Einzelbild herunterladen
 

mit

ternerMm g

amtlichem AreisblaLt. Monatsbeilage Landwirtschaftlicher Ratgeber»

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Ps.

,M 8. Mittwoch, den 27. Januar 1909.

Kett, Kaiser, Dir!

Zum 27. Januar.

60. Jahrgang.

^»K.^

ßeil, Kaiser, Dir! Dich grüßt mein Lied, 5 Heil, Kaiser, Dir! Zu Trutz und Wehr L Heil, Kaiser, Dir! G wohl dem Land, K Heil, Kaiser, Dir! Des Himmels Lohn -^*»«^n X. - Tn^ £ü^ax i^r# «^;»+ . Sei immerdar Dein Teil,

f Und jubelnd um den Zollernthron s Erschalle preis und Heil! » Heil unsrer Feinde Trutze, f Äes Reiches hehrer Zier, | Des Volkes starkem Schutze, t Heil, Kaiser Wilhelm, Dir!

Des Reiches starker t)ort,

Und brausend durch die Lüfte zieht Des Grußes Iubelwort: ^eil Dir, des Reiches Krone, Germanias Schwert und Schild, Heil Wei^barts Enkelsohne, Treu deutschen Sinnes Bild!

t Lieht Deutschland machtvoll da, Und selbst auf fernem Weltenmeer

I Blickt nun Germania

Der Zukunft froh entgegen, Gehorsam Deinem Ruf: Du bist's, der uns zum Segen

Des

Wo Fürst und Volk vereint, « Und, reichsten Glückes Unterpfand, $ Des Friedens Sonne scheint! » Dein Deutschland, edler Kaiser, * preist Dich als Friedenshort, i Und mehr als Lorberreiser

4

t

Zum 50. Geburtstage des Kaisers.

Unser Kaiser vollendet heute sein 50. Lebensjahr, wir feiern also diesmal einen Kaisergeburtstag besonderer Art. Es ist ein eigener Zauber, der aus den beiden Worten Kaisers Geburtstag" klingt. Wenn in bürgerlichen Kreisen ein Geburtstag gefeiert wird, dann beeilen sich Verwandte und Freunde und wer nur immer dem Geburtstagskinde nahe stehen mag, diesem ihre innigste Freude^ und Teilnahme auszudrücken, immer aber bleibt der Geburtstag ein Fest der Familie; wenn jedoch auf dem Hohenzollernthrone ein solches Fest stattfindet, dann ist es nicht mehr ein Fest des Fürstenhauses allein, sondern des gesamten Volkes, des ganzen 'Landes; denn die deutsche Kaiserfamilie llebt im Volke und mit ihm. Glück und Unglück, Freude und Trübsal, Mühe und Arbeit, Ehre und Ruhm alles teilte von jeher das Herrscher­haus mit seinem Volke, sodaß das" Leben beider als ein untrennbares Ganzes erscheint. Deshalb gestaltet sich auch des Kaisers Ge­burtstag jedesmal zu einem großen öffentlichen Familienfeste nicht allein für das' preußische Volk, sondern für das gesamte Deutschland, das dem Hohenzollernhause seine allmähliche Wiedergeburt und seine neue ruhmreiche Stellung im Völkerkreise zu verdanken hat. Im ganzen deutschen Vaterlande und wo außerhalb desselben nur immer die deutsche Zunge klingt, wird daher der 50. Geburtstag unseres Kaisers als ein nationaler Freuden- und Ehrentag gefeiert.

Der hochgemute Jüngling, der einst nach dem Tode des Kaisers Friedrich, des edlen

Gilt ihm Dein Friedenswort.

Meeres Bollwerk schuf.

Dulders, den Thron bestieg, steht heute in der vollen Reife des Mannesalters. Manch großer Erfolg war ihm beschieden, auch die Enttäuschung hat nicht gefehlt, aber stets bleibt doch die Gewißheit, daß der Kaiser kein anderes Ziel kennt als das Glück und die Wohlfahrt seines Volkes, daß seine Ab­sicht stets rein und lauter und selbstlos war, daß er in der ernsten Auffassung seines hohen Berufs den Stempel trägt, den eine ruhmreiche Geschichte dem Geschlecht der Hohenzollern ausgeprägt hat. Seine uner« müdliche Pflichttreue auch im kleinsten, seine rastlose .Schaffenskraft auf allen Kulturge­bieten, sein Weltoffener Sinn verbunden mit einer tiefen, schlichten Frömmigkeit sind vor­bildlich.

Ueber zwanzig Jahre steht unser Kaiser nun an der Spitze des Reiches, und in dieser Zeit ist es ihm nicht nur gelungen, den Frieden mit seinen Segnungen unterschwierigen Verhältnissen zu erhalten, sondern auch die Macht und das Ansehen des Reiches zu fördern. Indes weiß der Kaiser, daß der Friede nicht durch Sympathien allein erhalten wird. Deshalb sorgt er unausgesetzt für die Armee, der seine volle Liebe gehört. Noch größer ist das, was der Kaiser für unsere Marine getan hat. Wer den Zustand unserer Kriegsflotte bei seinem Regierungsantritt mit dem heutigen vergleicht, wird dies ohne weiteres anerkennen. An den Ostmarken des Gleiches wird die Hochflut des Polentums, die sich wider deutsches Wesen und deutsche Sprache gefahrdrohend erhoben hat, mit starker Hand zurückgedrängt. Deutschlands Handel und Gewerbefleiß haben unter dem

Künstterölut.

Roman von Vera v. Baratowski. 58

Ausbrüche tobender Heftigkeit wechselten oft mit gänzlicher Apathie. Er raste und bäumte sich auf wider Win Schicksal, oder verharrte in dumpfem Schweigen, ver­mochte aber nichts geltend zu machen, was den furchtba­ren Verdacht entkräften konnte.

Selbst seinem Rechtsanwalt, Doktor Hanisch, gegen­über beschränkte er sich darauf zu erklären:Ich trage keine Schuld an Klothildes gewaltsamem Ende. Wohl machten mich die ewigen häuslichen Zerwürfnisse nervös und hemmten meine Arbeitskraft und Schaffenslust, ja, es gab Tage, wo ich mich förmlich gelähmt und unfä­hig Zu jeder rechten Tätigkeit fühlte. Keineswegs stelle ich auch in Abrede, daß meine früher so gewaltige Lei­denschaft für Klothilde erloschen und diese mir nur mehr ein Hemmnis auf dem Wege zum Glück und zur freien künstlerischen Entfaltung war, aber ich mordete sie nicht und würde ihr Leben, wären uns beiden noch hundert Jahre vergönnt gewesen, um keine Minute verkürzt ha­ben."

Können Sie sich auf nichts stützen, was dieser Be­hauptung eine feste Unterlage böte?" fragte der Advo­kat.

Nur ein müdes Achselzucken antwortete ihm.

Forschen Sie in Ihren Erinnerungen," fuhr er fort. Vielleicht sind Anhaltspunkte, die uns dienen würden, zu finden. Mögen sie auch noch so schwach sein, so werde ich dennoch die gegebene Spur mit Eifer verfolgen und auf der so gewonnenen Basis mein Verteidigungssystem aufbauen."

Ich weiß nichts zu sagen. Mein Kopf ist wüst und leer. Die Gedanken flattern mir davon, wie vom Wir­belwind gejagte Blätter. Ich bin nicht mehr im stande, sie festzuhalten und zu ordnen.

Vor mir und um mich ist das ewige und undurchdring-

liche Chaos. Klothilde, die Sphinx, wie man sie mit Recht nannte, beschwor es herauf, und wird mich nachziehen in den Abgrund, in welchen sie sich stürzte."

In welchen sie sich stürzte? .. So meinen Sie, daß Ihre Gemahlin den Tod freiwillig suchte?"

Ob sie es tat, oder der niederträchtigen Berechnung und den Rachegelüsten eines Schurken zum Opfer fiel, das weiß ich nicht, unb nutzlos wäre es, wollte ich letzte­res behaupten. Mich umstrickt ja doch ein unzerreißbares Netz von Lügen und Verleumdungen."

Auch noch so geschickt geschürzte Knoten sind zu lö­sen. Gegen wen hegen Sie Ihrerseits Verdacht?"

Was hülfe es denn, ihn zu nennen? Er ist stärker als ich und hat die öffentliche Meinung für sich... Ich hätte diese Natter zertreten sollen, ehe sie über meines Hauses Schwelle kroch."

Der Advokat neigte sich über den Tisch und legte seine Hand mit festem Druck auf Meißners Arm.Wem gel­ten diese Worte?"

Hugo verharrte in trotzigem Schweigen.

Erschweren Sie mir mein Amt nicht," sagte Doktor Hanisch eindringlich.Seit Beginn des Prozesses stellte ich eifrige Nachforschungen an, nicht nur hier, sondern auch in Galizien,<und frage nun auf Grund desselben: Bezieht sich Ihre vorhin gemachte Aeußerung nicht auf Herrn Bogislaus von Sudowsky?"

Wäre es wirklich so . . wozu davon reden? Seine Hände halten die Fäden des Netzes, in welchem ich ge­fangen bin."

Er ist einst Ihr Gönner und Freund gewesen, nicht wahr?"

Mein Gönner.. ja .. denn er liebte es, die Rolle des Kunstmäcen zu spielen .. mein Freund?'.. Niemals! Sein Rat war es, der mich vonderHeimat hinweg lockte. Nur um seine Selbstsucht und seine Eitelkeit zu befrie­digen, veranlaßte er mich, ihm nach Polen zu folgen, und entrollte das Bild einer glänzenden Zukunft vor

meinen Augen. Leugnen will ich nicht, daß sein Einfluß mir wirklich nützte, daß er der erste war, welcher die Auf­merksamkeit auf mich lenkte, und daß er für mein von ihm bestelltes Gemälde:Die Versuchung des heiligen Antonius" einen sehr hohen Preis bezahlte. Abgeneigt war er mir aber schon, als ich noch auf seinem Gute weilte. Sudowsky hoffte und wünschte, die Witwe seines Vetters Wladimir heimzuführen, vermochte jedoch ihre stets wachsende Abneigung nicht zu besiegen und haßte mich, weil ich Klothildes Gunst gewann. Zu einem offe­nen Bruche kam es deshalb nicht zwischen uns, aber daß er mich haßte, empfand und wußte ich dennoch!"

DoktorHanisch stellte noch verschiedene Fragen, erhielt jedoch nur kurze, verdrossene, unklare Antworten.

Dumpfe Niedergeschlagenheit hatte sich wieder Hugos bemächtigt. Er machte den Eindruck eines Menschen/der schon zu müde geworden ist, um sich zu verteidigen, des­halb seine Sache verloren gibt und nur mehr nach Ruhe verlangt, müßte er sie auch im Schoße der Erde fuchen.

Doktor Hanisch verzichtete darauf, die Unterredung weiter zu führen und überließ seinen Klienten der er­wünschten Einsamkeit.

* *

*

Als abermals vier Wochen verstrichen waren, weilte Sudowsky immer noch in M.. . Es schien, als könne er sich nicht trennen von dieser Stadt, als ziehe es ihn mit magnetischer Gewalt immer wieder zu dem Grabe Klothildes, deren Hügel bereits einer aus Blumen und Palmen erbauten Pyramide glich.

Dennoch konnte man nicht sagen: er weihe seiner Ver­wandten einen Kultus schmerzlichster Trauer.

Der Pole stürzte sich vielmehr mit dem brennenden Durste verzehrender GenußsuchtindieHochflut eines wü­sten, ausschweifenden Lebens und war häufig dort zu tref­fen, wo es am tollsten und zügellosesten herging, ohne daß er jedoch deshalb seine vornehmen, gesellschaftlichen Ver­bindungen vernachlässigte. 155,18