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SchWernerMtung

mit amtlichem Areisblatt. , Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".__

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

32 13. Samstag, den 13. Februar 1909. 60. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 476 K.-A. Die Herren Landwirte des Kreises, welche Bullen züchten, ersuche ich, mir künftig 14 Tage vor jedem Körungstermin durch Karte mit' zuteilen, ob und mit wieviel Tieren sie die Körung zu beschicken beabsichten. Dabei bitte ich die Ohrmarke des Bullen und der Mutter desselben anzugeben.

Schlüchtern, den 10. Februar 1909.

Der Kgl. Landrat: Valentine r.

J.-Nr. 476 K.-A. Die Bullenkörungstermine für die nächsten 6 Monate werden wie folgt festgesetzt:

13. März: Schlüchtern.

8. Mai: Schlüchtern.

10. Juli: Sterbfritz.

Schlüchtern, den 8. Februar 1909.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Deutsches Reich.

Der König und die Königin von England sind am Dienstag vormittags 11 Uhr in Berlin einge­troffen und wurden von dem Kaiserpaar, dem Kron­prinzenpaar und den sonstigen Prinzen und Prin­zessinnen empfangen. Der Empfang war überaus herzlich.

Das englische Königspaar das am Montag vormittag S/*H Uhr London verlassen, wurde an der deutschen Grenze mit militärischen Ehren empfangen. Der königliche Sonderzug traf am Montag abend von Calais in Herbesthal ein. Dort war auf dem Bahn­höfe eine Ehrenkompagnie des Füsilier-Regiments Nr. 40 aus Aachen in Paradeanzug mit Fahne und Musik und den direkten Vorgesetzten aufgestellt.. Auch in Rathenow, war militärischer Empfang auf dem Bahn­höfe durch eine Schwadron des Zieten-Husaren-Regi- ments und eine Kompagnie des Füsilier-Regiments Nr. 35 aus Brandenburg.

Den vom Kaiser für die besten Leistungen im Dauerritt gestifteten Ehrenpreis für Kavallerieoffiziere erhielt im H. Armeekorps Oberleutnant v. Wyck vom Drag.-Regt Frhr. v. Mantcuffel (Rhein.) Nr. 5. Die bei dem Ritt zurückzulegende Entfernung betrug 125 Kilometer, die gebrauchte Zeit 11 Stunden 11 Mi nuten. An dem Ritte nahmen 22 Offiziere teil.

Der Reichstag hielt am Sonnabend die 200. Sitzung in der laufenden Session ab. Aus diesem Anlaß war der Platz des Präsidenten mit einem Blumenstrauß geschmückt. Graf Stolberg dankte den

Künstterölut.

Roman von Vera v. Baratowski. 63

Eifersucht.. ja, ja .. Eifersucht.. eine böse Ratge­berin," sagte der Pole wie geistesabwesend und starrte mit gläsernem Blick vor sich hin, während sein Kopf an die hohe Stuhllehne zurücksank.Eifersucht.. wer kann sich ihrer erwehren, wenn sie ihm die Krallen in Herz und Gehirn schlägt!"

Spielte sie nicht auch eine große Rolle in dem Dra­ma, auf dessen Entwicklung alle Welt mit höchster Span­nung harrt?"

Wovon sprechen Sie?"

Von dem Prozeß, der sich allem Anschein nach noch monatelang hindehnen wird. Es war ja auch Eifersucht, welche Frau Eufemi-Meißner in den Tod trieb."

Wer wagt das zu behaupten?" Sudowsky richtete sich, beide Hände auf den Tisch stützend, schwerfällig empor.

Wer? .. Jeder! Hing die Verstorbene nicht mit lei­denschaftlicher Liebe an dem Gatten?"

Ob sie es tat!" Der Pole fiel tiefaufatmend wieder in den Stuhl zurück.

Wurde sie nicht beständig von dem Gedanken ge­quält, er liebe eine andere?"

So mag's gewesen sein... Doch reden wir von an­deren Dingen... Auf Ihr Wohl! Sie trinken ja so we­nig. Mögen vielleicht diese Sorte nicht?".. Dann soll der Thomas ..."

Bitte, der Champagner ist vorzüglich, aberich fürchte, er steigt mir zu Kopf. Schon jetzt fühle ich, daß meine Gedanken sich verwirren."

Hahaha! Gut, daß wir allein sind! Haben Sie denn bisher nichts als die Milch Ihrer Kühe getrunken?"

Sie selbst nannten mich einen guten Zechgenossen, aber ich meine, es ist für uns beide Zeit, daß wir auf­hören, die Korken knallen zu lassen."

»Was mich betrifft, da dürften Sie sich irren Ich

Schriftführern, die ihn gestiftet haben, für ihre Auf­merksamkeit und sprach die Hoffnung aus, daß die Arbeit des Reichstages dem Vaterlande zum Segen gereichen werde. Darauf wurde die zweite Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern fortgesetzt. In der Debatte gab es eine lebhafte Auseinandersetz­ung zwischen den Abgg. Zubeil (Soz.) und Carstens (fr. Vp.), in der letzterer die Verhätzungstätigkeit der Sozialdemokratie charakterisierte, die jeden sozialen Fortschritt ungemein erschwere. Am Montag wurde die Debatte fortgesetzt, ohne daß sich neue Gesichts­punkte ergaben. Abg. Jrl (Z.) trat für die Förderung des Handwerkerstandes ein, Abg. Graf Carmer-Osten (kons.) forderte ein Arbeitswilligengesetz, Abg. v. Gamp (Rp.) bat den Staatssekretär, sein warmes Herz auch für die Arbeitgeber zu zeigen. Zum Schluß erhielt der Abg. Zubeil (Soz.) wegen eines hämischen An­griffs auf die sächsische Regierung einen Ordnungsruf.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Sonnabend die Beratung des Justizetats fort. Dem Abg. Leinert (Soz.), der eine Reihe nach seiner An­sicht ungerechter Gerichtsurteile zur Sprache brächte, antwortete Justizminister Dr. Beseler, daß das Ab« geordnetenhaus keine Berufungsinstanz für Gerichtsur­teile sei und er es sich deshalb versagen müsse, auf die Beschwerden des sozialdemokratischen Redners im einzelnen zu antworten. Abg. Stroffer (kons.) trat für Einführung der Prügelstrafe für Roheitsverbrechen ein und hatte dabei eine Auseinandersetzung mit dem Abg. Hoffmann (Soz.), dem er vorhielt, der Terroris­mus der Sozialdemokraten sei viel schlimmer als die angebliche Schroffheit bei Behandlung ihrer Genossen seitens der Polizeiorgane. Wenn das Zeugnis eines Schutzmannes höher eingeschätzt werde als das eines Sozialdemokraten so liege das daran, daß die Sozial­demokraten selbst in ihren Lehren und Schriften die Heiligkeit des Eides verspotten. Am Montag be­schäftigte sich das Haus mit der zweiten Lesung des Lehrerbesoldungsgesetzes. Die Abgg. v. Richthofen (kons.), Kesternich (Z) und v. Campe (natl.) erklärten im Namen ihrer Parteien ihre Zustimmung zu der Vorlage. Ministerialdirektor D. Schwarzkopff dankte im Namen der Regierung dem Hause, das im Inter­esse des Zustandekommens der Vorlage ebenso wie die Unterrichtsverwaltung manchen Wunsch zurückgestellt habe. Er erkannte an, daß es den Kommunen nicht leicht sein werde, die ganz bedeutenden Summen, welche von ihnen durch dieses Gesetz verlangt würden,

gedenke noch mancher Silberhalsigen den Prozeß zu ma­chen."

Nun gut! Sie gestatten ..."

Die schlanken Kelche schäumten über, klirrten aneinan­der, wurden gefüllt und abermals geleert.

Apropos.. Prozeß!" stammelte Glasneck.Ja., was wollte ich denn eben fragen? Ach so .. ganz rich­tig! Wir sprachen doch vorhin . .von . .was denn eigent­lich? Ah, nun weiß ich's wieder! Weil ihm ihre Eifer­sucht lästig wurde, hatMeißnerseineFrauvergiftet. Nicht wahr? .. Sagten Sie nicht so?"

Nein, icks behauptete es nie."

Aber die Sache liegt doch auf der Hand ! Ein junger Mann .. und eine Frau, die vermutlich bereits aufge­hört hatte, schön und begehrenswert zu sein ..."

Wie? Klothilde wäre nicht mehr schön und begeh­renswert gewesen?" fuhr der Rittergutsbesitzer auf.Ich sage Ihnen, auf der ganzen Welt gab es kein herrliche­res, kein bestrickenderes Weib! Alle Wonnen des Him­mels hätte man hingeben körnten für ihren Besitz! Ehre und Gewissen vergessen in ihren Armen! .. Da, sehen Sie!" Erwies nach dem Oelgemälde.Ist diese Frau alt, verblüht?"

Nein, wahrhaftig nicht! Eine Schönheit ersten Ran­ges, wenn auch nicht mehr ganz jung."

Was will das sagen? Im Hochsommer sendet die Sonne ihre glühendsten Strahlen herab, prangt die Na­tur in üppigster Pracht. Ich ziehe ihn dem vielgeprie­senen Lenze vor. Klothildes Liebe war ein Geschenk, für welches man ihr täglich, stündlich auf den Knien danken mußte, aber Meißner verstand es nicht zu würdigen, er mißachtete den Schatz, welchen zu heben mir das Schick­sal nicht vergönnte."

Immer gläsener und stierer wurden Sudowskys Au­gen. Die Geister des Weines umnebelten seine Sinne.

Obwohl kein anderer sie so leidenschaftlich liebte," raunte ihm jemand zu .. oder hatte er den Satz selbst ergänzt?

aufzubringen, versicherte aber, daß die Regierung allen leistungsschwachen Gemeinden helfen werde. Nachdem der Abg. Stychel (Pole) vergeblich die Streichung der Ostmarkenzulagen für die Lehrer beantragt hatte, wurden die §§ 1 bis 5, welche die grundlegenden Bestimmungen enthalten, angenommen.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts und Kaiserlicher Wirkt. Geh. Rat Wilhelm v. Schoen ist vom Großherzog von Hessen durch die Verleihung der Freiherrnwürde ausgezeichnet worden.

Der Wert der deutschen Einfuhr betrug im Spezialhandel des abgelaufenen Jahres 8,7 Milliarden Mark gegen 9 Milliarden im Vorjahre, der Wert der deutschen Ausfuhr 6,8 gegen 7,1 Milliarden Mark einschließlich der Edelmetalle und 8,3 und 8,7 Milli­arden der Einfuhr und 6,8 Milliarden gegen 6,9 Milliarden der Ausfuhr ohne Edelmetalle.

Ausland.

Aus Windhuk wird die Gründung einer deutschen Zeitung in Lüderitzbucht gemeldet. Die neue Zeitung trägt den NamenLüderitzbuchter Zeitung". Durch diese Gründung der dritten deutschen Zeitung im süd- mestafrikanischen Schutzgebiete werden erfreulicherweise die Gerüchte widerlegt, die davon wissen wollen, in Lüderitzbucht sei ein englisches Zeitungsunternehmen im Entstehen. Es bestätigt sich, daß die ganze Küste südlich Lüderitzbucht reich an Diamanten ist.

Eine Feuersbrunst im deutschen Gesandtschafts­gebäude in der chilenischen Hauptstadt Santiago hat leider auch ein Menschenleben gefordert. Unter den Trümmern des vollständig zerstörten Gebäudes der deul^hen Gesandtschaft ist der verkohlte Leichnam des Kanzlisten Becker aufgefunden worden. Allem An­scheine nach liegt Brandstiftung vor. Der Verdacht, daß ein Verbrechen verübt wurde, ist durch den ärzt­lichen Befund der Leiche des Kanzlisten Becker zur Gewißheit erhoben. Der Schädel der Leiche war bei­nahe in zwei Teile gespalten, so daß ein Gewaltakt zweifellos ist. Man bringt den ganzen Vorfall mit den anonymen Drohbriefen in Verbindung, die wieder­holt bei Mitgliedern der Gesandtschaft eingegangen waren.

Die deutschen Parteien in Oesterreich beschlossen ein Manifest an das deutsche Volk. Die Deutsch­nationalen und die Christlichsozialen einigten sich zu einem gemeinsamen Vorgehen in der böhmischen Frage. Da in Prag neue Unruhen befürchtet werden, forderten

Der Pole wußte es nicht, antwortete aber mit schwe­rer Zunge:Nein, nein . . so wie keiner auf der Welt!"

Und dennoch ließen Sie sich dieses Kleinod stehlen?"

Jetzt öffnete der Rittergutsbesitzer die schweren Lider, welche immer zufallen wollten, weit, starrte in Glasnecks Antlitz, schlug mit der Faust auf den Tisch und rief: Wer untersteht sich, mich ausforschen zu wollen?"

Wenn Sie die teilnehmenden Fragen eines Man­nes, der Ihnen selbst und zwar unaufgefordert, soviel anvertraute, derartig auslegen, so bleibt mir nur übrig, mich zu verabschieden," erwiderte Glasneck gereizt und stand auf.

Sudowsky hieltihnzurück.Nein, nein, so war's nicht gemeint," lallte er.Verweilen Sie nur!.. Sie schulden mir ja Revanche.. und dann hier im Kübel befinden sich noch einige Flaschen. Wollen mal wieder Pfropfen flie­gen lassen. Ich halte die Gabel.. aber nein . .wie meine Hand nur zittert.. das sind die Nerven! Also halten Sie lieber die Gabel und ich schneide den Draht durch."

Ein Knall! Der Kork saß fest an den drei silbernen Zinken und abermals wurden die schlanken Kelche ge­leert.

Das Glas entfiel Sudowkys Hand und zerbrach.

Was fragten Sie vorhin? . . Was wünschten Sie zu wissen?" stammelte er, sich zurücklehnend und zur Decke empor starrend.

Ich fragte, warum Sie sich, von leidenschaftlicher Liebe für Ihre Verwandte beseelt, dieses Kleinod rauben ließen?"

Konnte ich es wohl hindern?"

Sie mußten sich Ihr Glück sichern."

Wie denn? Klothilde wollte ja nichts von mir wis­sen. Wie nur ein Mensch um sein höchstes Gut ringen kann, so habe ich um sie gerungen... Alles, alles um­sonst! . .Vielleicht, .wer weiß . .hätte ich mich doch noch am Ziel meiner Wünsche gesehen, aber da kam der an­dere, stürzte in Trümmer, was ich seit Jahren mühsam auf baute, und nahm sie mir." 155,18