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spricht zunächst in Anlehnung an die Motive der Novelle davon, daß die Abänderung der Ueberschrift zum Abschnitt IV des Titels VII der Gewerbeordnung Besondere Bestimmungen für Betriebe, in denen in der ' Regel mindestens zehn Arbeiter beschäftigt werden", nur zu dem Zwecke erfolgen solle, um das Anwendungsgebiet der Schutzbestimmungen klar zu umschreiben. Ferner aber ist in der 2. Lesung in ge­gebener Veranlassung von feiten eines Regierungsver- lreters ausdrücklich folgende Erklärung abgegeben worden: Durch die vorgeschlagene Regelung, wonach der Fabrik­begriff völlig ausgeschaltet, und die Zahl der in der Regel beschäftigten Arbeiter für die Anwendung ter §§ 133g bis 139a als maßgebend erklärt werden solle, werde lediglich eine klare llmgrenzung des Geltungs­bereichs dieser Vorschriften beabsichtigt. Für die Ent­scheidung der Frage, ob es sich um einen Fabrik- oder Handwerksbetrieb im Sinne des Titels VI der Gewerbe­ordnung handele, sei diese Regelung von keiner Be­deutung."

Nach diesen Erklärungen kann von einer allgemeinen Festlegung des Fabrikbegriffes keine Rede sein.

Endlich ist auch im Reichstag selbst in der 173. Sitzung zum Ausdruck gekommen, daß nicht die allge­meine Begriffsbestimmung der Fabrik, sondern nur der Geltungsbereich der Arbeilerschutzbestimmungen mit der Abgrenzung der Betriebe von mehr als 10 Arbeitern festgelegt werden sollte.

Kermischtes.

Am Sonntag Nachmittag brach auf bisher unaufgeklärte Weise in der Modellschreinerei der Gas­motorenfabrik Deutz in Köln Feuer aus, das schnell um sich griff und das ganze Modellhaus einäscherte. Der andere Betrieb ist nicht gestört. Es wurden Modelle im Werte von 300000 Mark vernichiet. Der Gesamtschaden belauft sich auf über 500000 Mark; ftchs Versicherungs-Gesellschaften haben sich in ihn zu teilen. Die Ursache des Feuers ist noch völlig unbekannt.

Die Aufräumungsarbeiten auf Zeche Radbod werden allem Anschein nach einen sehr langsamen Ver« lauf nehmen da das Herauspumpen des Wassers längere Zeit beanspruchen wird. Die Verwaltung der Zeche Radbod gibt bekannt, daß am 1. Januar eine größere Anzahl Bergleute entlassen swerden wird, weil die Inangriffnahme der Ausräumung in der Grube sich länger hinausdehnt, als man vermutete. Mit der Wasserförderung ist begonnen, doch dürften mehrere Wochen vergehen, ehe an die Bergung der Leichen zu denken ist.

Starker Schneefall trat im Südthüringer Walde bei Erfurt ein. Die Schneehöhe beträgt stellenweise einen halben Meter. Die Gebirgsbahnen haben große Verkehrsstörungen.

Am Dienstag waren zwei höhere Beamte der Eisenbahndirektion Erfurt in Geisa, welche die letzten Verhandlungen wegen der Neubaustrecke Geisa-Tann zum Abschluß brachten. Mit dem Bahnbau ist be gönnen worden.

Die vier Inhaber des größten Berliner Waren­hauses A. Wertheim haben tatsächlich die unter ihnen ausgebrochenen Zwistigkeiten nicht ausgleichen können; das Gesellschafts-Verhältnis wird endgültig zum 1. Januar gelöst. Wer das Geschäft das große Haus in der Leipzigerstraße hat allein einen Bau- und Grundstückswert von ca. 25 Mill. übernimmt, wird noch gerichtlich entschieden werden.

Vor dem Passagekaufhaus in Berlin wurde einer Dame aus Dresden am Sonntag im Gedränge von einer anderen Dame mit der Hutnadel das linke Auge ausgestochen.

Am 15. Juli d. I. wurden in Berlin in einem Hause der Kurfürstenstraße bei einem Kürschnermeister für 10000 Mark Pelze und Seide gestohlen. Darunter befanden sich auch Pelze, die der chinesischen Gesandt­schaft gehörten und einen Wert von 5000 Mark dar- stellten. Es ist jetzt der Kriminalpolizei gelungen, die Einbrecher und ihre Hehler hinter Schloß und Riegel zu bringen.

1200 Schulkinder ohne warmes Mittagessen. In den 28 Charlottenburger Gemeindeschulen beträgt die Zahl der Schulkinder 23 060; von diesen erhalten nach den Ermittelungen des Magistrats unregelmäßig warmes erstes Frühstück 245. Als Ursache wird meist Krankheit des Vaters oder der Mutter und Armut angegeben. 1208 Kinder erhalten regelmäßig kein warmes Mittagessen, von diesen Kindern, die regelmäßig kein warmes Mittagessen erhalten, bekommen 292 regel­mäßig auch des Abends keinen Ersatz dafür, 652 Schul­kinder erhalten nur hin und wieder warmes Mittagbrot, Die Ursache ist nach den Ermittelungen zum größten Teil Armut oder Krankheit der Eltern. Die Zahl der Kinder, die regelmäßig weder ein erstes warmes Früh­stück noch ein warmes Mittagb cot erhalten, beträgt 155. Für die Speisung bedürftiger Schulkinder hat der Magistrat beschlossen, 10 300 Mk. von der Stadtver« ordnetenversammlung zu fordern.

In Hermannstadt wütet eine große Typbus- epidemie. Es sind bereits 800 Personen erkrankt. Sämtliche Schulen wurden geschlossen. Man beab­

sichtigt, das hiesige Korpskommando nach Klausenburg zu verlegen.

Ein Gattenmordversuch mit lustigem Ausgange hat sich, wie derBerl. Lokal-Anz." berichtet, in einem Orte in Niederbayern ereignet und erregt dort viel Heiterkeit. Zu dem Apotheker des Ortes Eging kam dieser Tage die Frau eines Holzschuhmachers und bestellte ein scharfes Gift. Der Apotheker mißtraute ihr und ließ den Holzschuhmacher zu einer geheimen Unterredung kommen, in der er ihm von dem ver­dächtigen Ersuchen Mitteilung machte. Die Frau hatte er für eine spätere Stunde bestellt und ihr ein harm­loses Pulver gegeben. Der Mann abends zu Hause eine ihm von seiner Frau bereitete Suppe, fing alsbald darauf, während die Frau draußen lauerte, zu schwanken an und fiel dann auch wie tot nieder. Jetzt ging die Gattin die Stiege hinauf, um aus einer Bodenluke einen Strick herabzulassen, den sie ihrem sich tot stellenden Mann um den Hals legte. Während sie abermals zum Boden hinauflief, schlüpfte der Mann aus der Schlinge und hing an seiner Stelle seine Holz­schnitzbank an den Strick, die von der Frau in der Dunkelheit auch hochgezogen wurde, und bald darauf hörte er auf der Straße die Jammerrufe seiner Frau, ihr Mann habe sich erhängt. Die herbeigeeilten Leute aber fanden die Holzschnitzbank am Strick baumeln, und die liebevolle Gattin erhielt zunächst eine gehörige Tracht Prügel. Das vermeintliche Gift hatte sie in die Suppe geschüttet.

Dir kürzlich in London verstorbene südafrikanische Diamanten'Millionär Barnato hat 100 Millionen Mark seiner Tochter und Enkelin hinterlassen.

Massenhinrichtungen in Rußland. Nachrichten aus Petersburg zufolge sind in Rußland siebenunddreißig Todesurteile gefällt und siebzehn Hinrichtungen vollzogen worden.

Aus fast ganz Tirol werden schwere Schneefälle gemeldet. An manchen Orten beträgt die Schneehöhe 70 Centimeter.

Der große Gutshof Eichtal bei Eckernförde, wurde von einer großen Feuersbrunst heimgesucht. Die Kuhstallung mit 76 Kühen und eine Scheune fielen dem Brande zum Opfer.

Wie aus Togo berichtet wird, ist den Schwestern der dortigen katholischen Mission in Palime nach längeren Versuchen die Herstellung von Bananenbrot gelungen. Es hat einen guten, unserm westfälischen Pumpernickel ähnlichen Geschmack und hält sich sehr lange frisch. Wenn es sich in der Tat auf die Dauer bewährt, so ist damit in der Lösung der oft so schwierigen Frage der Verpflegung von Europäern in den Tropen ein wichtiger Forschritt gemacht. Da die Bananen dort überall in großen Mengen gezogen werden, ist das Brot außerdem billig.

Panik in einem Newyorker Theater. Der Daily-News" wird von Newyork gekabelt, daß dort am Sonntag in einem Theater auf der Ostseite der Stadt eine Panik entstand, die zu sehr aufregenden Zwischenfällen führte. Das Theater war mit Zu­schauern überfüllt, die mit solcher Wucht gegen das Geländer eines Balkons gedrückt wurden, daß dieses nachgab und fünfzehn Personen auf die Köpfe der im Parterre Sitzenden herabfielen. Hierbei wurde einer der letzteren getötet. In wilder Flucht drängte nun alles den Ausgängen zu. Die Angestellten des Theaters und die schleunigst herbeigerufene Polizei taten ihr möglichstes, die Leute zu beruhigen, konnten aber nicht verhindern, daß Dutzende von Personen in dem fürchterlichen Gedränge schwer verletzt wurden. In der Depesche ist der Name des Theaters nicht genannt; aller Wahrscheinlichkeit nach aber war eines der deutschen Theater der Schauplatz der wilden Panik, denn nur in den deutschen Theatern wird des Sonn tags in Newyork gespielt.

Ein gelungener Liebesbrief mit folgendem Inhalt:

Libe Anna du hatest mir geschriben bis Donners­tag Abent wolltest du den B ... r kommen was aber nicht der fall gewesen ist. Den wir haben bis halb 10 Uhr gewardet und du bist aber nicht gekommen und da sind wir da Hunten vorbei gekommen da habe ich aber gesehen daß du bei der Eliße im Hausflur ge- standten hast und du bist von mir zurück gelaufen aus welchgem Grund weißich nicht u.da habe ich vor mein Gollechge (Kollege?) gesagt komm wir wollen ein Glas Birr Trinken und da bist du um ein fertel 11 Uhr zu Thür rein gelaufen und hast zugeschlossen das haben wir gesehen. Libe Anna wenn du mit mir nicht mehr Verkeoren wilst dann Schreibe es mir bitte ich kanr dich me«n Leben aber nicht vergessen und du mich vieleicht auch ni m Libe Anna denn was Gott zu­sammen fücht das soll der Mensch nicht scheidten. Libe Anna ich kann mich lassen sehen und kann dir auch Schwarz auf Weiß zeichgen und du auch Ich habe nicht falsch geohgen dich gehandelt bis jetzs und Häute noch nicht und wenn du das glaubts das iväre sehr Traurig von mir denn ich hätte fiel übrig für dich denn du hattest bei der Frau B . , gesprochen die Diendmädchgen wirkten doch nichts mehr geachtet aber ich habe dich doch sehr geachtet und häute noch und glaube ja mahl sichger daß mir es die Weihnachten

nicht auf 20 Mark angekommen warre für Weih- nachtsgesckänke denn ich hatte vor dich und deine Mutter und vor deine Geschwistern was übrig und wir konnten nach Weihnachten nach deiner Heimatd Reisten und nachherr wenn es uns baste nach meinen Eltern und wie die Vorige Wochge dein Bruder hier gewesen ist der konnte auch bei uns schlafen denn ich kann mich lassen sehen und meine ganze Geschwister auch und meine Verwanschaft auch denn wo meine Mutter her ist die haben 4 Pferdte und hunter 20 Acker Land und ich habe als Soldat 500 Mark zuge- setzs und habe freiwilich gediendt und und mein jüngster Bruder auch widter. Ich darf auch mahl 70 Mark am Sonntag müssen lassen verschwindten und wenn ich »ach Hauße Schreibe über Vater schickt mir die Weih, nachten 50 Mark dann sind Sie da denn auf mich kann sich ein jedter Mensch erkundichgen in unßeren Gehöft sachgen Sie doch alle daß so noch kein Nädter Mensch da gewesen wäre wie ich und der so schöne Zäuchnisse hätte gehabt als wie ich und wenn die Wochge rum wärre der Ihnen noch 20 Mark hätte können Wechseln aber das kann der Fliederich dann mußte ich aber nicht von anständichgen Eltern Herr sein denn ich Verkolle die Mädchgen nicht und sachge daß ich zehn Taußent Taller von zu Hauße hätte aber wir haben außer 4 Kühe zu Hauße und 30 Schafe und haben auch eine Schäune zu Hauße stehn die kann ein jeder Mensch sehn wo ich zu Hauße im Urlaub bin gewesen 5 Wochgen vor zwei Jahren wo meine Mutter den Arm gebrochgen hat auf der Heb- kermes denn wir haben jedes Johr die Treschmaschine 1 Tag u. haben auch keinen Pfennig Schulten zu Hauße wärren Sie nur alle was ich bin odter habe ich mich schon Blamirt wenn du mit mir ausgegangen )ist das glaube ich aber nicht deshalb können wir )och mein Geburtstag feiern bis Sonntag wo ich dich freundlich Einladte ich möchte dich bitten um Ant- wordt. Ich sendte noch fille Grüße

Friedrich H . . . . bitte um Antwort Anna.

Hoffentlich hatte dielibe Anna" ein Einsehen und nahm die Einladung an von demNädten Friederich", der am Ende der Woch noch 20 Mark wechseln" konnte.

Auszug aus den Registern des Standesamts zu Schlüchtern

November 1908.

Geburten:

1. Heinrich Friedrich, Sohn des Feldhüters Ludwig Orth zu Schlüchtern.

9. Johannes, Sohn des Landwirts Nikolaus Hopf zu Gomfritz.

l6. Helene, Tochter des Spielbudenbesitzers Franz Feiler zu Schlüchtern.

17. Maria Karolina, Tochter des Kaufmanns Georg Hirsch zu Herolz.

18. Helene Wilhelmine, Tochter des Bäckers Ferdinand Valentin Eckhardt zu Schlüchtern.

27. Johann, Sohn des Fabrikarbeiters Kaspar Lotz in Herolz.

Eheschließungen:

7. Bergmann Heinrich Koch, ledig aus Hintersteinau mit Anna Margaretha Paul ledig aus Schlüchtern.

13. Eisenbahngehilfe Augustin Sauer ledig aus Langen- bieber mit Maria Antonie Goldbach ledig aus Wolferts.

28. Schuhmachergeselle Melchior Meier ledig aus Schlüchtern mit Gertruds Urbach, geb. Kreß, ver­witwet aus Schlüchtern.

Sterbefälle:

10. Helene Hopf, geb. Müller, verh. evangel. 30 Jahre alt zu Gomfritz.

10. Jacob Katzenstein, ledig, evangel. 24 Jahre alt zu Schlüchtern.

18. Walburgia Balzer, geb. Müller, verwitwet, kath- 67 Jahre alt zu Herolz.

20. Margaretha Schröder, geb. Freund, verwitwet, evangel. 65 Jahre alt zu Schlüchtern.

21. Mathilde Leipold, ledig, evangelisch 75 Jahre alt zu Schlüchtern.

27. Joseph Lotz, Maurer verh. kath. 54 Jahre alt zu. Herolz.

30. Wilhelm Pfeffer, Bureaugehilfe, ledig evangelisch zu Schlüchtern.

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