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indem Tittoni und nach ihm Giolitti die Richtlinien der auswärtigen Politik abermals darlegten. Der Grund­ton war das Festhalten am Dreibund.

Die Deputation englischer Arbeiter aus Aork- fihre, welche unter Führung von Mr. Bvyd Carpenter in den letzten Wochen die Hauptplätze der deutschen Wollindustrie bereiste, ist nach England zurückgekehrt, nachdem sie Studien über die Arbeiterverhältnisse in Gera, Kottbus, Rummelsburg, Schönweil», Leipzig, Dresden, Crimitschau und Frankfurt a. M. gemacht hatte. Vor ihrer Abreise hat sie an den deutschen Staatssekrtär des Innern, welcher sie bei ihrer Ankunft persönlich empfangen hatte, ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihrem lebhaften Dank für das Entgegenkommen ausspricht, das ihr durch die Behörden, die Arbeitgeber und ine Arbeiter zuteil geworden ist

Die englischen Frauenrechtlerinnen riefen in einer Versammlung, in welcher der Minister Lloyb George als Redner auftrat, arge Skandalszenen hervor. Kaum hatte der Minister einige Sätze gesprochen, als ein Höllenskandal losbrach. Eine Frau nach der anderen unterbrach den Minister und wurde von den Portiers unter lautem Geschrei und nach heftiger Gegenwehr hinausgerragen. Die Frauen enthüllten Banner mit Aufschriften wie:Stürmt das Kabinett!" und der­gleichen. Viele Damen warfen ihre Uebermäntel ab und zeigten sich in Gefängniskleidung. Einige schloffen sich mit Ketten an die Bänke. Andere zogen Peitschen hervor und hieben auf die Portiers ein. Lloyd George machte angestrengte Versuche, zu Worte zu kommen. Eine Zeitlang gab er sie mit dem Bemerken auf, es sei nutzlos gegen Verrücktheit und Hysterie zu kämpfen, worauf er auf seinen Sitz zurrückkehrte. Schließlich gelang es ihm, feine Rede fortzusetzen.

Die nationalistische Reformbewegung in Aegyp- ten hat einen neuen Erfolg zu verzeichnen. Wie einem Londoner Blatt aus Kairo gemeldet wird, wohnte das gesamte Kabinett der Sitzung des Gesetzgebenden Körpers bei, in welcher der Ministerpräsident Butros Pascha an- kündigte, die Regierung beabsichtige künftighin an den Sitzungen teilzunehmen und sich an den Beratungen über Vorlagen, die dem Gesetzgebenden Körper unter­breitet werden würden, zu beteiligen.

Wie aus Rom genieldet wird, ist in der neuen italienischen Milliärvorlage folgendes vorgesehen: Die Umwandlung der Feldartillerie, die Anlage von Be- festigungswerkcn an der österreichischen Grenze, die Ein­richtung von Garnisonen in den Haupt-Alpenpässen, die Ausbildung eines neuen Gebirgsartillerieregiments. Es soll auch eine entsprechende -Marinevorlage ein= gebracht werden.

Aus Calkutta (Indien) wird gemeldet, daß sich in dem sechs Meilen nordöstlich dieser Stadt bei Dum­dum gelegenen Munitionslager eine furchtbare Explo­sion ereignete, 11 Soldaten sind getötet und 26 verletzt. Sämtliche Opfer sind Jndier.

In Verdun ist in der Kaserne des 40. Artillerie- Regiments ein Mann innerhalb weniger Stunden an Genickstarre gestorben. Vier andere Soldaten wurden unter verdächtigen Krankheitssymptomen in das Lazaret gebracht.

Die Cholera in Petersburg nimmt wieder zu. In vergangener Woche sind täglich über 20 Erkrank­ungen vorgekommen. Am 7. Dezember sind 33 Per­sonen an Cholera erkrankt und acht Personen gestor­ben. Der Krankenstand umfaßt 243 Personen.

In Bosnien wurden zur Verstärkung des 15. österreichischen Armeekorps eine Division und zwei Ge- birgsbrigaden neu ausgestellt.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern 11. Dezember 1908.

* Nach Ansicht Bruno Bürgels, eines Nachfolgers von Rudolf Falb, gestaltet sich die erste Dezemberwoche trübe, naßkalt, vom 7. ab soll es sich dann aufhellen und bis zum 20. schön, klar und kalt bleiben, während der Schluß des Monats windig, trübe und schneereiche Tage bringt, in denen Frost und Tauwetter miteinander abweseln. Während Bürgel den 7. für einen kritischen Tag von mittlerer Stärke erklärt, hält er den 23. für einen kritischen Tag von höherer Bedeutung, der noch durch eine Sonnenfinsternis verstärkt wird.

* Der Magistrat der Stadt Schlüchtern hat in einer vom Landratsamt befürworteten Eingabe an den Herrn Regierungspräsidenten die Abhaltung je eines Viehmarktes im Vorsommer und im Herbst, an Stelle der bisherigen 16, beantragt. Die Landwirtschafts­kammer begutachtete auf dahingehendes Ersuchen, daß gegen die Wünsche des Magistrats der Stadt Schlüchtern nichts einzuwenden sei.

* Das kauflustige Publikum machen wir daraus aufmerksam, daß an den kommenden beiden Sonntagen die Läden bis 8 Uhr abends geöffnet sind. Mögen der silberne und goldene Sonntag unseren Geschäfts­leuten für den spärlichen Ausfall des verflossenen kupfernen" reichen Ersatz bieten.

* Cvm. Der Weihnachtsurlaub der Soldaten soll dies Jahr im allgemeinen in der Zeit vom 22. bis 28. Dezember genehmigt werden. Auch dies Jahr sind große Vorkehrungen für den geordneten Verlauf der Eisenbahnbeförderung getroffen worden. Auf den

Hauptstrecken sind «sonderzüge für Weihuachtsurlauber eingelegt. Die Benutzung dieser Züge ist den beur­laubten Unteroffizieren und Mannschaften vorgeschrieben. Die Berechtigung mit Schnell- und Eilzügen zu fahren darf Unteroffizieren und Mannschaften in der Zeit vom 21. bis 31. Dezember nur ausnahmsweise von ihren Truppenteilen gestattet werden. Die Fahrkarten zu den Sonderzügen können von den Regimentern schon vier Tage vor deren Abgang gelöst werden.

* Der stellvertretende Handelsrichter Kaufmann Heinrich Ott in Hanau ist fernerweit zum stellvertreten­den Handelsrichter und der Kaufmann und Lotterie- einnehmer Wilhelm Schröter in Hanau zum stellver­tretenden Handelsrichter für die Zeit vom 1. Januar 1909 bis dahin 1912 bei dem Landgericht in Hanau ernannt worden.

* Wohl selten dürste es vorkommen, daß im Dezember die Landwirte noch in solcher Zahl wie heuer ihre Feldarbeiten besorgen. Ueberall sieht man fleißige Leute beschäftigt, die ihre Aecker. düngen, umflüge'n, stürzen, eggen. Auch in den Gärten wird jetzt das Versäumte nachgeholt, man gräbt, pflanzt Bäume und Sträucher. Im Oktober und November war es infolge der herrschenden Trockenheit und des darauffolgenden Frostes nicht möglich, die Herbstbestellung von Feld und Garten zu beenden. Das jetzige milde und feuchte Wetter ist für Landwirte, Gärtner und Obstzüchter von gleichem Nutzen.

* Da die Einrichtung des neuen Post-Schecks alle Schichten des Publikums, sei es die großen Handels­und Industrie-Firmen, sei es die kleineren Geschäftsleute Handwerker und Landwirte angeht und für alle Kreise von hervorragender Wichtigkeit ist, verfehlen wir nicht auf die soeben in R. V. Decker's Verlag, Berlin, er­schienenen offiziellen Publikationen hinzuweisen. Es sind dies: 1. die Post-Scheck-Ordnung mit Ausführungs­bestimmungen, der als Anlagen Muster von Zahlkarten, Ueberweisungen und Schecks beigefügt sind. Preis broschiert 20 Pf., dauerhaft gebunden 65 Pfg. 2. die Post-Scheck-Ordnung und die Dienstanweisung für die Postanstalten über den Post-Ueberweisungs- und Scheck­verkehr, in der sich auch der Abdruck eines Formulars zum Antrag auf Eröffnung eines Postscheckkontos be­findet. Preis dauerhaft gebunden 1 Mk.

* Büdinge». Was schon vor einiger Zeit vermutet wurde, scheint jetzt doch wahr zu werden, daß nämlich die hiesige Gasfabrik eingeht. Sämtlichen Meistern wurde gekündigt und es wird befürchtet, daß der Betrieb Weihnachten vollständig aufhört.

* Am Samstag Abend wurde Herrn Gastwirt Reuther in Meerholz aus seinem Schranke ein neuer Anzug nebst 6 Stränge Strickgarn gestohlen. Der Dieb wurde erwischt, als er in Gelnhausen ein Billet nachlösen wollte. Den Anzug hatte er noch, das Garn hatte er in Hailer verkauft. Der Täter war ein Mann, der in der Reutherschen Wirtschaft über­nachtet hatte und aus Schwarzenfels bei Schlüchtern stammt.

* Hanau. Straskammersitzung vom 7. Dezember. Am Abend des 19. Juni d. Js. verspürten einige Kresfenbacher Burschen auf dem Heimwege vom Wirts­haus Lust zu einem Ringkampfe. Der Taglöhner Kreß und der Maurer Heinrich Ziegler erklärten sich zu der Schaustellung bereit, woraus die Ringerei be­gann. Der erste Gang verlief harmlos, aber im zweiten Gang erhitzten sich die Kämpfer so, daß der Wettkampf in eine ernste Rauferei ausartete und die Ringenden durch die anderen Burschen auseinander gerissen werden mußten. Ziegler rief nun, er fürchte sich vor keinem, auch vor Kreß nicht, und packte diesen von neuem. Der schwächere Kreß konnte sich schließ­lich, zumal ihm sein Gegner derart die Kehle zuschnürte, daß er die bereits sich entfernenden Burschen nicht zur Hilfe rufen konnte, nicht mehr anders wehren, als daß er zum Taschenmesser griff und dem Ziegler zwei jedoch ungefährliche Stiche versetzte. Kreß hat als bleibendes unangenehmes Andenken einen Leistenbruch davongetragen, der nach dem ärztlichen Gutachten ohne Zweifel, wenn auch eine Anlage dazu schon vorhanden gewesen sein mag, auf die Mißhandlung durch den Ziegler zurückgeführt werden muß. Das Schöffenge­richt hatte diesen zu 1 Monat Gefängnis verurteilt, seine Berufung ist ohne Erfolg. Der Kreß wurde, weil er in Notwehr handelte, als er zum Messer griff, freigesprochen.

* Hanau. Der auf dem hiesigen Ostbahnhof be­schäftigte 24 Jahre alte Güterbodenarbeiter Reissert, wohnhaft in Großwelzheim, wurde im Güterbahnhof verhaftet. Er soll einen 19jährigen Burschen Namens Karl Linck aus Großwelzheim dermaßen geschlagen haben, so daß dieser im Krankenhaus seinen Verletz­ungen erlag. *

* Frankfurt a. M. Der Kassierer der Frankfurter Bank, der am 15. August auf einen gefälschten Chek 58000 Mark bei seiner Firma erhoben hatte und flüchtig geworden war, ist in Trieft verhaftet worden. Den Tod im Friedhof gesucht hat der Sohn des vor kurzem verstorbenen Schreinermeisters Himmighofen. Der junge Mann der zur Zeit bei dem hiesigen Be­zirkskommando als Musketier diente, hat sich auf dem Grabe seines Vaters erschossen.

* CvM. Wiesbaden. Eine Resolution der Ober« Postschaffner zur Besoldungsvorlage. Die Oberpost- schaffner-Vereinigung erklärt die für die Unterbeamten vorgesehenen Gehalts und Wohnungsgeldsätze für völlig unzulänglich. Der Reichstag wird ersucht für diese Beamtenkategorie 15002200 Mk. Gehalt anzustreben, ferner einen Wohnungsgeldzuschuß wie für die mittleren Beamten, mindestens aber kein geringeres als den ledigen weiblichen Beamtinnen gewährte. Ferner soll das Besoldungsdienstalter der Oberpostschaffnerklasse einheitlich gestaltet und Schädigungen vermieden werden. Außerdem soll Wiesbaden in Klasse A ausgenommen werden.

* CvM. Tauberbischofsheim. Bei dim reichen Obst- segen im letzten Spätjahr konnte nicht alles abgesetzt werden. Der Obstbauverein Main« und Taubergau setzt noch größere Quantitäten feines Tafelobst zum Preise von nur 7-9 Mk. pro Zentner zum Verkauf aus. Der Vorstand genannten Vereins, Herr Stadtrat Schauder in Tauberbischofsheim, ist gern bereit, den Ankauf und Verkauf zu vermitteln.

* CvM. Wetzlar. Wetzlarer Stadtverordnete sind öffentlich für die Loslösung des Kreises Wetzlar von der Rheinprovinz eingetreten und streben eine Angliede- rung an die Provinz Hessen-Nassau an, als das für die StadtWetzlarnatürliche wirtschaftlicheJnteressengebiet.

* In Langenbieber wurde in den Dienstraum des Bahnhofsgebäude eingebrochen, sowie in Bieberstein und Wiesen. In Langenbieber erbeuteten die Diebe nichts, m Bieberstein fielen ihnen 3,60 Mark bares Geld, ein Fahrrad, Zigarren und Zuckerwareu, in Wiesen 85 Pf. in die Hände. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.

* Ober-Ohmen. Zwei hiesige Lehrer sind seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Die verschiedensten Ge­rüchte über den Grund des Verschwindens sind im Umlauf, aber bis jetzt unkontrollierbar. Es war be­reits der Staatsanwalt aus Gießen hier und hat Ver« nehmungen vorgenommen. Es war bisher auch nicht möglich, den derzeitigen Aufenthaltsort der verschwundenen Lehrer Heravszubekommen.

* In die Räume des Grundbuchamtes beim Amts« gericht in Fulda wurde ein Einbruch ausgeführt. Die Diebe gelangten durch ein Fenster, welches sie erbrachen vom Hofe aus in die Räume, woselbst sie alle Schränke und Schubladen öffneten. Der Kasfenschrank, der einen größeren Geldbetrag enthielt, blieb unberührt, ebe.ffo die hinterlegten Sparkassenbücher. Den Dieben fiel somit nichts in die Hände. Ferner wurden noch Einbrüche verübt bei dem GastwirtLück, K-ronhafstrAßt- und bei dem Bäckermeister Jller am Horaserweg!^

*_ CvM. Cassel. Falsche sächsische Ein- und Zwei­markstücke. die das Bild des Königs von Sachsen I und die Jahreszahl 1904 tragen, sind in Cassel und | Umgebung in größerer Anzahl angehalten worden. Sie ! haben einen blechernen Klang und fühlen sich fettig an.

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Eingesandt..

Unser seitheriger Herr Bürgermeister Nöll ist wieder A einstimmig von der Gemeindevertretung gewählt worden, dies ist ein Zeichen, daß zwischen der Gemeindever­tretung und dem Herrn Bürgermeister ein gutes Ein­vernehmen besteht. Da Herr Nöll schon so vieles für die Gemeinde getan und so manche Neueinrichtung geschaffen hat, so wünschen wir, daß es auch seinem Vorhaben noch gelingen wird, vorerst uns eine schöne zweiklassische Schule, eine Wasserleitung, sowie noch U ein schönes, geschmackvolles Gotteshaus erbauen helfe» f wird.

Mehrere Ortsbürger der Gemeinde Herolz.

Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern. Evangelische Gemeinde: Sonntag den 13. Dezember 1908.

Vormittags 10 Uhr: Herr Superintendent Orth. Abends 7 Uhr: Herr Pfarrer Rollmann. Wocheudienst Herr Superintendent Orth.

Katholische Gemeinde Gottesdienst: lOUhr: Herr Kaplan Roßbach-Sannerz-