J.-Nr. 225 K. A. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden werden hierdurch veranlaßt, den Vor^ anschlag für die Rechnungsperiode 1, April 1909 bis 1. April 1910 alsbald aufzustellen und bis spätestens den 15. Februar d. Js. in einem Exemplar hier vorzulegen.
Die Feststellung des Etats durch die Gemeindevertretung hat vorerst nicht stattzufinden.
Die Formulare zum Voranschlag gehen den Herren Bürgermeistern zu. Ich ersuche, den Preis für dieselben mit 2,55 Mk. innerhalb 8 Tagen an das hiesige Kreisausschußbureau einzusenden.
Schlächtern, den 15. Januar 1909.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.
J.-Nr. I 563. Der auf Donnerstag, den 28. Januar d. Js. in hiesiger Stadt angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 8 Uhr morgens begonnen werden.
^Fulda, den 11. Januar 1909.
Der Kgl. Landrat: gez. Springorum.
Bekanntmachung
Mörder Bierwagen betreffend.
300 Mark Belohnung.
Am 5. Januar d. Js. nachmittags wurde die geschiedene Martha Bierwagen, geb. Rachut, in ihrer Wohnung Mariannenstr. 30 ermordet aufgefunden.
Als Täter kommt der Ehemann der Ermordeten, Schleifer, auch Gärtner Wilhelm Bernhard Bruno Bierwagen, am 26 4. 1870 zu Merlin geboren, in
Frage. Derselbe ist seit dem 4, d. Mts. unter Mitnahme eines Zweirades, Marke „Rommiä" No. 51554 einer silbernen Ankeruhr No. 753752, einer silbernen Anker-Savonnctteuhr No. 22 und eines größeren Geldbetrages verschwunden.
Wenngleich Bierwagen die Absicht geäußert hat, Selbstmord zu begehen, so sprechen doch andere Momente dagegen. Vielleicht bedient er sich der Namen Victor Herbst oder Oskar Siebenhaar. Er hat zuletzt Blumenhandel getrieben, ist wiederholt wegen Roheitsdelikte, zuletzt wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange 2C. mit 8 Jahren Zuchthaus vorbestraft, und hat sich seiner Zeit in einer Erdhöhle im Kreise Ost-Sternberg versteckt gehalten.
Beschr. 1,73 m groß, schlank, aber kräftig, blondes Haar, blasses Gesicht, blaue Augen, vorstehende Backenknochen, spitze hängende Nase, mittelstarker rötlichblonder Schnurrbart, defekte Zähne. Auf dem linken Handrücken ein Totenkopf, darunter gekreuzte Knochen tätowiert. Er soll die Schultern etwas hoch ziehen und nach vorn geneigte Haltung haben.
Bekleidet war er zuletzt mit blauem Jackettanzug, dunklem Ueberzieher, hellbraunem weichen Filzhut oder grauer Sportmütze, gelben Schnürstiefeln.
Unter Hinweis auf obige Belohnung ersuche ich um eingehendste Ermittelungen sowohl nach Bierwagen in Gasthöfen und Herbergen 2C., als auch nach den etwa bei Pfandleihern, Trödlern, Radhändlern veräußerten Uhren bezw. Fahrrad sowie schleunige Mitteilung jeder aufgefundenen Spur -zu 43 IV. 10. 09. Vergleiche auch Deutsches Fahndungsblatt Stück 2981 No. 26 und 2983 No. 1.
Berlin, den 11. Januar 1909.
Der Polizei Präsident, Abtlg. IV.
Druck von C. Hohmeister in Schlächtern.