mit amtlichem
t Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat"._________________
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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Samstag, den 26. Dezember 1908.
59. Jahrgang.
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Die im 59. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlächtern und weit noch über denselben
hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
- daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen | Postabonnenten, welche bis spätestens 28. Dez. unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen.
v w v daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Januar ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß
nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede PostanstaU und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellnngen auf das mit dem i. Januar 1909 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Ium Christfeste.
Willkommen uns in trauter Stille, Du gottgeweihte, Heilige Nacht, Die du einst in der Zeiten Fülle Der Gaben größte uns gebracht! Wir lauschen fromm entzückt der Kunde, Die jubelnd durch das Dunkel dringt, Und die aus aller Kinder Munde, Ein hohes Lied der Liebe, klingt.
Wer mag der Liebe Quell ergründen Die selbstverleugnend wirkt und schafft, Und die, ein Feuer anzuzünden, Besitzt des Himmels Wunderkraft? Die Liebe, die, ein Kind geboren, Im Kampfe triumphiert und siegt, Daß eine Welt, die sonst verloren, Gerettet ihr zu Füßen liegt?
Der ew'gen Liebe stilles Malten Ein Wunder bleibt es für und für, Seit auf der Welt, der öden, kalten, Sich schloß des Paradieses Tür. Doch fiel ins Herz uns stillverborgen Des Glaubens milder Hoffnungsstrahl, Dann lacht auch uns ein Weihnachtsmorgen Und Lieb um Liebe allzumal.
Die Liebe, die im Menschensohne Sich heute uns zu eigen gibt, Sie mahnt von ihres Himmels Throne Zur Liebe, die den Bruder liebt. Und dieser Liebe Band umschließe Als Brüder alle frei und gleich: Dann wird die Welt zum Paradiese Und Friede auf dem Erdenreich.
Richard von Felscnegg.
Ium Weihnachtsfeste.
Das Weihnachtsfest ist das Fest der Freude. In der Weihnachtsbotschaft der Engel steht, diese Freude soll allem Volk, also allen Menschen, den großen und den kleinen, den Reichen und den Armen und allen Völkern auf dem Erdenrund widerfahren. Aber für so manche ist Weihnachten kein Freudenfest. Trotz aller Mildtätigkeit und schenkenden Liebe gerade in der Weihnachtszeit gibt's noch viel bitteres Elend, viel Jammer in den Wohnungen der Armut. Also kann die Weihnachtsfreude, wie wir sie im allgemeinen zu nennen pflegen und um uns sehen, noch nicht die rechte Weihnachtsfreude sein. Sehen wir uns die Weihnachtsbotschaft von Bethlehem näher an, so steht da noch dreierlei, das wir jetzt in der Weihnachtszeit bei Hunderttausenden vergeblich suchen: Fürchtet euch nicht! — Ich verkündige euch große Freude — euch ist heute der Heiland geboren. Eine Freude, die die Weihnachtsfeiertage selten überdauert, können wir keine große
^LL-HsÜLuLLL wird k am GedeMage seiner Geburt von Tausenden nicht gedacht; ja Tausende lehnen das Weihnachtsevangelium entschieden ab. Und die Furcht bleibt bei so vielen nach wie vor die Tyran- nin ihres Lebens und Schaffens. Man fürchtet sich vor dem, was man Schicksal, Unglück heißt; der Glückliche fürchtet den schnellen Wechsel seines Glückes. Der Unglückliche, der Kranke, der in Gefahr und Not sich befindet, fürchtet, daß das Unglück ihn erschlagen könne. Der Kapitalist und Geschäftsmann fürchtet den Verlust feines Vermögens und schlechten Geschäftsgang durch widrige soziale und wirtschaftliche Krisen und durch die Konkurrenz. Was ist denn nun aber die echte Weihnachtsfrende, von der oder Weihnachtsengel redet? Es ist die gläubige Gewißheit, daß sich der barmherzige Gott im Himmel der Not und des Elendes der Menschen erbarmt, daß er sich selber nach ihnen umgesehen hat, daß er selber als ihr Heiland, ihr
Retter in Menschengestalt auf die Erde gekommen ist, ihnen das frohe Evangelium zu bringen: Fürchtet euch nicht mehr! Ihr habt nun einen treuen Vater im Himmel, der euch lieb hat, der eure Gebete und Anliegen erhört, der mit euch Frieden geschloffen und an euch ein Wohlgefallen hat, und ihr habt einen treuen Freund und Führer, der euch sicher durch die Anfechtungen, Nöte und Wirrsale dieses Lebens zur ewigen Seligkeit bringt. Das ist die rechte Weihnachtsfreude. Freilich, wer sie haben will, muß mit kindlichem Glauben das Weihnachtsevangelium ergreifen und es in sein Herz aufnehmen. Es wird dann im Herzen leuchten wie die Maiensonne und eitel Freude, Licht, Freudigkeit, Trost und Kraft ausströmen.
Deutsches Reich.
— Prinz Oskar von Preußen hat seine Studien an der Universität Bonn unterbrochen und ist im Neuen Palais bei Potsdam eingetroffen, um im Eltern - Hause die Weihnachtsferien zu verbringen.
— L-'e Studien des Kronprinzen im preußischen Finanzministerium werden, wie verlautet, Ende Januar beendigt sein. Seit einigen Wochen orienl'ert sich der Kronprinz in den preußischen Etatsarbeiten. Den Abschluß der Studien im Finanzministerium werden Vor- träge über die Staatsschuldenverwaltung bilden. Anfang Februar beginnen die Studien des Kronprinzen im Reichsmarineamt.
— Der Minister der öffentlichen Arbeiten traf zur Linderung der gegenwärtigen Arbeitsnot und um der Industrie eine gleichmäßige Beschäftigung zu sichern, die Anordnung, daß der Restbedarf der preußischen Staatsbahnen an Eisenoberbaumaterialien für das nächste Etatsjahr, die früher erst immer zu einem späteren Zeitpunkt bestellt wurden, schon jetzt den, stahlwerkverband zur Unterverteilung auf die Werke in Auftrag gegeben werden soll.
Künllkerblüt.
Roman von Vera v. Baratowski.
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Liska, die bis dahin auf dem Fenstertritt gekauert hatte, stand auf und schlich hinaus. Ihre Augen phosphoreszierten, wie die einer Hyäne. Zerreißen und zermalmen hätte sie Meißner können.
Klothilde aber schmiegte sich zärtlich mit unnachahmlicher Grazie an ihn, als er ihr den prächtigen Äbend- mantel umgab. Von der mit Schwan verbrämten und aefüttterten Kapuze umhüllt, nahm sich ihr interessantes Gesicht ungemein pikant aus. Feines Karminrot färbte ihre Wangen. Die leicht geöffneten Lippen ließen zwei Reihen in tadelloser Perlenweiße glänzender Zähne sehen. Die Stimme der Polin hatte einen weichen Klang, der mühsam unterdrückte Glut verriet. Ein unbeschreiblich bestechender Reiz war über das schöne Weib ausgegossen.
Schonhatte sie scherzend und flüsternd im Wagen Platz genommen, als Liska herantrat, und ihr ein feingeschliffenes Flacon reichte mit den Worten: „Die beruhigenden Tropfen sind auf dem Toilettentisch liegen geblieben."
„Ich werde ihrer wohl nicht bedürfen," erwiderte Klo- thilde und fügte, zu Meißner gewendet, hinzu: „Könntest Du das Fläschchen wohl zu Dir stecken? Mich geniert es momentan."
„Jawohl, gib nur her!" Der Wagen rollte fort.
Die Gastgeber begrüßten an diesem Abend das Künstlerpaar besonders herzlich. Sie freuten sich, diese beiden hochbegabten Menschen wieder in Frieden und Eintracht vereinigt zu sehen und meinten, der unheilvolle Zwist, überdessen Ursache und Entstehung niemand etwas Genaueres wußte, sei nun endgültig beigelegt.
Frau Eufemi-Meißner ließ den ganzen ihr eigenen, unwiderstehlichen Zauber walten. Sie trug eine wahrhaft entzückende Heiterkeit und Lebhaftigkeit zur Schau. Das Glück verjüngte sie um Jahre.
Auch Bogislaus von Sudowsky gesellte sich jetzt zu der
in sehr animierter Unterhaltung begriffenen Gruppe und sagte gesprächsweise: Westberg, dessen Nichte und der Professor sind heute nicht hier ?"
„Wir erwarten sie," entgegnete Frau von Zoller.
„Die junge Dame hat sich ja wohl mit dem in letzter Zeit viel genannten Arzt verlobt?"
„Es heißt so, doch handelt es sich dann jedenfalls um eine noch nicht bekannt gegebene Familienangelegenheit."
Was weiter gesprochen wurde, dem schenkteKlothilde nun keine Beachtung mehr; denn es war ihr nicht entgangen, wie sehr sich Meißners Antlitz plötzlich verfinsterte und wie es ihm nur mit äußerster Anstrengung gelang, seine heftige Erregung zu meistern und wenigstens gleichgültigen Blicken zu verbergen.
In diesem Moment öffnete der Diener die Tür und meldete: „Herr HauptmannvonWestberg, Fräulein von Henck! Herr Professor Winter!"
Die Dame des Hauses ging den Ankommenden entgegen, während verschiedene"Personen, die sich für die heueintreffenben Gäste nicht interessierten, die gefeierte Sängerin umdrängten. Sie antwortete zerstreut; denn Hugo war von ihrer Seite verschwunden. Ihr eifrig spähender Blick entdeckte ihn endlich in Floras Nähe. Meißner unterhielt sich mit verschiedenen Bekannten, aber die von Eifersucht Gequälte bildete sich ein, er lausche nur gierig auf jedes Wort, das zwischen Fräulein von Henck und Ernst Winter gewechselt werde.
Auch bei Tische ließ sie ihn kaum aus den Augen und empfand es als unerträgliche Qual, hier so ruhig sitzen und gleichgültige Gespräche führen zu müssen. Wie schnell drohte das kaum erblühte Glück schon wieder zu welken! ,, Frau Eufemi wurde immer einsilbiger, und bald konnte sich niemand mehr über ihre beständig zunehmende Verstimmung täuschend
Man war zum Dessert gelaugt, Champagner perlte und schäumte in den Gläsern, Klothilde aber benetzte kaum ihre heißen, trockenen Lippen.
Da hielt ihr jemand, hinter ihrem Stuhl stehend, den
^^^*^■^B^^—l»I^1———M—,^1—»MWB gefüllten Kelch entgegen und rief: „Auf Dein Wohl, Cousine!" und fügte in polnischer Sprache, die niemand verstand, hinzu: „Zeige Deinen Verdruß nicht zu offen. Die Leute amüsieren sich ja auf Deine Kosten,"
„Wie so?" fuhr sie auf.
„Ja, meine Beste, wenn Du mir eingestandest, daß Deine Liebe zu Hugo nicht sterben kann, auch wenn er Dich verrät und verläßt, so begreife ich das vollkommen; denn ich möchte Dich immer wieder auf Händen tragen, so bitteres Unrecht Du mir auch antatest. Erst kürzlich ergössest Du die ganze ätzende Lauge des Spottes über mich, und es niüßte mir eigentlich zur Genugtuung gereichen, jetzt höhnische Aeußerungen über Dich zu hören?"
„Ueber mich? Dazu gab ich wohl niemand Veranlassung!"
„Du könntest Dich irren! Man lispelt sich allerlei zu, seit die schöne Flora hier eintrat und Deinen Gatten an- zuziehen scheint, wie der Magnet das Eisen."
„Wie ich sie hasse, diese Heuchlerin mit demMadon- nengesicht!"
„Du bist immer sehr schnell bereit, zu hassen und anzuklagen, meine Liebe, das weiß niemand besser als ich. Im vorliegenden Falle magst Du ja vielleicht begründete Ursache haben, aber muß denn alle Welt sehen und wissen, daß Du mit abgöttischer Zärtlichkeit an einem Manne hängst, der sich nichts mehr aus Dir macht?"
„Suche Dir doch ein anderes Ziel für die vergifteten Dolchstiche Deiner Bosheit. An mir prallen sie wirkungslos ab; denn was von Dir sammt, kann nur Lüge und Verleumdung sein!" sagte die Polin mit zwar gedämpftem, aber scharfen und schneidenden Ton.
Dennoch verstand Sudowsky ihren Stolz aufzusta- cheln und zu reizen. Sie bezwäng sich gewaltsam und wurde nun wieder das belebende Prinzip, der strahlende Mittelpunkt der ganzen Gesellschaft. ' 155,18
Als man sich von der Tafel erhob, fang Klothilde,. von den Anwesenden bestürmt, heiße, glühende Lieder.