat Freitag nach­mittag 5 Uhr 10 Mim Berlin verlassen.

. Stuttgart. Fürstin Marie von Waldburg-Zeil, geborene Prinzeffm von Thurn und Taxis, Witwe des früheren Präsidenten der württembergischen ersten Kammer Fürstin Wilhelm, ist in München an einem Schlaganfall, 51 Jahre alt, gestorben.

Der Reichstag bewilligte am Donnerstag zu­nächst den sechsten Nachtragsetat betreffend die Aus­gabe von Schatzanweisungen und die Kosten für die Berufszählung in erster und zweiter Lesung. Dann wurde die zweite Lesung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt und nach längerer Debatte die geforderte Summe von 350 000 Mark für den See- fischerei-Verein bewilligt. Am Freitag kam der Reichszuschuß zur Invalidenversicherung, die Subven­tion der deutschen Schlosserschule in Roßwein, die Zulassung von Ausländern an deutschen Hochschulen, die Zuziehung der Gewerkschaften bei der Aufstellung

der Reichsstatistiken und die Arbeitszeit der Beamten in den Reichsämtern zur Sprache die Debatte war jedoch in jeder Hinsicht belanglos.

Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Donnerstag weiter mit der Prüfung der Wahl der vier sozialdemokratischen Abgeordneten Borgmann, Heimann, Hirsch und Hoffmann in Berlin. Die Redner sämtlicher bürgerlichen Parteien erklärten sich mit dem Antrag der Wahlprüfungskommission einver­standen, nur der Abg. Ströbel (Soz.) erhob seine Stimme dagegen. Schließlich wurde dem Anträge der Kommission gemäß die Beanstandung der Wahl und Beweiserhebung über die Aufstellung der Wahllisten beschlossen. Am Freitag wurden zunächst Anreg­ungen allgemeiner Natur und Wünsche wegen Errich­tung neuer Gerichtsgebäude vorgebracht, worauf noch eine Anzahl kleiner Etats erledigt wurde. Schließlich wurde mit der zweiten Beratung des Parrerbesoldungs- gesetzes begonnen. Es kam indes nur noch der An­trag des Äbg. Eickhoff (fr. Vp.) zur Erledigung, der dauernde Unterstützung für leistungsschwache jüdische Kultusgemeinden vorsah. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Freisinnigen und Nationalliberalen abgelehnt.

Das Pfarrerbesoldungsgesetz für die evangelischen Geistlichen wurde in der Fassung der Kommission, also mit dem Antrag Winckler, im Abgeordnetenhause angenommeu.

Kaiser-Manöver ohne Paraden sollen 1909, wenn anders süddeutsche Zeitungen Recht haben, zum ersten Male abgehalten werden. Es fehlt, so heißt es, bei d c geplanten Manöver-Anlage die Zeit dazu, und die ^ogen würden sich zu hoch stellen. An den Man­övern sollen die bayerischen, württembergischen, badischen Truppen, ausgenommen die im Reichslande stehenden Regimenter, die 1908 große Manöver hatten, teil« nehmen, insgesamt 100 000 Mann. Zehn Divisionen werden auf dem Plane erscheinen: das Kommando auf der einen Seite soll der General-Feldmarschall Prinz Leopold von Bayern, auf der anderen der General­oberst von Bock und Polach führen. Schauplatz ist die Gegend Stuttgart-Heilbroml-Crailsheim.

. Während des Jahres 1908 sind 1690 Ehe­jubiläumsmedaillen verliehen worden: davon entfallen auf die Provinzen: Ostpreußen 43, Westpreußen 34, Brandenburg mit Berlin 218, Pommern 74, Posen 58, Schlesien 130, Sachsen 193, Schleswig-Holstein 87, Hannover 181, Westfalen 175, Hessen-Nassau 119,

Künstterölut.

Roman von Vera v. Baratowski. 64 ;

Klothilde stieß verächtlich hinweg, was ich ihr bot. ! Nichts ließ sie mir .. nicht einmal den schwächsten Strahl s der Hoffnung .. und wonach ich gierig dürstete, das wurde ; Hugo Meißner in verschwenderischer Fülle zu teil. Er i wühlte in den Schätzen, die ich nichtmein nennen durste, ; er brach die lockenden Früchte, nach denen ich die Hände > ausstreckte." ;

Dafür hätte ich mich an Ihrer Stelle gerächt!" rief ; Glasneck und fügte spöttisch hinzu:Aber freilich, Sie i scheinen nicht einmal so viel Galle wie eine Taube zu be- l sitzen .. da Sie dem Nebenbuhler verzeihen konnten." i

Verzeihen?" lallte Sudowsky.Ich haßte ihn bis i in den Tod! Alles Unheil der Welt möchte ich zusam- ; menballen und auf sein Haupt schleudern!" Er erhob und i schüttelte mit einer Verwünschung die geballten Hände. \

Und dennoch verteidigten Sie ihn schon so und so oft? Hahaha! Ja, wie gesagt, Sie sind eine Taubennatur!"

Zum Teufel mit solchen Späßen!" schrie der Trun­kene gereizt.Ich habe mich gerächt, habe einen Abgrund vor seinen Füßen aufgerissen, in den er hineinlaumeln mußte., habe ihm eine Schlinge gelegt., aus der er sich nun und nimmermehr befreit."

Sie ihm? . . Legte er nicht vielmehr Ihnen eine, in­dem er Sie veranlaßte, Frau Klothilde das Flacon mit dem vergifteten Inhalt zu überbringen ? Hahaha, wie mag er da heimlich über Ihre Harmlosigkeit gelacht haben!"

Sudowskys Faust sauste auf den Tisch nieder.Ge- i lacht? .. Und über mich?" lallte er kaum verständlich. I Nein!.. Die Dinge lagen anders . . ganz.. ganz an- j ders."

Wie denn?" /

Darüber . . rede ich nicht!"

Natürlich! Wie soll man auch über etwas sprechen, i wovon man nichts weiß!" ' 1

Ich weiß mehr als Ihr alle!.. Diel.. viel mehr! . . Aber ich .. von mir erfährt keiner was! .. Klothilde ist tot.. sie mußte sterben . .mußte! Und mich hält nur eins noch fest auf dieser Welt: der Wunsch, das Elend, die tiefste Erniedrigung meines Todfeindes zu sehen, der mir mein Glück, meinen Himmel auf Erden stahl! Sonst nichts .. nichts . . nichts!"

Die letzten Worte erstarben in undeutlichem Gemur- mel.DerPole, dessen Kopf hin und her schwankte, sank zu­rück, und bald umfing ihn der todähnliche Schlaf schwe­rer Trunkenheit.

Glasneck zog ein kleines Buch hervor, machte einige Notizen und entfernte sich dann, indem er zu Thomas sagte:Ihr Herr schläft. Bringen Sie ihn zu Bett."

Der Diener, ein Herkules von Gestalt, gehorchte. Er hob den Rittergutsbesitzer empor und legte ihn unaus- gekleidet aus das Lager.

* *

Zu noch ziemlich früher Morgenstunde wurde Su­dowsky mit den Worten:Sie sind verhaftet!" geweckt und erkannte in dem, welcher sie ihm zurief, Glasneck, der sich als Geheimpolizist Rauert legitimierte.

Der Pole, rasch ernüchtert, fuhr empor.Verhaftet? ..Warum?.. Weshalb?"

Unter dem dringenden Verdachte des Giftmordes."

Wer wagt mich anzuklagen?"

Sie selbst taten es in verflossener Nacht."

Ich war sinnlos betrunken, sprach wieimTraum und widerrufe hiermit alles, was ich gesagt haben soll."

Darauf werden Sie sich bei der gerichtlichen Verneh­mung stützen, einstweilen aber mich begleiten."

Nein."

Der Wagen wartet. Zwingen Sie uns nicht zu Ge­waltmaßregeln."

Der Rittergutsbesitzer stieß einen Fluch aus, griff nach der Pistole, die nicht, wie gewöhnlich, auf dem Nacht­schränkchen lag, sondern noch in der Brusttasche seines Rockes steckte, schoß und fehlte. Nun richtete er die Waffe

i gegen sich. Rasch beiseite gestoßen, traf sie ihn zwar nicht ; tödlich, verursachte aber doch eine schwere Verwundung. ; Während man den Verletzten sortbrachte, wurdeHaus- suchung gehalten. Man fand eine mit offenbar giftiger Substanz gefüllte, größere Phiole und ein Flacon, wel­ches dem der Frau Eufemi-Meißner zum Verwechseln glich, jedoch laut ärztlichen Ausspruches nur völlig un­schädlichen Inhalt barg. Hingegen umschloß die Phiole dasselbe rasch wirkende Gift, welches der Primadonna jähes Ende herbeigeführt hatte....

Nach einigen Wochen war Sudowsky vernehmungs­fähig und legte nun ein volles Geständnis ab.

Nichts auf der Welt würde mir die Wahrheit erpreßt haben," sagte ermitzynischem Lachen,aber ich ließ mich eben von einem schlauen Polizeispion überrumpeln und beging damit die zweite nicht wieder gut zu machende Dummheit. Die erste war, daß ich Hugo Meißner aus meine Besitzung in Galizien berief... Warum soll ich län­ger leugnen? Ich spielte stets mit dem höchsten Einsatz und zog nur Nieten. Jetzt kann ich es ja eingestehen, denn der Tod steht neben mir... Dieses Flacon hier ge­hörte meiner Cousine, sie gab es Meißner zur Aufbe- Wahrung, und ich vertauschte es dann mit dem anderen, welches ich seit Wochen schon bei mir trug und an dessen Inhalt sie starb."

Geschah diese Verwechselung absichtlich?"

^a.

Wie gelangten Sie in den Besitz eines ganz ähnlichen Flacons? Auf welche Weise verschafften Sie sich diese ge­naue Nachahmung?"

Keine Nachahmung. Das Original befand sich seit Jahren in meinen Händen. Das kleine Kunstwerk war Eigentum meiner Mutter. Klothilde sah es kurz nach ih­rer Vermählung mit Wladimir. Es gefiel ihr außeror­dentlich, und mein Vetter ließ ein gleiches anfersigen, wel­ches er ihr schenkte... Sie trennte sich seitdem nie da­von. .. Das Gift verschaffte ich mir in Warschau von einem Pharmazeuten für Geld. 155,18