ihm nicht, hierin Wandel zu schaffen, so muß er um verzüglich nach Hause fahren. Vom gesundheitlichen Standpunkte aus ist dies Urteil nur mit Freude zu begrüßen.
— Das Lehrerbesoldungs-Gesetz wurde von der Commission des Abgeordnetenhauses in zweiter Lesung, zumeist nach den vorher vereinbarten Kompromißanträgen, angenommen.________________________
Auslanö.
— Kaiser Franz Josef hat dem König Victor Emanuel das Jubiläumskreuz überreichen lassen. Das Kreuz war begleitet von einem Handschreiben Kaiser Franz Josefs, worin dieser, wie es heißt, das Fortbestehen des Dreibundes warm empfiehlt.
— Mehr als 350 Mitglieder des englischen Unter» Hauses, darunter auch der Premierminister und der Minister des Aeußern, haben dem neuen türkischen Parlament zu seiner Eröffnung eine Glückwunsch«Ad- resse übersandt.
— Rom. Der russische Botschafter Murawjew hat sich am Montag abend nach dem Spendd-Hotel begeben, um einen Besuch abzustatten. Dort wurde er von einem Schlaganfall betroffen und verstarb sofort.
— Der „Daily Mail" zufolge greift die Cholera in Petersburg trotz der Kälte des Wetters fortwährend um sich und die Aerzte befürchten das Schlimmste für den Frühling. Die Wasserleitung ist mit Choleraba- zillen infiziert. Die Gesundheitskomitees verlangen, daß alle Wasserrohre zerstört werden und daß man frisches Wasser vom Ladoga-See beziehen solle. Die Durchführung eines derartigen Planes würde Millionen kosten.
— Paris .Ueber die Meuterei der Fremdenlegionäre wird gemeldet: General Vigy, der in Zivil war, wollte mit dem Führer der Legionäre sprechen, als der Zug in der Nähe der Station Bureschild hielt, doch kümmerte sich niemand um seine Aufforderung. Oberst Bouillon, der Uniform trug und gleichfalls mit dem Anführer verhandeln wollte, wurde gezwungen, in den Wagen zurückzukehren. Die Fremdenlegionärz bestiegen den Zug und fuhren! mit ihm zurück. Kurt vor der Station Bina ließ der angebliche Leutnan- Halten, die Meuterer entstiegen dem Zug und entschwanden. Der Zug, der alles Heizmaterial ver, braucht hatte, mußte mit Bahnschwellen gehitzt werdene worauf die Fahrt nach Oran fortgesetzt wurde. Di- Verfolgung der Fremdenlegionäre wurde sofort ausgenommen und vier wurden festgenommen. Sie er, klärten, die übrigen Kameraden, 45 an der Zahl, würden sich bis zum letzten Blutstropfen verteidigen Die Fremdenlegionäre hatten am Sonntag Ain el Hadjahr verlassen, zwei Kitten Patronen mitgenommen und die Telegraphendrähte zerschnitten. Nach einer neueren Meldung wurden die 50 Fremdenlegionäre von einem ihrer Kameraden geführt, der eine gestohlene Leutnantsuniform trug. Nachdem sie den Eisenbahnzug angehalten hatten, flüchteten sie in der Richtung nach der Grenze. Die zu ihrer Verfolgung abge» schickten Truppen verhafteten vier Legionäre; die übrigen dürften über die Grenze entkommen sein.
— Vom Kaiserpreissingen in Amerika. Das Bundesmusikkomitee des Nordamerikanischen Sängerbundes wählte die Komposition „Warnung vor dem Rhein" des Königlichen Musikdirektors Mathien Neu- mann-Düsseldorf als Preischor für den Wettbewerb um den vom deutschen Kaiser gestifteten Preis für das große deutsche National-Sängerfest am 19. bis 24. Juni in New-Iork 1909,
— Zweiunddreißig der französischen Fremdenlegionäre, welche in Südoran desertiert waren, sind bereits wieder von aus Saida entsandten Gendarmeriemann- schasten eingefangen worden.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern 18. Dezember 1908.
—* Die Weihnachtsfeier der Erziehungsanstalt Hof Reich, zu der gewöhnlich öffentlich eingeladen zu werden pflegte, und welche zur Freude der Hauseltern stets eine größere Zahl von Freunden und Gönnern dort versammelte, muß in diesem Jahre leider unterbleiben. Verschiedene Krankheitsfälle zwingen diesnial dazu, von Einladungen im Interesse der Besucher ab» zusehen und die Feier im engen Rahmen der Anstaltsgemeinde zu begehen.
—* Die am 12. Dezember in Nr. 100 gebrachte Notiz betreffend der Viehmärkte in Schlüchtern muß heißen: Der Magistrat hat beantragt, daß in Zukunft nur noch die Viehmärkte am 1. und 3. Dienstag im Monat März jeden Jahres abgehalten werden. Die übrigen Märkte follen fallen gelassen werden, da dieselben in den letzten Jahren nicht mehr besucht wurden.
—* Am 3. Januar veranstaltet der Heimatbund im Saale des „Hess. Hofes" hier seine erste große Versammlung, für welche Teilnehmer aus allen Orten des Kreises erwartet werden. Herr Seminardirektor Dr. Grau wird einen Vertrag halten über die Frage: „Was will unser Heimatbund?" Falls die Verhandlungen Zeit lassen, wird auch noch ein Vertrag über „Schlüchtern im siebenjährigen Kriege" geboten werden.
Ferner ist eine kleine Ausstellung solcher Gegenstandes geplant, die bereits für das Heimatmuseum erworben wurden.
—* Die 11. Abgeordnetenversammlung des Kreis» Kriegerverbands findet am 17- Januar im Stoppel'schen Saale in Elm statt.
—* Der Handelskammer zu Hanau ist der Jahresbericht des Königlichen Material-Prüfungsamtes der technischen Hochschule zu Berlin pro 1907 zugegangen. Bekanntlich hat dieses Amt insbesondere die Auffläoe, die Prüfung von Materialien und Konstruktionsteilen auszuführen (auch für Private) und über den Befung amtliche Zeugnisse und Gutachten zu erteilen, sowie gegebenenfalls als Schiedsricyter in Streitfragen über die Beschaffenheit von Materialien rc. der Technik zu entscheiden usw. Das Amt nimmt auch gern aus den Kreisen der Gewerbetreibenden Anregungen entgegen, wie es seine Tätigkeit im Interesse des deutschen Wirtschaftslebens vervollkommnen könnte. Der sehr interessante Jahresbericht, welcher die Tätigkeit aller Abteilungen (für Metallprüfung, Baumaterialienprüfung, papier- unb, textil- technische Prüfungen, Metallografie, Oel- Prüfung, allgemeine Chemie) anschaulich darstellt, wird Interessenten von der Handelskammer gern zur Einsicht überlassen. Die Benutzung des Amtes für Fälle der bezeichneten Art wird auch an dieser Stelle dringend empfohlen.
—* Die bisherige Gewerbeinspektion Fulda wird am 1. April n. I. in einen südlichen Bezirk mit dem L>itze in Hanau und einen nördlichen Bezirk geteilt Mit der Leitung der neuen Gewerbeinspektion in Hanau soll gutem Vernehmen nach der Gewerbeinspektor Dr. Schroeder in Cassel betraut werden.
* Aus der Rhön. Auf traurige Weise verlor ein 26jähriger lediger Maurer namens Johannes Geis in Rödelmeier das Leben. Derselbe verschluckte vor einigen Wochen beim Essen zwei künstliche Zähne. Anfangs machten ihm diese keine Beschwerden, jedoch verursachten sie dieser Tage starke innere Blutungen, die den Tod zur Folge hatten.
* Dieser Tage meldete sich ein Pennbruder bei der Frau eines Exekutiv-Beamten in Wiesbaden mit dem angeblichen Auftrage ihres gerade Posten stehenden Mannes, sämt- liches Schuhzeug der Familie zu wichsen. Er wurde mit Kaffee und Butterbrot erfrischt und war bald an der Arbeit. Nach einer halben Stunde entfernte er sich unter Dankesbezeugungen. Mittags, als der Ehemann nach Hause kam und von b^m Ritterdienste hörte, schöpfte er gleich Verdacht, denn er hatte niemand einen Elchen Auftrag erteilt. Eine Revision der gewichsten Schuhe löste denn auch gleich das Rätsel. In Reihe und Glied stand blitz und blank die Familienrappen, und als Flügelpaar im Schatten der Möbel präsentierten sich die zerrissenen Latschen des Gauners, die er geschickt mit den neuen Stiefeln des Beamten vertauscht hatte und dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden war.
* An Blutvergiftung starb in Marburg ein 20jähr. sonst blühender Mann Namens Wilhelm Kleinberg aus Ockershausen. Er hatte ein kleines Geschwür am Kopfe kaum beachtet und jedenfalls aufgekratzt. — Die Arbeitslosigkeit macht sich auch hier besonders durch den Durchzug reisender Handwerksburschen sehr bemerkbar. So mußte die Polizei im Monat November 350 Obdachlose unterbringen, gegen 61 im November vorigen Jahres. Nicht mitgezählt sind die Wanderer, die in den Herbergen logieren. Mitunter haben die Arbeitslosen, besonders die aus dem Siegerland kommenden, Weib und Kind bei sich.
Zur Kleinbahnfrage Schlüchtern-Sterbfritz und Hinterland.
Der jetzt beginnende Tunnelbau Schlüchtern-Flieden lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die Notwendigkeit der Erbauung einer Kleinbahn Schlüchtern-Sterbfritz und Hinterland, da nach Vollendung des Tunnels sicher der Verkehr aus dem oberen Teil unseres Kreises nach Schlüchtern immer mehr abgeschnitten und nach Fulda gelenkt, sowie auch der Verkehr von hier nach Bayern sehr erschwert werden wird.
War daher schon in Anbetracht der jetzigen ört» lichen Verhältnisse und der ungünstigen Lage der Staatsbahn eine Kleinbahn Schlüchtern-Sterbfritz, erwünscht, so muß solche nach Vollendunz des Tunnels Schlüchtern-Flieden geradezu als notwendig bezeichnet werden.
Bekanntlich ist ja ein Kleinbahnprojekt Ulmbach- Salmünster-Steinau-Schlüchtern bereits ausgearbeitet. Die Erbauung dieser Strecke ist ja gewiß sehr wünschenswert, viel notwendiger ist aber die Strecke Schlüchtern-Sterbfritz, und wird diese Strecke auch sicherlich die Rentabilität bedeutend steigern und eine dann voll ausgebaute Kleinbahn Ulmbach-Salmünster- Steinau-Schlüchtern-Sterbfritz und Hinterland dem ganzen Kreis endlich einen angemessenen der Jetztzeit entsprechenden Verkehrsweg bringen und zum Segen gereichen.
Wird die Erbauung der Strecke Schlüchtern Sterb- fritz und Hinterland auch nicht sehr billig werden, so werden doch auch die Einnahmen dieser Strecke sicher
bedeutend sein, und erst dadurch, daß der ganze obere Kreis mit seinen vielen und großen Dörfern, mit seinen Waldungen, Steinbrüchen, Basalt- und Tonlagern und seinen industriellen Werken (Ringöfen Sterbfritz und Sannerz) angeschlossen wird, dürfte die untere Strecke Salmünster-Schlüchtern rentabel werden. Die Verfrachtung dieser Massenartikel spielt für eine Kleinbahn eine große Rolle. Hierzu kommt noch der Versand in Heu, Stroh, Vieh, Kalk, Zement, Baumaterialien, Düuge- uild Futterartikel, Mehl und der bedeutende Versand in Kohlen. Die größere Menge aller dieser Artikel wird den Weg über die Kleinbahn nehmen, weil fast unser ganzer Verkehrsinteresse sich nach Süden via Frankfurt a. M. conzentriert und weil die Kleinbahn für fast alle Orte bessere und nähere Ladestellen bringt. Hierzu kommt der Kleingüterverkehr und der gewiß recht bedeutend werdende Personenverkehr.
Man wird für die Strecke von Schlüchtern nach Vollmerz-Sannerz-Sterbfritz und Hinterland hin und zurück nach diesseitiger Berechnung etwa rechnen dürfen pro Jahr:
Verfrachtung von Bauholz, Grubenholz, Basalt- und Sandsteine, Kalk, Cement, Ton u. s. w. etwa
Ringofensteine, Dachziegeln, Chamolte- waren u. s. w.
Kohlen
Mehl, Frucht, Heu, Stroh, Kartoffeln, Futter- und Düngemittel u. s. w. etwa Diverse Artikel
„
Summa etwa
In Durchschnittssracht a 8 Mark
1000 Waggon
900
400
//
400
100
2800 Waggon
22 400
5 000
24 000
3 000
Mark
Hierzu Kleingüterverkehr etc. Personenverkehr etwa Diverse Einnahmen etwa
Summa
etwa
H
Einnahmen 54 400 Mark
Diese Zahlen sind nicht zu hoch berechnet und werden mit den Jahren noch steigern.
So hat z. B. die Kleinbahn Wächtersbach-Orb im Jahre 1907 durch Personenverkehr 25 000 Mark und Güterverkehr 19 OOU Mark, die Kleinbahn Wächtersbach-Birstein aber in demselben Jahre 34 500 Mark durch Personenverkehr und 50 000 Mark durch Güter
verkehr eingenommen.
Die Kleinbahn Wächtersbach-Orb gab 1907 2\/% Dividende und die Kleinbahn Wächtersbach-Birstein gab 1907 aus Aktien B 1 '/u % und auf Aktien A 4% Dividende.
Die Verhältnisse liegen aber bei der Kleinbahn Schlüchtern-Sterbfritz und Hinterland nicht wesentlich ungünstiger. Gewiß, wir haben bereits eine Bahn für diese Strecke. Wer die Verhältnisse aber kennt, weiß, daß wir trotzdem eigentlich keine Bahn haben. Denn eine Bahn, welche solche Umwege macht, bei deren Benutzung man, um eine Fußstrecke von 1 74 Stunden zurückzulegen,
je nach dem Aufenthalt in Elm halben Tag auf der Bahn zubringen für den Personenverkehr doch voll- Aber auch der Güterverkehr wird Teil auf die Kleinbahn übergehen,
beinahe einen muß, scheidet kommen aus. zum großen weil diese die
Güter an die meisten Orte und industriellen Werke dicht heranbringen, dann aber auch
den größeren Teil unseres oberen Kreises mit seinen Bodenschätzen erst bem Verkehr erschließen wird, ganz abgesehen davon, daß die Staatsbahn die von Süden kommenden Güter auf den Umwegen über die Berge via Elm nicht umsonst fährt.
Vielleicht ist jetzt auch die beste und günstigste Gelegenheit, einen angemessenen Staatszuschuß für die Erbauung dicker Kleinbahn zu erlangen, denn der Staat könnte dafür dann den zugesagten Zwischenverkehr der Strecke Elm»Schlüchtern fallen und die Strecke Elm- Distelrasen-Tunnel eingehen lassen. Dadurch wäre wahrscheinlich unserer Gegend, dem Verkehr und dem Geldbeutel des Staates gedient.
Hoffen wir, daß die Kleinbahnfrage für den Kreis Schlüchtern bald greifbare Formen annimmt, besonders aber, daß der obere Teil des Kreises endlich dem Verkehr erschlossen wird. F.
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Fuldaerstr. 23.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern. Evangelische Gemeinde: Sonntag den 2o. Dezember 1908.
Vormittagsgottesdienst 10 Uhr Herr Pfarrer Rollmann Abends 7 Uhr: Herr Superintendent Orth. Wochendienst: Herr Pfarrer Rollmann.
Katholische Gemeinde Gottesdienst .' 10 Uhr: Herr Kaplan Roßbach-Sannerz